Alexander Jakowlew , 81, Architekt der sowjetischen Perestroika und einstiger Weggefährte Michail Gorbatschows, wurde vergangene Woche mit einem harschen Vorwurf geschmäht. Nicht nur das ZDF ("heute"), auch das "Hamburger Abendblatt" und die "Frankfurter Rundschau" hatten dem Historiker unterstellt, etwa eine Million Dollar Schmiergelder von internationalen Firmen eingestrichen zu haben - als Chefeinkäufer der Uno. Das "frühere Politbüromitglied kassierte als Uno-Beauftragter ab", empörten sich die Frankfurter, der Russe sei "geständig", freute sich das "Abendblatt" - und sie alle stellten ein Foto des Gorbatschow-Vertrauten dazu. Übersehen hatten sie nur, dass es bei dem "Öl für Lebensmittel"-Skandal in New York um einen Uno-Beamten geht, der zwar denselben Namen trägt, jedoch fast 30 Jahre jünger ist. Eine "Beleidigung" sei das, beklagte sich der weltweit geachtete Jakowlew gegenüber dem SPIEGEL; weil er um seinen Ruf in Deutschland fürchtet, will er Anwälte mit rechtlichen Schritten beauftragen. Den Medien war entgangen, dass man den Moskauer Reformer in Berlin außerordentlich schätzt: Bundespräsident Horst Köhler hatte ihm im Juni das "Große Verdienstkreuz mit Stern" aushändigen lassen - für "Verdienste gegenüber Deutschland".
DER SPIEGEL 33/2005
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