SPIEGEL: Sie haben einen den sogenannten Kreationisten nahestehenden Wissenschaftler zum Vortrag gebeten. Kreationisten behaupten, das Leben auf der Erde sei nach einem "intelligenten Design" von Gott geschaffen worden. Hat der einstige Physiklehrer Althaus plötzlich den Glauben an Naturwissenschaft und Evolutionstheorie verloren?
Althaus: Scherer ist nicht mit dem Kreationismus gleichzusetzen. Trotzdem: In einer pluralistischen Gesellschaft müssen auch unterschiedliche Meinungen ausgetauscht werden können.
SPIEGEL: Sie haben gesagt, die Evolutionstheorie sei "kein abgeschlossenes wissenschaftliches Konzept" - wie entstanden denn aus Ihrer Sicht die Welt und das Leben auf der Erde?
Althaus: Ich habe in theoretischer Physik diplomiert, ich weiß schon ein wenig von den Zusammenhängen. Aber in zwei Sätzen ist das nicht gesagt.
SPIEGEL: Der Kreationismus gilt als Pseudowissenschaft, weil es für die Schöpfung als Werk Gottes keine Belege gibt. Teile der Anhängerschaft glauben bis heute, die Welt sei eine Scheibe. Lautet die Imagewerbung Thüringens nicht "Willkommen in der Denkfabrik"?
Althaus: Es geht nicht darum, den Kreationismus zu propagieren, das ist eine böswillige Unterstellung. Es gibt verschiedenste Theorien, über deren Berechtigung man diskutieren können muss. Dazu gehört die Frage, wie sich der christliche Glaube mit der Evolutionslehre vereinbaren lässt.
SPIEGEL: Dennoch setzen Sie sich dem Vorwurf aus, religiösen Fundamentalisten den Boden zu bereiten.
Althaus: Das ist absoluter Blödsinn. Die Kreationisten lehnen wissenschaftlich erklärbare Theorien wie die Evolutionstheorie von Grund auf ab. Das ist nicht meine Position. Aber eine Diskussion über unterschiedliche Theorien muss möglich sein. Ich habe in der DDR erlebt, dass ideologische Ausrichtungen so stark definiert waren, dass es keine Debatte mehr geben durfte. Ich bin eigentlich froh, dass wir diese Zeit hinter uns gelassen haben.
DER SPIEGEL 39/2005
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