14.01.1974

GESTORBENOtto-Ernst Flick

Otto-Ernst Flick, 57. Der älteste Sohn des 1972 gestorbenen Konzern-Baumeisters Friedrich Flick war zeit seines Lebens aus dem Schatten der alles überragenden Vater-Figur nicht herausgekommen. Zunächst ließ er sich vom Konzern-Patriarchen auf Management-Posten setzen. Später überwarf er sich mit dem Alten, weil er dessen autokratische Unternehmensführung nicht billigte, und wurde auf Randposten abgeschoben. 1963 begegneten sich die Anwälte von Vater und Sohn Flick sogar vor Gericht: Wegen "groben Undanks", so der Alte, sollten Otto-Ernst die auf ihn übertragenen Anteile wieder entzogen werden. Der Familienzwist endete mit einer Austreibung des Otto-Ernst gegen hohe finanzielle Abfindung, nicht aber mit einem Verdikt gegen dessen Familie: Otto-Ernsts Söhne Gert-Rudolf und Friedrich Christian, vom Großvater Friedrich deutlich gefördert, sitzen heute neben Friedrich Karl Flick. ihrem Onkel, in der Konzernspitze. Otto-Ernst privatisierte verbittert, betätigte sich in dünner Höhenluft als Bergsteiger und starb vorletzten Freitag an Herzversagen.
Georg Eckert, 61. Der Kniefall des Kanzlers zu Warschau war für den Braunschweiger Historiker und Leiter des Internationalen Schulbuch -Instituts eine wichtige "psychologische Voraussetzung für unsere Arbeit". Gleich nach dem Kriege hatte der gebürtige Berliner Eckert "die Null-Chance" erkannt, "die revolutionäre Situation, daß alle deutschen Schulbücher erneuert werden müssen". Und nicht nur die deutschen. 1949 fand die erste deutsch-englische Schulbuch-Konferenz statt, der Tagungen mit Frankreich und den übrigen europäischen Ländern folgten. Ziel: In bilateralen Gesprächen historische Irrtümer, nationale Vor- und Fehlurteile aus den Geschichts-Lehrbüchern zu entfernen. Die Bonner Ost-Politik ermöglichte es Eckert, die im Kalten Krieg versandeten Gespräche mit den kommunistischen Ländern wiederaufzunehmen. Vergangenen Montag erlag er während einer Vorlesung in Braunschweig einem Herzschlag.
David Alfaro Siqueiros, 77. Politische Aktionen und Passionen füllten das Leben des mexikanischen Malers. Der Großbürgersohn, Mitbegründer der engagierten, international respektierten Monumentalmalerei seines Landes, kämpfte als Offizier der Revolution im mexikanischen (wie später im spanischen) Bürgerkrieg. Zeitweilig war er Sekretär der KP Mexikos und 1939 in Mordanschläge auf Trotzki verstrickt. Immer wieder zog er sich Exil und Gefängnis zu, noch 1960 saß er wegen "Unruhestiftung" ein. Als er vier Jahre später freikam, brachte er rund 400 Gemälde und Skizzen mit, darunter Entwürfe für ein Riesenbild "Geschichte der Menschheit". Großgemälde, die Anregungen indianischer Historie und Folklore mit expressionistischen und surrealistischen Zügen zu massenwirksamem Pathos verbanden, hatte Siqueiros seit den zwanziger Jahren an Ministerien und Universitätsgebäuden ausgeführt. Dem Lenin-Friedenspreisträger wurde -- nach seinem Krebs-Tod am Sonntag voriger Woche in Cuernavaca -- von der Regierung ein Staatsbegräbnis gewährt.

DER SPIEGEL 3/1974
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