17.06.1974

Deutscher Rebellen-Funk

Die Kölner Deutsche Welle überraschte ihre Hörer in Afrika vergangene Woche mit Parolen gegen die Regierung des Tschad und gegen den "Weltzionismus" sowie mit anti-französischer Propaganda. Um die Bemühungen zur Freilassung des vor sieben Wochen entführten Entwicklungshelfers Christoph Staewen zu unterstützen, mußte sich die "Stimme Deutschlands" als Stimme der Rebellenbewegung Frolinat betätigen: Über den Sender wurde am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ein 15-Minuten-Manifest der Aufständischen in französischer und arabischer Sprache verlesen; damit erfüllte die Deutsche Welle eine Bedingung für die Freilassung des Deutschen und zweier französischer Experten. Staewen, ein Neffe von Bundespräsident Heinemann, hatte bis zu seiner Entführung eine Krankenstation in Bardai im nördlichen Tschad geleitet. Nen Tschad-Behörden und einer deutsch-französischen Kommission war es schließlich gelungen, mit den Entführern Funkkontakt aufzunehmen. Dabei nannten diese ihre Forderungen: 2,5 Millionen Mark und die Publicity über die Deutsche Welle. Ohne Absprache mit dem Sender gab das Auswärtige Amt eine Zusage; die Kölner fühlen sich deshalb zur Sendung erpreßt: Sie fürchten Nachahmungen anderer Rebellen-Organisationen. Auch die Regierung des Tschad war empört und brach am 12. Juni die diplomatischen Beziehungen zu Bonn ab.


DER SPIEGEL 25/1974
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