29.01.1958

PHILOSOPHEN / NIETZSCHEDas Lama

Die Griechen, die so gut wußten, was ein Freund sei diese selben Griechen haben die Verwandten mit einem Ausdruck bezeichnet, welcher der Superlativ des Wortes Freund ist. Dies bleibt mir unerklärlich
Friedrich Nietzsche: "Menschliches, Allzumenschliches."
Im Weimarer Nietzsche-Archiv, lagert ein Brief, dessen Ränder versengt sind. Der Brief stammt von der Hand des Philosophen Friedrich Nietzsche und ist an eine ältere Dame gerichtet, an Malwida von Meysenbug, die sich einige Zeit - vergebens - bemüht hatte, für den eigenwilligen und empfindlichen Kulturkritiker eine Ehefrau zu finden.
"Wer weiß", schrieb Nietzsche an seine mütterliche Freundin, "wie viele Generationen erst vorübergehen müssen, um einige Menschen hervorzubringen, die es in seiner ganzen Tiefe nachfühlen, was ich getan habe! Und dann selbst noch macht mir der Gedanke Schrecken, was für Unberechtigte und gänzlich Ungeeignete sich einmal auf meine Autorität berufen werden."
Unter vielen düsteren Zukunftsahnungen, die den Philologieprofessor und Philosophen Nietzsche bedrückten, traf diese vielleicht am meisten zu. Nur wenige Denker in Europa sind so wie Nietzsche dem Schicksal ausgeliefert gewesen, von Unberechtigten" und "gänzlich Ungeeigneten" als Autorität für Unternehmungen zitiert zu werden, mit denen ihre Philosophie aber auch nicht das mindeste gemein hatte.
Erst in einer neuen Ausgabe, die kürzlich erschien*, wurden Nietzsches Werke wieder auf jenes Maß reduziert, das ihnen der Philosoph nachweislich selber gegeben hatte. Im Apparat dieser neuen Ausgabe, die der Hanser-Verlag veranstaltete - also in jenem unscheinbaren, in winziger Druckschrift gehaltenen, mit Fußnoten gespicktem Anhang, der wissenschaftlichen Werken beigegeben wird -, hat der Herausgeber, Professor Karl Schlechta, zudem eine der Personen namhaft gemacht und durch einen fast lückenlosen Indizienbeweis überführt, die für eine Verzerrung des Nietzsche-Bildes wesentlich verantwortlich ist: Frau Elisabeth Förster, die Schwester Nietzsches, bis zu ihrem Tode im Jahre 1935 Leiterin des Nietzsche-Archivs in Weimar.
Nietzsches Schwester Elisabeth - sie war zwei Jahre jünger als Friedrich - hat einen langen und zähen Kampf geführt, bis es ihr gelang, sich als die allein zuständige und allein sachverständige Verwalterin der Werke zu deklarieren, die ihr Bruder zu Papier gebracht hat. Um ihr Ziel zu erreichen, hat sie eine beträchtliche Anzahl von Briefen ihres Bruders vernichten oder fälschen müssen.
Nachdem sie ihr Ziel erreicht zu haben glaubte, hat sie die philosophischen und politischen Meinungen ihres Bruders verfälscht, sie hat außerdem unsachverständig und parteiisch aus Manuskriptfragmenten ihres Bruders jenes Buch zusammengestellt und ihm den Titel gegeben, das allen denen als Hauptwerk Nietzsches dienen mußte, die den Philosophen als Autorität für nationalistische Machtpolitik gewinnen wollten, den "Willen zur Macht". Ein Buch zu liefern, das solchen oder ähnlichen Unternehmungen irgend Vorschub leisten könnte, war aber den erklärten Absichten Nietzsches strikte zuwider; seine Schwester zumindest hat das genau gewußt. Sie hat daher den Wissenschaftlern, die an der Vorbereitung einer kritischen Nietzsche-Ausgabe arbeiteten - unter ihnen dem Dr. Karl Schlechta - den Zutritt zu ihren Unterlagen verwehrt. Erst nach Elisabeths Tod entdeckten die Forscher, was Nietzsches Schwester mit Federmesser und Tinte an den Texten ihres Bruders angerichtet hatte.
Friedrich Nietzsche - er wurde 1844 als Sohn eines Pfarrers geboren, erhielt als 24jähriger eine Professur für alte Sprachen in Basel und starb 1900, zwölf Jahre, nachdem eine Progressive Paralyse seinen Verstand gelähmt hatte - war einer der erbittertsten Gegner aller Deutschtümelei. Er hielt den national-militanten ersten Kanzler des Deutschen Reiches, den Fürsten Otto von Bismarck, für gemeingefährlich und verachtete den bramarbasierenden Kaiser Wilhelm II., der von Germaniens "schimmernder Wehr" faselte.
Kaum ein Autor der deutschen Sprache hat zudem so boshaft-zutreffende, so vernichtende Bemerkungen über einen Menschenschlag gemacht, von dem die Deutschen von Zeit zu Zeit heimgesucht werden: über Antisemiten.
"Ein Antisemit", so formulierte Nietzsche etwa, "wird dadurch nicht anständiger, daß er aus Grundsatz lügt"; bei anderer Gelegenheit erklärte er, das Wort Antisemiten sei ein Synonym für die "Schlechtweggekommenen". An seine Mutter schrieb Nietzsche: "Der Himmel erbarme sich des europäischen Verstandes, wenn man den jüdischen Verstand davon abziehen wollte", und an die Verfechter der "Rasse-Reinheit" adressierte er - in seiner Schrift "Fröhliche Wissenschaft" - die Bemerkung: "Wir sind der Rasse und der Abkunft nach zu vielfach und zu gemischt als 'moderne Menschen' und folglich wenig versucht, an jener verlogenen Rassen-Selbstbewunderung und Unzuchtteilzunehmen, welche sich heute in Deutschland als Zeichen deutscher Gesinnung zur Schau trägt..."
Für das speziell "Deutsche" im Deutschen fand Nietzsche - in seinem Buch "Jenseits von Gut und Böse" - kaum schmeichelhaftere Worte. "Der Deutsche", schrieb er, "versteht sich auf die Schleichwege zum Chaos. Und wie jeglich Ding sein Gleichnis liebt, so liebt der Deutsche die Wolken und alles, was unklar, werdend und dämmernd, feucht und verhängt ist: Das Ungewisse, Unausgestaltete, Sich-Verschiebende, Wachsende jeder Art fühlt er als 'tief'."
1873, zwei Jahre nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, dem letzten, den die Deutschen seitdem gewonnen haben, leitete Nietzsche sein Buch "Unzeitgemäße Betrachtungen" mit einigen Bemerkungen ein, die ihn deutlich von allen Nationalisten distanzieren: "Die öffentliche Meinung in Deutschland scheint es fast zu verbieten, von den schlimmen und gefährlichen Folgen des Krieges, zumal eines siegreich beendeten Krieges zu reden: Um so williger werden aber diejenigen Schriftsteller angehört, welche keine wichtigere Meinung als jene öffentliche kennen und deshalb wetteifernd beflissen sind, den Krieg zu preisen und den mächtigen Phänomenen seiner Einwirkung auf Sittlichkeit, Kultur und Kunst jubilierend nachzugehen."
Von allen schlimmen Folgen des Sieges über Frankreich sei, so fand Nietzsche, "die schlimmste ein weitverbreiteter, ja allgemeiner Irrtum: der Irrtum der öffentlichen Meinung und aller öffentlich Meinenden, daß auch die deutsche Kultur in jenem Kampfe gesiegt habe ..." Von einem derartigen Siege aber, erläuterte Nietzsche seinen Landsleuten, könne "aus den einfachsten Gründen nicht die Rede sein: weil die französische Kultur fortbesteht wie vorher und wir von ihr abhängen wie vorher... Nur darüber kann man sich wundern", fand Nietzsche, "daß das, was sich jetzt in Deutschland 'Kultur' nennt", für einen militärischen Sieg "so wenig hemmend" gewesen sei.
Mochte aber Nietzsche gegen Nationalisten, gegen Antisemiten, gegen den Kriegskult schreiben, was immer er wollte: Vor den "gänzlich Ungeeigneten" konnte er sich nicht retten, die ihn nach seinem Tode als philosophische Autorität für ihre philiströs-kraftmeiernde Ideologie benutzten. Während des "Dritten Reiches" fühlte sich jeder Blockwalter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei auf dem Weg zu jenem "Übermenschen", dessen Heraufkunft Nietzsche in seiner Dichtung "Also sprach Zarathustra" gefordert hatte.
Im vergangenen Weltkrieg wurde Nietzsche gar zu einer Art Leitartikler und zu einem Parolenlieferanten umgefälscht. "Gerade uns Kämpfern um das neue germanische Reich deutscher Nation spricht Nietzsche aus der Seele und in die Seele, spricht unser tiefstes Wollen, unsere ganze völkische 'Moral' aus", behauptete einer der Männer, die damals Nietzsche-Ausgaben edierten*.
Der - im übrigen wegen seiner wohlfeilen Klassikerausgaben verdienstliche - Kröner-Verlag veranstaltete sogar eine Anthologie von Nietzsche-Zitaten, die den Titel "Schwert des Geistes" bekam und ausdrücklich "für den deutschen Kämpfer und Soldaten" bestimmt war. Aus dem strikte antinationalen Nietzsche war unversehens der Chefideologe der Nationalsozialisten geworden, dessen Werk den Landsern jene "Härte" abzuverlangen hatte, die das Unvermögen der Führung wettmachen sollte.
Daß es möglich war, einen Schriftsteller zum geistigen Urvater alles dessen zu deklarieren, was er tatsächlich mit geschärfter Feder bekämpft hatte, dafür gibt es vielerlei Gründe - nicht zuletzt den, daß Nietzsche in der Tat Kampf, Härte und Zucht als Ideale predigte, freilich zugunsten von Unternehmungen, die den nationalsozialistischen keineswegs ähnelten.
Unvoreingenommenen Nietzsche-Forschern - aber auch eingeweihten Parteildeologen wie Alfred Rosenberg und Philipp Bouhler - war allerdings klar, daß eigentlich auch jede bloß scheinbare Übereinstimmung zwischen Nietzsches Philosophie und der sogenannten nationalsozialistischen Ideologie undenkbar sein mußte. Die Forscher ahnten oder wußten zudem, daß Nietzsches Schwester Elisabeth, die sich die Rechte an den Werken des Philosophen und dessen Nachlaß gesichert hatte, der Öffentlichkeit die Wahrheit vorenthielt. Elisabeth, Leiterin des Nietzsche-Archivs in Weimar, fabrizierte statt dessen ein Nietzsche-Bild, das ihrem eigenen subalternen Verstand und ihren höchst suspekten politischen Wahnvorstellungen entsprach.
In der von ihm herausgegebenen Sammlung von Nietzsches Werken konnte Professor Karl Schlechta die Fälschungen der Elisabeth Förster-Nietzsche an mehreren Dutzend Beispielen unwiderlegbar nachweisen und aus dem Text wieder eliminieren. Die unter dem Titel "Wille zur Macht" bekannt gewordene Aphorismensammlung ist bei Schlechta wieder auf das kleinere Format einer Notizensammlung reduziert worden, die sich im Nachlaß des Philosophen fand. Die Sammlung heißt bei Schlechta folgerichtig: "Aus dem Nachlaß der Achtzigerjahre."
Schlechta gelang es vor allem, auch aus den Texten Nietzsches nachzuweisen, was der Forscher Richard Blunck** 1953 in einer Biographie Nietzsches mitgeteilt hatte: daß der Philosoph keineswegs - wie ihm Elisabeth in einigen von ihr gefälschten Briefen unterschoben hatte - seine Schwester als die beste Interpretin seines Werkes ansah, sondern daß er sie wegen ihrer Dummheit und ihres Hanges zur Intrige verachtet und oft sogar geschmäht hat.
Unbestreitbar ist freilich, daß zumindest der junge Nietzsche seine Schwester als seine größte Bewunderin ansehen durfte: Er nannte sie seit seiner Kindheit fast immer nur "das Lama", womit er ausdrücken wollte, daß sie durchaus bereit war, geduldig Lasten zu tragen, daß sie aber andererseits auch recht giftig zu spucken verstand.
Da sich Nietzsche den Frauen gegenüber strenge Askese abverlangte - die Gründe sind unbekannt, sicher ist nur, daß Nietzsche in seiner Leipziger Studentenzeit (1866) wegen einer luetischen Infektion behandelt worden war -, wußte er es als Annehmlichkeit zu schätzen, daß ihm seine Schwester zeitweilig in Basel den Haushalt führte. Elisabeth - auch Lisbeth genannt - pflegte den Bruder in Italien, wo er eine Diphtherie auskurierte, die er sich als Krankenpfleger im Krieg 1870/71 zugezogen hatte; sie sorgte auch für ihn, als seine ständigen Kränkeleien - bohrende Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Sehschwäche - ihn so pflegebedürftig machten, daß ganze Arznei-Batterien ständig neben seiner Bettstatt aufgebaut werden mußten.
Der stürmische Freundschaftsbund, den Nietzsche mit dem Komponisten Richard Wagner schloß - Nietzsche feierte den Vater des "Musikdramas" in seiner 1872 verfaßten Schrift "Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" -, war ganz nach dem Herzen seiner Schwester, die sich in der Bekanntschaft mit dem damals bereits überaus prominenten Tondichter sonnte. Elisabeth bewegte sich selbstgefällig im Kreise von Leuten, die von der Welt gefeiert wurden. Sie durfte die Wagner-Kinder in Bayreuth hüten, wenn die Eltern Cosima und Richard verreisten; sie war stolz auf das Lob, das ihr Bruder von Richard Wagner bekam: "Schöneres als Ihr Buch (Die Geburt der Tragödie) habe ich noch nicht gelesen." Oder: "Ihr Buch (Unzeitgemäße Betrachtungen) ist ungeheuer."
Nietzsches ohnehin schwache Gesundheit wurde bereits in diesen Jahren immer schlechter; Kopfschmerzen, Übelkeiten, Magenbeschwerden und eine sich verstärkende Sehschwäche trieben ihn umher. Er suchte Linderung in den Alpen, in Italien; er mußte überlegen, ob er seine Professur niederlegen sollte - was endlich 1879 geschah; Nietzsche war damals 34 Jahre alt. Eine Dame aus dem Freundeskreis um Richard Wagner, Malwida von Meysenbug, hatte sich zu dieser Zeit einen besonderen Plan zurechtgelegt, von dem sie glaubte, daß er - wenn er gelingen würde - Nietzsches Gesundheit wiederherstellen müßte: Sie suchte für den kränkelnden Professor eine Frau.
1882 glaubte Malwida von Meysenbug, die Gesuchte gefunden zu haben: eine schöne, aparte und geistvolle russische Studentin, die damals 20jährige Lou von Salomé. In Rom machte Malwida die beiden miteinander bekannt - es war im März 1882 -, und ihr Plan schien vollkommen zu glücken. Nietzsche zeigte sich von der geistvollen jungen Dame entzückt und bewegt. Lou wiederum war vollkommen bereit, sich zur Jüngerschaft von Nietzsches Ideen zu bekennen. Verliebt bat Nietzsche einige Monate später seinen Freund, den Privatgelehrten Dr. Paul Rée, bei Lou anzufragen, ob sie ihn wohl heiraten möchte.
Aber Lou von Salomé hatte keine Neigung, sich in ein Ehe-Abenteuer mit einem Mann einzulassen, der - wie sie es nannte - "aus Wüste und Gebirge kommt". Sie wies den Heiratsantrag zurück, erklärte aber, sie sei entschlossen, Nietzsches Jüngerin zu bleiben. Lou, die spätere Geistesfreundin des Dichters Rilke, glaubte, daß es für Nietzsche eine Untreue gegen sich selbst bedeuten würde, wenn er durch die Ehe den "Rock der Allerweltsleute" anzöge.
Daß Nietzsche notgedrungen auch mit diesem Vorschlag Lous einverstanden war, bewies ein Brief, den er am 13. Juli 1882 an seinen Freund Peter Gast* schrieb: "Lou ist die Tochter eines russischen Generals, und zwanzig Jahre alt; sie ist scharfsinnig wie ein Adler und mutig wie ein Löwe und zuletzt doch ein sehr mädchenhaftes Kind, welches vielleicht nicht lange leben wird. Ich verdanke sie Fräulein von Meysenbug und (Paul) Rée. Jetzt ist sie bei Rées zu Besuch, nach Bayreuth kommt sie hierher nach Tautenburg, und im Herbst siedeln wir zusammen nach Wien über. Sie ist auf die erstaunlichste Weise für meine Denk- und Gedankenweise vorbereitet. Lieber Freund, Sie erweisen uns beiden sicherlich die Ehre, den Begriff einer Liebschaft von unserem Verhältnis fernzuhalten. Wir sind Freunde, und ich werde dieses Mädchen und dies Vertrauen zu mir heilig halten."
Bei diesem Stand der Dinge mischte sich Nietzsches Schwester Elisabeth mit einer üblen Intrige ins Spiel: Sie wollte die Frau aus dem Felde schlagen, die möglicherweise Nietzsches Vertraute zu werden im Begriff stand. Ihr Bruder, so äußerte sie, verkehre gar nicht mehr mit "honetten Leuten".
So spielte Elisabeth ihrem Bruder das Gerücht zu, Lou von Salomé und Paul Rée hätten sich hinter seinem Rücken abfällig über ihn und seine Bücher geäußert. Außerdem unterhielten die beiden intime Beziehungen zueinander.
Nietzsche, in solcherlei Dingen weit weniger scharfsichtig als in seinem Fachgebiet, nahm die Intrige für pure Wahrheit: Er benahm sich vor Verzweiflung wie ein Wahnsinniger, verdächtigte alle seine Freunde in maßlosen, wüsten Beschimpfungen und machte nicht weniger als drei Selbstmordversuche.
Diesen Augenblick, in dem der Philosoph nahezu seine sämtlichen Freunde bitter gekränkt hatte, nutzte Elisabeth - der Forscher Bernoulli hat die damaligen Ereignisse zum Mißvergnügen der Archivleiterin bereits 1908 bekanntgemacht - für ihre Pläne. Aus dem heimatlichen Naumburg, wo sie mit ihrer Mutter lebte, bot sie sich an, zu Nietzsche zu kommen, zu "ordnen" und zu "schlichten".
Sie tat das Gegenteil. Die Folge ihres Besuches war, daß Nietzsche seinen Freund Rée zum Duell forderte und an die Mutter Lous einen Brief schrieb: "Meine Schwester und ich - wir haben beide allen Grund, die Begegnung mit Ihrem Fräulein Tochter im Kalender unseres Lebens schwarz anzustreichen."
Schlechta kann nachweisen, daß Elisabeth alle Briefe, die sie im Zusammenhang mit der Lou-Affäre angeblich von ihrem Bruder bekam, gefälscht hat: Im März hatte Nietzsche seine Jüngerin Lou kennengelernt, im April 1882 soll er demnach seiner Schwester von dieser Bekanntschaft berichtet und sich sehr abfällig über Lou ausgelassen haben. Dieser Brief stammt ebenso aus Elisabeths Werkstatt wie die folgenden, in denen die Schwester dem Bruder geringschätzige Bemerkungen über Lou zudiktierte.
Wahr ist dagegen, daß Nietzsche ziemlich bald nach dem Zerwürfnis einen Versuch gemacht hat, wieder einzulenken: Auch die bösesten Verdächte, die er für Tatsachen nahm, konnten Lou nicht so leicht aus seinem Herzen reißen. Er schrieb daher an Malwida von Meysenbug: "Meine Schwester betrachtet Lou als ein giftiges Gewürm, welches man um jeden Preis vernichten müsse, und handelt auch danach. Das ist mir ein ganz übertriebener Gefühlspunkt und mir durchaus zuwider: im Gegenteil, ich möchte von Herzen gern ihr (Lou) soviel wie möglich nützlich sein. Und ihr Bestes in jedem Sinne fördern."
Elisabeth hat später als Leiterin des Nietzsche-Archivs in ihrer dreibändigen Biographie "Das Leben Friedrich Nietzsches" die Angelegenheit völlig anders dargestellt. Ihr Bruder sei, so behauptete sie, durch intime Wünsche Lous brüskiert worden; am Ende habe das verworfene Mädchen sogar vorgeschlagen, man möge sich einigen und zu dritt - Lou, Nietzsche, Rée - zusammenleben. Interpretiert die Schwester: "Diese Absicht des Zusammenwohnens fand Malwida unschicklich, übrigens auch mein Bruder. Malwida schlug nun vor, einer der beiden Herren müßte Lou heiraten, aber ergötzlicherweise begehrten die beiden Herren aufrichtig und herzlich die Freundschaft des Frl. Salomé, - - aber eine Heirat lehnten sie ab."
Als Nietzsche endlich erkennen mußte, daß die Verdächtigungen gegen Lou und Rée haltlos waren, machte er den Versuch, sich radikal von seiner Familie zu trennen. "Diese Art von Seelen, wie Du eine hast, meine arme Schwester, mag ich nicht; und am wenigsten mag ich sie, wenn sie sich gar noch moralisch blähen; ich kenne Eure Kleinlichkeit", schrieb er an seine Schwester. Seinem Freunde, dem Theologie-Professor Franz Overbeck, erläuterte er: "Die Loslösung von meinen Angehörigen fängt an, sich mir als wahre Wohltat darzustellen; ach, wenn Du wüßtest, was ich in diesem Kapitel (seit meiner Geburt - -) alles zu überwinden gehabt habe! Ich mag meine Mutter nicht, und die Stimme meiner Schwester zu hören, macht mir Mißvergnügen; ich bin immer krank gewesen, wenn ich mit ihnen zusammen war." Naumburg, schrieb er - in Naumburg wohnten seine Mutter und seine Schwester -, habe ihm "eine Handvoll Schmutz ins Gesicht" geworfen.
Die Freundschaft zwischen Nietzsche und Wagner war bereits einige Jahre zuvor zerbrochen. Im Januar 1878 hatte Wagner die Partitur seiner Oper "Parsifal" an Nietzsche geschickt, der zunächst ratlos, dann erbittert den christianisierenden Mystizismus dieses Opernwerks betrachtete. Im Mai des gleichen Jahres revanchierte sich Nietzsche, indem er an Wagner den Text seines Buches "Menschliches, Allzumenschliches" sandte - eine Aphorismensammlung, die nun wieder den Bayreuther Meister schockierte. Seiner Enttäuschung über den Rückfall Wagners ins Christliche - den Rückfall eines Komponisten, der dem entschieden antichristlichen Nietzsche als die Inkarnation des zeitgemäßen Künstlers erschienen war - hat der Philosoph später in zwei sehr polemischen Schriften Ausdruck gegeben, in den Büchern "Der Fall Wagner" und "Nietzsche contra Wagner".
Das Fräulein Elisabeth Nietzsche indes hielt dem berühmten Freunde Wagner die Treue, und Nietzsche mokierte sich: "Aber das Lama! Wie es über die Welt triumphiert, unter berühmten Tieren wandelnd! Schließlich ist ihr der Bruder, der der Welt entsagt ... ein zu geringes und unansehnliches Tierlein geworden."
1882 mußte Nietzsche - "Dieser Winter war der schlechteste meines Lebens" - sogar seine akademischen Vortragsreisen aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Das alte freundschaftliche Verhältnis zu Lou und Dr. Paul Rée hatte sich auch nach der Aufdeckung der Intrigen nicht wiederherstellen lassen; nicht zuletzt deswegen blieb eine Kluft, weil Nietzsche bei seiner ehemaligen Jüngerin Lou abfällige Reden über Rée führte - der dem russischen Mädchen tatsächlich ebenfalls, und ebenfalls ohne Erfolg, einen Heiratsantrag gemacht hatte.
Von 1883 bis 1888 verbrachte Nietzsche die Sommer regelmäßig in dem Schweizer Höhenort Sils-Maria, die Winter in Nizza; in den Übergangszeiten pflegte er zu reisen. Eine Erkältung, die ihn im Frühjahr 1883 in Italien aufs Krankenlager zwang, nutzte Schwester Nietzsche für neue Annäherungsversuche. Wirklich ließ es sich Nietzsche gefallen, von seiner Schwester gepflegt zu werden - dreimal gab es in diesem Jahr zwischen den Geschwistern so etwas wie eine Aussöhnung, dreimal jagte der Bruder die Schwester wieder davon, zuletzt - wie er hoffte - endgültig.
Nietzsche hatte nämlich über Dritte erfahren, daß sich seine Schwester mit dem Doktor Bernhard Förster verlobt hatte. Dieser Förster aber war von einer Sinnesart, mit der Nietzsche nun unter keinen Umständen zu paktieren wünschte.
Elisabeth hat später eine Reihe von Briefen zusammengefälscht, aus denen sich ergeben sollte, daß Nietzsche auch in diesen Jahren treu zu seiner Schwester gehalten habe. Tatsache ist aber, daß Nietzsche am 2. April 1884 an Freund Overbeck schrieb: "Die verfluchte Antisemiterei ... ist die Ursache eines radikalen Bruches zwischen mir und meiner Schwester", und am 21. Mai an die gleiche Adresse: "Die Angelegenheit mit meinen Angehörigen muß ich mir vom Halse schaffen...", am 18. August: "Es tut mir wohl, daß es keine Briefe von Naumburg gibt."
Christus war kein Jude
Jener Dr. Bernhard Förster nämlich, ein Gymnasiallehrer, dem sich Elisabeth anverlobt hatte, zählte zu dem berühmtberüchtigten "Bayreuther Kreis", der sich damals nicht nur die Pflege Wagnerscher Musik, sondern auch die Wiedererweckung und Expansion des "germanischen Geistes" angelegen sein ließ. Das, was dieser Kreis an Pamphleten drucken ließ, nannte Nietzsche die "abscheulichste Literatur, die es jetzt gibt".
Dem Dr. Bernhard Förster gebührt der zweifelhafte Ruhm, die erste antisemitische Massenaktion in Deutschland mitinszeniert zu haben. Auf seine Initiative geht jene Sammlung von 267 000 Unterschriften zurück, die am 13. April 1881 dem Reichskanzler Bismarck überreicht wurde. In ihr wurden eine Einschränkung der Judeneinwanderung und der Ausschluß der Juden aus den "obrigkeitlichen Schichten" und aus dem Volksschullehramt verlangt. Überdies wurde Bismarck aufgerufen, dafür zu sorgen, daß alle Juden in Deutschland registriert würden.
Bernhard Förster, von Nietzsche aus dem fernen Genua ein "wunderlicher Apostel" genannt, hegte die Idee, daß der deutsche Geist von "Literatur- und Musikjuden" vergiftet werde. Er machte die Juden verantwortlich für alle sozialen Mißstände im damaligen Deutschland - Mißstände, die nach seiner Ansicht zu beseitigen wären, wenn die Juden in Deutschland in Karteien erfaßt, die Deutschen aber zukünftig zu strikt vegetarischer Kost übergehen würden.
Der Phantasie Försters entsprang auch die Vorstellung, daß Christus ein Arier gewesen sein müsse - eine Idee, die er auf solche Art zu beweisen glaubte: "Wir haben es gar nicht nötig, uns auf den Boden der strengsten Orthodoxie zu stellen: Mag man die Überlieferung auffassen als Theolog oder als Historiker. Eins muß man zugestehen: wenn die Evangelien sagen, Christus ist Gottes Sohn, so heißt das unter allen Umständen: er ist kein Jude. Das steht fest, deutlicher konnten die Überlieferungen gar nicht sprechen."
In die Richtung dieses Dr. Förster und seiner Gesinnungsfreunde suchte später Elisabeth Förster-Nietzsche die Philosophie ihres Bruders zu drängen. Bereits 1879 etwa wurden ihm die Schriften der Försterschen Antisemiten-Bewegung ins Haus geschickt. Sie trugen den Vermerk: "Diskret. Wird nur an zuverlässige Parteigenossen versandt."
Zu seinem Entsetzen mußte Nietzsche bemerken, daß sich die Autoren dieser "Antisemitischen Korrespondenz" häufig auf ihn beriefen. Um so lebhafter wünschte Nietzsche, sich vom Antisemitismus - der "Krankheit dieses Jahrhunderts" - zu distanzieren. "Der Nationalitätenwahnsinn und die Vaterlandstölpelei sind für mich ohne Zauber", schrieb er. "Wieviel Verlogenheit und Sumpf gehören dazu, um im heutigen Mischmasch-Europa Rassenfragen aufzuwerfen! (gesetzt nämlich, daß man nicht seine Herkunft in Borneo oder Horneo hat)." Schließlich postulierte er die Lebensregel: "Mit keinem Menschen umgehen, der an dem verlogenen Rassenschwindel Anteil hat."
Neu-Germanien in Paraguay
Dr. Bernhard Förster hatte es sich zur nationalen Pflicht gemacht, auf der Straße jeden anzurempeln, den er für einen Juden hielt, und war auf diese Weise in so zahlreiche Schlägereien verwickelt worden, daß er 1882 seinen Dienst als Lehrer am Friedrichs-Gymnasium in Berlin und an der dortigen Staatlichen Kunstschule quittieren mußte.
Nach diesem Fiasko entdeckte Förster in seinem deutschen Vaterlande nur noch das, was er "Symptome zweifellosester Krankheit" nannte. In ihm bildete sich die Überzeugung, daß "eine gedeihliche Fortentwicklung unserer deutschen Kultur, eine Wiederherstellung und Erhaltung der physischen, moralischen, intellektuellen Gesundheit unserer Nation nicht möglich ist ohne geregelte, in bestimmte Kanäle zu leitende Auswanderungen - ohne Kolonien ... Es gibt nur eine Antwort: 'Hinweg' übers Meer in ein glücklicheres Land, welches der redlichen Arbeit ihr Recht gibt."
So entschloß er sich, die Zukunft germanisch-deutscher Kultur an einem ferneren Ort der Erde in hygienischer Reinheit zu züchten und zu bewahren: in einer Kolonie in Paraguay. Für dieses Unternehmen suchte und fand er eine Gefährtin: das Lama. Er heiratete Nietzsches Schwester 1885, im darauffolgenden Jahr brach das Paar nach "Neu-Germanien" auf, nach Försters Kulturkolonie in Paraguay.
Försters Aktion war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Unter Kolonisieren verstand der Nietzsche-Schwager nämlich keineswegs etwa Neulandgewinnung zum Zwecke wirtschaftlicher Nutzung, sondern eine sonderbare Charaktererziehung junger Menschen durch harte körperliche Arbeit. Daß er und seine Frau nicht in primitiven Lehmhütten hausten wie seine Kolonisten, sondern auf dem behaglich eingerichteten "Försterhof", haben die enttäuschten Träger germanischer Kultur ihrem Anführer später übel vermerkt.
Aber Förster hatte nicht nur keine realen Vorstellungen vom Kolonisieren, er hatte auch kein Geld. Er finanzierte sein Unternehmen durch ein sogenanntes "Ultimogeschäft" - er kaufte Land auf Ziel, gab ihm den Namen "Nueva Germania", und verkaufte es in kleinen Teilen an interessierte Kolonisten weiter, von denen er sich sogleich bezahlen ließ. Die solcherart eingenommenen Beträge verwendete er aber nicht, um das bereits an andere verkaufte Land auch tatsächlich zu bezahlen, sondern verbrauchte sie zum Teil für seine privaten Bedürfnisse.
Zu allem Überfluß lag das von Förster erworbene Neu-Germanien abseits von allen Handelswegen und bestand obendrein aus einem Urwald, der sich nicht roden ließ. Die enttäuschten Kolonisten meuterten bald, zudem wurde Förster von seinen Gläubigern immer weiter in die Enge gedrängt.
Elisabeth Förster plante, das Unternehmen zu retten, indem sie immer neue Kolonisten nach Paraguay zu locken versuchte. Mit deren Geld sollten dann Försters Schulden bezahlt werden. Sie rief außerdem in Deutschland zu Spenden auf und trat sogar an ihren philosophierenden Bruder heran, mit der Bitte um Geld.
Nietzsche aber hatte Försters Pläne stets mit äußerster Skepsis beobachtet und bereits am 21. März 1885 in einem Brief - der zugleich an Mutter und Schwester gerichtet war - geschrieben: "Über die Zukunft meiner Schwester mache ich mir meine Gedanken... Zum Enthusiasmus für 'deutsches Wesen' habe ich's freilich noch wenig gebracht, noch weniger aber zum Wunsche, diese 'herrliche' Rasse gar rein zu erhalten. Im Gegenteil, im Gegenteil."
Nun, da er das Kolonial-Unternehmen obendrein mit Geld unterstützen sollte, wurde Nietzsche noch deutlicher. "Mein liebes Lama", schrieb er, "Du findest Deinen Bruder jetzt ganz und gar abgeneigt, Geld herauszurücken: Seine Lage ist zu unsicher, und die Eure nicht bewiesen genug, als daß es erlaubt wäre, hier bloß auf den Augenblick hin zu handeln. Dagegen habe ich, einer Vorstellung unserer guten Mutter nachgebend, soviel wenigstens mir abgerungen (denn ich bin ein Geizhals und überdies mißtrauisch, wie gesagt, bis zum Exzeß), daß 1800 Thaler für Dich flügge geworden sind, insofern ich das, was Du bisher noch auf dem Haus in Naumburg stehen hattest, auf meine Kappe genommen habe, hoffentlich mit Deiner Billigung?"
"Ich hüte mich weislich, mich irgendwie in diese Antisemiten-Unternehmung einzulassen", erklärte Nietzsche seinem Jünger, dem Komponisten Peter Gast, dem er kurz vor dem ablehnenden Brief an die Schwester 2000 Mark für die Aufführung einer Oper angeboten hatte. "Und seien Sie mir zum mindesten nicht böse, Ihnen von Geldsachen geschrieben zu haben", entschuldigte er sich bei Gast.
Obgleich Nietzsche seiner Schwester nur deren eigenes Geld geschickt hatte, konnte sie sich nicht enthalten, den prominenten Namen ihres Bruders in die von ihr in Deutschland veröffentlichte Liste derer aufzunehmen, die "in aufopferndster Weise kleine und große Summen geliehen und gegeben haben".
Während sie aber damals versuchte, Nietzsche zu unterstellen, er habe dem Unternehmen in Paraguay grundsätzlich zugestimmt, veröffentlichte sie später Briefe ihres Bruders, die ihre eigene trübe Rolle in diesem Unternehmen entlasten und die sie als Opfer ihrer Gutherzigkeit erscheinen lassen sollten. Es waren einige jener Briefe, von denen Professor Schlechta später nachweisen konnte, daß Nietzsche sie in dieser Form nie geschrieben hatte. Sie stammten vielmehr von der Hand der Schwester, die vorgab, es handele sich um Abschriften, zu denen die Originale verlorengegangen seien. Daß die Originale anders lauteten, war eine der Entdeckungen, die Schlechta erst nach dem Tode des Lamas machen konnte.
"Du willst wohl berühmt werden?"
"Ach, mein gutes Lama", heißt es in einem von der Schwester später ersonnenen Briefe, "wie bist Du nur dazu gekommen, Dich in solche Abenteuer zu stürzen? Wenn es nur gut endet... Dazu scheinst Du Dich durchaus zum 'freiwiligen Opfertier' auszubilden und alle Unannehmlichkeiten auf Dich zu nehmen. Und mein Herr Schwager läßt sich diesen Blitzableiter gefallen?"
Aber damit war Frau Förster-Nietzsches Rechtfertigungsbedürfnis noch nicht erschöpft. Der Bruder sollte nicht nur ihre Unschuld und ihre Rechtschaffenheit bekräftigen, er sollte auch als Kronzeuge dafür herhalten, daß die geprellten Kolonisten selber schuld an ihrem Unglück hätten: "Ich sehe im Geist diese Mittellosen, auf Euer Mitleid angewiesenen Leute sich gierig an Dich drängen, Deine Schwäche: die allzu große Freigebigkeit, auszubeuten. Mit solchen Elementen kann keine Kolonie gedeihen, täusche Dich doch nicht!"
Frau Förster wünschte deutlich zu machen, daß sich ihr Bruder während der Zeit, in der sie in Paraguay den Idealismus der Siedler ausnutzte, heftig und schmerzlich nach ihr gesehnt habe: "Das Lama war ein guter Hausgenosse, dafür finde ich keinen Ersatz" (gefälschter Brief, datiert vom 23. März 1887); "Erst seit Du so weit davongelaufen, fühle ich, wieviel Du mir gewesen bist. Du warst meine Erholung. (gefälschter Brief, datiert vom 26. Dezember 1887); "Das Beste aber wäre, ich hätte mein altes, gutes Lama wieder" (gefälschter Brief, datiert vom 25. Januar 1888).
Die authentischen Unterlagen aus dieser Zeit deuten freilich darauf, daß Nietzsches Verhältnis zu Schwester und Schwager sehr viel weniger herzlich war. Weihnachten 1888 schrieb Nietzsche an Overbeck einen Brief, in dem die nachfolgende Stelle vom Nietzsche-Archiv später wohlweislich unterdrückt wurde: "Die hinübergelockten Deutschen sind in Empörung, verlangen ihr Geld zurück - - man hat keins. Es sind schon Brutalitäten vorgekommen, ich fürchte das Äußerste. Dies hindert meine Schwester nicht, mir zum 15. Oktober (Nietzsches Geburtstag) mit äußerstem Hohn zu schreiben, ich wolle wohl auch anfangen, 'berühmt' zu werden. Das sei freilich eine süße Sache! Und was für Gesindel ich mir ausgesucht hätte. Juden, die an allen Töpfen geleckt hätten... Dabei nennt sie mich 'Herzensfritz'?"
Empört schrieb er seiner Schwester nach Paraguay: "Es ist eine Ehrensache für mich, nach Seiten des Antisemitismus hin absolut reinlich und unzweideutig zu sein, nämlich ablehnend, wie ich's in meinen Schriften tue. Man hat mich in den letzten Zeiten mit Briefen und antisemitischen Korrespondenzblättern heimgesucht; mein Widerwille vor dieser Partei (die gar zu gern ihren Vorteil von meinem Namen haben möchte!), ist so ausgesprochen wie möglich, aber die Verwandtschaft mit Förster, ebenso wie die Nachwirkung meines ehemaligen antisemitischen Verlegers Schmeitzner, bringen immer wieder die Anhänger dieser unangenehmen Partei auf die Vorstellung, ich müsse wohl zu ihnen gehören... Daß ich nichts dagegen zu tun vermag, daß in jedem antisemitischen Korespondenzblatt der Name 'Zarathustra' gebraucht wird, hat mich schon mehrere Male beinahe krank gemacht."
Bernhard Försters Kolonial-Unternehmungen endeten wenig später, 1889, mit dem Selbstmord ihres Initiators. 1893 kam Försters Gründung unter den Hammer, seine Witwe wurde von den verbitterten Siedlern gezwungen, das Land zu verlassen.
Aber auch dieses unmißverständliche Faktum beeinträchtigte das Selbstgefühl der Nietzsche-Schwester nicht. Am 15. Januar 1895 nahm Frau Förster-Nietzsche in den "Bayreuther Blättern" öffentlich von der Kolonialpolitik Abschied. Förster, schrieb sie, habe für sein Unternehmen "gearbeitet, gelitten, gekämpft, alles, was er besaß, ja Gesundheit und Leben dahingegeben... So mußte es denn nach seinem frühen Tode meine heiligste Pflicht, mein innigstes Bestreben sein, das schöne Werk des Frühvollendeten dem Ziele, das ihm vorgeschwebt hatte, näherzubringen - - aber wie wenig vermögen die schwachen Kräfte einer Frau!"
Nachdem sie solcherart ihren Ehemann rehabilitiert zu haben glaubte, der Dutzende von Gutgläubigen ins Unglück gestürzt hatte, fuhr sie mit unerschütterlicher Selbstgefälligkeit fort: "Eine andere große Lebensaufgabe: die Pflege meines einzigen, teuren Bruders, des Philosophen Nietzsche, die Sorge für seine Werke und Beschreibung seines Lebens und Denkens, nimmt von jetzt an meine ganze Zeit und Kraft in Anspruch."
Diese letzte Behauptung des Lamas war freilich nur allzu wahr. Nietzsche, der noch seine Prophezeiung über die Heraufkunft des "Übermenschen" - sein Buch "Also sprach Zarathustra" - veröffentlicht und einige seiner früheren Werke mit neuen Einleitungen versehen hatte, war am 3. Januar 1889 in Italien zusammengebrochen: Eine luetische Gehirnerweichung benahm ihn den Verstand. Er schrieb zwar auch fernerhin noch Notizen und Briefe, doch sind von da an die Spuren des Wahnsinns in fast jeder Zeile deutlich. Die Diagnose lautete "Progressive Paralyse".
Das Lama kommt
Nietzsche wurde zeitweilig in einer Anstalt untergebracht, später nahm ihn die Mutter in ihre Naumburger Wohnung. Werk und Fragmente des Geisteskranken wurden seinem Freunde anvertraut, dem Komponisten Peter Gast, der von 1892 an eine Gesamtausgabe jener Schriften vorbereitete, die Nietzsche bei klarem Verstand veröffentlicht oder zur Veröffentlichung bestimmt hatte; auch eine Auswahl aus bis dahin unveröffentlichten Fragmenten war vorgesehen.
Dieses sachliche Unternehmen konnte allerdings nur so lange gedeihen, wie das Lama durch seine Abenteuer in Paraguay beschäftigt wurde. Nach dem Zusammenbruch der Kolonie "Neu-Germanien" war es damit zu Ende. "Es trat ein Ereignis ein", so schrieb Gast 1893 an Nietzsches anderen Freund, den Theologie-Professor Franz Overbeck, "bei dem ich und die ganze Nietzsche-Sache in Unruhe geraten mußten - Frau Dr. Förster ist aus Paraguay zurückgekommen!"
Gasts böseste Ahnungen erwiesen sich als vollkommen gerechtfertigt. "Wer hat Sie denn eigentlich zum Herausgeber gemacht", fuhr Elisabeth den Freund ihres kranken Bruders an. Sie verlangte - und erhielt - von Gast sämtliche Nietzsche-Manuskripte und erreichte, daß die Drucklegung der Gastschen Nietzsche-Ausgabe sofort abgebrochen wurde.
Statt dessen gründete sie 1894 ein "Nietzsche-Archiv" im Hause ihrer Mutter in Naumburg. Dieses "Archiv" war allerdings keineswegs als eine Institution gedacht, in der mit wissenschaftlichem Fleiß Material geordnet worden wäre, sondern diente dem Lama vielmehr als gesellschaftlicher Mittelpunkt mit "musikalischen Abenden" und "Repräsentation". Präsentiert wurde bei solchen Gelegenheiten der in weiße Gewänder gehüllte, kranke Friedrich Nietzsche, der zu diesem Zeitpunkt das Haus schon nicht mehr verlassen konnte und nicht mehr begriff, was um ihn herum geschah.
Mutter Nietzsche behielt bei allem Trubel eine deutliche Empfindung von den geschmacklichen Verirrungen ihrer Tochter. "Das alles paßt nicht in ein Haus, wo ein derartiger Kranker sich befindet", schrieb sie am 11. Oktober 1894 an Nietzsches treuesten Freund, an Franz Overbeck, nach Basel. Aber die in pietistischer Gottergebenheit resignierende alte Dame war dem unbändigen Geltungsbedürfnis ihrer Tochter Elisabeth nicht gewachsen.
Sie war machtlos dagegen, daß - als sie einige Tage verreist war - ihre Tochter den schwerkranken Nietzsche von Curt Stoering malen und die Bilder in Leipzig und Berlin in einer Art von Werbefeldzug ausstellen ließ. "Wer weiß", schrieb die Mutter an Overbeck, "ob Sie beiden besten Freunde meines Sohnes (gemeint sind Overbeck und Gast) nicht auch für dessen Mutter einstehen müssen."
Franz Overbeck aber konnte vom fernen Basel aus nicht verhindern, daß die gequälte Mutter schließlich dem fortgesetzten Drängen ihrer Tochter nachgab und ihre Unterschrift unter ein Dokument setzte, mit dem sie der Tochter - immer noch zu Lebzeiten Nietzsches - die gesamten Rechte an den Werken Friedrich Nietzsches förmlich verkaufte. Der Betrag, den Elisabeth Förster ihrer Mutter als Entgelt dafür bot, war ein Bank-Darlehen.
Bitter beklagte sich die hilflose alte Dame später: "Ich empfand es überhaupt als eine Begriffsirrung meiner Tochter, mit dem Geistesschatz meines Sohnes, unseres gemeinsam geliebten Kranken, also unseren Familienschatz für fremdes Geld mir und vor allem meinem Sohn, welcher doch Namen hat, abkaufen zu wollen; denn ich sah nicht den geringsten Grund ein, daß eine Veränderung stattfand."
Elisabeth Förster-Nietzsche - sie hatte sich, gleich nach der Heimkehr aus Paraguay, ihren Mädchennamen wieder angehängt, der durch ihren Bruder prominent geworden war -, sah diesen Grund um so deutlicher. Sie übersiedelte mit ihrem "Archiv" nach Weimar, während die Mutter mit dem kranken Bruder zurückblieb. "Leider kann ich von irgendwelcher Verbesserung unserer finanziellen Lage nicht berichten", klagte die Mutter noch am 31. Dezember 1896. Im Gegenteil scheinen die diesjährigen Einnahmen kaum die Ausgaben meiner Tochter gedeckt zu haben."
Die Ursache für das finanzielle Mißverhältnis hat die alte Dame allerdings nicht mehr erfahren - sie starb 1897. Peter Gast aber, der die "Archivleiterin" in Weimar besuchte, berichtete: "Sie tut keinen Schritt in die Stadt, sie fährt nur noch in Equipage, mit Kutscher und Diener in Livrée auf dem Bock. Sie ist eine reine Hofdame geworden; als unterhaltliches Wesen in Hofkreisen begehrt."
Daß Nietzsches Werk bei der ehrgeizigen Elisabeth in den schlechtesten Händen lag, darüber waren sich die Freunde des Philosophen völlig klar. Peter Gast bestritt, daß Elisabeth Förster, die sich nie mit Philosophie beschäftigt hatte, überhaupt wüßte, wer ihr Bruder sei. An Overbeck schrieb er: "Eine öffentliche Kontroverse mit Frau Dr. Förster-Nietzsche wäre nur dann verlockend, wenn die Gegnerin belehrbar wäre. Jeder Mensch um sie herum wird aber entweder zum Engel oder zum Teufel, zum Goldmatz oder zum Drachen." Gast resignierte: "Stören wir ihre Phantasmagorien nicht! Decipiatur mundus! (Möge die Welt betrogen werden.) Was ist denn Historie anders?" Overbeck war nicht dieser Ansicht; er brach mit Gast.
Frau Förster-Nietzsche machte sich nun mit demselben Eifer, mit dem sie zuvor ein neues Germanien in Paraguay erstehen lassen wollte, an die Herausgabe des Nachlasses ihres Bruders. Die Werke, die er noch selbst veröffentlicht hatte, genügten ihrem Ehrgeiz allerdings nicht. Sie wünschte ein "theoretisches Hauptwerk" ihres Bruders vorzulegen, das alle Werke anderer Philosophen in den Schatten stellen sollte.
Wie es zu diesem "Hauptwerk" gekommen ist - es findet sich in der vom Lama geförderten Nietzsche-Ausgabe unter dem Titel "Wille zur Macht" -, weiß der damalige Mitherausgeber Dr. Ernst Horneffer zu berichten: "Unentziffert, unabgeschrieben lagen haufenweise die Manuskripte da, von denen niemand ahnte, was sie enthielten ... So gingen wir denn ans Werk, den Nachlaß zu kopieren. Aber das dauerte Frau Förster-Nietzsche viel zu lange. Die 'Eintönigkeit' unserer Art zu arbeiten war ihr äußerst verhaßt. Sie arbeite immer alles schnell von der Hand weg...
"Kurz, es sollten schnell Bände heraus. Wir standen vor einer schwierigen Wahl. Ihr Wille, eine Ausgabe des Nachlasses zustande zu bringen, und sei es noch so überstürzt, stand unerbittlich fest. Das wußten wir. Wenn wir ihr unsere Mitarbeit entzogen hätten, so hätte sie jeden anderen damit betraut. Sie nannte öfter Namen, daß es einem um Nietzsche willen schwindlig werden konnte."
Um ihrer Absicht, ein philosophisches Hauptwerk aus dem Notizenvorrat zu komponieren, den Anschein von Sachlichkeit und Authentizität zu verschaffen, verbreitete Elisabeth Förster, ihr Bruder habe diesen Plan ihr gegenüber, als seiner besten Vertrauten, ausführlich erläutert, im Herbst 1884 und im Herbst 1885. Zu diesen Zeiten aber, so kann Professor Schlechta nachweisen, war das Verhältnis zwischen den Geschwistern alles andere als friedlich.
Elisabeth Förster berichtet von einem Spaziergang*, bei dem ihr Bruder von einem Soldaten-Erlebnis erzählt haben soll, das ihn in einen Apologeten der Macht verwandelt habe - eine Geschichte, für die es in keinem authentischen Text von Nietzsches Hand einen Beleg gibt, deren völlige Unglaubwürdigkeit sich vielmehr aus zahlreichen Nietzsche-Zitaten zwangsläufig ergibt.
Das Lama erzählt im Ton einer patriotischen Märchentante: "Vielleicht ist es mir gestattet, hier eine Erinnerung zu bringen, die einen Fingerzeig zur ersten Entstehung des Gedankens vom Willen zur Macht geben könnte. Ich habe schon früher von jenen wehmütigen und doch so wundervollen Spaziergängen in der Umgebung Naumburgs im Herbst 1885 gesprochen. So gingen mein Bruder und ich auch einmal über die Höhen hinauf zu den ehemaligen Schießständen der Jäger; der Weg dahin bietet herrliche weite Aussichten, und gerade an diesem Tage - es ging schon gegen Abend - war es besonders schön: der Himmel hatte eine gelbrötliche Färbung mit tiefschwarzen Wolken, was eine# merkwürdige Farben-Stimmung in der Natur hervorrief.
"Mein Bruder bemerkte plötzlich, wie sehr ihn diese Wolkenbildung an einen Abend jener Zeit (1870) erinnerte, da er als Krankenpfleger auf dem Kriegsschauplatz gewesen war (die neutrale Schweiz gestattete ihrem Universitätsprofessor nicht, als Soldat mitzuziehen). Nach seiner Ausbildung als Pfleger in Erlangen wurde er von dem dortigen Comité als Vertrauensperson und Führer einer Sanitätskolonne nach dem Kriegsschauplatz geschickt. Es wurden ihm größere Summen anvertraut und eine Fülle persönlicher Aufträge mitgegeben, so daß er von Lazarett zu Lazarett, von Ambulanz zu Ambulanz, über Schlachtfelder hinweg seinen Weg suchen mußte, sich nur unterbrechend, um Verwundeten und Sterbenden Hilfe zu leisten und ihre letzten Grüße in Empfang zu nehmen...
"Auch an jenem Herbstabend, von welchem ich soeben sprach, erzählte er nur, wie er einmal abends nach solchen entsetzlichen Wanderungen, das Herz von Mitleid fast gebrochen, in eine kleine Stadt gekommen sei, durch welche eine Heerstraße führte.
"Als er um eine Steinmauer biegt und einige Schritte vorwärts geht, hört er plötzlich ein Brausen und Donnern, und ein wundervolles Reiterregiment, prachtvoll als Ausdruck des Mutes, und Übermutes eines Volkes, flog wie eine leuchtende Wolke an ihm vorüber. Der Lärm und Donner wird stärker, es folgt seine geliebte Feldartillerie im schnellsten Tempo - ach, wie es ihn schmerzt, sich nicht auf ein Pferd werfen zu können, sondern tatenlos an dieser Mauer stehen bleiben zu müssen!
"Zuletzt kam das Fußvolk im Laufschritt: die Augen blitzten, der gleichmäßige Tritt klang wie wuchtige Hammerschläge auf den harten Boden. Und als dieser ganze Zug an ihm vorüberstürmte, der Schlacht, vielleicht dem Tode entgegen, so wundervoll in seiner Lebenskraft, in seinem Kampfesmut, so vollständig der Ausdruck einer Rasse, die siegen, herrschen oder untergehen will -, da fühlte ich wohl 'meine Schwester', fügte mein Bruder hinzu, 'daß der stärkste und höchste Wille zum Leben nicht in einem elenden Ringen ums Dasein zum Ausdruck kommt, sondern als Wille zum Kampf, als Wille zur Macht und Übermacht!'
"'Aber', fuhr er nach einer Weile fort, während er in den glühenden Abendhimmel hinausschaute, 'ich fühlte auch wie gut es ist, daß Wotan den Feldherren ein hartes Herz in den Busen legt, wie könnten sie sonst die ungeheure Verantwortung tragen, Tausende in den Tod zu schicken, um ihr Volk und damit sich selbst, zur Herrschaft zu bringen ...
"Damals", so folgert Elisabeth, "mag ihm das Problem zuerst aufgestiegen sein, daß der große Mensch das Recht hat, Menschen zu opfern, wie es dem Feldherrn zugestanden wird und wie es den größten geistigen Führern der Menschheit zugestanden werden sollte, um ihre höchsten Ziele zu erreichen."
Schlechta hält diese Entstehungsgeschichte des "Willens zur Macht" für ein Phantasieprodukt des Lamas. Tatsächlich findet sich in keinem authentischen Text Nietzsches ein Hinweis darauf, daß er patriotische Gefühlserlebnisse gehabt oder für Wotan und Feldherrentum geschwärmt hat, wohl aber formulierte er stets das Gegenteil. Seine Begabung zum Beispiel führte er auf die polnische Abstammung seiner Familie zurück, die sich "trotz dreier deutscher Frauen" durchgesetzt habe; mit seinem Schwager Bernhard Förster hatte er, nach eigener Aussage, nur eines gemein: die Unlust, in Deutschland zu leben. Seine Erlebnisse im Krieg 1870/71 fand er so entsetzlich, daß er sich weigerte, auch seinen besten Freunden davon zu berichten.
Dessenungeachtet stellte Elisabeth das von ihr postulierte Hauptwerk zusammen: Eine erste Ausgabe, die 483 Aphorismen umfaßte - sowie Vorwort und Nachbericht von Elisabeth Förster -, befriedigte den Ehrgeiz des Lamas allerdings noch nicht, eine zweite Ausgabe schwoll daher bereits auf nicht weniger als 1067 Aphorismen an.
In dieser Form genügte es den Intentionen der Antisemitin und Verfechterin germanischer Machtpolitik schon eher, und nicht nur ihr. Alfred Baeumler, von den Nationalsozialisten als Standard-Interpret Nietzsches anerkannt, kommentierte das Buch: "Durch die Leistung der Herausgeber, die nur auf Grund einer intimen Kenntnis des Materials möglich war, ist der Gedankenbau Nietzsches sichtbar geworden... Nicht im 'Zarathustra', sondern im 'Willen zur Macht' gipfelt die Philosophie Nietzsches." Baeumler erklärte das Resultat der Manipulationen des Lamas zum "kühnsten und wichtigsten philosophischen Werk des neunzehnten Jahrhunderts".
Bei diesem Nachlaß, den das Lama als philosophisches Hauptwerk ihres Bruders anbot, handelte es sich zum Teil um unfertige, in größter Eile niedergeschriebene, oft so unleserliche Arbeitsnotizen Nietzsches, daß nahezu jede Auslegung möglich war. Es ist wohl auch nicht ganz zufällig, daß in diesem Förster-Nietzscheschen Pseudo -Werk das Wort "Wille" häufig in Zusammenhängen auftritt, bei denen unklar bleibt, in welchem Sinne es gebraucht ist. Das Lama fügte es nämlich an zahlreichen Stellen auf eigene Faust ein.
Es machte der Nietzsche-Schwester auch nichts aus, das Wort "Wille" in anderen Büchern einzusetzen, wo ihr Bruder etwas ganz anderes niedergeschrieben hatte. So steht etwa im Urtext der "Dionysos -Dithyramben": "Die Stille erlöst." Im Nietzsche-Archiv veränderte sich der Text, so daß er nun so veröffentlicht wurde: "Der Wille erlöst" - eine zwar sinnlose, aber kraftmeierisch klingende Behauptung.
Unglücklicherweise fand sich der Komponist Peter Gast bereit, die vom Lama veranstaltete Nietzsche-Ausgabe als Mitherausgeber mit seinem Namen zu zeichnen, der dem unsoliden Unternehmen zumindest den Anschein von Solidität verleihen mußte. Kommentiert Schlechta: "Die unter dem Titel 'Der Wille zur Macht' bekannte Zusammenstellung ist unhaltbar."
Im Jahre 1900 starb Friedrich Nietzsche, und seine Schwester durfte sich nun um so sicherer als alleinige Sachwalterin seines Gedankenwerkes fühlen - sie verstand es auf ihre Weise. Als Leiterin des Nietzsche-Archivs erklärte sie später ex cathedra, Benito Mussolini stelle die reinste Verkörperung des Nietzsche-Geistes im zwanzigsten Jahrhundert dar. Ihren eigentlichen Führer, Adolf Hitler, hatte sie zu dieser Zeit noch nicht kennengelernt. Sobald sich die Gelegenheit dazu ergab, holte sie die Bekanntschaft nach, um dem erfolgreicheren Nachfahren ihres toten Mannes zu huldigen: Sie schenkte ihm zur Anerkennung für seine Verdienste um die gemeinsame Sache, zu der sie auch das Werk ihres Bruders zu erniedrigen wünschte, den Spazierstock, auf den sich Nietzsche gestützt hatte. Besucher Hitler wurde zu der aufgestellten Nietzsche-Büste geführt und mit ihr zusammen photographiert.
Was unter den sorgenden Händen von Elisabeth Förster-Nietzsche aus den philosophischen Absichten ihres Bruders wurde, hat später Albert Camus, Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1957, beschrieben:
"Eine Rasse von kulturlosen Herren, die den Willen zur Macht lallend auf den Lippen führten, hat schließlich 'die antisemitisehe Verkrüppelung', die er bis zum letzten Tage verachtet hat, auf seine Rechnung gesetzt.
"Er hatte an einen mit Intelligenz gepaarten Mut geglaubt, den er Stärke nannte, und ausgerechnet in seinem Namen hat man den Mut gegen die Intelligenz gekehrt; und jene Tugend, die wahrhaftig die seine war, hat sich so in ihr Gegenteil verwandelt, in eine Gewalt, der man die Augen ausgestochen hat."
Camus kommt zu dem Resultat: "In der Geistesgeschichte gibt es, mit Ausnahme von Marx, keinen Fall, der dem Nietzsches an Abenteuerlichkeit gleichkommt; und niemals wird man das Unrecht gutmachen können, das man ihm angetan hat."
Unterdessen war aber das Werk Friedrich Nietzsches auch schon zu Lebzeiten des Lamas soweit Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden, daß in Deutschland der Plan aufkommen mußte, eine sogenannte "kritische" Ausgabe der Texte zu veranstalten, eine Ausgabe also, in die nur solche Texte aufgenommen zu werden pflegen, deren Authentizität mit wissenschaftlicher Exaktheit nachweisbar ist. An der Zusammenstellung dieser Ausgabe war auch Dr. Karl Schlechta beteiligt, damals Stipendiat der "Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft".
"Ich ging also zu Nietzsches Schwester", so erinnert sich Schlechta heute seines ersten Angriffs auf das Lama, "und bat sie um die Aushändigung aller noch in ihrem Besitz befindlichen Briefe Nietzsches sowie sämtlicher dazugehöriger Unterlagen. Diese Bitte wurde rundweg abgeschlagen. Wir hatten über diese Frage mehrere, zum Teil sehr heftige Auseinandersetzungen. Als aber Frau Förster-Nietzsche eines Tages erklärte, daß sie allein in der Lage sei, die Briefe Nietzsches (an Mutter und Schwester) zu veröffentlichen, ließ ich die ganze Angelegenheit fallen ... Im Herbst 1935 starb Frau Förster-Nietzsche; eine unbehinderte Sichtung der für die HKG (Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke Nietzsches) in Frage kommenden Unterlagen war mir nunmehr möglich."
Es brauchte immerhin noch mehr als zwanzig Jahre, bis Schlechta nun das Ergebnis dessen publizieren konnte, was er im Nietzsche-Archiv entdeckt hatte. "Das Hauptresultat war überraschend genug", berichtet Schlechta. Zu dreißig Briefen etwa, die Elisabeth Förster-Nietzsche als "Friedrich Nietzsches Briefe an Mutter und Schwester" veröffentlicht hatte, ließen sich keine Originale finden, "sondern nur Texte, welche von der Hand der Schwester stammen ..."
Alle diese Briefe waren anspruchsvoll als "Urabschriften" bezeichnet und trugen - ebenfalls von der Hand der Schwester - meist Randbemerkungen wie: "Original von unserer guten Mutter verbrannt." Meint Schlechta: "Dann müßte ja die Schwester vorher gewußt haben, daß gerade dieser Brief einmal verlorengehen würde", und er fügt hinzu: "Dies zu glauben, mutet Frau Förster-Nietzsche allerdings dem Leser zu."
Solcherart argwöhnisch geworden, gingen Schlechta und seine Mitarbeiter daran, diese Texte, zu denen die Originale fehlten, auf ihren Inhalt zu prüfen. Die Forscher kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. In fast allen "Urabschriften" standen Bemerkungen, auf die Frau Förster-Nietzsche ihre eigenwillige Nietzsche-Interpretation gegründet hatte, die von ernsthaften Nietzsche-Forschern und -Kennern (wie zum Beispiel von Nietzsches Freund, dem Theologieprofessor Franz Overbeck, oder von den Philologen Bernoulli und Podach) stets angezweifelt worden war. Die Tatsache, daß sich vergleichbare Bemerkungen an anderen Stellen - in Nietzsches eigener Handschrift - nicht finden ließen, erregte den Argwohn der Wissenschaftler noch mehr.
Erklärt Schlechta: "Liest man diese 'Briefe' der Reihe nach unvoreingenommen durch, so springt in die Augen, daß sie einen zweifachen 'Zweck' verfolgen: einmal, Lou von Salomé und Paul Rée, das Ehepaar Overbeck (Frau Overbeck insbesondere), ja sogar auch die Mutter in weitem Zusammenhang mit der Lou-Affäre suspekt zu machen und die Intrigen der Schwester als wohlmeinende Aktionen erscheinen zu lassen; zum anderen, der Schwester darüber hinaus eine besondere Vertrauensstellung bei ihrem Bruder zu sichern. Diese Intentionen überschneiden sich zum Teil, Nebeninteressen treten hinzu (zum Beispiel in bezug auf Bernhard Förster), sogar die Ambition ist unverkennbar, der Schwester ein ganz besonderes Verständnis des Werkes ihres Bruders zu bescheinigen."
In diesen Briefen, zu denen die Originale fehlten, wurde auffällig oft "ein gewisses gutes Lama" beschworen. "Es ist so schlimm", so stand da etwa, "daß ich gar keine Menschen mehr habe, die es verstünden, mich zu erholen - so gut wie Du ... hat es niemand wieder verstanden. Ja, die guten alten Zeiten! Wie wohl täte es mir, im Grunde nichts wohler, als mich von meinem guten Lama pflegen zu lassen."
Von allgemein menschlichen Sorgen geht die Klage des Einsamen bei anderer Gelegenheit zum Werk und dessen Verständnis über: "Du bist ein solch guter Freund und Genosse, und wirst sicherlich, je älter Du wirst ... desto mehr in alle meine Ansichten und Bestrebungen hineinwachsen."
In einem anderen dieser Briefe, die nur in Elisabeths Handschrift existieren, heißt es: "Ich weiß es wohl, daß sich seit Jahren verschiedene Leute bemüht haben, Dir und mir begreiflich zu machen, daß Du nicht zu mir und zu meiner Philosophie paßtest. Wir armen impressionabeln Menschen sind zuweilen schwach und fremden Einflüssen zugänglich, aber glaube mir: ich habe mich nie durch Deine 'kindliche Außenseite' täuschen lassen! Das ist Dein 'Vordergrund', hinter dem sich ein Charakter verbirgt, der der besten und tapfersten Handlungen fähig ist."
Etwas später sollte demnach Nietzsche seiner Schwester bestätigt haben: "Du sagst das Beste, was mir bisher über meine 'neuen Ideen' gesagt worden ist, und Du schreibst es in Deiner eigenen Weise, als etwas von Dir Erlebtes, nicht als etwas dem Studium meiner Bücher Nachempfundenes. Wie stark fühle ich bei allem, was Du sagst und tust, daß wir derselben Rasse angehören: Du verstehst mehr von mir als die anderen, weil Du dieselbe Herkunft im Leibe hast."
Von Ende Oktober 1888 soll ein Brief stammen, in dem Nietzsche seiner Schwester schrieb: "Du bist der einzige Mensch, dem ich unbedingt, gleichsam instinktiv, Glauben schenke" und "Unser neuer Kaiser (Wilhelm II.) aber gefällt mir immer mehr".
Die Autobiographie "Ecce Homo", deren Text schon die Spuren vom Wahnsinn zeigt und zu der Nietzsche die Korrekturbogen noch 1889 prüfen konnte, soll er einem derartigen Brief zufolge nur für sich und seine Schwester geschrieben haben: "Ich schreibe in diesem goldenen Herbst, dem schönsten, den ich je erlebt habe, einen Rückblick auf mein Leben, nur für mich selbst. Niemand soll es lesen mit Ausnahme eines gewissen guten Lamas, wenn es übers Meer kommt, den Bruder zu besuchen."
In dieser Tonart waren alle Briefe gehalten, die sonderbarerweise nur als Abschriften existierten - Abschriften, die Elisabeth Förster-Nietzsche mit eigener Hand nach den Originalen angefertigt haben wollte. Nun gab es freilich zunächst noch Zeugen, die über Dokumente von Nietzsches Hand verfügten, in denen gänzlich entgegengesetzte Meinungen vertreten waren. 1905 aber starb der wichtigste dieser Zeugen, der Baseler Theologe Overbeck, und bereits 1909 veröffentlichte Elisabeth angeblich von ihrem Bruder stammende Briefe, in denen Freund Overbeck erstaunlich schlecht abschnitt.
In einem dieser Briefe, der vom 21. Mai 1887 datierte, bestätigte etwa Friedrich Nietzsche seiner Schwester, daß er sie unbedingt als seinesgleichen betrachte. Aber: "Ich schreibe an Overbeck nur an meinen schlechten Tagen" (gefälschter Brief vom 22. Januar 1882). "Ich freue mich, daß der treffliche Overbeck Deine Partei genommen hat, aber der Frau wegen ist kein Verlaß darauf" (gefälschter Brief vom November 1884). Jedenfalls muß ich mich jetzt selbst verteidigen. Glaubst Du vielleicht, daß es einer der alten Freunde tut, zum Beispiel Overbeck? Er denkt nicht daran ... Weder Rohde noch Overbeck haben die blasseste Vorstellung, worum es sich bei mir handelt, geschweige ein Gefühl der Pflicht gegen mich" (gefälschter Brief vom 14. Juni 1886).
Nachdem sie den zuverlässigsten Freund Nietzsches auf diese Weise vor aller Öffentlichkeit suspekt gemacht hatte, stand der Schwester nichts mehr im Wege, aus ihrem Bruder Nietzsche einen Förster-Nietzsche zu machen.
Dennoch schien den Forschern mit dieser Schlußfolgerung das Rätsel jener Nietzsche-Briefe noch nicht hinlänglich gelöst. Den Wissenschaftlern war zwar deutlich geworden, daß jene Briefe im Original nicht vorhanden waren und dem Inhalt nach keineswegs zu Nietzsche passen konnten. Sie spürten aber, daß die Diktion durchaus so klang, als stamme sie von dem Philosophen.
"Wer sich Jahre hindurch fast auschließlich mit einem großen Schriftsteller beschäftigt hat", schrieb Schlechta, "wird mir glauben, daß man in dieser Beschäftigung ein fast untrügbares Organ für die spezifische Diktion, für Tonfall und Rhythmus eben dieses Autors entwickelt. Gewiß, es gab in unseren Vorlagen kleine Unebenheiten, gewissermaßen fremd anmutende Verbindungsglieder; aber immer wieder begann nach solchen Zäsuren die wohlvertraute Sprachbewegung."
Auf die Lösung dieses scheinbaren Widerspruchs stießen die Forscher, als sie endlich den umfänglichen, oft schwer entzifferbaren Nachlaß des Philosophen bis auf den Grund geprüft hatten - ein Unternehmen, zu dem die ehemalige Archivleiterin alles andere als die Vorarbeit zu leisten wünschte.
Dabei ergab sich, daß Frau Elisabeth Förster-Nietzsche jene Briefe, in denen ihr Bruder sie für die einzig sachverständige Verwalterin seines Werkes erklärt, keineswegs völlig erfunden hatte. Es gab sie durchaus. Allerdings waren sie an ganz andere Personen gerichtet und zum Teil niemals abgeschickt worden.
Das Lama hatte Briefentwürfe von Nietzsche im Nachlaß gefunden, aber auch Briefe an Personen, die inzwischen verstorben waren, als Leiterin des "Nietzsche-Archivs" für zum Teil beträchtliche Summen erwerben können. Solche Texte hatte sie dann mit dem Federmesser oder mit Tintenklecksen zum Teil unleserlich gemacht, die erhaltenen Formulierungen abgeschrieben und als Briefe ausgegeben, die ihr Bruder an sie gerichtet habe, wobei sie nicht vergaß, ausführliche Zusätze zu ihren Gunsten unterzubringen.
Obwohl Elisabeth die Originale sorgfältig verfälschte, zog sie es vor, diese gefälschten Originale zurückzuhalten und nur ihre eigenen Abschriften vorzuzeigen: Sie dienten dann als Manuskript für die Bücher, in denen sie - als Briefe Nietzsches an seine Schwester - abgedruckt wurden.
Hätte das Lama die von ihr gefälschten Originale oder unleserlich gemachten Entwürfe vorgezeigt, so wären - das war auch ihr bewußt - jedem Laien gewisse Merkwürdigkeiten aufgefallen, zum Beispiel die, daß Nietzsches Feder offenbar oft Anrede und Unterschrift durch Tintenkleckse unleserlich machte.
Schlechta bemerkte einen Brief, der etwa so aussah: "Liebe (Klecks)" als Anrede, "Dein (Klecks) Fritz" als Unterschrift. Die Anrede lautete im Original "Liebe Mutter", die Unterschrift "Dein Sohn Fritz". In der vom Lama zusammengestellten Ausgabe war dieser Brief so veröffentlicht: "Liebe Schwester" als Anrede, "Dein Bruder Fritz" als Unterschrift.
Auch die Brandspuren am Rand jenes an Malwida von Meysenbug gerichteten Briefes zum Beispiel, in dem Nietzsche seine Sorge vor seinen künftigen Jüngern formuliert hatte, sind keineswegs etwa Folge kriegerischer Einwirkung. Frau Förster-Nietzsche hatte den Brief mit eigener Hand angesengt, um zu vertuschen, an wen er gerichtet war. In der von ihr redigierten Ausgabe der Nietzsche-Briefe, die 1909 erschien, ist von ihm nur ein Bruchstück abgedruckt. In dieser Ausgabe beginnt der Brief mit der Anrede "Liebe Schwester".
* Friedrich Nietzsche: "Werke in drei Bänden", herausgegeben von Karl Schlechta: Carl Hanser Verlag, München; 4044 Seiten; 71 Mark.
* Dr. Wilhelm Matthiessen in der Einleitung zu Nietzsches Schrift "Der Antichrist", Nordlandverlag, Berlin 1941.
** Richard Blunck: "Friedrich Nietzsche, Kindheit und Jugend": Ernst Reinhardt Verlag, München; 224 Seiten; 9,80 Mark.
* "Peter Gast" ist der Künstlername des Komponisten Heinrich Koselitz (1854-1918), der Lieder, Kammermusik, vier Armeemärsche und die komische Oper "Der Löwe von Venedig" schrieb.
* Elisabeth Förster-Nietzsche: "Das Leben Friedrich Nietzsches"; Leipzig, 1984.
Nietzsche, Mutter: Unzeitgemäße Betrachtungen
Nietzsche-Schwester Elisabeth Förster Zeitgemäße Korrekturen
Jüngerin Lou von Salomé Nietzsches Heiratsantrag ...
Freundin Malwida von Meysenbug ...wurde abgelehnt
Nietzsche-Freund Overbeck Die Briefe wurden ...
Nietzsche-Freund Gast ... vom Lama gefälscht
Nietzsche-Freund Richard Wagner, Frau Cosima: Streit um "Parsifal"
Im Nietzsche-Archiv. Der Führer an der Büste des deutschen Philosophen, dessen Ideen zwei große Volksbewegungen befruchteten: die nationalsozialistische Deutschlands und die faschistische Italiens
Bild und Text aus "Hitler, wie ihn keiner kennt"
Nietzsche-Totenmaske Kein Wille zur Macht
Das Lama: "Wenn Frau Förster-Nietzsche belehrbar wäre ..."

DER SPIEGEL 5/1958
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PHILOSOPHEN / NIETZSCHE:
Das Lama

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