15.09.1975

GESTORBENIwan Michailowitsch Maiski

Iwan Michailowitsch Maiski, 91. Der Berufsdiplomat und Alt-Menschewik schloß sich Lenins siegreichen Bolschewiken erst 1921 an, drei Jahre nach seiner Rückkehr aus dem Exil. 1932 ging er als Botschafter nach London. Elf Jahre blieb Maiski (Photo r., 1941 mit Winston Churchill) auf diesem Posten, und in seine Amtszeit fielen die Verhandlungen für das britisch-sowjetische Bündnis gegen Hitler nach dem deutschen Überfall auf Rußland. 1943, zwei Jahre nachdem ihn Stalin zum Kandidaten für das Zentralkomitee der KPdSU gemacht hatte, wurde Maiski nach Moskau zurückbeordert und stieg zum stellvertretenden Außenminister auf. Nach dem Beginn des Kalten Krieges sank der Stern Maiskis: Der Senior der Sowjet-Diplomatie wurde 1946 aus dem Ministeramt entlassen, ein Jahr später schloß man ihn auch aus dem ZK aus. Maiski, der schon früher historische Schriften -- auch über Deutschland -- verfaßt hatte, verlegte sich ganz auf die Schriftstellerei. In seinen Memoiren "Erinnerungen eines Sowjet-Diplomaten" (1964) berichtete er als erster über Stalins Ratlosigkeit zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Maiski starb am vorletzten Mittwoch in Moskau.
Adolf ("Adsch") Werner, 88. "Zuweilen schien es, als ob ein Stück England in ihm sei", urteilte die britische Presse 1909 über die Taten eines der ersten deutschen Nationaltorhüter. Gerade hatte Fußball-Lehrmeister England die Deutschen 9:0 geschlagen; Werner aber wurde hüben wie drüben als "Held von Oxford" gefeiert, hatte er doch derart gekonnt gefangen und gefaustet, daß englische Klubs dem deutschen Amateur einen Profi-Vertrag geben wollten. Der Keeper aber spielte für das Reich weiterhin nur "für die Ehre und ein gutes Abendbrot"
Geld gab"s keins für fußballerische Arbeit, und selbst die Anfahrt zu den Spielen mußte verauslagt werden. 13 Länderspiele bestritt der Kieler Schornsteinfegermeister fürs kaiserliche Vaterland, einmal (1912) wurde er mit Holstein Kiel Deutscher Meister. Im gleichen Jahr beendete ein gegnerischer Tritt in den Unterleib die internationale Karriere des Nationaltorhüters. Am vorletzten Sonnabend starb Adolf Werner in Kiel an Herzversagen.

DER SPIEGEL 38/1975
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