25.02.1974

BERUFLICHESMartin Neuffer

Martin Neuffer, 49, Oberstadtdirektor in Hannover (Monatsbezüge: etwa 6000 Mark) und Verwaltungsrats-Vize des NDR, wurde letzten Montag von seinen drei SPD- und vier CDU-Ratskollegen zum neuen Intendanten des Hamburger Senders (Monatseinkommen: rund 15 000 Mark) gewählt. Der Sozialdemokrat wird Nachfolger des Genossen Gerhard Schröder, den die CDU (nach zwölf Dienstjahren) nicht wiederwählen wollte, damit der "Sender endlich aus der linken in die neutrale Ecke gedrängt wird" (Hamburgs CDU-Chef Dietrich Rollmann). Vor Neuffers Wahl hatte der SPD-Intendantenkandidat Frank Dahrendorf, Staatsrat in Hamburg, die Forderung der rechten Funkräte abgelehnt, dem neuen Vize-Intendanten Dietrich Schwarzkopf (CDU) sämtliche Programmentscheidungen zu überlassen, als Fernsehdirektor den bayrischen TV-Chefredakteur Rudolf Mühlfenzl (CSU) zu akzeptieren und "Panorama"-Chef Peter Merseburger abzusetzen. Als daraufhin die Christdemokraten Neuffer vorschlugen, unterstützten ihn in einer Vor-Abstimmung unter den SPD-Rundfunk- und Verwaltungsräten nur neun Genossen, vier lehnten Neuffer ab -- darunter Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Jochen Steffen: "Ich hab' ihm gesagt: Du hast die Wahl, dich entweder für ein Charakterschwein zu halten oder für einen Dummkopf, der sich ahnungslos von der CDU benutzen läßt."
Rudolf Schönhaber, 63, Vizepräsident des Wiesbadener Amtsgerichts, geht vorzeitig in Pension, weil sein Dienstherr und Duzfreund Karl Hemfler, SPD-Justizminister in Hessen, eine Kollegin nicht rügte. Der Jugendrichter, der allgemein die "zunehmende Radikalisierung in unserem Staat" und besonders das "nicht mehr verfassungskonforme Gedankengut" der Amtsrichterin Petra Unger beklagt, will "mit diesem Schritt ein Signal setzen". Richterin Unger hatte in einem Verfahren gegen den Bremer Studenten Horst Wesemann, der den ZDF-Moderator Gerhard Löwenthal geohrfeigt hatte, Beschimpfungen des Magazin-Machers ("Drecksau") ungestraft gelassen und eine "gewisse Sympathie für den Angeklagten" (Schönhaber) gezeigt. Hemfler zu den Rücktrittsgründen: "Völlig unangemessen."
Jiri Götz, 52, Prags erfahrenster Deutschland-Experte, wurde -- überraschend -- von Parteichef Husák zum neuen Botschafter in Bonn ernannt. Der ehemalige Dreher aus den Pilsener Skoda-Werken kam 1948 auf Vorschlag der KPC in die Diplomatie, um -- "später einmal" -- einen der vielen Bürgerlichen im AA abzulösen. Erfahrungen sammelte er in Wien und Ost-Berlin. Nach der Okkupation 1968 war Götz für die neue Parteiführung der verläßlichste Mann im AA; er stieg zum Vize-Außenminister auf und leitete schließlich die CSSR-Delegation bei den Bonn-Prager Gesprächen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Dem schlagfertigen Prager gelang endlich, die Kompromiß-Formel für beide Seiten zwischen dem "ex tunc" (von Anfang an ungültig) und dem "ex nunc" (jetzt ungültig) im Vertragstext über das Münchner Abkommen von 1938 zu finden. Unterhändler Frank vom Bonner AA ehrte den Partner mit einer Textilie, die inzwischen im Prager Nationalmuseum hängt: einem Gasthaus-Tischtuch, auf dem Frank die wichtigsten Punkte des endgültigen Vertragsentwurfs skizziert hatte.
Elizabeth von Toro, 31, ehemaliges Photomodell, wurde von Ugandas Staatschef General Idi Amin zur Außenministerin ernannt. Die Tochter des afrikanischen Ex-Königs Rukidi III., die nach dem Putsch des früheren Box-Champions Amin im Januar 1971 ihre Karriere als Film-Darstellerin und Top-Mannequin in New York aufgab und in den diplomatischen Dienst ihres Heimatlandes eintrat, genießt seither die besondere Gunst des -- vierfach verheirateten -- Frauenfreundes Amin: Gleich nach der Machtübernahme schickte der Uganda-Präsident die Aristokratin, die in Cambridge Jura studiert hat, als Sonderbotschafterin zur Uno nach New York. Erst vor kurzem war die Vertraute des Generals ("Seine Politik überzeugt mich") als Botschafterin nach Kairo entsandt worden.

DER SPIEGEL 9/1974
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