27.01.1975

BERUFLICHES

Oskar Fischer

Oskar Fischer, 51, "erlernte", so das SED-Zentralblatt "Neues Deutschland", den "Beruf eines Schneiders" und "besitzt Hochschulbildung". Seit Montag vergangener Woche ist er DDR-Außenminister. Seinen langjährigen Chef, den Moskau-Emigranten und Ulbricht-Vertrauten Otto Winzer, entließ der Ministerrat 72jährig in den Ruhestand. Fischer saß bereits 1949. mit 26 Jahren und zusätzlichen Schulungserfahrungen aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft, im Zentralrat des DDR-Jugendverbandes und arbeitete dem damaligen FDJ-Vormann Erich Honecker zu. Der beförderte ihn bald zum "Auslandskader" und delegierte ihn zum kommunistischen Weltbund der Demokratischen Jugend. Nach vier Jahren Botschafter-Tätigkeit in Bulgarien galt Fischer als Experte für die europäischen Volksdemokratien, als er 1959 im Ost-Berliner Außenministerium ein Büro bezog. Zu nächst Abteilungsleiter, avancierte Fischer 1965 zu einem der Winzer-Stellvertreter, 1971 verbesserte er seine Position nochmals, als ihn der inzwischen zum SED-Chef aufgerückte Honecker ohne Kandidatenzeit ins Zentralkomitee holte. Nachdem sein schärfster Konkurrent Peter Florin, dem lange Zeit die Winzer-Nachfolge zugedacht schien, im Herbst 1973 auf den Botschafter-Posten bei der Uno abrückte, durfte Oskar Fischer als. "ständiger" Minister-Vertreter firmieren. Die Pensionierung des Partei-Veteranen Winzer und Fischers -- auch privat -- gutes Verhältnis zu Honecker gelten in Ost-Berlin allgemein als Anzeichen dafür, daß der SED-Chef jetzt darangeht. das bei der Ablösung Ulbrichts noch aufgeschobene Revirement im Partei-- und Staatsapparat bis zum IX. SED-Parteitag im nächsten Jahr durchzusetzen oder wenigstens vorzubereiten.

Rainer Offergeld, 37, SPD-Abgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Finanzausschusses im Bundestag, wurde von Bundesfinanzminister Apel zum neuen Parlamentarischen Staatssekretär für Steuerfragen berufen. Offergeld kehrt in ein Amt zurück, das er 1972 unter dem damaligen Wirtschafts- und Finanzminister Schiller schon einmal innehatte. Auf Vorschlag Schillers ersetzte der Jurist Offergeld im März 1972 den parteilosen Heinz Haller im Superministerium; nach den Wahlen vom 19. November 1972 wurde er von Schiller-Nachfolger Schmidt allerdings nicht wieder berufen. Jetzt übernimmt Offergeld die Nachfolge des zum neuen Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion bestellten Konrad Porzner. mit dem zusammen er seit 1969 das Steuerexperten-Gespann der SPD gebildet hatte.

Ngeno-Zacharias Nakamhela, 29 (Photo), seit Anfang des Jahres erster schwarz-afrikanischer Pastor in Deutschland, will während seiner seelsorgerischen Tätigkeit in der reformierten Kirchengemeinde Detmold-Ost (Nordrhein-Westfalen) "nicht nur das Evangelium predigen, sondern auch über Unterdrückung und Ausbeutung in meiner Heimat Namibia aufklären". Nakamhela wurde auf Anregung des Missionsbeauftragten der Lippischen Landeskirche, Pfarrer Heiko von Houwald ("Wenn das Experiment glückt. stehen wir am Anfang einer neuen Menschheit"), für zwei Jahre nach Detmold geholt, nachdem er zuvor in einem Speziallehrgang in Amsterdam auf die -- "Erwartungen und Bedürfnisse" seiner Gemeinde vorbereitet worden war.


DER SPIEGEL 5/1975
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