23.09.1974

Ich treibe dich aus, unreiner Geist!

Seit vergangenem Freitag läuft in vierzig deutschen Großstädten Amerikas meistdiskutierter Film "Der Exorzist" -- der "Terrorfilm des Jahrhunderts" ("Daily Express"). Das aufwendige Spektakel, in dem ein zwölfjähriges Mädchen vom Satan besessen wird, nannten deutsche Marienschwestern "eine teuflische Verführung".

Frierend und durchnäßt standen New Yorker im Dezember vergangenen Jahres mehr als vier Stunden in langen Schlangen vor vier Kinos: Sie zündeten kleine Feuer an, um sich zu wärmen, prügelten sich und drohten die Kassen zu stürmen.

In Beverly Hills, in Kalifornien, fühlten sich Anrainer in ihrem Morgenschlaf behelligt: so früh nämlich begannen sich die Warteschlangen für die Abend-Vorstellung zu formieren.

In Boston, wo täglich 5000 Wartende zum gleichen Film wollten, knüppelte die Polizei immer wieder Vordrängelnde nieder, und in Los Angeles durften vor dem Kino keine Autos mehr auf der Straße parken, damit die Ambulanzen freie Zufahrt hatten.

So ungeahnt zügellose Kino-Begeisterung entfesselte der " Exorzist', Hollywoods bislang spektakulärste Attacke auf Nerven und Gefühle seiner Zuschauer.

"Es war wie ein Aufruhr", meinte Ralph Bailey, einer der sechs Sicherheitsbeamten vor einem New Yorker Kino, nachdem der Manager und mehrere seiner Angestellten von hysterischen Eintrittskartenbesitzern mit Messern verletzt worden waren, weil sie eine Vorstellung wegen der Tumulte vor dem Kino ausfallen lassen Wollten.

"Ich bin seit 47 Jahren im Geschäft, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt" -- so schilderte Harry Francis, Geschäftsführer eines Kinos in Los Angeles, die Szenen, die sich während des "Exorzisten" im Kino abspielten: Ei berichtete, daß während jeder Vorstellung drei bis vier Zuschauer in Ohnmacht fielen, andere fluchtartig den Ausgang suchten. Durch den dunklen Saal gellte das Kreischen von Mädchen: "Packt den Dämon!"

Obwohl in New York der "Exorzist" im Kino Herzanfälle, Erbrechen und sogar eine Fehlgeburt ("New York Times") ausgelöst haben soll, zahlten Begierige auf dem Schwarzmarkt bis zu 50 Dollar; um rechtzeitig in den Film zu kommen, boten einige Zuschauer dem Kinopersonal Bestechungssummen von über 100 Dollar.

"Der Exorzist", für den Millionen Amerikaner Gemütsruhe und Geld opferten, ist seit drei Tagen auch in Deutschland zu sehen: in fünfzig Kinos und vierzig Städten; hundert weitere Kinos sollen "nach der ersten Welle" (so der Verleih) folgen.

Dieser Mammut-Start läßt einen Film auf die Zuschauer los, der als "Gipfel des Wahnsinns und der Blasphemie" ("Washington Post") und "Terrorfilm des Jahrhunderts" ("Daily Express") charakterisiert wurde.

In der Tat: Nie zuvor hat Hollywood so perfide und perfekt zugleich auf die geheimen Ängste und Verdrängungen der Zeitgenossen spekuliert wie im "Exorzisten", der seinen Horror in Teufelsbesessenheit und der tödlichen schwarzen Messe einer Satansaustreibung münden läßt.

Der Film handelt von einer Zwölfjährigen, die -- pausbäckiges, stupsnasiges Kind einer lieben und wohlsituierten Mutti -- vom Teufel zur Wohnstatt erwählt wird, wobei sie sich nach und nach immer grauenvoller verändert. Das Böse kriecht aus der Idylle, wo es, in kleinen Irritationen und Verstörungen, immer schon lauernd bereitgelegen hat -- erster wirksamer Affront des "Exorzisten" gegen seine Zuschauer.

Der eigentliche Film -- nach einem mystisch-realistischen "Vorspann", der bei Ausgrabungen im Irak spielt und das Dämonische kurz seine archäologisch verbürgte und phallisch bekräftigte Fratze zeigen läßt -- beginnt in der scheinbar heilen Welt von Georgetown, einem friedlichen Stadtteil der US-Bundeshauptstadt Washington mit Neogotik, Sportplätzen und Wohlstand in adretten Einfamilienhäusern.

Aber diese Welt ist nur halb in Ordnung. Der Friede trügt -- er ist vollgestopft mit den Schuldkomplexen des heutigen Amerika. So übermütig Mutter und Tochter miteinander tollen, so artig und freundlich das Kind der amerikanischen Familienserien-Vorstellung zu entsprechen scheint, sosehr das "social life" mit Party-Freundlichkeiten, sauber hilfreichen Hausangestellten und netten Nachbarn angefüllt ist -- stets zeigen sich kleine Risse in diesem Frieden, die der "Exorzist" in geschickten Andeutungen zu Einschlupflöchern des Bösen macht.

Die heile Familie ist nur halb, der Vater der kleinen Regan lebt in Rom und ruft sie nicht einmal an ihrem Geburtstag an. In dem herzlichen Einverständnis zwischen Mutter und Tochter wird, in raffiniert dosierten Spuren, die kindliche Eifersucht auf den Freund der Mutter (einen trinkverfallenen Film-Regisseur) spürbar.

Und die Party schlägt bei feuchter Fröhlichkeit für kurze Momente in Aggressionen und blasphemische Scherze um: vulgäre Flüche, die eine schöne Oberfläche zerreißen.

Auch über das Priester-College, aus dem dann einer der späteren Teufelsaustreiber, der jüngere Exorzist, kommt, fällt ein Schatten: Zwar lebt dieser gutaussehende, sportlich durchtrainierte Priester in einer hellen, aufgeklärten Welt, der er selbst als verständnisvoller Psychiater angehört. Aber diese Welt wird mit Großstadtslums und überfüllten Heilanstalten kontrastiert: Der freundliche, kräftige fromme Mann ist unfähig, seine kranke Mutter zuerst dazu zu überreden, ihre einsame Slum-Wohnung (ein Stück Griechenland mitten in New York) zu verlassen und hat später auch nicht die Mittel, sie aus einer höllischen Heilanstalt zu erlösen, in der sie stirbt. Er bleibt mit Schuld-Träumen und Glaubenszweifeln zurück.

Der Film insistiert mit spannungsgeladener Geduld auf die atmosphärischen Genauigkeiten seiner Milieus -- so als wollte er seine späteren "Unglaubwürdigkeiten" ganz in perfekte Realität einhüllen. Er läßt den Schrecken nur sekundenlang aufblitzen -- in polternden Geräuschen, die auf die Stille folgen, in plötzlich am Rande auftauchenden Gestalten der Armut, der Krankheit, des Elends.

Bis dann der Teufel in Regan fährt: Aus dem verspielten, folgsam-fröhlichen Kind wird allmählich eine wüste Fratze der Verwesung, des Zerfalls, der Selbstzerstörung. Aus dem Kindermund kommen zuerst ordinäre Flüche, dann scheußliche Exkremente; die Stimme verformt sich wie die Gestalt: In einer Orgie von bildgewordenen Panik-Vorstellungen wird ein Kind zum Teufel, die Leinwand zum Pandämonium einer Hieronymus-Bosch-Welt.

Mit exaktem Kalkül wird Regans Besessenheit einer hochentwickelten Arzt- und Medizin-Welt konfrontiert: Das Mädchen wird, zu allen Qualen durch den Teufel, von den Weißkitteln und ihren bedrohlichen Apparaten geschunden, ohne daß ihr dadurch geholfen werden kann. Der irrationale Dämonenglaube, mit dem da spekuliert wird, zeigt, wo die bedrängten Zuschauer ihre Hoffnungen begraben haben, wo ihr Glaube an den medizinischen Fortschritt erloschen ist.

Mischung aus Mystik, Blut und Auswürfen.

Und während der Horror vom stinkenden, fluchenden, um sich schlagenden und mordenden Teufel abläuft, entwickelt sich parallel dazu ein Hitchcock-ähnlicher Krimi. Ein humorvoll, gemütlich gezeichneter Kommissar spürt mit rationalen Mitteln dem Verbrechen nach: Regan und der Teufel in ihr haben -- eine psychoanalytisch aufschlußreiche Stelle -- den Freund der Mutter aus dem Fenster gekippt, ihm das Genick buchstäblich umgedreht. Die Polizei sucht da nach Aufklärung. Und Aufklärung erweist sich, wie bei der Medizin, als in Wahrheit verständnislos und hilflos.

Der Film mündet in der absichtlich quälend langen schwarzen Messe der Teufelsaustreibung, nachdem er alle Vernunft besiegt hat. Aber noch dieses grausig-komische Exerzitium, das mit seiner Mischung aus katholischer Mystik, Blut und Auswürfen wohl die kaltblütigste Spekulation auf des Zuschauers Hysteriebereitschaft darstellt, noch dieses Duell mit dem Teufel verankert sich in Pseudo-Realistik, bemüht Tonbandgeräte und Herz-Pillen neben Weihwasser und Elevationen, bei denen Regan schwerelos in ihrem Zimmer schwebt.

In seiner optischen Raffinesse und Genauigkeit, die ihre Schock-Kontraste aus der Normal-Welt Amerikas bezieht, mit seinem psychologischen Kalkül, das noch Nebenfiguren durchschattiert, mit seiner akustisch-musikalischen Vollkommenheit stellt der "Exorzist" ein zynisch komponiertes Hollywood-"Gesamtkunstwerk" dar, das noch seine Schwächen zum Kalkül macht.

Denn: Unwahrscheinlich und komisch ist es schon, daß die Hausangestellten in Regans Nähe bleiben, obwohl sich unter Pech, Schwefel und Eiseshauch die Wände biegen. Und unwahrscheinlich ist es auch, daß die Umwelt die übermenschlich gräßlichen Veränderungen des Kindes im Grunde doch nur als Krankheit nimmt. Es ist das Nebeneinander von normal und abstrus, auf das der Film seine Wirkung bauen muß.

Schon William Peter Blattys Roman "Der Exorzist", nach dem der Film gedreht wurde, fesselte die Amerikaner ähnlich erfolgreich: 11 800 000 Taschenbuchexemplare -- der bis dato größte Roman-Bestseller -- wurden seit 1971 in den USA verhökert. Der theologische Thriller stand 55 Wochen lang auf der Bestseller-Liste der "New York Times" und wurde bislang in 18 Sprachen übersetzt.

Zu seinem Roman wurde Autor Blatty durch eine Zeitungsmeldung angeregt: 1949 berichtete die "Washington Post" von der angeblich erfolgreichen Teufelsaustreibung, die ein katholischer Priester an einem vierzehnjährigen Jungen vorgenommen hatte. Blatty, heute 46, war damals Student an eben jener Universität in Georgetown, wo Film und Buch spielen.

Der in Brooklyn von Jesuiten erzogene Student der englischen Literatur schrieb damals eine Studie über Teufeisbesessenheit. 1970 erinnerte sich Blatty, der bis dahin humoristische Romane und Filmdrehbücher ohne nennbaren Erfolg verzapft hatte und zunächst Priester, dann Schauspieler werden wollte, an seine Exorzismus-Studien.

Die Zeit für Übersinnliches schien reif: Blatty bot einem großen New Yorker Verlag sein "Exorzisten"-Exposé (aus dem Jungen war bei ihm ein Mädchen geworden) an -- er wollte das Buch nicht unter der Garantie-Summe einer halben Million Dollar schreiben. Er bekam seinen Vertrag -- noch bevor eine Zeile geschrieben war -- und einen Verfilmungs-Kontrakt, was ihm (neben dem wahrscheinlich höchsten von Hollywood je gezahlten Drehbuchhonorar) auch noch 25 Prozent der Einspielsummen sichert.

Die Erfolgsmischung aus Religion und Geschäft, die Blattys Trivial-Story kennzeichnet, ist auch Bestandteil seines öffentlichen Images. Blatty, der sich in Hollywood vor Jahren als angeblicher Sohn Ibn Sauds Prominenten-Einladungen erschlich, prahlt in TV-Talk-Shows gerne mit telepathischem Kontakt zu seiner toten Mutter, einer libanesischen Emigrantin, der er seinen nächsten Film widmen will.

Gleichwohl fand sein "Exorzist" (Buchumschlag-Slogan: "Tief religiös -- eine Parabel für unsere Zeit") respektablen kirchlichen Zuspruch. In der Jesuiten-Zeitschrift "Civiltà cattolica" wurde das Buch anerkennend besprochen, es gehört zur empfohlenen Lektüre von katholischen high schools. Blatty über seinen Roman: "Für mich ist das Buch ein PR-Job für das Leben des Geistes, für die Unsterblichkeit der Seele."

Und über die erfolgreiche Spekulation auf die Stimmung seiner vor allem jungen Leser: "Ich bin überzeugt, daß die jungen Leute sich mitten in einer Wende vom extremen wissenschaftlichen Materialismus zum Mystizismus befinden." Über all der religiösen Wanderung nach innen hat der Autor den äußeren Erfolg jedoch keineswegs aus den Augen verloren. Sein neuestes Buch: "William Peter Blatty über den Exorzisten. Vom Roman zum Film".

Blattys religiöse Motivationen spielen für den Film-Regisseur William Friedkin, 34, keine Rolle: "Ich bin kein Denker, ich mache kommerzielles Kino."

Friedkin, adrett-sachlicher Anti-Typ zu Hollywoods romantisch-genialischen Film-Individualisten wie Peckinpah, gilt seit seinem Welterfolg, dem Rauschgift- und Polizeifilm "French Connection", als Wunderknabe der kalifornischen Traumfabrik. Wegen seiner kühlen Tüchtigkeit ("Ein Chirurg kann sich auch nicht um Gefühle kümmern, wenn er operiert") bei den Studios beliebt, erhielt Friedkin den "Exorzisten"-Zuschlag. unterstützt durch seine Freundschaft mit dem Autor.

Friedkins Filmkarriere variiert das "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Märchen: In einer Fernsehstation Chicagos" wo er als 16jähriger Botenjunge begann, war er nach einem Jahr schon Regisseur. Bis zu seinem sechsundzwanzigsten Lebensjahr hatte er 2000 TV-Shows gedreht.

Sein technischer Perfektionismus kommt nicht aus dem Ungefähr: Seine Vorbilder Orson Welles ("Citizen Kaue") und Stanley Kubrick ("Clockwork Orange") neigen wie er dazu, mit optischen Effekten zu blenden.

Friedkin, typisches Beispiel für Hollywoods neue Generation von Regie-Technokraten, macht Kino mit Marketing-Kalkül: "Ich mache einen Film zu einem Design, das die Leute dazu zwingt, es zu kaufen." "Es gibt nur drei Gründe, einen Film zu drehen", meint Friedkin, "die Leute zum Lachen oder zum Weinen zu bringen oder sie zu erschrecken."

Was die Zuschauer beim "Exorzisten" am meisten erschreckt, ist, so konstatierte "Newsweek", die Tatsache, daß das Opfer des Teufels, die Hauptfigur des Films, Regan, ein zwölfjähriges Mädchen ist.

Dieses Kind, gespielt von der Schülerin Linda Blair, Tochter einer gutbürgerlichen Familie aus dem neuenglischen Connecticut, schockiert die Zuschauer nicht nur durch die scheußlichen Entstellungen, die sie im Film scheinbar erleidet, sondern auch durch das obszöne Vokabular, das ihr Drehbuch und Teufel in den Mund legen.

So geifert die Besessene ihre Mutter an: "Du Fotze, tu es, tu es! Laß Jesus dich ficken! Laß dich ficken vom Jesus!" Und den zweiten Exorzisten, einen greisen Gottesmann, der sie mit Ritual-Beschwörungen -- "Ich treibe dich aus, unreiner Geist!" -- vom Teufel erlösen will, beschimpft sie: "Steck deinen Schwanz in ihren Arsch, du verwichster, nichtsnutziger Schwanzlutscher, du schwuler, nichtsnutziger Schwanzlutscher, du!"

Linda Blair, über die Zumutungen ihrer Rolle befragt: "Der Film könnte genausogut von einem Mädchen handeln, das einen Lolly lutscht."

Bei der Herstellung des Films allerdings waren die verbalen Obszönitäten und das (simulierte) blutige Onanieren mit einem Kruzifix noch die geringsten Prüfungen für die Zwölfjährige.

Für eine Szene, in der Satan sie auf dem Bett hin und her schleudert, waren ihre Hände mit Metallbändern festgeschnallt, an denen sie sich verletzte. Sie brauchte gar nicht mehr, wie es das Drehbuch verlangte, ihre Schreie "Make it stop!" zu simulieren, weil sie das vor Angst und Schmerz ohnehin schrie. Entschädigung für die Unbilden: ein Milchshake für Linda in der Drehpause.

Für die Szenen, in denen ihr pausbäckiges Gesicht zur Teufelsfratze entstellt war, trug sie schmerzende Kontaktlinsen und ein Make-up aus Gummimilch -- das Anlegen der Maske dauerte jeweils zwei Stunden -, die klebrige Maske, so jammerte Linda, "brannte auf der Haut und besonders um den Mund".

Aufgrund dieser und ähnlicher Belastungen befürchten US-Mediziner psychische Spätschäden für das Kind. Dagegen spendete Regisseur Friedkin Linda professionelles Lob: "Linda arbeitete über ein Jahr mit uns, oft zehn bis zwölf Stunden pro Tag und manchmal sechs bis sieben Tage pro Woche unter den schwierigsten, anstrengendsten Bedingungen, die je eine Schauspielerin zu bewältigen hatte."

Für eine der technisch aufwendigsten Szenen des Films wurde Regans Zimmer in einen eigens dafür konstruierten Mammut-Kühlschrank verlegt, der das Zimmer so frostig temperierte, daß der Atem des Teufelskindes und der Teufelsaustreiber sichtbar wurde -- als Zeichen weiteren Teufelsspuks. Linda litt an Unterkühlung, und ihre Hände und Füße mußten in den Drehpausen mit Heizkissen aufgewärmt werden.

"Wilde Ehe von Technologie und Perversität."

Solche den Zuschauer durch ihren Realismus beeindruckenden Effekte schätzte Friedkin über alles. Er ist so stolz auf ihre Wirkung, daß er die Rezepturen geheimzuhalten versucht: "Ich will nicht, daß das Publikum hinter unsere Tricks kommt."

So wurden Szenen, in denen Linda Giftig-Grünliches von sich spuckt, Teufelssubstanz, die in Wirklichkeit Erbsensuppe ist, besonders vorbereitet: Zwei Schläuche führten von ihrem Nacken zu einem Beutel an ihrer Lippe -- getarnt durch das Gummi-Make-up; zwei Techniker bedienten im Hintergrund die Suppenspritze.

Für die Szenen, in denen sich ihr Teufelskopf um 180 und 360 Grad um ihren Hals dreht, ließ Friedkin "Stück für Stück" Lindas Körper und Kopf zu einer lebensnahen Puppe nachbilden, deren Kopf von einem Elektromotor im Innern des Homunculus gedreht wurde. Solch Ingenieurs-Aufwand war nötig, um Irrationales glaubhaft zu machen.

Wie bei keinem Film zuvor hängt die Wirkung des "Exorzisten" entscheidend vom Soundtrack, von der Mi-

* Mit "Exorzist"-Darstellern Jason Miller und Ellen Burstyn.

schung aus Musik und Geräusch, ab. Der französische Regisseur François Truffaut: "Der beste Soundtrack, den es je in der Geschichte des Films gab."

Für diese "diabolische wilde Ehe von Technologie und Perversität" ("Financial Times") suchten Techniker monatelang nach Geräuschen, die den Zuschauer in die unheimliche und ungemütliche Stimmung versetzen sollten, wie sie Friedkin vorschwebte.

Um Satan auch akustisch präsent zu machen, wurde das Kreischen von Schweinen während ihrer Schlachtung aufgenommen, ebenso wie das Bellen und Heulen von Zwitterhunden. Hamster wurden in Kesselpauken eingeschlossen, um ihr verzweifeltes Kratzen aufzuzeichnen; Bienen wurden in Krüge und Töpfe gesperrt, um ihr wildes Summen auf Band zu bannen. Einer der Tonspezialisten ließ seine Freundin rohes Eiweiß in Unmengen schlucken -- bis zum Erbrechen; diese gurgelnden Geräusche stellte er dem Leibhaftigen dann zur Verfügung.

Die perfide erzeugten Urlaute wurden mit überlauten Zivilisationsgeräuschen wie U-Bahn-Rattern, Telephon-Klingeln, dem Heulen von Polizei-Sirenen wirksam· kontrastiert und mit zeitgenössischer E-Musik untermalt. Die Kombination zwischen Gurgeln und Jaulen auf der einen, Penderecki, Henze und Webern auf der anderen Seite dient vor allem dazu, den Zuschauer psychisch aufzuknacken, ihn in die gewünschte Teufelsfurcht zu versetzen.

Diese und andere, zum Teil vorher nie in dieser Detailbesessenheit ausprobierten Spezialeffekte trieben das Bud-

* Mit Max von Sydow und Jason Miller.

get von vier Millionen Dollar auf offizielle elf Millionen Dollar. Das US-Wirtschaftsmagazin "Fortune" schätzt die wahren Kosten jedoch auf 14 Millionen Dollar (gegenwärtiges Normal-Budget in Hollywood: zwei Millionen Dollar).

Allerdings lohnte sich dieser Aufwand (Friedkin drehte zehn Monate und brauchte allein für Bild- und Tonmontagen weitere sechs Monate) -- seit seinem Start im Dezember 1973 spielte der "Exorzist" allein in den USA über 94 Millionen Dollar ein. Der Kassen-Computer des Verleihs rechnet zur Zeit die Einspielergebnisse in aller Welt auf 220 Millionen Dollar hoch. Das ist fast dreimal soviel, wie "Vom Winde verweht" einspielte.

Allerdings: Den "Paten", wie es prophezeit wurde, wird auch der "Exorzist" nicht überrunden können. Bislang eingespielter "Paten"-Gewinn: 330 Millionen Dollar.

Die "Exorzist"-Producer wurden vom Erfolg ziemlich überrascht. Hollywood-Gerüchte wollen wissen, daß die Produktionsfirma aus moralischen Bedenken zunächst zögerte, den Film überhaupt auf den Markt zu werfen.

Als sie es dann doch riskierte, tat sie es mit einer sehr moderierten Werbe-Kampagne, die es vermied, die Horror-Effekte des Films vorher preiszugeben. Dazu ein Studio-Manager: "Wir verließen uns ganz und gar auf die Massenmedien und die Mund-Propaganda."

Werbung im Sättigungsverfahren.

Immerhin wurden für den US-Start zwei Millionen Dollar investiert. So wurden die Fernsehzuschauer überall, wo der Film ins Kino kommen sollte, mit Spots neugierig gemacht, in denen eine dunkle Stimme zu harmlosen Wohn-Interieurs sprach: "Hinter dieser Tür geschieht etwas, was jenseits Ihrer Vorstellungskraft liegt." Diese Spots wurden im sogenannten Sättigungsverfahren placiert -- alle halbe Stunde einer. Bald war der Film zum Thema Nr. 1 in Schul- und College-Klassen, auf Partys, in der Presse und in TV-Talk-Shows geworden. "Es ist absolut unmöglich", so "New York Times"-Kritiker Stephan Faber, "diesem Film zu entkommen."

Gleichzeitig stieg der Verkauf des Buchs, was wiederum das Interesse für den Film hochschaukelte. Während der Tage der Benzin-Knappheit (in den USA bildeten sich damals lange Warteschlangen) wurden massiert "Exorzist"-Paperbacks an den Tankstellen angeboten. Der Verlag brachte dazu an den Bücherständen den Slogan an: "Während Sie darauf warten, daß Ihr Tank gefüllt wird, füllen Sie Ihre Zeit mit dem "Exorzist." Effekt: Fünf Wochen nach Start des Films waren 3 775 000 weitere Exemplare des Buchs verkauft.

Selbst der US-Kongreß redete daraufhin in Teufeiszungen. Abgeordnete scherzten: "If you can't impeach Nixon, exorcize him!"

In Denver im US-Bundesstaat Colorado riß sich ein junger Mann mitten in der Vorstellung die Kleider vom Leibe und rannte schreiend in die nahe Kirche: Er glaubte, genau wie Regan vom Teufel besessen zu sein.

Der Teufelsfilm zur "harten Droge" deklariert.

Zu Hunderten hat Reverend Arthur Dekruyter, Pastor an der Christ-Kirche in Oakbrook, einem Vorort von Chicago, Teufel aus besessenen Kinogängern austreiben müssen.

Wie die Exorzisten melden auch die Psychiater verstärkten Einsatz -- freilich weniger begeistert als die professionellen Teufelsaustreiber. "Der Film ist ein gefährlicher Trip", warnt der Chicagoer Psychiater Louis Schlan. "Es ist unmöglich, den ganzen Film durchzuhalten, ohne daß dauernde negative oder beunruhigende Symptome zurückbleiben."

Ralph R. Greenson, Psychiatrie-Professor an der Ucla's School of Medicine in Westwood, Kalifornien, berichtet über den Fall einer jungen Frau, die nach dem "Exorzisten" von panischer Angst überfallen wurde. Sie traute sich nicht mehr, allein in der Wohnung zu bleiben, hielt es in der Dunkelheit nicht aus und konnte nicht mehr allein auf die Straße gehen.

Sie mußte in psychiatrische Behandlung ebenso wie der Universitätsprofessor, der Greenson um Hilfe bat, weil ihm nach dem Film klargeworden war, daß er vom Teufel besessen ist. Das angesehene "Journal of the American Medical Association" deklarierte den "Exorzisten" kurz und bündig als "harten Stoff" (starkes Rauschgift).

"Nach dem Film zeigte sich, daß sehr viele Leute nach einem Exorzismus verlangten", erklärte Reverend Christopher Neil Smith, der Londoner Top-Exorzist, dem SPIEGEL. "Seit der Film hier in London gezeigt wird, kommen wöchentlich 50 Leute zu mir, die besessen sind."

Angespornt durch diesen angelsächsischen Heimsieg, erwarten die "Exorzist"-Unternehmer ähnliche Auswärtserfolge in aller Welt. Um ihre filmische Präzisions-Maschine gegen Vergröberungen zu schützen, mußte jede fremdsprachige Synchronisation zur Überprüfung und Endfertigung nach Hollywood verbracht werden. Der Aufwand für die deutsche Synchronisation unter der Regie von Bernhard Wicki war entsprechend: durchschnittlich kostet eine deutsche Synchronisation 30 000 Mark, die für den "Exorzisten" 800 000 Mark -- soviel wie ein normaler deutscher Spielfilm.

Für den 50fachen Kino-Start gab der deutsche Warner-Verleih nochmals 800 000 Mark aus, davon allein 246 000 Mark für Werbung in Rundfunk und Fernsehen. Am Premierentag und an den beiden Tagen davor flimmerten jeweils kurz vor der "Tagesschau" der ARD dreißig Sekunden lange Spots über deutsche Bildschirme: "Niemand erwartete es, niemand glaubte es, und nichts konnte es aufhalten. Die einzige Hoffnung, die letzte Rettung: der Exorzist -- ab 20. September in allen deutschen Großstädten." Allerdings: im Bereich von Westdeutschem, Hessischem und Bayerischem Rundfunk mußte eine in Text und Bild abgeschwächte Fassung den ursprünglich vorgesehenen Spot ersetzen. Die WDR- und BR-Verantwortlichen monierten neben anderen Dingen: "Pfarrer in der Werbung geht nicht." Dem Hessischen Rundfunk waren die verzweifelten "Mutter! Mutter!"-Schreie des Mädchens fürs Familienfernsehpublikum zu kraß.

Noch bevor der Teufelsspuk überhaupt auf die deutsche Leinwand kam, wollten einige ihn austreiben. Der Oberbürgermeister von Aachen wurde via Bombendrohung aufgefordert, die Aufführung dieses "gottlosen Films" in der Domstadt zu verhindern.

Als "eine teuflische Verführung" bezeichnete ein Flugblatt der Darmstädter Evangelischen Marienschwestern-

* "St. Katharina exorzisiert einen Teufel aus einer Frau", Gemälde von B. Fungai (ca. 1460 bis 1516).

schaft, das Ende August auch "als Großanzeige (zwei Drittel einer Zeitungsseite) in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" erschien, den Film. Die Marienschwestern sahen darin den Gottseibeiuns selbst am Werk: "Da er der alte Lügner und ein Peiniger der Menschen ist, will Satan mit diesem Buch und erst recht mit dem Film das eine erreichen: die Leser und Zuschauer soweit wie möglich zu verführen und unter seine Macht zu bekommen, um sie dann zu quälen. Dazu lockt er Millionen in den Film."

Zuzutrauen wäre ihm das. Exorzismus ist eine Realität von heute -- keine Reprise mittelalterlicher Praktiken, auch nicht ein bloßes Kuriosum kirchlicher Subkultur. Was die beiden Jesuitenpatres Lancester Merrin und Damien Karras im Film zelebrieren, ist durchaus kein Phantasieprodukt cleverer Horror-Filmer, sondern ist immer noch Glaube und auch jetzt noch geübte Praxis christlicher Kirchen.

Beweise dafür sind die Aussagen von Theologen und die gefilmten Fälle von Exorzismen, die der Münchner Jesuitenpater Reinhold Iblacker für seine Fernsehdokumentation zusammengetragen hat. Sie wurde am vergangenen Samstag im Dritten Programm von NDR, SFB und Radio Bremen gezeigt.

Da erzählt der in Rankweil in Vorarlberg lebende katholische Pfarrer Friedrich Jussel, er habe in den letzten vier Jahren vier Engel- und zwei Menschen-Dämonen ausgetrieben, den letzten am 5. Oktober 1968 aus Fräulein Berta, 26, auf einer Wiese im burgenländischen St. Martin. Einen authentischen Bericht -- unterschrieben auch von der Besessenen und ihren Eltern -- veröffentlichte im Jahre 1972 der Münchner Hanser-Verlag.

Im Januar 1973 exorzisierte der Altöttinger Kapuzinermönch Konstanz Wolfsgruber mit ausdrücklicher Ge-

* Erstaufführung der Penderecki-Oper 1969 in Stuttgart.

nehmigung des Passauer Bischofs Antonius Hofmann die 35jährige Bauerntochter Elisabeth Mauerberger. Dabei trieb er aus der nach Ansicht ihrer Arzte epileptischen Frau einen Teufel namens "Pluto 1." aus. Pluto beschimpfte den frommen Pater nicht nur mit "Wildsau" und "Dreckschwein", er freute sich auch über Miniröcke und Liturgie-Reform, die seine Arbeit ungemein erleichterten.

Der vom jetzigen Pariser Erzbischof Kardinal Marty im Jahre 1968 bestellte Diözesan-Exorzist Pater Henri Gesland hat bisher drei Fälle von dämonischer Besessenheit entdeckt und exorzisiert. Monsignore Cristiani, Päpstlicher Hausprälat, berichtete 1959 in einem inzwischen weit verbreiteten Buch "La Présence de Satan dans le monde moderne" über zahlreiche Teufelsaustreibungen aus jüngster Zeit in Frankreich und Italien.

36 Prozent der Amerikaner glauben an den Teufel.

Im Jahr 1973 kämpfte der Jesuitenpater Karl Patzelt in San Francisco gegen einen Dämon, der eine dreiköpfige Familie mit "Tausenden dreckiger Tricks" (Patzelt) drangsalierte. San Franciscos Erzbischof Joseph Thomas McGucken hatte den Pater offiziell mit der Teufelsaustreibung beauftragt.

Nach einer im April dieses Jahres von der "Washington Post" veröffentlichten Umfrage glauben 36 Prozent aller Amerikaner an Teufelsbesessenheit. Jeder 20. erwachsene US-Bürger (rund sechs Millionen) ist davon überzeugt, daß er selber oder eine ihm nahestehende Person vom Teufel besessen ist oder war.

in London behandelte Reverend Christopher Neil Smith -- er ist vom Bischof der "Church of England" zum Chef-Exorzisten bestellt -- wöchentlich rund 20, also jährlich mehr als 1000 Besessene. In 2000 Fällen hat er nach eigenem Bekunden die lästigen Dämonen vertrieben. Die Zahl der kirchlich angestellten oder freischaffenden Teufelsaustreiber wird in England auf rund 35 000 geschätzt, die zum Teil motorisiert, wie die fünf Geistlichen der St.-Pauls-Kirche in Kuli, als Task Force Tag und Nacht im Einsatz sind.

Und in Holland hat der reformierte Pfarrer und Exorzist Willem Cornelis van Dam bislang mehrere Tausend Dämonen ausgetrieben (siehe Seite 118). Als der Film "Der Exorzist" vor einem Monat in den Niederlanden anlief, hatte Pfarrer van Dam seine Exorzisten-Truppe vorsorglich in Alarmbereitschaft versetzt.

Der "Exorzist" als Blendwerk und Verführungskunststück des Teufels höchstselbst? Den Roman inspirierten zwei Jesuiten, in dem Film wirkten immerhin vier leibhaftige Patres der Societas Jesu (teils als Schauspieler, teils als religiöse Berater) mit -- zum höheren Ruhme Gottes.

Die katholische Kirche betrachtet den "Exorzisten" mit zwiespältigen Gefühlen. Einerseits freut sie natürlich jegliche Bestärkung von Teufelsfurcht und Gottesglauben -- mag sie auch aus noch so dubiosen Antrieben erfolgen. Der "New Yorker" frotzelte: "Die katholische Kirche wird wohl kaum an der Sprache und den Handlungen eines Films Anstoß nehmen, der sagt, daß die katholische Kirche der wahre Glaube ist."

Andererseits beschwerten sieh Kirchenvertreter über die im Film gezeigte Macht des Teufels. Der Jesuit Juan * Max Schreck als Nosferatu in F. W. Murnaus Film (1921).

Cortés: "Der Teufel ist der Sieger im Film."

Schon möglich: Denn die kleine Regan wird vom Satan nur dadurch befreit, daß der junge Exorzist, nachdem sein greiser Kollege ohnehin vom Teufel hingestreckt wurde, dem Teufel zuruft: "Nimm mich!" Satan fährt in ihn und mit ihm aus dem Fenster, so daß der Pater sich zu Tode stürzt.

Pater Edmund. Ryan, der in Person kurz im Film auftaucht, distanzierte sich: "Es ist ein Spektakel, das von Spezialeffekten getragen wird und nicht von irgendeiner echten Moral oder Botschaft." Ebenso auf Abstand bedacht erklärte später der religiöse Hauptberater des "Exorzisten", Reverend John i. Nicola, S. J., der kürzlich in Rom an einer Doktorarbeit über "Exorzismus" brütete: "Wenn ich heute zu entscheiden hätte, ob dieser Film der großen Öffentlichkeit vorgeführt werden sollte -- würde ich zögern. Und zwar wegen der Gefahr der Hysterie -- ich glaube, der Film könnte sich, was seine Wirkungen anbetrifft, durchaus mit den mittelalterlichen Veitstänzen messen." Späte Einsichten.

Veitstanz-Ähnliches evozierte der "Exorzist" in Amerika tatsächlich. Als er im Dezember 1973 Premiere hatte, waren die USA von sehr realen Ängsten und Sorgen heimgesucht -- von Watergate und den Nachwirkungen von Vietnam, von der Ölkrise und dem damit verbundenen Gefühl des nahen Endes der Überflußgesellschaft, von Inflation und Arbeitslosigkeit.

"Wie es überhaupt nur einem Film möglich ist", so "Newsweek", "hat der "Exorzist, von der allgemeinen Stimmung Besitz ergriffen und spiegelt wie in Raserei die unterschwelligen Ängste,

Phantasien und Verstörungen wider, die in jüngster Zeit die Oberfläche der amerikanischen Gesellschaft durchbrachen." Abgesehen von spezifisch amerikanischen Reaktionen spekuliert der Film natürlich auch auf das Bedürfnis nach Irrationalem in einer scheinbar total durchrationalisierten Welt.

In harmonischer Dreieinigkeit verteufelte intellektuelle Filmkritik ("Eines der vulgärsten, obszönsten Dreckstücke", "Los Angeles Times"), Wallstreet ("Bleibende Kunst appelliert selten an niedere Instinkte", "Wall Street Journal") und Sowjetmoral ("Eine skandalöse Mischung aus Pornographie und Sadismus", "Iswestija") den Teufels-Streifen.

Doch was immer Kritikern und Analytikern zum "Exorzisten" einfällt -- die Wirkung und Popularität des Films beruht wohl hauptsächlich auf einer hier besonders raffiniert ausgebeuteten Vorliebe des Publikums für Horror- und Schock-Effekte im Kino, der Hollywood in jüngster Zeit durch immer mehr Filme Rechnung trägt. Von "Dracula" und "Frankenstein" -- deren erfolgreicher Start 1931, merkwürdig genug, mit der großen wirtschaftlichen Depression zusammenfiel -- über Polanskis Film "Rosemarys Baby", in dem eine Frau ein Kind des Teufels austrägt, führt eine konsequente Steigerung zum "Exorzisten".

Und noch Schrecklicheres wird folgen. "Exorzist"-Regisseur Friedkin: "Dieser Film könnte ein Vorreiter sein. Wenn er ein großes Publikum gewinnt, dann durfte er den Studios Mut machen, ambitioniertere Themen mit noch schrecklicheren Szenen abzuhandeln."

Schon galoppieren neue apokalyptische Reiter: Steven Spielberg drehte soeben einen Film über einen Mörderhai, der Badegäste zerfleischt: "Gegen diesen Film wird der "Exorzist" wie ein Waisenknabe dastehen." Ein anderer geplanter Film nach dem Tatsachenroman "Alive", der Abgestürzte einer Flugzeugkatastrophe in den Anden ihre toten Mitpassagiere verspeisen läßt, will ausführlich die kannibalistischen Szenen zeigen.

Das Bedürfnis nach solchen Horror-Sensationen kommentierte ein von der "New York Times" interviewter "Exorzist"-Besucher, ein Architekt aus Long Island: "In uns allen steckt ein Stückchen morbide Neugier."

* Reverend Christopher Neu Smith.


DER SPIEGEL 39/1974
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DER SPIEGEL 39/1974
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