02.06.1975

BERUFLICHESEberhard Machens

Eberhard Machens, 45, seit März 1972 mit vollen Bezügen (rund 6000 Mark) beurlaubter Präsident der hannoverschen Bundesanstalt für Geo-Wissenschaften und Rohstoffe (früher: Bundesanstalt für Bodenforschung), wird als Sonderbeauftragter für Rohstoff-Lagerstätten-Forschung in Entwicklungsländern zur OECD nach Paris gehen. Machens, Ex-Schwager des ehemaligen Wirtschaftsministers Karl Schiller und von diesem auf den Präsidentensessel gehievt. hatte sich nach nur elf Tagen Amtszeit wieder beurlauben lassen, weil ihm die meisten seiner neuen Mitarbeiter die Zusammenarbeit verweigert hatten. Dauerurlauber Machens hatte schließlich im Dezember vergangenen Jahres beim Verwaltungsgericht Hannover den Bund auf "Zuweisung eines funktionellen Amtes" verklagt. Noch bevor die Klage entschieden wurde, fand sich das OECD-Amt für Machens.
Dorothee Sölle, 45, evangelische Theologin, Germanistin und Schriftstellerin ("Atheistisch an Gott glauben"), übernimmt ab 1. September den Lehrstuhl für Systematische Theologie am liberalen New Yorker Union Theological Seminary, einer der drei führenden theologischen Ausbildungsstätten in den USA. Am selben Seminar lehrte bis 1955 der deutsche Theologe Paul Tillich "Philosophische Theologie", dort hatte 1930/31 Dietrich Bonhoeffer studiert -- beide zählen neben Karl Barth und Rudolf Bultmann zu den großen evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Dorothee Sölle, derzeit noch außerplanmäßige Professorin für Literaturwissenschaft an der Uni Köln sowie Lehrbeauftragte für "Theologie und Literatur" an der Uni Mainz. gründete 1968 zusammen mit dem Maria Laacher Benediktiner-Pater Edmund Fulbert Steffens ky" den sie 1969 in zweiter Ehe heiratete, das Kölner "Politische Nachtgebet", eine Art Gottesdienst mit sozialen und politischen Analysen. Frau Sölles Thesen und Ta ten brachten ihr permanenten Ärger mit kirchlichen Amtsträgern und konservativen Theologen. die sie "in diesem Land nichts werden" ließen. Unter Amerikas Christen vermutet die vierfache Mutter "eine weit experimentellere Haltung".
Gustav Musik, 62, Chef der tschechoslowakischen KP. wurde am Donnerstag voriger Woche von beiden Kammern der Bundesversammlung als erster Slowake einstimmig zum neuen Staatspräsidenten der CSSR gewählt. Er verwaltet nun die beiden höchsten Ämter im Zwei-Völker-Staat in Personalunion -- wie einst der Stalinist Novotny, den die Prager Reformer 1968 gestürzt hatten. Husák ein ehrgeiziger Jurist mit bourgeoisen Allüren, war als Freund und Mitkämpfer des wegen "nationalistischer Abweichung" hingerichteten ehemaligen Außenministers Clementis Anfang der fünfziger Jahre zu lebenslänglichem Kerker verurteilt worden. Erst 1960 wurde er begnadigt. drei Jahre später rehabilitiert. Nach der Okkupation der CSSR durch die Bruderstaaten im August 1968 war Husák als erster unter den Prager Reformern bereit, eine Kurs-Korrektur im Sinne Moskaus zu verfügen. Die Kremlführung honorierte den slowakischen Kollaborateur im Frühjahr 1969 mit dem Amt des Parteichefs. Sein Einzug in die Prager Burg -- wo er den seit einem Jahr schwerkranken, amtsunfähigen Staatschef General Svoboda ablöst -- gilt als Zeichen, daß Moskau nach wie vor auf die vergleichsweise geschmeidige Säuberungspolitik des Slowaken setzt.

DER SPIEGEL 23/1975
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Eberhard Machens

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