15.10.1973

BERUFLICHESFriedrich Karl Feldbausch

Friedrich Karl Feldbausch, 44, Direktoriums-Vorsitzender der Gebrüder-Röchling-Bank in Saarbrücken, verläßt "in gegenseitigem Einvernehmen" (offizielle Begründung) seinen Posten das Privat-Institut( Eigenkapital 1972: 25 Millionen Mark) hatte der zusammengebrochenen "Bau-Kredit- Bank" des Homberger Baulöwen Josef Kun 7,1 Millionen Mark geliehen. die nun zum Teil verloren sind. Mit-Gesellschafter Hans-Ullrich Gussmann: "Wir wollen keine Weltbank sein, sondern eine Regionalbank bleiben:" Feldbausch. der erst vor zwei Jahren den Direktoriums-Vorsitz als Nachfolger des saarländischen (CDU-)Wirtschaftsministers Manfred Schäfer übernommen hatte, soll jetzt öffentlich-rechtliche Finanz-Defizite ordnen: Vorletzten Freitag beauftragte der Verwaltungsrats-Finanzausschuß des Saarländischen Rundfunks den Intendanten Franz Mai, mit dem Privatbankier einen Vertrag als Verwaltungsdirektor (und möglicherweise Vize-Intendant) auszuhandeln. Der Beschluß wurde einstimmig gefällt: Weil nur zwei Sozialdemokraten im siebenköpfigen Verwaltungsrat sitzen, meint SPD-Vertreter Karl Dinges, "haben wir doch keine andere Wahl, als alles mitzumachen".
Peter Lahnstein, 59, (seit Mitte Juli) vom Dienst suspendierter Präsident des baden-württembergischen Landesamtes für Verfassungsschutz, wurde vergangenen Donnerstag zum "Leiter der Geschäftsstelle des Landespersonalausschusses" ernannt. Nach Ansicht von Innenminister Karl Schiess ist der Ministerialrat damit in einem "besoldungsmäßig ebenbürtigen" Amt untergekommen, nachdem ihn die Landesregierung wegen seines Verhaltens im Fall des ehemaligen CDU-MdBs Julius Steiner nicht mehr in Staatsschutz-Diensten lassen mochte: Lahnstein hatte dem Innenministerium Steiners angebliche DDR-Aufträge nicht mitgeteilt und außerdem eine Reise seines Abteilungsleiters Fritz Jochen Schuelke zu den Sitzungen des Untersuchungsausschusses am Tegernsee gestattet. Schuelke, der ebenfalls vom Dienst suspendiert wurde, hatte sich vor Ort mit einer Perücke getarnt. Lahnstein betrachtet die Einsetzung in sein neues Amt "als Rehabilitierung" -- Dienstherr Schiess vergangenen Donnerstag auf die Frage, ob Lahnstein rehabilitiert sei: "So möchte ich das nicht sagen."
John Probert, 52, Brigadier beim 1. Korps der britischen Armee in Bielefeld, erhält den höchstdotierten Posten in Rhodesien als Leiter der Stadtverwaltung von Salisbury. Der Offizier wird für die vorn Stadtrat der rhodesischen Hauptstadt ausgeschriebene Stelle ein Jahresgehalt von rund 78 000 Mark bekommen und so mehr als Rhodesiens Premier Ian Smith (Jahresgehalt: 73 000 Mark) verdienen. Das Angebot an Probert, das die Rhodesier geheimhalten wollten, aber durch eine Veröffentlichung in der "Financial Gazette" bekannt wurde, löste in der englischen Presse heftige Diskussionen darüber aus, ob der Probert-Übertritt nicht die von der Londoner Regierung gegen Rhodesien verhängten Sanktionen verletze. Auch im Stadtrat von Salisbury regte sich nunmehr Opposition. weil der gelernte Ingenieur und Wirtschaftsmanager keine kommunalpolitischen Erfahrungen habe: Die Berufung Proberts, so die Kritiker, sei "ein Mißgriff größten Ausmaßes".
Rosemarie Lindt, 28, deutsche Akt-Aktrice ("Die Wirtin von der Lahn"), will im nächsten Jahr eine eigene Filmproduktion gründen, "jährlich ein paar Kommerzstreifen drehen und mit dem Geld mindestens einen politischen Film pro Jahr machen". Die Wahl-Römerin (seit 1966). die gelegentlich noch als Nackt-Modell posiert (Photo), um während der Drehpausen der "römischen Fremdenpolizei einen Arbeitsnachweis zu erbringen", erhielt jetzt auch das Angebot zu einer ersten politischen Film-Rolle: In einem Streifen über Methoden der griechischen Polizei bei der Jagd auf Oppositionelle (Regisseur: Peter Fleischmann) soll sie eine Regimefeindliche Journalistin mimen. Für ihre eigene Produktion plant sie unter anderem einen "Spielfilm", "der die Unterdrückung in Chile und damit überhaupt jede Repression anprangert".

DER SPIEGEL 42/1973
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