29.10.1973

Historische Ruins

Ernst von Salomon: „Der tote Preuße. Roman einer Staatsidee“. Langen-Müller; 576 Seiten; 29,80 Mark.
Sein "Hauptwerk" nannte der 1972 verstorbene Romancier dieses Buch - doch hätte man besser getan, das offenbar unredigierte Arbeitsmanuskript eines unglücklich in die Geschichte Verliebten nicht zu drucken: Rowohlt, Salomons Stammverlag seit "Die Geächteten", hat es nicht gedruckt.
Auf drei Riesenbände war das Epos angelegt; erst sie zusammen hätten Absicht und Gegenstand erhellt. Was als Rohbau nachbleibt, ist bereits Ruine: kein Roman preußischer "Staatsidee", sondern eine von Europa bis China, von der Völkerwanderung bis zu den Kreuzzügen und Mongolenkriegen wabernde Geschichtsfibel, in der sich Lexikon, historisches Handbuch und markige Holzschnitt-Urteile à la Werner Beumelburg mit Stilblüten ("So konnten es oft Frauen sein, die den Schlüssel zu den Hinterpforten der Weltgeschichte besaßen") und Spuren alter Erzählkunst verquicken.
Das auf Bestseller-Erfolg spekulierende Verlagsgewerbe hätte den Autor der "Fragebogen"-Autobiographie -- die zu den literarischen Dokumenten deutscher Zeitgeschichte gehört -- besser mit ihrer Nachlaßpflege verschont.

DER SPIEGEL 44/1973
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 44/1973
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Historische Ruins

  • Golden State stellt NBA-Rekord auf: 51 Punkte in zwölf Minuten
  • Videoanalyse zum gescheiterten Brexit-Deal: Das gespaltene Königreich
  • Unterwasservideo: Krabbe kämpft gegen Kamera
  • Abgelehnter Brexit-Deal: Gegner und Befürworter in Wut auf May vereint