19.05.1975

RÜCKSPIEGEL

Der SPIEGEL berichtete ...

"... in Nr. 17/1975" PROZESSE -- NERVEN VERLOREN über die Mord-Anklage gegen zwei Mannheimer Gefängnis-Aufseher, die den Untersuchungshäftling Hans Peter Vast am 27. Dezember 1973 zu Tode geschunden haben.

Vergangenen Montag verurteilte das Mannheimer Schwurgericht die Vollzugsbeamten Walter Deis und Jürgen Otto -- entsprechend dem Antrag des Staatsanwalts -- zu je 15 Jahren Freiheitsstrafe. Vor allem gestützt auf das Geständnis des Oberverwalters Oswald Meisch, der sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen hat, wertete das Gericht die Tat als gefährliche Körperverletzung (Zusammenschlagen Vasts bis zur Bewußtlosigkeit) und Mord durch unterlassene Hilfeleistung. "Der tote Häftling, der nichts mehr sagen konnte", sei -- so das Gericht -- für das Prügel-Trio "ganz offenkundig die beste Lösung" gewesen. Im Prozeß wurde immer wieder angeprangert, daß die ersten Ermittlungen eingestellt worden waren, obwohl die "Gerichtsmediziner den gewaltsamen Tod Vasts festgestellt hatten und der Täterkreis exakt begrenzt war. Dagegen kritisierten die Verteidiger, die Revision beim Bundesgerichtshof ankündigten, die Vernehmungsmethoden der "unter Druck von außen und Erfolgszwang stehenden Sonderkommission

... in Nr. 20/1975 KAMBODSCHA -- BLUT GETAUSCHT über die Aussage des ehemaligen Chefchirurgen des Hospitals "Calmette" in PnomPenh, Bernard Piquart, der angeblich die Hinrichtung der beiden kambodschanischen Ex-Premiers Long Boret und Sirik Matak durch die Roten Khmer nach der Eroberung der Hauptstadt miterlebt hatte.

Chefarzt Piquart hatte von den Exekutionen neben anderen Kriegsgreueln in einem Fernsehinterview des französischen Magazins "Satellite" in Bangkok am Tage seiner Ausweisung aus Kambodscha berichtet. Von einem Korrespondenten des französischen Nachrichtendienstes AFP, der wie Piquart die Machtübernahme in PnomPenh vor Ort erlebte, erneut befragt, mußte der Arzt zugeben: er habe "wohl zuviel gesprochen" und "das alles nie selbst gesehen". Die von ihm mitgeteilten Einzelheiten würden aus Erzählungen anderer stammen. Über das wirkliche Schicksal der beiden Politiker, die sich den Roten Khmer ergaben, ist bisher nichts bekannt.


DER SPIEGEL 21/1975
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