SPIEGEL: Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast möchte die Hühnerhaltung im Freiland vorübergehend verbieten. Zugvögel aus Osteuropa könnten sonst das Virus auf das Hausgeflügel übertragen. Ist diese Maßnahme nötig?
Kaleta: Ja. Gehege im Freien sind sehr begehrte Anflugziele für Wildvögel. Es gibt Futter, oft auch Wasser, was besonders wichtig für durstige Zugvögel ist. Der Erreger verbreitet sich dann über deren Kot, in dem die Hühner scharren. Auch für andere Infektionen steigt bei der Freilandhaltung das Risiko, auf kleinen wie auf großen Höfen. Die Halter wissen das und steuern dagegen an. In normalen Zeiten ist das deshalb beherrschbar.
SPIEGEL: Ist es möglich, Hühner draußen zu halten und dennoch vor Wildvögeln abzuschirmen, etwa mit Überdachungen?
Kaleta: Nur ganz schwer. Wir haben es mit lichtdurchlässigen Dächern probiert und mit Maschendraht an den Seiten. Die Wildvögel sehen Futter und Wasser, und schon sind sie da. Sie setzen sich dann eben neben das Gehege und suchen einen Durchschlupf. Irgendwann weht der Wind ihren virushaltigen Kot hinein. Wenn Sie ein Freilandgehege umrüsten, bis es seuchensicher ist, haben Sie am Ende wieder einen Stall.
SPIEGEL: Heißt das, man sollte die Freilandhaltung ganz unterbinden?
Kaleta: Solange eine Seuche droht: ja.
SPIEGEL: Haben die Halter überhaupt genügend Stallplätze für die Tiere?
Kaleta: Nicht alle. Das ist in der Tat ein großes Problem.
DER SPIEGEL 34/2005
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