09.10.1957

BERLIN / BRANDTDie Blitz-Karriere

Grelles Scheinwerferlicht für Wochenschau- und Fernsehkameras konzentrierte sich auf eine der vorderen linken Bänke im Abgeordnetenhaus von Berlin. Dort saß der Abgeordnete Willy Brandt, der wenige Augenblicke vorher vom Berliner Parlament mit 86 von 118 Stimmen zum Regierungschef des Stadtstaates gewählt worden war.
Der amtierende Parlamentspräsident Müllerburg fragte, ob Brandt die Wahl annehme. Brandt stand auf, und mit selbstbewußt nach hinten geneigtem Kopf dröhnte er mit lauter, kräftiger Stimme durch den Saal: "Ich nehme an!"
Dann wurde die alte CDU/SPD-Koalitionsregierung, der Senat, dessen Spitze seit Otto Suhrs Tod verwaist war, zusammen mit Brandt neu vereidigt. Bis auf zwei sagten alle SPD-Senatoren zur Bekräftigung des Schwurs: "Ich schwöre es!" Brandt - und gleich ihm SPD-Senator Klein - sagte: "Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe!"
Zum ersten Male in der Nachkriegs-Geschichte der deutschen Sozialdemokratie hatte ein Sozialdemokrat das Amt eines Regierungs-Chefs gegen den Widerstand des zuständigen SPD-Parteivorsitzenden angetreten, der für dieses Amt ganz andere Pläne hatte.
Vor und nach ihrer Wahlniederlage vom 15. September war der Bonner SPD von Wohlmeinenden empfohlen worden, als Kandidaten für das höchste Bonner Staatsamt nicht prinzipiell ihren obersten Funktionär, den Parteivorsitzenden Ollenhauer, zu nominieren, sondern als Bundeskanzler-Kandidaten einen Genossen zu präsentieren, der auch außerhalb der Partei "ankommt", selbst wenn er nicht die Funktionärs-Ochsentour im Parteiapparat absolviert hat.
Doch der Bonner Parteivorstand hielt solchen Ratschlägen stereotyp den Hinweis entgegen die Genossen würden das nicht mitmachen. In Berlin aber haben sie es nun mitgemacht. Sie waren für den Partei-Außenseiter Willy Brandt sogar so eingenommen, daß einige Funktionärsgruppen drauf und dran waren, gegen ihren eigenen Landesvorsitzenden, den Oberfunktionär Franz Neumann, der die Kandidatur Brandts hatte verhindern wollen, einen Mißbilligungsantrag einzubringen
Der weltgewandte 43jährige Willy Brandt, der sich selbst einen Intellektuellen nennt und um sich die etwas kühle Atmosphäre verbreitet, die als Eigenheit hanseatischer Bürgerkreise gilt - Brandt stammt aus Lübeck -, hatte die Delegierten aus Wedding und Charlottenburg, aus Reinickendorf und Tiergarten und aus allen anderen Bezirken für sich gewonnen, Delegierte, die seit ihrer Jugend zu den Zahlabenden gehen und eigentlich einst in die SPD eingetreten waren, weil sie die "Partei der Arbeiterklasse" war.
Diese im Dienst ergrauten Parteifunktionäre hatten sich gegen ihren Oberfunktionär Franz Neumann gestellt, der ihnen nach aller Theorie mehr liegen mußte. Denn: "Wenn man nach einer Formel sucht", so hatte der SPD-Pressedienst geschrieben, "mit der das Wichtigste gesagt wird, was über Franz Neumann zu sagen ist, dann scheint dies die treffende, die beste, die richtigste zu 'sein: waschechter Berliner!
"Das sagt alles. Da liegt alles drin... Das Glück dieser Stadt war sein Glück, wie auch ihr Leiden sein Leiden war. Ihre Hinterhöfe waren seine Hinterhöfe. Ihre Arbeit war auch seine Arbeit. Jawohl, es war die große Stadt, die aus dem fünfzehnjährigen Schlosserlehrling schließlich den Franz Neumann von heute gemacht hat."
Mit der Proletarier-Masche hat Franz Neumann seine Parteikarriere gemacht. Jeder durfte wissen, daß er 1904 im Berliner Norden geboren wurde, die Volksschule besuchte und Schlosser lernte, sich in Abendkursen zum städtischen Jugendfürsorger hochdiente und im Dritten Reich wieder als Schlosser arbeitete, nachdem er sechzehn Monate lang wegen Vorbereitung zum Hochverrat inhaftiert war. So gab er es für das Bundestagshandbuch an, als er 1949 in den Bonner Bundestag einzog, und wer ihn in Aktion sieht, zweifelt nicht daran, daß sein Bildungsgang so und nicht anders war.
Trotzdem wandten sich die Funktionäre von ihm ab und wählten Willy Brandt, der sich im Maßanzug durch die Politik bewegt, die Forderung der "Diktatur des Proletariats" eine "unglückselige Formel" nennt, schon 1949 statt einer sozialistischen Planwirtschaft eine "regulierte Marktwirtschaft" verlangte und der sogar von Anfang an bereit war, eine westdeutsche Aufrüstung zu akzeptieren. Brandts Frau gilt - zum erklärten Ärger weiblicher Parteifunktionäre, wie etwa der Abgeordneten und Neumann-Vertrauten Edith Krappe - als die eleganteste aller Berliner Politiker-Gattinnen.
Die Lebensdaten, die Brandt für das Bundestagshandbuch nannte - er sitzt ebenfalls seit 1949 im Bonner Parlament -, deuten scheinbar auf eine bürgerliche Herkunft hin: "Geboren am 18. Dezember 1913 in Lübeck. Besuch des Gymnasiums. Arbeit in der Sozialistischen Jugendbewegung. 1933 Emigration nach Norwegen. Studium der Geschichte."
Diesem Eindruck zuliebe unterschlägt Willy Brandt alles das, was sein Widersacher Franz Neumann klassenbewußt jedem erzählt, der es hören will: den überaus achtenswerten Umstand nämlich, daß er es schwer hatte, aus dem Milieu herauszukommen, in das er hineingeboren wurde.
Der neue Regierende Bürgermeister von Berlin ging so weit, wie man nur gehen kann, um mit einer proletarischen Vergangenheit zu brechen. Nach dem zweiten Weltkrieg ließ er im Standesamtsregister den Namen tilgen, den er bei seiner Geburt bekommen hatte, und mit dem er aufgewachsen ist - Herbert Karl Frahm. Als amtlichen Namen ließ er jenes Pseudonym eintragen, unter dem er während der Hitlerjahre in Skandinavien gelebt und geschriftstellert hatte: Willy Brandt.
Als Herbert Frahm kurz vor Weihnachten 1913 geboren wurde, war seine Mutter, Verkäuferin beim Lübecker Konsum, gerade zwanzig Jahre alt. Herberts Vater kümmerte sich nicht um seinen Sohn, und so wurde der Kleine von einem Manne aufgezogen, der schon an seiner Mutter Vaterstelle vertreten hatte, einem Lübecker Chauffeur.
Das Verhältnis zwischen dem kleinen Herbert, seiner Mutter und seinem Ziehvater war glücklich. Doch als Herbert fünf Jahre alt war, heiratete der Ziehvater eine Frau, gegen die der Knabe von Anfang an eine Aversion hatte. Die Familienverhältnisse wurden unerquicklich.
Herberts Mutter - sie ist heute über 60 Jahre alt - erinnert sich daran, daß Herbert trotz dieses tristen Milieus "ein lieber Junge" war. In der Volksschule waren seine Leistungen so gut, daß er 1924 am Johanneum in Lübeck, einem Reformrealgymnasium, eingeschult wurde. Man hatte ihm Lehrmittelfreiheit gewährt und das Schulgeld erlassen.
Indes, bald hatte der Schuldirektor Anlaß, Herberts Mutter - die 1927 einen Maurer geheiratet hatte - zu ermahnen: "Halten Sie Ihren Sohn von der Politik zurück!" Herbert Frahm war nämlich als Pennäler Mitglied der "Roten Falken" und - später - der "Sozialistischen Arbeiterjugend" (SAJ) geworden.
1930 stand der Jung-Sozialist und Unterprimaner Karl Frahm - er nannte sieh nicht mehr Herbert, wie seine Mutter ihn gerufen hatte, sondern Karl, nach einem seiner weiteren Taufnamen - wegen Körperverletzung vor dem Lübecker Amtsgericht. Er hatte sich an der Lübecker Mühlenbrücke in eine Schlägerei mit Hitlerjungen eingelassen. Die Schlacht verlief unentschieden, das Amtsgericht sprach Frahm wegen Mangels an Beweisen frei.
In Lübeck lebte damals der Sozialdemokrat Julius Leber, der nach dem ersten Weltkrieg aus dem Elsaß, seiner Heimat, in die Hansestadt gekommen war, wo er Redakteur, später Chefredakteur des "Lübecker Volksboten" wurde; von 1924 bis 1933 saß er für Lübeck im Reichstag. Brandt bekannte später, daß "mein Verhältnis zu diesem Mann mit einer Art Vater-Sohn-Komplex behaftet war".
In Lebers Blatt konnte der Pennäler Herbert Karl Frahm immer wieder Beiträge veröffentlichen, unter anderem auch Berichte über zwei Reisen durch Norwegen, wo er entfernte Verwandte besucht hatte.
Beide, der SPD-Reichstagsabgeordnete Leber und der Rote Falke Frahm, waren darüber einig, daß die Führung der SPD - die "Leichtmatrosen vom Panzerkreuzer Impotent", wie Kurt Schumacher nach dem Kriege zu Willy Brandt sagte - allzu unbeweglich war.
Aber während Leber glaubte, die Partei müsse ihre historischen Grenzen (Bebel: "Die Sozialdemokratie ist die Partei der zum Selbstbewußtsein und Klassenstolz erwachten Arbeiterklasse") sprengen und "Heimat sein für jene im Krieg heimatlos gewordene bürgerliche Jugend, die ein neues Vaterland sucht" - während Leber also die SPD nach rechts öffnen wollte und damit bei der Spitze nicht durchdrang, meinte der junge Brausekopf Herbert Karl Frahm, das Heil müsse von links kommen.
Damals hatte sich zwischen SPD und KPD eine Splittergruppe aufgetan, die "Sozialistische Arbeiterpartei" (SAP) unter Max Seydewitz, und mit dieser Partei liebäugelte Frahm. Vergebens suchte Leber seinen Adepten vom Übertritt zurückzuhalten. Er packte ihn bei der Eitelkeit: die SAP mit dem buckligen Max Seydewitz sei doch ein halber Krüppelverein verklemmter Schwärmer, was denn der junge Frahm dort wolle? Er wisse doch trotz seiner Jugend ein gutes Buch, einen guten Tropfen und die Gunst eines schönen Mädchens zu schätzen. Doch Frahm ließ sich nicht zurückhalten. Er schloß sich 1931 der SAP an und wurde Führer in ihrer Jugendorganisation.
1932 bestand Herbert Frahm am Lübecker Johanneum sein Abiturienten-Examen. Als Berufswunsch gab er bei seinem Abgang "Zeitungsschreiber" an, weil er meinte, als Deutscher habe man das Fremdwort "Journalist" zu vermeiden. Das Lehrerkollegium war anderer Ansicht und machte "Journalist" daraus.
Herbert Frahm volontierte ein Jahr lang bei einer Lübecker Schiffsmaklerfirma, dann ergriff Hitler die Macht. Schon in der Nacht des 30. Januar 1933 wurde Julius Leber zum erstenmal verhaftet. Beim Vorsitzenden des Ortsausschusses der Lübecker Gewerkschaften erschien eine Delegation, deren jüngstes Mitglied Herbert Frahm war, und forderte den Generalstreik. Aber der Gewerkschaftsvorsitzende bat, die Resolution wieder einzustecken. Ob denn nicht bekannt sei, daß Streiks verboten seien?
Der Doppel-Emigrant
Eine Vielfalt von Gründen bewog den 20jährigen Herbert Frahm bald darauf, seine Heimat zu verlassen. Sicherlich war es die Furcht vor nationalsozialistischer Verfolgung, aber es mochten wohl auch die Enttäuschung über die laue SPD mitspielen und der Wunsch,. alle familiären Brücken hinter sich abzubrechen. Herbert Frahm ging nach Norwegen, das er schon als Schüler kennengelernt hatte, und wurde von den norwegischen Behörden als politischer Flüchtling anerkannt. Fortan nannte er sich Willy Brandt.
Was Willy Brandt während seiner Emigrationsjahre getan und gelassen hat, das soll noch in diesem Monat vor dem Landgericht Berlin erörtert werden. In Berlin hatte es nämlich der Oberregierungsrat Hermann Fischer, Inhaber einer Sarghandlung, der eine Zeitlang für die FDP Berliner Senator für Inneres war und dann FVP-Mann wurde, im Jahre 1957, zwölf Jahre nach Kriegsende, für erfolgversprechend gehalten, seinem politischen Gegner Willy Brandt in der öffentlichen Meinung dadurch zu schaden, daß er andeutete, Brandt habe mit der Waffe in der Hand gegen Faschismus und Nationalsozialismus gekämpft.
Das Blatt der Berliner FVP, das "Montags-Echo", machte die Kampagne mit. Durch Andeutungen und scheinheilige öffentliche Fragen an Brandt versuchten Fischer und das "Montags-Echo" bei Hörern und Lesern den Eindruck zu erwecken, Brandt habe als "Rot-Front-Kämpfer" am spanischen Bürgerkrieg teilgenommen und im zweiten Weltkrieg als norwegischer Soldat gegen die deutsche Wehrmacht gekämpft.
Tatsächlich hatte derartiges am 10. Januar 1955 und am 1. November 1956 in der Osloer Zeitung "Aftenposten" gestanden. Da hatte es geheißen: "An Willy Brandts Einsatz für Norwegen während des Krieges braucht wohl nicht erinnert zu werden. Er nahm am Krieg in (der Provinz) Tröndelag als norwegischer Soldat teil." Und: "Brandt ... nahm als Freiwilliger auf norwegischer Seite an den Kämpfen in Norwegen teil."
Nachdem Fischer und das "Montags-Echo" ähnliches verbreitet hatten, strengte Willy Brandt vor dem Berliner Landgericht eine Unterlassungsklage an, über die am 15. Oktober verhandelt werden soll.
In seiner Klageschrift hat Brandt geschildert, daß es sich mit seinem Aufenthalt in Spanien und in Norwegen anders verhalten habe.
Mit Spanien sei es so gewesen: "Der Kläger (Willy Brandt) hat sich in der ersten Hälfte des Jahres 1937 (Februar bis Juni) auf der republikanischen Seite in Spanien als Berichterstatter für skandinavische Zeitungen aufgehalten. Gleichzeitig hat er politische Kontaktaufgaben für die durch ihn vertretenen sozialistischen Gruppen der deutschen Emigration wahrgenommen."
Und was Norwegen angehe: "Der Kläger (Willy Brandt) war bei Kriegsausbruch einer der drei Sekretäre der von den Gewerkschaften getragenen Norwegischen Volkshilfe. Diese hat sich während des Winterkrieges 1939/40 um die humanitäre Hilfe für Finnland bemüht. Nach dem Verlassen Oslos am 9. April 1940 war der Kläger im Rahmen der Volkshilfe, die ihrerseits in Verbindung mit dem norwegischen Sanitätsdienst stand, für Hilfsmaßnahmen zugunsten der Bevölkerung in den von der deutschen Invasion betroffenen süd-norwegischen Gebieten tätig.
"Als die norwegischen Streitkräfte kapitulierten, wurde der Kläger Anfang Mai 1940 in der Nähe von Andalsnes zur Tarnung in eine norwegische Uniform eingekleidet und als angeblicher 'norwegischer Soldat' gefangengenommen. Auf diese Weise ist der Kläger unerkannt geblieben und nicht mit der Gestapo, die für ihn naturgemäß ein besonderes Interesse zeigen mußte, in Berührung gekommen."
Daß die Gestapo sich für Herbert Karl Frahm alias Willy Brandt interessieren würde, war in der Tat sehr wahrscheinlich. Nicht nur, weil er in Norwegen versucht hatte, Emigrantengruppen der "Sozialistischen Arbeiterpartei" zusammenzuhalten. Er hatte vor dem Krieg in Oslo auch an Büchern gearbeitet, die sich mit dem Nationalsozialismus in Deutschland außerordentlich kritisch auseinandersetzten.
Aus deutscher Kriegsgefangenschaft wurde Brandt rasch wieder entlassen. Er entwich in das neutrale Nachbarland Schweden und ließ sich in Stockholm nieder. Die norwegische Gesandtschaft erkannte ihn als norwegischen Staatsbürger an, und nun war er ein doppelter Emigrant: Ein Deutscher, der nach Norwegen emigriert und ein Norweger, der nach Schweden geflohen war.
Diesem Doppelstatus trug der Flüchtling Rechnung. Er trat in keine schwedische Partei oder Organisation ein, sondern blieb im Exil Mitglied der norwegischen Arbeiterpartei, der er 1933 beigetreten war, und wurde Mitglied der schwedischen Exilgruppe der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.
Verbrecher und andere Deutsche
In diesen skandinavischen Jahren hat Willy Brandt an Hand des skandinavischen Anschauungsmaterials ein neues Weltbild entwickelt. Da waren zwei Staaten, Norwegen und Schweden, die Monarchien sind und seit langem von Sozialisten regiert werden, ohne daß die persönliche Freiheit und Initiative irgendwo beschnitten worden - wäre. "Die skandinavischen Sozialdemokraten", sagte Brandt 1949 vor dem SPD-Landesparteitag in Berlin, "führen in Ländern entwickeltster Demokratie eine beispielgebende Wohlfahrtsplanung durch. Wir werden dieses Erfahrungsmaterial viel eingehender studieren müssen, als es bisher geschehen ist. In unseren Programmdiskussionen dürfen wir ... nicht an dem vorbeigehen, was von den demokratischen Sozialisten anderer Länder gedacht und erarbeitet worden ist, vor allem seit 1933, während der Periode, die für die meisten von uns geistige Isolierung bedeutet hat."
Geistige Isolierung hatte diese Periode auch für den Brandt-Widersacher Franz Neumann bedeutet, der von 1933 bis 1945 wieder als Schlosser tätig war. Als Anfang 1945 die Rote Armee über Berlin hereinbrach, zog Neumann den Schlosseranzug aus, sammelte in Reinickendorf seine alten Genossen und knüpfte wieder dort an, wo die deutsche Sozialdemokratie 1933 aufgehört hatte.
Während Neumanns politische Rolle jetzt erst begann, hatte Willy Brandt sich in Skandinavien durchaus schon einen Namen gemacht. Er hatte teils in Oslo, teils in Stockholm, acht Bücher veröffentlicht, darunter eine große Arbeit über den Krieg in Norwegen, ein gutes Dutzend Broschüren geschrieben und eine Menge Zeitschriften- und Zeitungsartikel. Mit dem norwegischen Außenminister Lange verband ihn Partei- und persönliche Freundschaft.
Auch an die norwegische Gesellschaft hatte Brandt Anschluß gefunden. Im schwedischen Exil hatte er Rut Hansen, die Witwe eines prominenten norwegischen Journalisten, kennengelernt. Er heiratete sie. So kommt es, daß die Frau des Regierenden Bürgermeisters von Berlin eine Norwegerin ist und daß mit den zwei Söhnen heute norwegisch gesprochen wird.
Brandt war nach der Kapitulation der Wehrmacht zunächst von Stockholm nach Oslo zurückgekehrt. Im Herbst 1945 ging er dann als norwegischer Zeitungskorrespondent zum Hauptkriegsverbrecherprozeß gegen Göring und andere nach Nürnberg. über seine Nürnberger Zeit veröffentlichte er 1946 in Oslo und Stockholm sein neuntes Buch, das am 15. Oktober 1957 vor dem Berliner Landgericht in Brandts Unterlassungsklage gegen den Senator außer Diensten Fischer eine Rolle spielen wird. Das Buch hat den Titel: "Forbrytere og andre tyskere". Wörtlich übersetzt heißt das: "Verbrecher und andere Deutsche." Hermann Fischer zitierte andersherum: "Deutsche und andere Verbrecher." Willy Brandt will den Titel heute sinngemäß verstanden wissen: "Die Kriegsverbrecher und das andere Deutschland."
Tatsächlich wendet sich das Werk gegen die These von der deutschen Kollektivschuld, und allen Verdächtigungen, er habe sich in der Emigration zu sehr von seinem Vaterland distanziert, hält Willy Brandt einen Auszug aus einem Buch des ehemaligen norwegischen Außenministers und späteren Uno-Sekretärs Trygve Lie entgegen, das im vergangenen Jahr erschienen ist.
Lie verbrachte den Krieg in London, und sein Buch "Med England i ildlinjen" ("Mit England in der Feuerlinie") setzt sich kritisch mit seinen Landsleuten auseinander, die nach Schweden emigriert waren, vor allem mit Martin Tranmael, dem Nestor der norwegischen Arbeiterbewegung. Tranmael hatte 1941 Bedenken dagegen angemeldet, daß sich Trygve Lie als Außenminister der norwegischen Exilregierung in London unter allen Umständen für die militärische Besetzung Deutschlands ausgesprochen hatte.
In seinem Buch attackiert Lie den Tranmael und dessen "nächste Gleichgesinnte in Stockholm", zu denen er ausdrücklich Willy Brandt zählt.
Da heißt es: "Ich war inzwischen ziemlich ärgerlich geworden über die Haltung, die führende Norweger in Schweden einnahmen. Zunächst hatten sie - verständlich genug, da sie gezwungen waren, sich in Schweden aufzuhalten - versucht, die Neutralität Schwedens auf die bestmögliche Art zu verteidigen, und danach hatten sie die wohlwollendste Erklärung gegeben, die man für die Teilnahme Finnlands an der Seite Hitlers im Krieg gegen unsere Alliierten geben konnte Aber es ging meiner Meinung nach zu weit, wenn sie nun darüber hinaus mehr an Deutschland zu denken schienen als an die Interessen Norwegens und daran, den Krieg zu gewinnen."
Zu der Zeit, als Willy Brandt für skandinavische Blätter den Kriegsverbrecherprozeß in Nürnberg beobachtete, begannen sich allenthalben in Deutschland die Sozialdemokraten wieder zusammenzuschließen. Als die SPD der amerikanischen Zone in der Nähe Frankfurts eine ihrer ersten Konferenzen abhielt, fuhr Brandt hin. Er traf zum ersten Male mit Kurt Schumacher zusammen.
Sofort in Deutschland zu bleiben - dazu konnte Brandt sich nicht entschließen. Er reiste nach Oslo zurück. Dort hatte sein Freund, der Außenminister Lange, einen Staatsauftrag für ihn: ob er Lust habe, zur norwegischen Militärmission beim Alliierten Kontrollrat in Berlin zu gehen?
Man brauche neben Militärs dort jemanden, der in der Lage sei, für das norwegische Außenministerium regelmäßig über die politische Entwicklung, besonders bei den Sowjets, zu berichten; Brandt werde den Titel eines Presseattachés bekommen. Willy Brandt sagte zu. Ende 1946 nahm er bei den Norwegern in Berlin seinen Dienst auf.
Damals, als noch niemand in Berlin den norwegischen Attaché Brandt kannte, war Franz Neumann gerade dabei, sich in der Berliner SPD einen Namen zu machen. Am Tage vor Weihnachten 1945 hatten die Zentralvorstände von KPD und SPD, die für die Sowjetzone und ganz Berlin amtierten, die Verschmelzung ihrer Parteien eingeleitet. Am 20. Februar 1946 kam der westdeutsche SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher nach Berlin und widersprach diesen Plänen.
Seinen treuesten Gefolgsmann fand er In dem Reinickendorfer Franz Neumann. Am 1. März stellte Neumann in einer Konferenz von 2000 Berliner SPD-Funktionären den Antrag, die Berliner SPD-Mitglieder sollten über den Fusionsplan eine Urabstimmung veranstalten. Im Sowjet-Sektor wurde die Abstimmung verboten, in den drei West-Sektoren fand sie am 31. März 1946 statt.
Zwei Fragen hatten die Berliner Sozialdemokraten in jener Urabstimmung zu beantworten: Ob sie für eine brüderliche Zusammenarbeit mit der KPD seien und ob
- sie eine Verschmelzung mit der KPD befürworteten. Die erste Frage beantworteten zwar 62 Prozent der Mitglieder mit einem Ja, die Verschmelzung dagegen lehnten sie mit einer Mehrheit von 82 Prozent ab. Franz Neumann war der Held des Tages.
Im April 1946 wählten die Berliner SPD-Delegierten den Helden aus Reinickendorf zu ihrem Landesvorsitzenden. Seither haben sie ihm stets ihr Vertrauen bewiesen, so lange, bis Franz Neumann dem Willy Brandt Steine in den Weg warf.
Damals, 1946, war von Willy Brandt noch keine Rede. Er amtierte als norwegischer Attaché. Im Hause von Frau Annedore Leber, der Witwe seines Lübecker Gönners Julius Leber, der noch am 5. Januar 1945 von den Nationalsozialisten hingerichtet worden war, lernte Attache Brandt einen anderen Heimkehrer kennen: Ernst Reuter, der das Dritte Reich in der Türkei überdauert hatte.
Reuter, vor 1933 Berliner Stadtrat, war Ende 1946 nach Deutschland zurückgekehrt. In Hannover traf er mit Franz Neumann zusammen, dem Helden von Reinickendorf. Die Begegnung war für Reuter enttäuschend. Er hatte gehofft, man werde ihm den Posten des Berliner Oberbürgermeisters anbieten. Neumann aber hatte für dieses Amt schon einen anderen Kandidaten namens Dr. Otto Ostrowski parat, der dem Berliner Parteivorsitzenden geeigneter schien.
Als Otto Ostrowski für den Posten benannt wurde, hatte er nämlich gesagt, er empfinde es als Auszeichnung, für das Amt des Oberbürgermeisters von Berlin nominiert zu werden, aber er wisse: der eigentliche Oberbürgermeister der Stadt werde immer der SPD-Landesvorsitzende sein.
Von dem weltläufigen, selbstbewußten Ernst Reuter hatte Neumann solche Ergebenheitsadressen nicht erwarten können. Als Reuter später trotzdem - nach der Spaltung Berlins - Regierender Bürgermeister wurde, war das Verhältnis zwischen ihm und Neumann von Anfang angespannt. Die Spannungen wurden um so schärfer, je mehr sich die Ansichten Reuters und Neumanns - der lange Zeit Kurt Schumacher auf seiner Seite hatte - voneinander entfernten.
Ende 1947 entschloß sich Willy Brandt nach Gesprächen mit Kurt Schumacher, auf alle Vorteile aus seinem Alliierten-Status zu verzichten, die norwegische Staatsbürgerschaft abzulegen und fürderhin mit einer deutschen Lebensmittelkarte vorliebzunehmen. Die sozialdemokratische Landesregierung in Kiel bürgerte ihn ein. und sein Deckname Willy Brandt unter dem er in Skandinavien geschriftstellert hatte, wurde nun auch sein amtlicher Name.
Vor skandinavischen Journalisten begründete Brandt im Kopenhagener Palace-Hotel, warum er diesen Schritt vom norwegischen Attaché zum deutschen SPD-Funktionär getan habe: "Es würde besser sein, der einzige Demokrat in Deutschland zu sein, als einer von vielen Demokraten in Norwegen oder in einem sonstigen Land, wo jeder von selbst weiß, was Demokratie ist." Es gelte, die deutsche Jugend vor dem Bolschewismus zu retten.
Kurt Schumacher, der energisch darauf bedacht war, möglichst viele Schlüsselpositionen des öffentlichen Lebens mit Sozialdemokraten zu besetzen, wollte seinen neuen Mitstreiter Brandt zunächst zum Chef einer Nachrichtenagentur machen, entweder der Dena in der amerikanischen Zone oder des DPD in der britischen.
Aber daraus wurde nichts. Und so fand man für den auslandserfahrenen Willy Brandt eine neue Position: Am 1. Januar 1948 übernahm er das Berliner Sekretariat des Parteivorstandes der SPD, das die Verbindung zu den vier Alliierten halten sollte, deren Spitzendienststellen noch samt und sonders in Berlin saßen und Deutschland regierten.
Mit diesem Amt Brandts war ein Recht verknüpft, das ihm als Startloch zum ersten Sprint an die Spitze Berlins diente: Er durfte ohne Stimmrecht an den Sitzungen des Berliner SPD-Landesvorstandes unter Franz Neumann teilnehmen.
Der Präfekt von Berlin
In einer Biographie über Ernst Reuter, die er mitverfaßte und die in diesen Wochen erscheint*, erinnert sich Willy Brandt an die Zeit, in der er sein Berliner Debüt als SPD-Politiker gab:
"Im Frühjahr 1948 wurde es klar, daß die offene Liquidierung des Viermächte-Regimes auf der Tagesordnung stand. Das Tauziehen um Deutschland zwischen den beiden Machtblöcken war im Begriff, zur politischen und wirtschaftlichen Zerreißung des Landes in zwei Teile zu führen und damit zu einer Machtprobe in Berlin. Reuter zögerte nicht, für die Berliner Politik Schlüsse aus dieser Lage zu ziehen und seine persönliche Haltung zu präzisieren: Mitte März 1948 riet er seiner Partei, von der realen Tatsache auszugehen, daß Deutschland vom Osten her gespalten worden sei."
Es kam die Spaltung der Stadt, die Blockade Berlins und die Beratung des Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat zu Bonn. Es ging um die Frage, wie die Sozialdemokraten sich weiter verhalten sollten.
Reuter meinte, man müsse jetzt unter allen Umständen einen westdeutschen Staat konstituieren, und zwar so rasch wie möglich, damit das abgeschnittene Berlin einen Rückhalt im Westen habe. Wie dieser Staat im einzelnen konstruiert sei und ob er sozialdemokratischen Vorstellungen entspreche, erschien Reuter in dieser Notlage nicht so wichtig.
Schumacher dagegen meinte, es gelte die Chance eines staatlichen Neubeginns zu nutzen und möglichst viel sozialdemokratisches Gedankengut in das neue Grundgesetz hineinzupraktizieren, selbst wenn dadurch die Konstituierung des Weststaates verzögert werde. Obgleich Willy Brandt in Berlin als Abgesandter Schumachers amtierte, neigte er immer mehr Reuters Ansichten zu.
Über die persönlichen Spannungen zwischen Reuter und Schumacher schreibt Brandt in seiner Reuter-Biographie: "Reuter fuhr Anfang Februar (1948) auf Einladung der britischen Regierung nach London und besuchte Außenminister Schuman in Paris; Ende März wurde er nach den Vereinigten Staaten, eingeladen. Kurt Schumacher und seine Mitarbeiter erwarteten, daß Reuter vor solchen Gesprächen mit ihnen Fühlung nehmen und nachher ihnen berichten würde - und da Schumacher nach seiner Beinamputation noch immer an sein Zimmer gefesselt war, hieß das: sie wünschten, daß Reuter vor und nach solchen Reisen nach Hannover käme, wie das andere führende Sozialdemokraten auch aus weniger wichtigen Anlässen zu tun pflegten.
"Aber Reuter kam nicht; und sein Ausbleiben in dieser Zeit führte zum Beginn einer persönlichen Entfremdung zwischen den beiden stärksten Persönlichkeiten der deutschen Sozialdemokratie. Tatsächlich gab es technische Schwierigkeiten für einen solchen Besuch; hinter den technischen Schwierigkeiten stand jedoch deutlich die Schwierigkeit der Verständigung zwischen Reuter, dem selbstsicheren Einzelgänger, und dem Apparat der Partei.
"Schließlich war es nicht Schumacher selbst, der die Post erledigte, und die Telephonate beantwortete; und Reuter war mit Partei-Sekretären noch niemals gut ausgekommen. Schumacher, der unter seiner Unbeweglichkeit bitter litt hörte von solchen Reibungen aus zweiter Hand; ihm erschien es als politische Gefahr, daß der Präfekt von Berlin', wie er Reuter ironisch nannte, auf eigene Faust Außenpolitik machte, während er ans Lager gefesselt war."
Franz Neumann, der Parteisekretär, hat in all den Auseinandersetzungen gegen Ernst Reuter Stellung bezogen. In seiner Reuter-Biographie deutet Brandt es an: "Die erheblichen Schwierigkeiten, mit denen Reuter in seiner Partei zu kämpfen hatte, waren jedoch nur zum Teil durch sachliche Meinungsverschiedenheiten bestimmt. Weitgehend beruhten sie auf der chronischen Spannung zwischen Reuters Persönlichkeit und dem parteiorganisatorischen Betrieb.
"Trotz guter Kenntnis des traditionellen Hintergrundes und des festen Organisationsgefüges der deutschen Sozialdemokratie fiel es ihm nicht leicht - zumal er unter dauernder Arbeitsüberhäufung litt -, unter den Funktionären geduldig für seinen Standpunkt zu werben, wenn er die Überlegenheit der Argumente auf seiner Seite wußte...
"Er empfand zuweilen, daß seine Arbeit nicht anerkannt wurde und daß ihm Vertrauensleute der eigenen Partei nicht wie Kameraden, sondern als Kontrolleure gegenüberstanden. Er nahm es sich zu Herzen, wenn er öffentlich desavouiert, vor allem auch, wenn er hinter seinem Rücken angegriffen wurde.
"Reuter hatte nicht verhehlt, daß er Veränderungen in seiner Berliner Partei begrüßt haben würde. Aber er versuchte nicht ernsthaft, die Führung des Stadtstaates mit der Leitung der Partei auf einen Nenner zu bringen ...
"Die Berliner Spannungen sollten sich auch auf das Verhältnis Reuters zur Führung der Sozialdemokratischen Partei in Bonn auswirken. Er ahnte zunächst nur - und erfuhr es im Laufe der Jahre genauer -, daß sein Verhältnis zur Parteizentrale durch einseitige Berichte aus Berlin ungünstig beeinflußt worden war."
Der ewige Kleinkrieg des Berliner SPD-Vorsitzenden gegen den Regierenden Bürgermeister kostete Kraft und Nerven. Als Reuter im Oktober 1953 zu Grabe getragen wurde, bestand seine Witwe darauf, daß Neumann nicht am Sarge sprechen dürfe, falls man auf ihre Gegenwart Wert lege.
Zu Reuters Lebzeiten hatte sich Brandt immer mehr von Schumacher entfernt und zu einem Parteigänger Reuters entwickelt, besonders in jener Kardinalfrage, die nach der Konstituierung der Bundesrepublik auftauchte: Sollte das sozialdemokratisch geführte Berlin unbesehen alle Bonner Gesetze im Interesse der Rechtseinheit übernehmen - wozu es rechtlich nicht verpflichtet war -, auch wenn sie gegen den erbitterten Widerstand der Bonner SPD zustande gekommen waren, oder sollte Berlin auf diese Übernahme verzichten und eine sozialdemokratisch geführte unabhängige Innenpolitik treiben? Franz Neumann gab - wie es seiner Stellung und seinem Herkommen entsprach - der Parteilösung den Vorzug, Reuter und Brandt hielten die Rechtseinheit zwischen dem Bund und Berlin für wichtiger.
Während all dieser Schwierigkeiten hatte Willy Brandt zähe weiter an seiner Position In der Berliner SPD gebaut. 1949 war er Bundestagsabgeordneter geworden, 1950 wurde er ordentliches stimmberechtigtes Mitglied des Berliner SPD-Vorstandes. 1951 zog er in das Berliner Abgeordnetenhaus ein. 1952 kandidierte er im Einvernehmen mit Reuter gegen Neumann für den Berliner SPD-Landesvorsitz Aber es war noch zu früh. Er bekam nur ein Drittel der Delegiertenstimmen und fiel durch.
Im August 1952 starb Kurt Schumacher, im September 1953 Ernst Reuter. Die Stellvertreter rückten nach, das Mittelmaß begann zu regieren. An die Spitze der SPD trat Schumachers Stellvertreter Ollenhauer, an die Spitze Berlins Reuters Stellvertreter Dr. Walther Schreiber von der CDU.
Willy Brandt bekennt heute freimütig, wie es ihm in diesen Jahren nach und nach gelang, das Funktionärkorps, das zunächst auf Franz Neumann eingeschworen war und auch Reuter nur zögernd toleriert hatte, auf seine Seite zu bringen. Geduldig klapperte er Betriebsgruppen und Kreisvorstände ab und machte den Genossen in langen Reden und Diskussionen klar, daß nicht Neumanns, sondern seine, Brandts, Sicht der Dinge richtig sei.
Im Landesvorstand allerdings konnte sich Brandt nur schwer durchsetzen, in den Kreisvorständen war die Brandt-Mehrheit schon stärker, und in der Mitgliedschaft schließlich ganz breit. Brandt wollte nicht Reuters Fehler wiederholen und sich der Mitgliedschaft entfremden. Er wollte sich für seine Führungsposition auf unterster Ebene, in den Betriebsgruppen und Abteilungen, ein solides Fundament schaffen, um sich nicht später - wie Reuter im ständigen Kleinkrieg mit dem Partei-Apparat zerreiben zu müssen.
Dem Mann aus Lübeck kam dabei seine Zielstrebigkeit zugute. Wenn er da vor den Genossen stand und mit lauter Stimme langsam und deutlich seine Thesen *entwickelte und immer wieder beteuerte, wie sehr es ihm darauf ankomme, der Zustimmung möglichst vieler Mitglieder sicher zu sein, machte er auf seine Zuhörer beträchtlichen Eindruck.
Hinzu, kam, daß sein Gegenspieler Franz Neumann allmählich Star-Allüren entwickelte. Er glaubte sich des Funktionärkorps so sicher, daß er es nicht mehr für nötig hielt, seine Schritte jeweils mit den Genossen abzustimmen. Die Genossen mochten das nicht. Und so blieb Brandts Erfolg nicht aus. Anfang 1954 kandidierte er für den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden der Berliner SPD und wurde gewählt.
Es dauerte kein Jahr, bis zum Januar 1955, da schaffte Willy Brandt wiederum einen Sprung. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Otto Suhr, wurde nach den Berliner Wahlen, die der SPD die absolute Mehrheit brachten, an Stelle CDU-Schreibers Regierender Bürgermeister, und Brandt rückte auf den Stuhl des Parlamentspräsidenten nach. Die SPD-Fraktion des Abgeordnetenhauses hatte mit 36 gegen 25 Stimmen für ihn gestimmt.
Keime des Brudermords
Zu den sachlichen Gegensätzen zwischen Brandt und Neumann kamen persönliche. Sie schlugen am 5. November 1956 in offene Feindschaft um. Unmittelbar nachdem die Sowjet-Armee den ungarischen Volksaufstand niedergeschlagen hatte, war von den Berliner Parteien vor dem Schöneberger Rathaus eine Protestkundgebung angesetzt worden, zu der etwa hunderttausend erregte Berliner kamen. Die Veranstalter hatten offenbar das Temperament der Berliner unterschätzt. Als Neumann im Funktionärsdeutsch eine Schablonenrede hielt, wurde er von der aufgewühlten Menge, die Taten sehen wollte, niedergeschrien und ausgepfiffen.
Mit Mühe und Not gelang, es Willy Brandt und dem Berliner CDU-Vorsitzenden Ernst Lemmer, die Erregung zu dämpfen und in einen platonischen Protest an die Uno umzubiegen. Aber einige tausend jugendliche Hitzköpfe zogen mit Fackeln zur Sektorengrenze ans Brandenburger Tor, riefen "Russen raus!",, "Freiheit für Ungarn!" und wollten im Ostsektor vor der Sowjet-Botschaft demonstrieren.
Am Brandenburger Tor war Volkspolizei mit Karabinern im Anschlag aufmarschiert. Die Demonstranten versuchten, den Westberliner Polizeikordon zu sprengen; sie waren offenbar entschlossen, geradenwegs in die Vopo-Gewehre zu laufen. Wieder war es Willy Brandt, der eine gefährliche Explosion buchstäblich im letzten Augenblick verhütete. Er redete von einem Lautsprecherwagen der Polizei aus auf die Demonstranten ein und brachte es fertig, die Tobenden zum Rückzug zu überreden.
Brandt erschien allen Besonnenen als der Held der Stunde. Franz Neumann hatte sich und die Partei öffentlich blamiert. In dieser Nacht war der Keim zu dem gelegt, was der SPD-Abgeordnete Herbert Wehner später einen "Brudermord" nannte.
Am 30. August 1957 war der Regierende Bürgermeister Otto Suhr gestorben. Am Sterbelager Suhrs hatten Neumann und Brandt noch beieinander gesessen. Aber kaum war das Staatsbegräbnis vorbei, da wurde sichtbar, daß Berlins öffentliche Meinung als Regierenden Bürgermeister Willy Brandt zu sehen wünschte.
Auch bürgerliche Blätter wußten keinen besseren Kandidaten vorzuschlagen; denn die Lage Berlins macht es notwendig, daß an der Spitze der Stadt ein Mann steht, der mehr als ein tüchtiger Kommunalbeamter ist. Die Berliner Lokalpresse war übereinstimmend der Ansicht, daß von allen Berliner SPD-Politikern nur Willy Brandt das Zeug hat, sich zu einer Figur vom Zuschnitt Ernst Reuters zu entwickeln, zu einer jener seltenen Kreuzungen zwischen weitschauendem undogmatischen Politiker und Volkstribun, die Berlin als Stadtoberhaupt braucht und derer die Berliner seit dem Tode Ernst Reuters haben entraten müssen.
Die Berliner also wollten Brandt, Neumann aber wollte ihn nicht. Der Parteivorsitzende hatte schon frühzeitig erkennen lassen, daß er sich übergangen fühlte, als die SPD nacheinander Ernst Reuter und Otto Suhr für das Amt des Regierenden Bürgermeisters nominierte. Diesmal war Neumann zornig entschlossen, den favorisierten Kandidaten, nämlich Willy Brandt, zu Fall zu bringen. Er versuchte es mit der gleichen Unbeirrbarkeit, mit der er 1946 gegen die Zwangsvereinigung der SPD mit den Kommunisten angerannt war.
Nun konnte Neumann nach jenem Ungarn-Kundgebungs-Debakel vom 5. November 1956 - das Datum hat schon einen festen Platz in der Parteigeschichte nicht mehr selbst kandidieren. Er hatte aber in Berlin auch niemanden parat, den er dem Willy Brandt mit Aussicht auf Erfolg gegenüberstellen konnte. Und so begann er ein ziemlich kurzsichtiges Spiel, das ihn über kurz oder lang auch noch um den Berliner Parteivorsitz bringen kann.
Obgleich alle Welt in Berlin sich schon darüber einig war, daß Willy Brandt Regierender Bürgermeister werden solle - seine beharrliche Arbeit in den unteren Parteiorganen trug jetzt ihre Früchte - erzählte Franz Neumann am Tage vor der Bundestagswahl, er wolle dem Landesausschuß seiner Partei vorschlagen, einen Verwaltungsfachmann für den vakanten Posten zu benennen. Er stehe mit mehreren Persönlichkeiten aus dem Bundesgebiet in Verbindung. Am Dienstag nach der Bundestagswahl wolle er nach Westdeutschland fahren.
Als Neumann diese Absichten verkündete, hatte er sich zweimal verschätzt. Er hatte nicht damit gerechnet, daß Willy Brandt alle Genossen in Westdeutschland, die eventuell als Bürgermeister-Kandidaten in Frage kommen würden - Carlo Schmid, Herbert Wehner, Fritz Erler, Walter Menzel -, auf seine Linie verpflichtet hatte. Das war um so leichter, als diese Parteimatadore ohnehin wenig Lust hatten, die Bonner Arena mit dem Berliner Klein-Zirkus zu vertauschen.
Neumanns zweiter Irrtum war, daß er glaubte, seine Kandidatensuche beginnen zu können, ohne die Berliner Parteigremien vorher gefragt zu haben. Als er nach zwei Tagen von der Kandidatensuche aus dem Westen zurückkam, stieß er bei den Berliner Genossen auf offene Feindseligkeit
Einen Tag vorher hatte der Bonner SPD-Vorstand in Gegenwart Neumanns und Brandts den Bruderzwist erörtert. Obschon Schmid, Wehner, Erler und Menzel abgesagt hatten, behauptete Neumann beharrlich, er habe noch jemanden parat Er wurde bestürmt, den Namen dieses Kandidaten zu nennen, doch Neumann zierte sich. Da löste Erich Ollenhauer die Spannung: "Dann werde ich es euch sagen, es ist Adolf Arndt."
Das Entsetzen war allgemein. Nicht nur, daß Adolf Arndt als Fraktions-Jurist kaum zu entbehren ist, er hat auch keineswegs reiche Verwaltungserfahrung, wenn man davon absieht, daß er vom Dezember 1945 bis September 1949 Ministerialrat im hessischen Justizministerium war. Überdies ist es mit seiner Gesundheit nicht zum besten bestellt. Carlo Schmid ging denn auch hoch: Ob Neumann in Berlin - nach Reuter, Louise Schroeder und Suhr - ein viertes SPD-Staatsbegräbnis haben wolle. Der konziliante Ollenhauer schlug, wie es seine Art ist, einen Kompromiß vor: Brandt sollte Bürgermeister und Neumann Präsident des Abgeordnetenhauses werden.
Carlo Schmid verließ die Sitzung und telephonierte mit Arndt. Der Fraktions-Jurist bestätigte, daß er Franz Neumann eine bedingte Zusage gemacht habe, bedingt insofern, als er nur annehmen wolle, wenn er von der Berliner SPD einstimmig nominiert werde.
Arndt begründete seinen Schritt unter anderem mit privaten Motiven: Seine Frau wolle nach Berlin, und er habe den Wunsch, einmal in Berlin zu sterben. Er wolle ohnehin nur noch eine Legislaturperiode in Bonn aushalten. Nachdem Carlo Schmid die Bedenken gegen die Kandidatur Arndts klargelegt hatte, versprach Arndt, am nächsten Tag von der Kandidatur zurückzutreten.
Der Parteivorstand konnte sich nicht dazu durchringen, in der Sache einen Beschluß zu fassen. Den Berliner Bruderkämpfern Brandt und Neumann wurde empfohlen, eine Lösung zu suchen. Am besten sei es für die Einheit der Partei, wenn Neumann sich doch noch dazu entschließen könnte, Willy Brandt als Kandidaten vorzuschlagen.
Der kranke Adolf Arndt machte sein Versprechen wahr, das er Carlo Schmid gegeben hatte: Er schrieb an Franz Neumann - Durchschlag an den Parteivorstand -, er wolle nur kandidieren, wenn es nicht zu einer Kampfabstimmung gegen seinen Freund Willy Brandt komme. Woraufhin Franz Neumann dem Berliner Landesausschuß, der Willy Brandt parat hielt, unverdrossen als zweiten Kandidaten Adolf Arndt präsentierte.
Der Landesausschuß beschloß jedoch nach über vierstündigen Auseinandersetzungen mit 24 gegen 15 Stimmen, dem Landesparteitag nur einen Kandidaten zu nominieren, und er empfahl dem außerordentlichen Parteitag mit 24 gegen 13 Stimmen Willy Brandt.
Vergebens hatte Neumann versucht, die Abstimmung zu vertagen: Die Neumann-Gruppe, im Parteijargon die "Keulen-Riege", behauptete, der Beschluß sei unkorrekt zustandegekommen. Doch die Brandt-Leute replizierten, Neumann habe die Parteisatzungen gebrochen, als er im Bundesgebiet nach einem Kandidaten gesucht habe, ohne dazu ermächtigt gewesen zu sein. Adolf Arndt in Bad Wildungen wurde über das Abstimmungsergebnis unterrichtet.
Doch Franz Neumann gab immer noch nicht auf. Schon einen Tag nach der Sitzung des Landesausschusses erklärte der Bezirksbürgermeister von Berlin-Kreuzberg, ("Texas-Willi") Kressmann, nun wolle er gegen Brandt kandidieren, damit der Parteitag auch wirklich zwischen zwei Kandidaten wählen könne. Er habe schon zwei der zwanzig Berliner SPD-Kreise - Pankow und Reinickendorf - hinter sich.
Die Kressmannsche Kandidatur gegen Brandt währte jedoch nur ein paar Tage. Dann zog er sie wieder zurück. Inzwischen hatte nämlich die SPD-Kreisorganisation Charlottenburg beschlossen, auf dem Parteitag ein Mißtrauensvotum gegen Franz Neumann wegen seines "letzten Verhaltens" einzubringen.
Nun ging es der "Keulen-Riege" nur noch darum, diesen Antrag unter den Tisch zu bügeln - Brandts Wahl war ohnehin nicht mehr zu verhindern -, und das gelang schließlich auch. Brandt wurde vom Parteitag mit 223 gegen 26 Stimmen bei 22 Enthaltungen als Regierender Bürgermeister von Berlin nominiert, ohne daß gleichzeitig ein Mißtrauensvotum gegen den Landesvorsitzenden Franz Neumann auf der Tagesordnung stand.
Willy Brandt versicherte, er werde sich keiner Gruppe verpflichtet fühlen, sondern immer an die Gesamtheit des Parteitages herantreten, wenn er Schwierigkeiten habe - er weiß, daß er im Parteitag stets die sicherste Mehrheit haben wird, nachdem es ihm gelungen ist, die Masse der Genossen auf seine Seite zu bringen.
Mit seinen kräftigen Händen hat Willy Brandt jetzt auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Blitzkarriere nach allen erreichbaren Hebeln der Macht gefaßt. Weil dem Lande Berlin in diesem Jahr der Vorsitz im Deutschen Bundesrat turnusmäßig zusteht, wird Brandt protokollarisch auch Vertreter des Bundespräsidenten.
Der Bundesbevollmächtigte in Berlin, Dr. Heinrich Vockel, hatte in einem Zeitungsartikel sondieren lassen, ob Brandt nicht auf das Bundesratspräsidium verzichten solle, um sich erst einmal in Berlin einzuarbeiten. Brandt fragte Ollenhauer um Rat, und der riet vom Verzicht ab; Vorwürfen, die sich auf die eigene Emigrantenzeit beziehen, dürfe man nicht nachgeben, sagte England-Emigrant Erich Ollenhauer zu Norwegen-Emigrant Willy Brandt.
Und auch der zweite Berliner Bürgermeister Amrehn von der CDU riet - aus Berliner Kameraderie - die Stadt wird von einer SPD-CDU-Koalition regiert vom Verzicht ab.
Berlin ist nun - nach Bayern (Hoegner) und Bremen (Kaisen) - das dritte deutsche Land, in dem die Sozialdemokratie den Posten des Regierungschefs nicht mit dem Chef des zuständigen Parteiapparats besetzt hat*, und es ist das erste Land, dessen sozialdemokratischer Regierungschef vom Funktionärskorps gegen den erbitterten Widerstand des zuständigen sozialdemokratischen Parteivorsitzenden gewählt wurde.
Ob in diesem Sieg des undoktrinären, elastischen Politikers ein Zeichen dafür zu sehen ist, daß sich auch Bonn die unattraktive Kopplung der Funktionärsspitze mit der Anwartschaft auf die Regierungsspitze überwinden läßt, steht freilich dahin. Ollenhauer hat sich bisher noch nicht so über den Apparat zu erheben versucht wie der bullige Franz Neumann, die "Sturmglocke der Freiheit", wie ihn seine Freunde nennen, als daß die kleinen Funktionäre bereit wären, sich von ihm abzuwenden.
Es müsse auch dort, theoretisierte Willy Brandt auf eine Frage nach Parallelen zwischen Berlin und dem Bundesgebiet, ein Mann dazu bereit sein, die unteren Gliederungen der Partei systematisch zu bereisen und für sich zu überzeugen, damit die Wende von unten kommen könne.
* Willy Brandt, Richard Lowenthal: Ernst Reuter, Ein Leben für die Freiheit; Kindler Verlag, München, 1957; 759 Seiten; 19,80 Mark.
* Der hessische Ministerpräsident Zinn Ist Vorsitzender des SPD-Bezirks Hessen-Nord, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Steinhoff präsidiert dem SPD-Bezirk Westliches Westfalen (Landesorganisationen der SPD gibt es in Hessen und Nordrhein-Westfalen nicht).
SPD-Bürgermeister Brandt, Gattin Rut: Der weltgewandte Außenseiter ...
... besiegte den Oberfunktionär: SPD-Landesvorsitzender Neumann, Genossin Krappe
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Reuter, Ollenhauer, Brandt: Braucht Berlin einen Verwaltungsfachmann?

DER SPIEGEL 41/1957
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BERLIN / BRANDT:
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