15.08.2005

Die dümmsten Kälber

Auszüge aus einer Rede Edmund Stoibers am 5. August im niederbayerischen Deggendorf

Ich sage Ihnen auch ganz deutlich, die Wahlen vor drei Jahren, die die CDU/CSU verloren haben, die ich als Kanzlerkandidat mit 6000 Stimmen in Deutschland verloren habe, die ist verloren worden in den neuen Ländern. Hätte es noch die alte Bundesrepublik Deutschland gegeben, Gott sei Dank haben wir die Wiedervereinigung, aber meine Damen und meine Herren, wäre es nur auf die alten elf Länder angekommen, dann wäre Schröder abgewählt worden ...

Das ist kein sentimentaler Blick nach hinten, sondern ich blicke nach vorne: Noch einmal, noch einmal darf uns das nicht passieren. Und ich sage Ihnen ganz deutlich, wenn die Bayern gewusst hätten, es kommt auf 6000 Stimmen an, dann hätten wir die auch noch in Bayern gebracht ...

Und ich habe die Leute in Jena und in Eisenach gefragt: Da kamen einige aus der Montagsdemonstration, Hartz IV, versuchten also, die Veranstaltung zu stören, was ihnen natürlich nicht gelungen ist. Und da habe ich gesagt: Seid ihr euch bewusst: Ihr habt hier Plakate mit Lafontaine ... Und der Mann, der im Grunde genommen gegen die Wiedervereinigung war, der verhindern wollte, dass die Ostdeutschen in die sozialen Sicherungssysteme, in die Rentenversicherung mit einbezogen werden, den feiert ihr jetzt als Helden? Ja seid ihr denn verrückt geworden? Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber! (Bravorufe, Gelächter -Red.) Meine Damen und Herren, weil ich aber nur auf die eigene Kraft vertraue, sage ich Ihnen: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob alle das auf dem Marktplatz richtig verstanden haben. (Gelächter -Red.) In Bayern mit Sicherheit ...

Es geht mir nicht alleine um das gute Wahlergebnis in Bayern. Sondern es geht mir auch darum, dass die Bayern in großer Anzahl zur Wahl gehen. Wir müssen all diejenigen, damit wir manche Probleme des Ostens lösen und nicht mehr in die Situation kommen, dass die wiederum über den Kanzler entscheiden, wir müssen all diejenigen erreichen, für die es in Betracht kommt, auch unter Bauchgrimmen CSU zu wählen.

Wir müssen unser Potential optimal ausschöpfen. Und wenn wir das tun, meine Damen und meine Herren, dann geht an Bayern und an der CSU nichts vorbei."


DER SPIEGEL 33/2005
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