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Der Bernsteinfischer

Donnerstag, 20.15 Uhr, ARD

Hiddensee, die Ostseeinsel westlich vor Rügen, war nicht nur sommerliches Refugium realer historischer Berühmtheiten wie des Dichters Gerhard Hauptmann und der Ausdruckstänzerin Gret Palucca. Das Eiland mit Pferdekarren, Dünen und Leuchtturm taugt offenbar auch als Schauplatz für eine leicht ergraute Story, wie sie hier von Barbara Engelke zu einem Movie verarbeitet wurde. Auf Film-Hiddensee haust ein geheimnisvoller Herr (Heiner Lauterbach), dem eine aufgeweckte Journalistin (Sonsee Neu) sein Lohengrin-Geheimnis entlockt: Nicht ein Schwan zog ihn an die Gestade der Insel, sondern der Überdruss an seinem Beruf als Kriegsfotograf. Medien enthüllen - mit Hilfe eines übereifrigen Chefredakteurs - in diesem Film ihre eigenen Geheimnisse. Aber keine Angst: Lauterbach und vor allem Neu spielen ansehnlich, die kluge Regie (Olaf Kreinsen) lässt ihnen genug Raum.

Suche Mann für meine Frau

Freitag, 20.15 Uhr, ARD

Christoph (Heikko Deutschmann) schreibt Ratgeber, aber die Ehefrau (Aglaia Szyszkowitz) macht er ratlos: Seine hypochondrischen Zustände nerven sie, vor seiner handwerklichen Geschicklichkeit im Haushalt schaudert es ihr. Als dieses unfehlbare Fehlergenie durch eine Röntgenbildverwechslung glaubt, nicht mehr lange zu leben, wird Christoph vollends vom Wahn ergriffen, die gutmütige Ehefrau rotiert. Schwungvoll und witzig (Buch: Mathias Klaschka mit Regisseur Stefan Lukschy) startet der Held in den Wahnsinn, aber dann wird die Geschichte immer zäher - und der Witz selten.

Tatort: Erfroren

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Die Eiskunstlauferei ist - wir TV-Rittberger meinen, es schon lange zu wissen - eine Brutstätte für mütterlichen Ehrgeiz, Jungmädchenzerstörung und gnadenlosen Konkurrenzkampf. Nichts von diesen Vorurteilen (Buch: Stephan Brüggenthies, Patrick Gurris; Regie: Züli Aladag) lässt dieser WDR-Tatort mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär aus und ist dennoch ein herausragender Film. Das liegt an seinen eisig-blauen, vor Einsamkeit erfroren wirkenden Bildern (Kamera: Wojciech Szepel). Die Handlung ist eingängig, die Psychologie verständlich und das Tempo der Enthüllung der schrecklichen Geheimnisse angemessen - so schön kann eine böse Tat aussehen.

Die Enkel der Gelatieri

Sonntag, 22.50 Uhr, Arte

Den Deutschen mag ihr Sommer zu kurz sein - für die italienischen Eisverkäufer, die Gelatieri, bedeutet er harte Arbeit. Sieben Tage die Woche zwölf Stunden pro Tag arbeiten, um im Winter vier Monate lang frei zu haben, ist Tradition, seit die ersten Gelatieri Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihren Eiskarren über die Alpen zogen. 50 Jahre nach dem deutsch-italienischen Vertrag über die Anwerbung von Arbeitskräften dokumentiert Monika Siegfried-Hagenow Lust und Frust dreier Sprösslinge der dritten und vierten Eisverkäufer-Generation. Gern besuchen sie das Mekka aller echten Eiskonditoren: das malerisch verschneite Zoldotal in den Dolomiten. Und wenn die Heimatgefühle erst in Wallung geraten sind, hat kaum noch einer Lust, ein Leben lang über Schokolade und Vanille zu walten. Denn das bedeutet meist Familientrennung, ein Leben als Kulturzwitter und Verzicht auf ein Studium.


DER SPIEGEL 33/2005
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