17.09.2005

GESTORBEN Helmut Baierl

Helmut Baierl , 78. Der aus Böhmen stammende Russischlehrer gehörte zu den am meisten beachteten Stückeschreibern der DDR. Seine Arbeiten sind handfeste Gebrauchswerke mit heiterem Einschlag, die sich mit dem DDR-Alltag auf eine Weise kritisch auseinander gesetzt haben, wie es die Partei gern sah. 1961 schrieb Baierl, der an die Brechtsche Dialektik von Kunst und gesellschaftlicher Veränderung glaubte, für Helene Weigel und das Berliner Ensemble sein erfolgreichstes Stück: "Frau Flinz", in dem in Umkehrung zur Mutter Courage die Flinz ihre Kinder nicht an den Krieg verliert, sondern an den sozialistischen Aufbau - und sich dabei zwangsläufig selbst verändert. Der vielseitige Lektor und Autor textete für das Berliner Puppentheater eine "Faust"-Fassung, für die Jugendbühne einen klassenkämpferischen Old Shatterhand und Drehbücher für Defa-Filme. Man dankte ihm seine Linientreue mit Preisen und Positionen: Als Vizepräsident der Akademie der Künste der DDR und Vorstandsmitglied des Schriftstellerverbandes unterstützte er 1979 eine Art Berufsverbot, das die SED widerspenstigen Schriftstellern durch Verbandsausschluss auferlegte, und zum 30. Geburtstag der Staatssicherheit gab es von ihm 1980 getextete Lobverse. Helmut Baierl starb am 12. September in Berlin.


DER SPIEGEL 38/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.