28.01.1974

Parapsychologie: Ich weiß nicht, wie

Gellers gabel-krümmende Kraftakte entfachen in ganz Europa widerstreitende Meinungen. Nie zuvor war das Übersinnliche so im Gerede. Die Parapsychologie, die seit mehr als vierzig Jahren Telepathie, Hellsehen, Präkognition und Psychokinese erforscht und deren Anwendung in Raumfahrt und Rüstung erprobt, wurde zum Massenthema.

Uri Geller sagte: "Bend, bend, bend", und -- ei der Daus! es passierte: Die Gabel krümmte sich, wenn auch erst nach tüchtigem Reiben mit den Fingern, und zerbrach schließlich. Noch besser ging es mit den Uhren. Zwei davon -- als kaputt bezeugt vom Offenburger Uhrmachermeister Hurrle -- lagen vor Geller. Eine Dame hielt eine Hand darüber. Geller strengte sich an, man sah es. Geller tippte auf die Hand der Dame. Sie spürte es heiß werden, und heil war die eine. Die andere nicht. Dritter Versuch: Notar Kaul hatte einen versiegelten Brief mitgebracht. Geller sollte sagen, was drinsteht. Wiederum strengte er sich an -- einmal, zweimal, ein drittes Mal. Es half nicht. Geller gab auf.

So geschah es am Donnerstag, dem 17. Januar, gegen 20 Uhr, bei "Drei mal Neun". Wim Thoelke war dabei, und der Notar, und der Uhrmacher, und zwei Damen. Millionen sahen es auf dem Bildschirm. Keiner konnte irgendwelchen Schmu entdecken, nicht anders als bei den vielen Malen zuvor, in denen Geiler aus geraden Sachen -- Nägeln, Löffeln, Uhrzeigern -- krumme Dinger gemacht hatte: ohne Hammer, ohne Zange, des öfteren, und so auch am Donnerstag -- wie Zuschauer meldeten -- im ZDF-Sendebereich, über große Entfernungen hinweg. Selbst ein Bundesminister war perplex: Geller hatte in Privataudienz für Katharina Focke eine Gabel deformiert.

Gellers krümmende und uhren-heilende Kraft nennen die wissenschaftlichen Parapsychologen "Psi". Das ist ein griechischer Buchstabe, und er bedeutet, im Sprachgebrauch der mit dem Okkulten befaßten Gelehrten, nicht mehr als "ich weiß nicht, wie". Den Faktor "ich weiß nicht, wie" (gleich "Psi") setzten die wissenschaftlichen Parapsychologen überall dort ein, wo etwas passiert, das, sofern Betrug, Täuschung oder Selbsttäuschung als ausgeschlossen gelten, unerklärlich ist -- zum Beispiel in Fällen, in denen ein Mensch

* die Gedanken eines anderen ohne Verwendung von Sprache und Zeichen abzapft (Telepathie, Gedankenlesen),

* verborgene Dinge errät (Hellsehen),

* zukünftige Vorgänge richtig voraussagt (Präkognition, Vorausschau) oder,

* wie augenscheinlich Geller Gegenstände ohne körperliche oder mechanische Hilfe bewegt (Psychokinese, wörtlich: Bewegung vermittels der Seele),

Gellers Psi-Demonstration am 17. Januar in "Drei mal Neun" war zweifellos nicht die eindrucksvollste der über tausend, die der 28jährige ehemalige Fallschirmjäger hinter sich hat. Zweifellos war sie auch nicht diejenige, die am besten gegen Täuschung abgesichert war.

"Erschütternd" findet Erster Staatsanwalt Dr. Wimmer beim Landgericht Mannheim und Experte für psychokinetische Manipulateure und Wunderheiler, daß "so viele Menschen jetzt auf so primitive Tricks hereinfallen", wie Gabelbieger Geller sie darbiete.

Fast seherische Fähigkeiten entfaltete der Mannheimer Staatsanwalt, als er dem SPIEGEL prophezeite: Auf keinen Fall werde Uri Geller erfahrene Zauberkünstler in seine Nähe lassen, die seine Fingerfertigkeiten mit geschultem Blick verfolgen könnten.

Als der SPIEGEL am Donnerstag letzter Woche anfragte, ob Geller seine Künste noch einmal unter den Augen von Werner Geissler-Werry, einem deutschen Fachmann für Zauberartistik. vorführen würde, lehnte Geller die Herausforderung ab. Geissler-Werry hatte sich anheischig gemacht, als Augenzeuge Geller-Tricks entlarven zu können (siehe Kasten Seite 108). Vor ein paar Jahren, urteilte Staatsanwalt Wimmer, wäre eine so weitreichende Massensuggestion, wie sie durch Gellers Auftritt in "Drei mal Neun" ausgelöst wurde, kaum denkbar gewesen. In der Tat: Seit vorletzter Woche wütet in deutschen Landen der "Geller-Effekt". Allenthalben bog sich Besteck, begannen kaputte Uhren zu ticken.

Vor den TV-Geräten, so beobachtete die "Augsburger Allgemeine", "knieten zahllose Frauen in Westheim" Wehringen, Friedberg und Augsburg und besprachen inbrünstig ihre Chronometer" -- Auch Valerie Ruhl, eine Witwe an die 70 in Bad Ems, hielt eine Taschenuhr, älter noch als sie selbst, an den Fernsehschirm und begann zu flüstern: "Liebe Uhr, geh."

In Kassel, Schönfelder Straße 8, empfand Irene Grob, eine Erbuhr aus dem Ersten Weltkrieg zwischen den Fingern, plötzlich "ein Kribbeln in der Hand". Löffel bogen sich und lagen nun, wie bei der Familie Klarer in Straubing, "mit einem Rückwärtsknick von etwa 45 Grad" in der Schublade. Bei den Flinks in Nippes bog es sich sogar, obwohl die Schublade mit dem Silber "zweimal abgeschlossen" war.

Mit Brom und Alkohol geht's auch.

Im hessischen Velmeden am Meißner, wo einst schon Frau Halle wirkte, stellte der Polier Karlfried Stederoth "ungewöhnliche Veränderungen" selbst an Haarnadeln fest. In München, "plötzlich hat's Puff gemacht", versagte ein Fernsehgerät, bei Adelheid Senning in Augsburg zerknackte ein Nußknacker.

Vieles freilich blieb auch heil: Schraubenzieher, Telephondrähte, Fünf-Mark-Stücke, Fahrradspeichen, Laternenpfähle und Gartenzäune reagierten schwach oder gar nicht, auch wurde dem ZDF nur eine einzige Brille als beschädigt gemeldet.

Viel Ungewißheit blieb zurück. Wurden die Leute mit ihren eigenen Löffeln halbiert? In der Stuttgarter Materialprüfungsanstalt erklärten die Metallographen nach einstündiger Prüfung eines verbogenen Löffels: "Da ist nichts Geheimnisvolles dran. Da hat einer kräftig mit dem Daumen gedrückt. sonst nichts."

Uneinsichtig in Zeichen und Wunder sprach man auch im Institut für Werkstoffkunde der Technischen Universität Hannover von nichts als "kalter Verformung". Professor Dietrich Langen, Direktor der Mainzer Universitätsklinik für Psychotherapie, ließ der Vermutung Lauf, all die Löffel seien vielleicht schon von jeher verbogen gewesen.

Indes, längst bedarf es des Israeli Uri Geller nicht mehr, wenn es ums Löffelbiegen geht: In Hannover hat es ihm Oberschüler Knut Richter, 13, schon nachgemacht. In Embsen bei Lüneburg ist es der "Heide-Uri" ("Hamburger Morgenpost") Klaus Goerke, der "mit zarten Bewegungen" etwa Brieföffner weich macht.

Gellers Psi ist -- daran gibt es kaum einen Zweifel -- indes forschungs- und TV-würdig geworden. Keine Fernsehanstalt mit Selbstrespekt verzichtet darauf, Gellers biegende Energie zu prüfen, zu messen oder als

Betrug zu entlarven. Die Redaktion von Englands angesehenstem Wissenschafts-Magazin "New Scientist" forderte Geller zu einer Demonstration unter Labor-Bedingungen heraus.

Die Londoner "Sunday Times" hatte dem Phänomen Geller schon Anfang Dezember eine ganzseitige Analyse ihres wissenschaftlichen Mitarbeiters Bryan Silcock gewidmet. Das Nachrichten-Magazin "Time" ließ Geller durch den Trick-Artisten James Randi beobachten. Randi behauptete, Geller biege mit der Hand. Die über das Fernsehen bewirkten Deformationen konnte Randi jedoch nicht erklären.

Der Redakteur des Londoner "Daily Express" Don Coolican demonstrierte letzte Woche, wie er, gleich Geller, Gabeln zum Brechen brachte -- nachdem er mit seinen Fingern eine Stelle der Gabel mit einem "Salzbildner" (Halogen), also Fluor, Chlor, Brom oder Jod, einrieb, den er in destilliertem Wasser oder Alkohol gelöst hatte. Coolican hatte den Trick von einem israelischen Offizier auf den Golan-Höhen erfahren. Hauptberuf des Offiziers: Zauber-Artist.

Wie es allerdings Geller am letzten Dienstag gelingen konnte, Metall-Lettern einer "Kurier"-Schlagzeile zu deformieren (siehe Photos Seiten 102/103), kann nur schwer durch Habgen-Einreibung erklärt werden. Ein Redakteur des Wiener "Kurier" war Geller am Montag nach Zürich entgegengeflogen und hatte einige Exemplare der aus Lettern- Metall gegossenen Schlagzeile "Uri Gelber: Das biegen wir" mitgebracht. Auf dem Fluge zurück von Zürich nach Wien rieb Geller sanft mit dem Zeigefinger über das Metall, worauf es sich verbog und schließlich unter den Händen einer Stewardeß auseinanderbrach.

Laut "Time" ist Geller auch von Fachleuten des US-Verteidigungsministeriums getestet worden, freilich mit zweifelhaftem Erfolg. Als Geller eine Kompaßnadel bewegen sollte, beobachteten die Militär-Gelehrten, daß er mit den Füßen den Boden in Schwingungen versetzte. Einer der Psi-Detektive wiederholte die Demonstration -- mit größerem Erfolg als Geller.

Einer Entlarvung Gellers kommt ein Gutachten gleich, das die Berliner Bundesanstalt für Materialprüfung Ende letzter Woche im Auftrag des SPIEGEL erstattete (siehe nebenstehenden Kasten). Das Amt prüfte eine Alpaka-Gabel, die -- in der Hand von SPIEGEL-Reporter Hermann Schreiber (siehe Seite 116) -- in Anwesenheit von Geller zerbrochen war.

Eindeutig läßt der Berliner Befund den Schluß zu: Die Gabel wurde vermittels einer Chemikalie zum Brechen gebracht -- an der Stelle, wo in dem Metall eine sogenannte mechanische Eigenspannung schon vorlag. Diese Eigenspannung kann beispielsweise durch den normalen Gebrauch, aber auch bei der Fabrikation oder durch gewaltsames Biegen der Gabel hervorgerufen worden sein. Die Berliner wiederholten den Gabel-Bruch -- mit Quecksilbernitrat.

Auch ausländische Wissenschaftler experimentierten mit Geller -- mit unterschiedlichem Effekt. Das Stanford Research Institute, das private Forschungsaufträge übernimmt, ließ Geller im vorigen Jahr sieben Bilder, die in versiegelten Umschlägen waren, erraten. Er erzielte sieben Treffer. Bei einem anderen Ratespiel mit zwei Va-

* Von der Bundesanstalt für Materialprüfung untersucht.

rianten paßte Geller zweimal und riet achtmal richtig. Zehnmal hatte er raten dürfen. Auch gelang es Geller, dem Bericht des Instituts zufolge, die Meßwerte einer Waage irrational zu ändern. Eine wissenschaftliche Erklärung des Phänomens konnten die Forscher nicht ausmachen. Einen gefilmten Biegeversuch Gellers hielten sie jedoch für unbefriedigend, "weil ihm erlaubt worden war, die Gegenstände zu berühren".

Ungleich wie Gellers Erfolge sind die Urteile über ihn. Bryan Silcock schwankt denn auch, wie er Anfang Dezember bekannte. angesichts des Geller-Effekts zwischen "extremem Skeptizismus und fast völliger Anerkennung". Wenn es wahr ist, fragte sich Silcock, daß Geller, wie er behauptet, den Uhrzeiger von Big Ben anhalten kann, warum holt er nicht Flugzeuge vom Himmel?

Psychokinese ist -- wie die anderen angeblichen Psi-Leistungen: Telepathie, Hellsehen und Präkognition -- seit langem Gegenstand der an vielen Universitäten betriebenen Parapsychologie. Überall auf der Welt spüren Physiologen, Mathematiker und Psychologen dem Faktor Psi nach. Die amerikanische Raumfahrt-Behörde Nasa und sowjetische Institute versuchen ausfindig zu machen. ob sich Telepathie für die Kommunikation mit Astronauten oder auch für die Kommunikation mit getauchten U-Booten nutzbar machen lasse. Seit mehr als 40 Jahren bemühen sich sowjetische Physiologen und Hirnforscher von internationalem Ruf um die Feststellung einer physikalischen Energie, die telepathische oder psychokinetische Phänomene auf "normale" Weise erklären könnte.

In Amerika und Rußland veranstaltet man Tier-Versuche, entwirft komplizierte Zufalls-Generatoren, um das Mitwirken von Psi bei Ratespielen zu erspähen, konstruiert technische Arrangements, die den Durchgang psychischer Energien durch Eisen und Blei erproben sollen.

So dürftig die praktischen Ergebnisse dieser weltweiten Forschung auch sind -- die Tatsache allein, daß Psi Forschungsobjekt ist, zeigt eine neue, unbefangenere Einstellung gegenüber sogenannten paranormalen Erscheinungen.

Jahrhundertelang verdächtigte das Christentum Psi als Teufelswerk. Allerdings mit Einschränkungen: Waren es Fürsten oder Prälaten oder gar Heilige, die das Unglaubliche vollbrachten, so galt die schwefelige Tat als frommes Wunder. So durfte Franz von Assisi. ohne der Zauberei beschuldigt zu werden, sich schwebend in die Luft erbeben, während Tausende von "Hexen", gleicher Kunst verdächtigt, verbrannt wurden. Und so durfte, desgleichen unbehelligt, Papst Pius V. am 7. Oktober 1571 -- über 925 Kilometer hellsehend -- den Sieg Don Juan d'Austrias in der Seeschlacht von Lepanto verkünden, ehe noch die Nachricht davon in Rom eingetroffen war.

Psi war, so hat es den Anschein, während des Mittelalters ein Privileg der herrschenden Klassen -- ein Brauch, der sich hier und da auch noch bis ins 20. Jahrhundert erhielt. So will der Bischof von Großwardein, Joseph von Lanyi, am Morgen des 28. Juni 1914 um 3.30 Uhr die Vision eines Briefes gehabt haben, in dem ihm der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand das Attentat von Sarajevo mitteilte, das sich dann tatsächlich zwölf Stunden später ereignete.

Freilich, inzwischen war Psi längst demokratisiert worden und auch sonst ziemlich heruntergekommen. Aufklärer wie Voltaire, Diderot und andere hatten Clairvoyance (Hellsehen), Poltergeister, Prophetie und Elevationen, die der Heiligen ebenso wie die der Hexen, für Blendwerk der Kirche erklärt.

Gleichwohl, auch einige Rationalisten blieben im Zweifel. Sogar Immanuel Kant, der "Alleszertrümmerer", rätselte darüber, wie es dem schwedischen Ingenieur Emanuel Swedenborg an einem Abend des Jahres 1759 gelingen konnte, von Göteborg aus einen in Stockholm stattfindenden Großbrand "fernzusehen".

Doch -- abgesehen von solchen gelegentlichen Beunruhigungen -- nahm es mit dem Ruch des Übersinnlichen gegen Ende des 18. Jahrhunderts einen bösen Lauf. Scharlatane und Hasardeure wie Giuseppe Balsamo alias Graf Cagliostro bemächtigten sich des, nach der Abschaffung von Gott und Teufel, herrenlos gewordenen Wunders.

Folgenreicher waren die Experimente eines deutschen Arztes namens Franz Anton Mesmer, der 1815 in Meersburg starb. Er glaubte eine heilende Kraft entdeckt zu haben, die er "tierischen (animalischen> Magnetismus" nannte. Sicher ist, daß er seine Patienten durch Handbewegungen in einen "magnetischen Schlaf" versetzen konnte, in dem sie, wie er behauptete, auch des Hellsehens fähig waren.

Offenkundig war Mesmer hypnotisch begabt und wurde damit zum Entdecker eines Phänomens, das, obwohl inzwischen längst von der Wissenschaft anerkannt, bis heute nicht völlig aufgeklärt ist, "Seit Mesmer", so urteilt denn auch der französische Parapsychologe Robert Amadou, "haben die paranormalen Funktionen aufgehört, für übernatürliche Phänomene zu gelten." Lange vor Amadou, nämlich 1851, hatte Arthur Schopenhauer ähnliches geäußert: "Wer heutzutage die Tatsachen des animalischen Magnetismus und seines Hellsehens bezweifelt, ist nicht ungläubig, sondern unwissend zu nennen"

Nachdem durch Mesmer und dessen Schüler die Hypnose in den Rang einer wissenschaftlich nicht zu bestreitenden Tatsache gerückt war, mehrte sich die Zahl derer, die Hellsehen und Telepathie für eine Realität hielten oder jedenfalls für einen Gegenstand, der wissenschaftlicher Erforschung wert sei.

Und es waren nicht nur Schriftsteller wie etwa Victor Hugo, Conan Doyle, Upton Sinclair oder Thomas Mann, die -- gläubig, verdutzt oder auch nur belustigt -- dem Faktor Psi huldigten. Vielmehr waren es auch und gerade Wissenschaftler, die Psi bestaunten oder, wenn auch widerstrebend, akzeptierten. Darunter waren Philosophen wie William James, Hans Driesch und Henri Bergson, Physiologen wie der Nobelpreisträger Charles Richet, die angesehenen sowjetischen Professoren Bechterew und Wassiliew und Psychologen wie Carl Gustav Jung, Cesare Lombroso und Hans Jürgen Eysenck.

Erstaunlich, wie viele Naturwissenschaftler Psi für bewiesen oder wahrscheinlich oder für ein Forschungsobjekt hielten: so der deutsche Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald und der Physiker Pascual Jordan. so der österreichische Physiker Wolfgang Pauli, ebenfalls ein Nobelitierter. so William Crookes, Entdecker des Thalliums, Thomas Edison, Pierre und Marie Curie und, wenngleich vorsichtig, Norbert Wiener. der Vater der Kybernetik.

Auch Albert Einstein empfahl, beeindruckt von telepathischen Experimenten Upton Sinclairs. die Parapsychologie der "ernsthaftesten Beachtung"*. Sinclair hatte bei seiner Frau Mary Craig Kimbrough telepathische und hellseherische Fähigkeiten entdeckt und zeichnete deren Demonstrationen getreulich auf, zum Beispiel diese: Am 13. Juli 1928 saß Robert L. Irwin, ein junger Geschäftsmann, in seinem Haus in Pasadena und konzentrierte seine Gedanken verabredungsgemäß auf einen Gegenstand seiner Wahl, in diesem Fall: eine Gabel. In Long Beach, 64 Kilometer entfernt, schrieb Mary Craig zur selben Stunde auf: "July 13, 1928. See a table fork. Nothing else" Diese und zahlreiche andere Leistungen solcher Art seien, meinte Einstein. "von hohem psychologischen Interesse".

Poltergeister in Freuds Bücherschrank.

Weniger erstaunlich -- angesichts antiker und mittelalterlicher Tradition ist die Psi-Gläubigkeit von Monarchen, Staatsmännern und Tyrannen. Napoleon III. bewunderte die psychokinetischen Künste eines schottischen Mediums namens Daniel Dunglas Home, der Tische durch den Raum schweben ließ oder Glöckchen und Harmonikas zum Erklingen brachte oder gar -- wie es am 16. Dezember 1868 in der Buckingham Gate 5 zu London geschehen sein soll -- sich selber schwebend aus dem Fenster in die Luft begeben konnte.

Stalin beauftragte einen angeblich Sensitiven namens Wolf Gregorewitsch Messing mit telepathischen Experimenten. Eigener Darstellung zufolge zwang Messing. mit Stalins Einverständnis. den Kassierer einer Moskauer Bank mittels Mental-Suggestion zur Herausgabe von 100 000 Rubeln -- ein, wenn der Bericht wahr ist, seltenes Exempel praktischer Psi-Anwendung. Auf jeden Fall steht es so in "Nauka i religija" (Heft 7/8, 1965). der Zeitschrift der sowjetischen Atheistenpropaganda -- immerhin ein Beweis dafür, daß Messings Bericht nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Hitler soll Befehl gegeben haben, Telepathie als Kommunikationsmittel für U-Boote zu erproben.

Gilbert Murray, Altphilologe und Präsident des Genfer Völkerbundes zwischen 1923 und 1938, war selber telepathisch begabt. Murrays Erfolge

* Upton Sinclair: "Radar der Psyche". Scherz Verlag. Bern und München; 292 Seiten; 28 Mark.

beim Lesen von Gedanken seiner Familienmitglieder veranlaßten Sigmund Freud im Jahre 1925 zu einem Aufsatz, in welchem er seine Schüler zur Erforschung der telepathischen Bedeutung von Träumen ermutigte.

Früher hatte der Erzvater der Psychoanalyse Psi für Hokuspokus gehalten -- so auch jenen berühmten Fall, an dem er selbst und sein Schüler und Widerpart C. G. Jung beteiligt gewesen waren. Bei einem zornigen Streitgespräch zwischen beiden in der Wiener Wohnung Freuds rumpelte es, Jungs Darstellung zufolge, zweimal heftig im Bücherschrank -- für Jung ein echter Fall von Psychokinese, der, wie später Psi-Forscher meinten, durch die starken Affekte der beiden Psychologen verursacht worden sein könnte.

Das Medium mit Heidelbeer-Mus gefüttert.

Freilich, trotz so zahlreicher (leicht zu vermehrender) wohlmeinender Äußerungen namhafter und erlauchter Geister über Psi -- die Erforschung parapsychologischer Phänomene mit wissenschaftlichen Mitteln kam doch recht langsam in Gang. Eine erste Station bildete die Gründung der Society for Psychical Research (S.P.R.) am 20. Februar 1882 in London.

Initiator der Gesellschaft war ein Physik-Professor namens Sir William Fletcher Barrett, und die Mitbegründer, Anhänger, Mitarbeiter und Präsidenten der Gesellschaft waren durchweg angesehene Wissenschaftler.

Die S.P.R. begann damit, zahllose Berichte über angeblich paranormale Fälle zu prüfen und die -- nach strenger Sichtung -- für unerklärlich gehaltenen zu registrieren. Außerdem entwickelte die S.P.R. einen veritablen parapsychologischen Polizeiapparat. Wo immer in Europa, Amerika oder anderswo ein Sensitiver behauptete, Geister auftreten lassen, verschlossene Briefe lesen, sogenanntes "Ektoplasma" (schleierartige "Materialisationen" in Gestalt von Köpfen, Armen oder ganzen Figuren) produzieren oder, wie Geller, Tische, Schränke und Klingeln ohne Hand und Werkzeug bewegen zu können, oder gar durch sogenanntes "automatisches Schreiben" Nachrichten von Verstorbenen, von in fernen Urwäldern verschollenen Forschungsreisenden etwa, zu empfangen -- in all solchen wundervollen Fällen entsandte die S.P.R. ihre Detektive.

Einer der tüchtigsten S.P.R.-Polizisten, Dr. Richard Hodgson, entlarvte Eusapia Paladino. Die hysterische und wohl auch etwas diebisch veranlagte Neapolitanerin beeindruckte Charles Richet, den späteren Nobelpreisträger, Cesare Lombroso, den berühmten Kriminologen, und den Münchner Arzt und Freiherrn von Schrenck-Notzing durch psychokinetische Künste. Sie ließ, obwohl gefesselt, Tische schweben und Klaviere klimpern. Hodgson entdeckte, daß sie sich bei einer Sitzung in einem, wie üblich, verdunkelten Zimmer aus den Fesseln befreit und die "Phänomene" eigenhändig verursacht hatte.

Weniger Glück hatte die S.P.R. mit den Gebrüdern Willy und Rudi Schneider aus Hitlers Geburtsort Braunau am Inn, die in den zwanziger Jahren als Psi-Stars der okkultistischen Salons von München, Paris und London "hervortraten. Obwohl in musselinbespannte Käfige eingesperrt, schepperten sie mit Instrumenten, rückten Tische und ließen Tücher durch den Raum schweben -- wie es, neben vielen Gelehrten, auch Thomas Mann bezeugte: "Der Blitz soll mich treffen, wenn ich lüge."

Dr. von Schrenck-Notzing, der Förderer der beiden Braunauer Psychokinetiker, entwickelte bei der Überwachung der Schneiders und anderer, auch weiblicher Medien, die raffiniertesten Techniken. Er nähte sie vor ihren Demonstrationen in Trikotanzüge ein, untersuchte erbarmungslos all ihre Körperöffnungen nach verborgenen Instrumenten und gab ihnen Abführ- und Brechmittel, um sicher zu sein, daß der Speise- und Darmtrakt nicht als Schmuggelpfad für unerlaubte Hilfen benützt würde.

Eines seiner Medien, eine Französin namens Eva C., fütterte der unerschrockene Arzt sogar mit Heidelbeer-Musum zu erfahren, ob sich dessen oral hervorgebrachte Materialisationen etwa nach dieser Kost verfärben würden. Indes, sie blieben neblig-weiß, wie es unter Gespenstern von alters her der Brauch ist.

Auch spannte Schrenck-Notzing allerlei technische Kontrollen ein: elektrische Stolperdrähte, Infrarot-Geräte und dergleichen mehr. Gleichwohl demonstrierte Rudi, der jüngere der Schneider-Brüder, daß er auch "Materialisationen" fähig war. Er ließ Gespenster-Finger, -Hände und -Arme durch die Séancen schweben, einzelne Teilnehmer fühlten Berührungen und Streicheln.

Der Ruch von Spinnerei und Kabarett war geblieben.

Gleichwohl, das jahrzehntelang in verdunkelten, mit roten Lämpchen oder Kerzen bestückten Salons betriebene parapsychologische Blindekuh-Spiel ergab am Ende doch nicht viel mehr als einen weltweiten Hickhack von konträren Dokumentationen, Theorien und Betrugs-Beschuldigungen. Was bedeutete es schon, daß Home von vielen ehrbaren Zeugen als eine an der Zimmerdecke schwebende Figur gesichtet worden war? Waren Homes Elevationen nicht eher ein Fall von Psidiotie der Zeugen als ein Fall von Psi des angeblich Schwebenden?

Und wie viele sogenannte Medien waren nicht tatsächlich entlarvt worden -- Henry Slade zum Beispiel, der, obwohl gefesselt, angeblich Geister auf Schiefertafeln schreiben ließ, auf Tafeln freilich, die er vorher "beschriftet und heimlich mitgebracht hatte. Oder Florence Cook, die eine Dame aus der Zeit Karls II. von England namens Katie King durch schummerige Zimmer geistern ließ und schließlich von einem beherzt zuspringenden Gast selbst als die Katie erwischt wurde.

Welchen Wert hatten angesichts dieses Gaukelspiels fingerfertiger Psi-Kabarettisten jene wenigen Fälle, in denen eine Entlarvung nicht gelang? Leonore Piper, eine Amerikanerin, wurde jahrelang von Hodgson getestet, ohne daß er ihr auf die Schliche kam. Sie gab in zahllosen Séancen intimste Auskünfte über das Leben von Anwesenden -- Auskünfte, die angeblich von Geistern Verstorbener stammten. Niemand vermochte die Herkunft ihres Wissens aufzuklären.

Andererseits: War es denn wirklich ein Beweis gegen die paranormalen Fähigkeiten Eusapia Paladinos, daß sie ein einziges Mal beim Beschubsen erwischt wurde? Gleicht nicht die mediale Befähigung der Sensitiven der Intuition großer Künstler, die auch nicht beliebig anzuknipsen ist? Könnte man von Richard Wagner etwa verlangen, jederzeit und auf Kommando den "Lohengrin" zu komponieren -- und das unter Labor-Bedingungen. mit elektrischen Drähten um die Handgelenke, gefesselt oder gar von Abführmitteln entkräftet? Und ist es da nicht begreiflich, daß Sensitive, in Stunden medialer Indisponiertheit, auch einmal zu Tricks greifen?

Was immer die Epoche der "großen Medien" an Erstaunlichem erbracht hatte, der Ruch von Spinnerei und Kabarett, gelangweilten Aristokraten und gerissenen Schnapphähnen war geblieben, der Durchbruch zur Verwendung wissenschaftlicher Mittel allenfalls in den Anfängen erkennbar.

Dieser Durchbruch -- wohlgemerkt: zur Verwendung wissenschaftlicher Mittel bei der Erforschung von Psi, keineswegs jedoch bereits zum wissenschaftlich anerkannten Beweis von Psi -- gelang in den dreißiger Jahren. In Amerika war es der junge Psychologe Joseph Banks Rhine, der in endlosen Reihen von Ratespielen mit normalen Personen nachwies, daß sehr oft Trefferzahlen erreicht werden, die stark von der -- nach den Gesetzen der statistischen Mathematik zu errechnenden -- "Zufallserwartung abweichen und deshalb, wie er meint, auf den Faktor "ich weiß nicht, wie", also auf "Psi", zurückzuführen sind.

Sowjetische Physiologen -- vor allem der 1927 verstorbene Wladimir Michailowitsch Bechterew und dessen 1966 verstorbener Schüler Leonid L. Wassiliew, bis zuletzt Lehrstuhlinhaber in Leningrad und korrespondierendes Mitglied der sowjetischen Akademie für medizinische Wissenschaften -- versuchten unterdes der Telepathie mit den Mitteln vor allem der Hirnforschung beizukommen.

Die Ergebnisse der Rhine-Schule sind bis heute umstritten, die Ergebnisse der Bechterew-Wassiliew-Schule allenfalls mühselig nachprüfbar, weil die Kommunikation mit den Sowjet-Gelehrten aus ideologischen und möglicherweise sogar militärischen Gründen von den Behörden erschwert wird. Nicht auszuschließen ist, daß die Sowjets, wie die Amerikaner, Telepathie als Kommunikationsmittel für Raumschiffe und U-Boote erproben.

Allgemein anerkannt ist jedoch, daß beide Schulen, die amerikanische wie die sowjetische, Methoden verwenden. die wissenschaftlich diskutabel sind. Allein diese Tatsache hat die Einschätzung der Parapsychologie deutlich geändert. Charakteristisch ist der Meinungswandel der Tugendwächter modernen Wissens. der Lexika.

Die Encyclopaedia Britannica zum Beispiel, die noch 1961 parapsychologische Demonstrationen durchweg auf "angeblich" übernormale Fähigkeiten zurückführte, spricht in ihrer Ausgabe von 1971, unter dem Stichwort "Telepathy", schon von "ermutigenden Ergebnissen".

"Eine unbekannte Form von Energie."

Noch deutlicher änderte Brockhaus seine Ansicht. Hatte der "Große" noch 1954 über Helisehen gesagt: "Die Erfolge sind fragwürdig", schreibt die eben jetzt erscheinende "Enzyklopädie": "Die lange umstrittene Fähigkeit des Hellsehens gilt als erwiesen" -- ebenso die der Telepathie. Sowjetische Experimente mit Fernhypnosen hätten dies bestätigt.

Nur Frankreichs Grand Larousse (Ausgabe von 1963) ist Psi-resistent: "Die Wissenschaft lehnt, bis jetzt, alle diese Phänomene ab." Wie es die neuen Ausgaben von Meyers Enzyklopädie und der Sowjet-Enzyklopädie mit Hellsehen und Telepathie halten, ist noch nicht auszumachen. Sie sind noch nicht bis zu den betreffenden Stichworten gelangt. Immerhin, während das russische Lexikon noch 1956 deklariert hatte, Telepathie sei eine "antisozialistische, idealistische Fiktion, finden sich neuerdings in der sowjetischen Presse Zeichen von Beunruhigung. Als Professor Wassiliew demonstrierte, daß Nina Kulagina (nom de guerre: Nelja Michailowa) Streichhölzer, Äpfel, Zigarettenschachteln, Brot und kleine Kugeln ohne Zuhilfenahme körperlicher Mittel bewegen konnte, erschienen in Sowjet-Zeitungen Berichte über das Ereignis.

Sie referierten den Professor für Theoretische Physik an der Universität Moskau und Staatspreisträger Terletzkij: "Frau Michailowa entwickelt eine neue und unbekannte Form von Energie." Und das an der Überprüfung der Michailowa (Kulagina)-Experimente beteiligte Mendelejew-Institut für Maß- und Gewichtskunde fügte hinzu: Es gebe zur Stunde keine Erklärung für das von Frau Michailowa gezeigte "Phänomen der Bewegung von Gegenständen".

"Durch das Schlüsselloch in die Ewigkeit gucken."

Doch wenig später schrieb die Partei-Zeitung "Prawda", die Michailowa vollbringe ihre "Tricks" mit Hilfe von "Magneten" -- eine Erklärung, die angesichts der vorangegangenen Untersuchungen durch das Mendelejew-Institut allerdings wenig überzeugend wirkt. Außerdem: Wie sollen Brot und Papier durch Magneten bewegt werden? Zwei amerikanische, psi-beflissene Damen namens Sheila Ostrander und Lynn Schroeder, die sich damals in Moskau aufhielten, glaubten denn auch Hinweise auf einen Eingriff der Partei in die Presse-Berichterstattung erkennen zu können*.

In den USA nimmt die Wertschätzung von Psi unter Wissenschaftlern zu. Die Encyclopaedia Britannica glaubt aufgrund von Meinungsbefragungen voraussagen zu können, daß die kommende Generation psi-geneigter sein werde als die jetzige.

Diese Vermutung wird auch durch die leichten Plänkler unter den Wissenschaftsjournalisten bestätigt. Für Werner Keller etwa, der mit "Und die Bibel hat doch recht" zu Bestseller-Ruhm gelangte, ist es der Parapsychologie gelungen, "das Auftreten von Phänomenen wie Heilsehen, Telepathie, Vorausschau und psychokinetischen Bewirkungen nachzuweisen"**. Ganz ähnlich urteilte aber auch, immer auf der Suche nach einem Absoluten, Arthur Koestler, der

* Ostrander/Schroeder: "Psi". Scherz Verlag, Bern und München; 384 Seiten; 28 Mark.

** Werner Keller: "Was gestern noch als Wunder galt". Verlag Droemer-Knaur, München; 416 Seiten; 29,50 Mark.

sogar hofft, mittels Psi eines Tages "durch das Schlüsselloch in die Ewigkeit gucken zu dürfen"*.

Die zunehmend positive Bewertung von Psi setzte ein, als Professor Rhine 1934 erstmals die Ergebnisse von 85 000 Ratespielen veröffentlichte, die er als Professor der Duke University in Durham (USA) veranstaltet hatte.

Wahrscheinlichkeit 1 : 298 023 223 876 953 125.

Rhine benutzte bei diesen Spielen 25 Karten, von denen je fünf mit einem Kreuz, Kreis, Viereck, Stern oder einer Welle bezeichnet waren. Die Aufgabe der Versuchsperson bestand darin, zu erraten, welche Figur diejenige Karte trug, die der Versuchsleiter entweder verdeckt abhob oder nach dem Abheben selber betrachtete. Im ersten Fall sollte Heilsehen getestet werden, im zweiten Telepathie.

Dabei ging Rhine von der Wahrscheinlichkeits-Rechnung aus, zu deren Vätern Blaise Pascal gehörte. Er wollte seinem Freund, dem Chevalier de Méré, beim Glücksspiel behilflich sein.

Pascal wollte dem Zufall beim Roulett auf die Spur kommen, und er entdeckte etwas Absurdes, nämlich daß der Zufall einem Gesetz gehorcht: dem Gesetz der großen Zahl. Obwohl niemand bei einem einzelnen Roulett-Durchgang voraussagen kann, ob Rot oder Schwarz fällt, "wird sich bei einer sehr großen Zahl von Durchgängen erweisen, daß der Mittelwert der Ergebnisse aller Durchgänge sich mehr und mehr dem von eins zu eins nähert -- und zwar um so mehr, je größer die Zahl der Durchgänge ist. Der Zufall liegt also an einer Schlinge, die, anfangs kaum spürbar, enger und enger wird, je öfter er herausgefordert wird.

Der statistische Mittelwert einer Zufallsreihe läßt sich errechnen, wobei dessen Streuung desto geringer wird, je öfter gespielt oder geraten wird. Erzielt nun eine ratende Versuchsperson eine Trefferzahl, die in signifikanter Weise vom Mittelwert (plus errechenbarer Streuung) in positiver Richtung abweicht, so hat, meint Rhine, Psi geholfen.

Bei Rhines Ratespielen (mit 25 Karten, von denen fünf gleiche Zeichen trugen) mußte nach den Gesetzen der Statistik das Ergebnis -- bei einer großen Zahl von Versuchen -- im Streuungsbereich um den Mittelwert von 1:5 liegen. Tatsächlich aber erzielten viele Versuchspersonen stark positiv abweichende Ergebnisse, der Theologie-Student Pearce sogar 25 Treffer hintereinander -- was, wie Wassiliew sich notierte,

* Arthur Koestler: "Die Wurzeln des Zufalls". Scherz Verlag, Bern und München; 168 Seiten; 22 Mark.

einer Wahrscheinlichkeit von 1 : 298 023 223 876 953 125 entspricht. Anders ausgedrückt: Es müßte bei den von Rhine angegebenen Versuchsbedingungen mindestens 298billiardenmal gespielt werden, um einmal das Ergebnis von 25 Treffern hintereinander zu erzielen.

Die Versuchsanordnung Rhines ist, seit er sie zum erstenmal anwandte, oft kopiert und verbessert worden. Der Freiburger Parapsychologe Professor Hans Bender entwickelte einen Psi-Recorder, der aus einem mechanischen Zufalls-Generator besteht, und aus einem Computer, der errechnet, wie weit die erzielte Trefferzahl von der wahrscheinlichen Streuung abweicht.

Rhines Methode wurde auch zur Erforschung der Präkognition verwendet. Der Londoner Mathematik-Dozent Samuel G. Soal registrierte, daß eine Versuchsperson namens Basil Shackleton in 5367 Rateversuchen 1440mal diejenige Karte richtig erriet, die erst zwei Sekunden nach dessen Rateversuch "durch Zufall ausgesucht worden war. Das Ergebnis wich signifikant von "dem als wahrscheinlich zu erwartenden Wert ab, der um 1000 liegt.

Professor Bender berichtet in seinem Buch "Unser sechster Sinn" über eine präkognitive Rateserie von 1250 Versuchen. Ursula Czechowski, eine Studentin, erzielte 350 Treffer -- bei einer Wahrscheinlichkeits-Streuung um 250.

Schließlich verwendete Rhine die statistische Methode auch noch, um Psychokinese nachzuweisen. Er beauftragte Studenten, einen Würfel dergestalt zu beeinflussen, daß er auf eine -- zuvor festgelegte -- Zahl fiel. Die Ergebnisse waren nicht so signifikant wie bei Hellsehen und Telepathie. Nach Rhines Meinung indes reichten sie aus, das Mitwirken des Faktors Psi nachzuweisen.

Trotz der frappanten Ergebnisse der statistischen Methode äußern viele Mathematiker Zweifel an deren Überzeugungskraft. sofern sie "Psi" beweisen sollen. Jedes wissenschaftliche Experiment muß, soll es überzeugen, nachprüfbar und deswegen wiederholbar sein. Damit aber hapert es bei Versuchen, die Psi nachweisen sollen. Als Pearce sein erstaunliches Ergebnis, 25 Treffer hintereinander, erzielt hatte, weigerte er sich, an weiteren Versuchen teilzunehmen.

Die angebliche Psi-Kraft von Pearce konnte also niemals wieder nachgeprüft werden, und es meldet sich der Verdacht, daß die Versuchsreihe gerade dann abgebrochen wurde, als ein besonders positives Ergebnis erzielt worden war -- was der statistischen Methode widerspricht. Von Parapsychologen wird demgegenüber geltend gemacht, daß die Rate-Fähigkeit der Versuchspersonen von deren Stimmungen und von deren Disposition abhängig sei.

Das aber läßt die Vermutung aufkommen, es handele sich bei den Trefferserien um solche Zufälle, die keineswegs eine Abweichung vom Gesetz der großen Zahl beweisen -- daß es sich vielmehr um Glücksfälle handelt, wie sie des öfteren in Roulett-Spielen oder bei der Lotterie vorkommen. "Obwohl", bemerkt Olaf Krafft, Professor und Direktor des Hamburger Universitätsinstituts für Mathematische Stochastik (Zufallsforschung), "beim Zahlenlotto die Chance für sechs Richtige ungefähr 1 : 14 000 000 ist, gewinnen doch jede Woche einige Personen. Man wird diesen keine präkognitiven Fähigkeiten zuschreiben können."

Krafft gibt zu, daß Rhine mit einigen Testpersonen Ergebnisse erzielt hat, bei denen man "als sicher ausschließen kann, daß sie dem Zufall zuzuschreiben sind". Er bemerkt dazu aber, daß die Statistik keine Aussagen über die Ursachen dieser Ergebnisse machen kann auch nicht darüber, ob sie einem Faktor Psi zuzuschreiben sind. Welche Wellenlänge hat das Hirn-Radio?

Die statistische Parapsychologie hat -- unbestritten -- frappante Ergebnisse gebracht. Andererseits tritt die statistische Psi-Forschung seit Jahrzehnten auf der Stelle. Die Erfolge der Pearce. Shackleton und anderer wurden, obwohl 30 oder 40 Jahre zurückliegend, von den Psi-Überzeugten unentwegt als glänzende Beweise zitiert. Gleichwohl schlich sich Langeweile ein. Da trafen Anfang der sechziger Jahre sensationelle Nachrichten aus Moskau ein -- Nachrichten. die den Psi-Überzeugten unverhofft neue Ermutigung brachten. Zur Überraschung der westlichen Öffentlichkeit erfuhr man damals, daß die parapsychologische Forschung der Sowjets bereits 40 Jahre alt ist.

Begonnen hatte die Sowjet-Parapsychologie Anfang der zwanziger Jahre, unter anderem mit Tierversuchen. Professor Bechterew, Entdecker einer nach ihm benannten Krankheit und Mitarbeiter des berühmten Physiologen Pawlow, benutzte dabei den Fox-Terrier "Pikki" des Dompteurs Durow. "Pikki" sprang, von hypnotischen Kommandos gesteuert, auf Sessel, bellte und apportierte Papierkugeln.

Fünf Jahre nach dem Tode Bechterews, 1932, erhielt das nach ihm benannte Leningrader Universitätsinstitut für Hirnforschung die Aufgabe, "die experimentelle Erforschung der Telepathie mit dem Ziel zu beginnen, nach Möglichkeit ihre physikalische Natur zu erklären". Die Formulierung der Aufgabe, deren Durchführung dem Physiologen Professor Wassiliew übertragen wurde, war bemerkenswert. Sie machte deutlich, daß die sowjetische Parapsychologie mit einer prinzipiell anderen Arbeitshypothese als die amerikanische ansetzte -- einer Hypothese, die der materialistischen Weltanschauung der Kommunisten entsprach.

Während Rhine bei seinen etwa gleichzeitig beginnenden Untersuchungen darauf aus war, einen "paranormalen Faktor", also Psi, dingfest zu machen, arbeiteten die Sowjets von vornherein mit der These, es müsse eine "normale" (physikalische) Energie geben, die Telepathie, sofern es sie wirklich gibt, ermögliche. Ihre ersten Vermutungen richteten sich dabei auf die seit längerem bekannte Gehirnelektrizität. "Das Problem war", so Wassiliew, "welche Wellenlänge die elektromagnetischen Wellen hatten, die das 'Hirn-Radio' bilden ..."

Der 1962 auf russisch veröffentlichte Bericht Wassiliews ist um so bemerkenswerter, als darin gesagt wird, daß die Sowjetforschung zwar viele Beweise für Telepathie (und später auch für Psychokinese), aber keinen Beweis für das Mitwirken von Körper-Elektrizität erbracht hat. Zwar schließt Wassiliew "die Möglichkeit einer Übertragung von telepathischen Informationen durch niederfrequente elektromagnetische Felder" nicht völlig aus, gesteht aber doch ein, daß die Sowjetforschung bis heute die "energetische Arbeitshypothese", mit der sie begann, nicht hat belegen können.

Wassiliew benutzte bei seinen Experimenten vornehmlich psychisch kranke oder gefährdete Patientinnen. Seine Versuchsanordnung war zumeist folgende: Die Patientin hatte einen Gummiball rhythmisch zu drücken, dessen Bewegungen durch einen Schreiber auf ein laufendes geschwärztes Papier übertragen wurden. Ein "Induktor" (Hypnotiseur), meist ein Arzt, erhielt den Auftrag, die Perzipientin mittels Mentalsuggestion einzuschläfern und dann wieder zu wecken.

Diese Anordnung wurde in der verschiedensten Weise variiert. Mal war der Induktor im selben Raum wie die Perzipientin, mal suggerierte er über große Entfernungen. Manchmal wurde die Perzipientin in einen Faradayschen Käfig gesperrt -- eine große Metallkiste, deren untere Ränder in ein Quecksilberbad eintauchen -, dessen Funktion darin besteht, die Versuchsperson für elektrische Wellen unerreichbar zu machen.

Ein charakteristischer Wassiliew-Versuch: Am 5. April 1934 um 20.25 Uhr erscheint die Versuchsperson Fedorowa im Laboratorium des Leningrader Hirninstituts. Sie legt sich auf ein Sofa. Um 20.50 Uhr beginnt Dr. Kajalow mit dem mentalen Einschläfern. Er befindet sich dabei in der Leningrader Stachek-Uliza, im dortigen psychotherapeutischen Prophylaktorium, etwa 7700 Meter von dem Institut entfernt, Um 21 Uhr sagt die Fedorowa: "Wie ruhig, möchte mich nicht bewegen ..." Um 21.04 Uhr schläft sie ein. Um 21.30 Uhr beginnt Dr. Kajalow mit dem mentalen Wecken. Um 21.45 Uhr sagt die Fedorowa: "Komisch, möchte aufwachen" -- und wacht auf.

Ermutigende Versuche mit Küchenschaben und Maikäfern.

Ein Versuch gleicher Anordnung glückte sogar über 1700 Kilometer hinweg. Der Induktor, Dr. Tomaschewskij, gab das mentale Kommando zum Einschlafen um 22.10 Uhr auf dem menschenleeren Primorski- Boulevard von Sewastopol, und schon um 22.11 Uhr wurde in Leningrad der hypnotische Zustand der Perzipientin Iwanowa registriert. Um 22.40 Uhr befahl Tomaschewskij das Aufwachen, und die Iwanowa reagierte noch in derselben Minute.

Auch bei Versuchen, bei denen die Perzipientinnen im Faradayschen Käfig waren, wurden ähnliche Erfolge erzielt -- Beweis dafür, daß elektrische Wellen nicht im Spiel waren, jedenfalls nicht Wellen bekannter Art. Gleichwohl verfolgte die Sowjetforschung weiterhin die Spur der Körperelektrizität -- immer auf der Suche nach jener noch unbekannten Energie, durch die Gedanken von Gehirn zu Gehirn oder seelische Kräfte auf feste Gegenstände (Psychokinese) übertragen werden können.

Ermutigend waren Versuche mit Insekten. Man brachte die Eingeweide von Küchenschaben, Heuschrecken oder Maikäfern in eine Nährflüssigkeit, so daß die Darmkontraktionen noch bis zu zehn Stunden weiter anhielten. Bei dieser Anordnung entdeckte man, daß der Rhythmus der Kontraktionen sich deutlich veränderte, sobald ein Experimentator sich dem Präparat näherte oder aber -- in der Nähe des Präparats -- irgendwelche Bewegungen ausführte. Man schloß daraus, daß die bei Muskel-Anspannungen oder -Entspannungen frei werdende menschliche Muskel-Elektrizität die Rhythmus-Veränderungen bewirke. Die Frage war danach die, ob sich auch "Detektoren" (Anzeiger) ausfindig machen ließen, "die den energetischen Einfluß des arbeitenden menschlichen Gehirns kennzeichnen" (Wassiliew).

Anzeichen dafür fanden sich: Holländische Forscher beobachteten, daß das Enzephalogramm von einigen Personen sich im hypnotischen Zustand ändert. Es treten "Wellen großer Amplitude und niedriger Frequenz" auf. Es fanden sich auch noch andere physiologische Detektoren für die unerklärliche Übertragung seelischer Zustände einer Person auf die andere. Mittels eines Plethysmographen kann man aufzeichnen, wie die Blutfüllung in den Armgefäßen einer Person abfällt, wenn sie einer geistig-seelischen Spannung ausgesetzt ist -- zum Beispiel eine Rechenaufgabe zu lösen hat (oder sich gezwungen sieht, zu lügen).

Ein tschechischer Physiologe namens Stefan Figar beobachtete nun, daß das Plethysmogramm nicht nur der rechnenden Person abfiel, sondern auch das einer in der Nähe sitzenden zweiten Person, obwohl diese weder von der Aufgabe noch von dem Zeitpunkt der Durchführung etwas wußte. Der Vorgang ist bisher unerklärlich -- demonstriert aber eine Seele-Seele- (oder Gehirn-Gehirn-)Beziehung.

Ein ähnliches Experiment unternahmen amerikanische Forscher. Sie versenkten eine Kabine vor der Küste Floridas. Eine darin sitzende Person sollte telepathische Signale an einen Perzipienten in Zürich "senden". Zwar kam der Inhalt der Signale nicht an, aber der Plethysmograph verzeichnete zum Zeitpunkt der "Sendung" eine Veränderung der Blutfüllung beim Empfänger.

Die Amerikanerinnen Ostrander und Schroeder berichten von einem russischen Tier-Versuch. Danach veränderte sich das Enzephalogramm einer Kaninchen-Mutter jeweils dann, wenn eines ihrer Jungen, die sich an Bord eines U-Bootes befanden, getötet wurde.

Die praktische -- oder sogar militärische -- Bedeutung aller dieser Versuche und punktuellen Erfolge liegt auf der Hand. Der Funkverkehr mit getauchten U-Booten ist stark behindert, der von Astronauten unter Umständen gefährdet. Telepathie wäre -- könnte man Bedingungen und Manipulationsmöglichkeiten aufklären -- zumindest eine Ersatzmöglichkeit für Notfälle.

Die amerikanische Weitraumbehörde Nasa verzeichnete denn auch bereits 1963, daß die Sowjets "Natur und Wesen bestimmter Erscheinungen der elektromagnetischen Kommunikation zwischen lebenden Organismen" erforschen. Ein Nasa-Funktionär namens Eugene Konecci erklärte damals, daß auch die Amerikaner an "Ersatz-Kommunikationstechniken" interessiert seien. Tatsächlich soll einer der Apollo-14-Astronauten, Captain Edgar D. Mitchell, während des Fluges mehrere Versuche von Gedankenübertragungen auf einen irdischen Perzipienten unternommen haben.

Die sowjetische Arbeitshypothese -- Annahme einer telepathie-ermöglichenden Energie -- hat, ungeachtet aller bisherigen Mißerfolge bei ihrem Nachweis, einen bedeutenden Vorzug: Sie würde, wenn sie sich als richtig herausstellen sollte, keine "Revolution" der Wissenschaft bedeuten. Die Entdeckung bisher unbekannter elektrischer Wellen würde einen Wissens-Erwerb darstellen, der zwar interessant, möglicherweise sogar sensationell, aber nicht umstürzend wäre.

Begegnung mit Außerirdischen.

So ist es denn auch durchaus denkbar, daß sich Telepathie eines Tages sogar "normal" erklären läßt. Das gilt auch für Helisehen -- und insbesondere auch für Demonstrationen von der Art jener russischen Psychokinetikerin Nelja Michailowa, die unter wissenschaftlicher Kontrolle Gegenstände levitierte, die bis zu 200 Gramm Wogen. Frau Michailowas Enzephalogramm zeigte bei diesen Demonstrationen starke Veränderungen der Gehirnströme.

Die Frage, ob Tiere -- zum Beispiel Meerschweinchen -- psychokinetisch begabt sind, untersuchen zur Zeit Schüler des amerikanischen Parapsychologen Professor Rhine, indem sie prüfen, ob die Tiere einen Wärmestrahler in ihrem Käfig öfter anschalten können als vorgesehen.

Präkognition ist das umstrittenste Gebiet der Parapsychologie. Vorausschau läßt sich selbst mit der kühnsten Anwendung der "energetischen" Theorie nicht in Übereinstimmung bringen. Eine physikalisch erklärbare Kommunikation zwischen einem lebenden Organismus und einem Zustand, den es noch nicht gibt, ist nicht einmal denkbar.

Die Experimente des holländischen Mediums Gerard Croiset, der Merkmale und Erlebnisse von zufällig ausgesuchten Besuchern einer zukünftigen Séance beschreibt, gelten als wenig signifikant. Oft sind die Aussagen Croisets so vage gehalten, daß sie mühelos von Zeugen als Psi-Beweise akzeptiert werden, zumal von gläubigen Zeugen. Ein deutscher Psi-Gegner namens Wilhelm Gubisch hat in zahllosen Volkshochschul-Vorträgen demonstriert, welche erstaunliche Rolle die Gläubigkeit auch akademisch geschulter Personen spielt, wenn es darum geht, die von dem Experimentator gemachten Aussagen zu bestätigen. Schon Karl Jaspers bezweifelte, daß Professoren, ob Naturwissenschaftler oder Psychologen, besonders geeignet seien, Psi-Darbietungen zu bewerten. "Die eigentlichen Sachverständigen sind die Zauberkünstler", meinte er.

Sprüche wie "Sie hatten finanzielle Schwierigkeiten" oder "Sie haben ein Muttermal" oder "War da nicht ein Unfall?" werden von den Testpersonen beinahe zwangsläufig mit Material aus dem eigenen Erleben angereichert, das dann als "Bestätigung" empfunden wird. Aus "War da nicht ein Unfall?" wird dann leicht der Ausrutscher von Oma auf der Küchentreppe im vorigen Jahr -- ein Ereignis, das in dieser oder anderer Form schließlich in jeder Familie einmal vorkommt.

Die Erklärung des Experimentators, er habe dergleichen gar nicht gesagt, wird dann sehr oft sogar mit Empörung zurückgewiesen. Noch fragwürdiger ist das anekdotische Beweismaterial für Präkognition. Jahrelang galt die Erklärung des Bischofs von Großwardein, Joseph von Lanyi, er habe zwölf Stunden vor dem Attentat in Sarajevo eine visionäre Nachricht von dem Ereignis erhalten, als bewiesen. Eine nächtliche Aufzeichnung des Bischofs war das "Beweisstück".

Wilhelm Gubisch stellte jedoch nach langen, mühseligen Recherchen fest, daß es eine solche Aufzeichnung nicht gibt und daß die angeblichen Zeugen der nächtlichen Niederschrift sich an nichts mehr erinnerten. Obwohl Gubisch das Ergebnis seiner Lanyi-Recherchen 1961 publizierte, steht der "Wahrtraum" des Bischofs noch in Werner Kellers 1973 veröffentlichtem "Was gestern noch als Wunder galt" -- als Beweisstück für die Realität von Präkognition.

Welche Rolle Gläubigkeit bei Psi-Darbietungen spielt, demonstrierte Fernseh-Moderator Detmar Hauke im Regionalprogramm des NDR mit einer kleinen Neckerei. Er ließ Schauspieler Günther Dociel vor der Kamera mit Löffeln hantieren. Effekt: Rings um Kiel bogen sich, angeblich, Stricknadeln und Zahnprothesen, fielen Groschen-Türme um und wurden Katzen unruhig -- ähnlich wie an den 12 912 000 Fernsehgeräten, die am Donnerstag zuvor die Thoelke-Show eingeschaltet hatten. Dabei hatte Hauke seinen Dociel-Spaß, wenn auch erst am Ende der Sendung, als Geller-Parodie entlarvt. Auch das nützte nichts.

Leichte Verzweiflung jedoch hat bei Geller-Gläubigen die Ankündigung einer Geller-Biographie aus der Feder des amerikanischen Parapsychologen Andrija Puharich ausgelöst. Puharich ließ nämlich schon vorher wissen, er sei, zusammen mit Geller, in der Wüste einer fliegenden Untertasse begegnet. Geller habe das mit Blaulicht ausgestattete Ding bestiegen, und er, Puharich, habe das alles gefilmt. Leider seien wenige Minuten später Kassette und Film "entmaterialisiert" worden.


DER SPIEGEL 5/1974
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

DER SPIEGEL 5/1974
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Parapsychologie: Ich weiß nicht, wie