Das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Kommunismus, erregte sich Rudolf Bierz, Seniorchef der Hamburger Immobilien Maklerfirma Beyer. Der Berliner Makler Ernst-August Pistor, Vorsitzender des Ringes Deutscher Makler (RDM) in Berlin, fühlte sich an das Jahr 1933 erinnert.
"Ich habe früher Steine gekloppt und werde jetzt beschimpft", resignierte der Frankfurter Immobilienmakler Hans-Joachim Blumenauer, Ehrenpräsident des Verbandes Deutscher Makler (VDM).
"Der Schuß gilt", argwöhnte der Kieler Immobilienvermittler Hauke Petersen, "den freien Berufen schlechthin und mithin dem Mittelstand" Bei RDM-Präsident Horst Angermann -- selbst SPD-Mitglied "schlug das ein wie eine Wasserstoffbombe". Wenn der Beschluß in Hannover verwirklicht würde, so befürchtete er, "gehört dieses Land nicht mehr zum Kreis der westlichen Welt". Und der RDM-Ehrenpräsident Carl C. Franzen aus Hamburg registrierte "mit Erstaunen und Empörung" einen Anschlag auf "die im Grundgesetz garantierte Freiheit des deutschen Menschen".
Der Alptraum von Knechtschaft und dem Ende der "Menschenwürde allgemein" (Franzen) überkam Westdeutschlands Immobilienmakler am vorletzten Freitag. Als der SPD-Parteitag in Hannover beinahe schon zu Ende war, wurde der Antrag 296 aufgerufen, den der Bezirk Hessen-Süd eingebracht und den die Antragskommission zur Ablehnung empfohlen hatte: "Die Ausübung des Gewerbes zur Vermittlung von Grundstücken und Wohnungen ist gesetzlich zu unterbinden. Eine öffentliche Vermittlungsstelle ist einzurichten."
Was niemand erwartet hatte, traf ein. Die Parteilinke, bis dahin ohne großen Sacherfolg, brachte ihren Antrag mit mehr als Zweidrittel-Mehrheit durch. "Das lief auch für uns überraschend", bekannte Mitautor Jörg Jordan, Referent im Wiesbadener Wirtschaftsministerium (siehe Interview Seite 28).
Jordan hatte den Antrag von seinem Unterbezirk Hanau-Land übernommen. Die Genossen dort waren zu der Forderung animiert worden, weil die Stadt Nürnberg seit kurzem erfolgreich den Maklern mit einer öffentlichen Wohnungsvermittlungsstelle Konkurrenz macht. "In der Diskussion", berichtet Jordan. "ist das bei uns schon lange, aber in der Schärfe haben wir es jetzt zum erstenmal formuliert."
In Hannovers Stadthalle -- Willy Brandt war nicht anwesend -- hatten die Emotionen gegen den Stand des Wohnungsmaklers Linke und Rechte unversehens geeint. Jene, die sich gern Theoretiker nennen, waren ebenso flink wie die Pragmatiker bereit, das Elend der Städte einer Personengruppe zuzuschreiben.
"Das ist das Ergebnis einer Fülle von aufgestauten Aversionen in den Großstädten", erklärte Karl Ravens, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Hans-Ulrich Pfeiffer, Unterabteilungsleiter im Bonner Wohnungsbauministerium" nannte die Forderung der Südhessen einen "Gesinnungsantrag. Die Leute sind sauer und machen sich Luft". Das kleinbürgerliche Vorurteils-Klischee des Sündenbocks hatte die Delegierten. übermannt.
Vergebens mahnte Wohnungsbauminister Hans-Jochen Vogel: "Die Probleme unseres Bodenrechts werden nicht dadurch aus der Welt geschafft, daß man den Beruf des Maklers abschafft. Das ist nicht der Stoß in die Mitte des Problems."
Die Delegierten konnten freilich hei Annahme des Antrags das angenehme Gefühl haben. bei den meisten Bundesbürgern. ausgenommen die betroffene Berufsgruppe. Beifall zu finden. Denn Wohnungsmakler (vom Niederdeutschen "maken", das heißt Geschäfte machen; auch "mäkeln", das heißt die Ware schlecht machen, gehört zum gleichen Wortstamm) stehen heute in dem Geruch, der früher jahrhundertelang den Geldverleihern und Verpächtern anhaftete. Ihre Tätigkeit steht im öffentlichen Ansehen für leistungsfreies Kassieren, für Ausbeutung eines allgemeinen Notstandes und für Schmarotzertum.
Auf dem SPD-Parteitag in Hannover brachte der fränkische Delegierte Werner Hillecke die Stimmung auf den Nenner, es sei volkswirtschaftlich besser, öffentliche Mittel für die Wohnungsvergabe bereitzustellen. als "einzelne auf Kosten der Allgemeinheit Millionen verdienen" zu lassen.
In der Debatte erklärte der mittelrheinische Delegierte Wilhelm Vollmann, "daß es wohl kaum einen parasitäreren Bereich in unserer Gesellschaft gibt als gerade diesen". SPD-Vorstandsmitglied Georg Leber, der vergebens gegen die Annahme votierte, erklärte, die Makler seien jenen Berufsgruppen zuzurechnen, "denen Christus im Tempel die Tische umgestoßen hat".
Zudem gehören die gewerblichen Vermittler von Wohnraum, Häusern und Grundstücken einem Stand an, in dem die Grenzen, die dem ordentlichen Kaufmann von Gesetz und Moral gezogen sind, häufiger als in anderen Berufszweigen üblich verschwimmen. "Vertrauensseligkeit ist nun einmal keine Basis für den Umgang mit Maklern", schrieb die "Welt", und der Ring Deutscher Makler, der 3500 Mitglieder zählt und seit langem gegen Rechtsbrecher in den eigenen Reihen kämpft, klagte schon vor Jahren, die Branche sei ein "Tummelplatz unlauterer Elemente".
Mit ihrem Beschluß wollen die Sozialdemokraten freilich nicht allein die kriminellen Gruppen der Branche, sondern den ganzen Stand treffen. In der Begründung zu dem SPD-Antrag hieß es apodiktisch: "Die bisherigen gesetzlichen Regelungen haben bewiesen, daß die Spekulationen auf dem Grundstücks- und Wohnungsmarkt weitergehen. Schuld daran ist das Maklerunwesen auf diesem Sektor." "Ich betreibe eines der härtesten Brote."
An den Feststellungen des SPD-Parteitages ist so viel richtig, daß die Aufgabe des Maklers, den Markt durchsichtig zu machen und Angebot und Nachfrage zu koordinieren, angesichts der chronischen Mangellage, die den Vermittlern nicht anzukreiden ist, nicht befriedigend erfüllt werden kann. Anders als in anderen Bereichen, in denen auch Makler tätig sind, etwa in der Schiffahrt, bei Versicherungen sowie bei Waren- und Wertpapierbörsen können die Immobilienvermittler stets mit einem knappen Angebot rechnen, das ihnen stetig steigende Gewinne beschert.
Da die Vermittler durchschnittlich eine Courtage von zwei bis drei Monatsmieten bei Wohnungen und zwischen vier und sechs Prozent des Kaufpreises von Eigentumswohnungen, Häusern und Grundstücken berechnen, sind ihre Einkünfte unmittelbar an die inflationär wachsenden Boden- und Baupreise gekoppelt und sichern ihnen einen Vorsprung vor allen anderen, deren Einkünfte nicht nach den Maßstäben des inflationärsten Bereichs wachsen.
Der Preis für den Nachweis von Gelegenheiten ist in keinem Bereich des Maklerwesens so hoch wie bei den Wohnungsvermittlern. Selbst die unverdächtige Bonner CDU-Fraktion hatte 1968 zusammen mit den Sozialdemokraten einen Gesetzentwurf eingebracht, der für Makler-Entgelte Höchstgrenzen vorsah (die durchweg nur die Hälfte der derzeit in Großstädten ortsüblichen Courtagen ausmachen):
* bei leeren Wohnungen und leeren Zimmern bis zu zehn Prozent der Jahresmiete;
* bei möblierten Wohnungen bis zu 7,5 Prozent;
* bei möblierten Zimmern bis zu fünf Prozent.
In der Begründung, die auch die Unterschrift Rainer Barzels trägt, hieß es: "Die ungerechtfertigt hohen Entgelte stehen in keinem Verhältnis zu den tatsächlich erbrachten Leistungen der Wohnungsvermittler und sind nur durch die Ausnutzung der Mangellage zu erklären."
Der Entwurf wurde nie Gesetz, und die Gebühren blieben hoch. Mehr noch: Windige Courtage-Ritter verschafften sich zusätzliche Einnahmequellen, indem sie den Kunden zusätzlich "Besichtigungsumlagen" und Voraus-Gebühren abverlangten, den Interessenten aber anschließend keine Adresse nachwiesen und auch sonst in keiner Weise tätig wurden.
Der Hamburger Makler Helmuth Krüger etwa ließ sich jahrelang von Wohnungsuchenden befristete "Alleinaufträge" unterschreiben. Die Kunden hörten während der Auftragsfrist meistens nichts von ihrem Makler. Erst wenn die Frist abgelaufen war, wurde Krüger tätig und energisch: Mit der Erklärung, alle seine Bemühungen seien fruchtlos geblieben, verschickte Krüger Rechnungen, in denen er gleichmäßig
* Beim Maklertag 1971 in Nürnberg.
90 Mark für Lohnauslagen sowie 19,80 für Telephon und Porti verlangte. Einer Kundin knöpfte Krüger das Sparbuch mit 2700 Mark ab, für "Sicherheit, Zusage, Wohnung". Erst durch Gerichtsurteil ließ sich der Makler bewegen, das Sparbuch herauszugeben.
Ein Düsseldorfer Makler, der Mietverträge für 17 Parteien eines Wohnhauses vermittelt hatte, schlug wie viele seiner Kollegen nach Ablauf der Verträge erneute Courtagen aus den Wohnungsinhabern heraus. Als die Eigentümer die Mieten von 300 auf 500 Mark erhöhten, schickte der Makler den Familien eine weitere Rechnung über je 1500 Mark ins Haus. Das Geld, insgesamt 25 000 Mark, erschien ihm als angemessener Preis für seine Mühe beim Ausfüllen der einheitlichen Vertragsformulare.
Horst A. Schmidt, Syndikus des Deutschen Mieterbundes in Köln, "bereitet es den meisten Kummer, daß der Gesetzgeber die Höhe der Maklergebühr nicht festgelegt hat. Zwei bis drei Monatsmieten, wie sie heute gefordert werden, sind doch ein schöner Batzen. Da muß was getan werden".
Nach Angaben des Mieterbundes in Schleswig-Holstein haben die Makler dort 80 Prozent des Vermittlungsgeschäfts mit Altbauwohnungen in der Hand. Bei der Vermittlung von Neubauten erreichten sie immerhin noch zehn bis 20 Prozent. In Berlin wickeln etwa 600 Wohnungsgroßhändler rund die Hälfte des gesamten Mietgeschäfts ab.
In Hamburg und Frankfurt beherrschen Makler den Markt vollständig -- mit Ausnahme der Sozialwohnungen, bei denen Makler in der Regel nicht tätig werden. Hans-Joachim Blumenauer, der in Frankfurt, Düsseldorf und Hainburg mit hundert Angestellten vier Millionen Mark Provision jährlich macht, klagte: "Das ist kein lukratives Geschäft. der Makler rennt und rennt, kommt aber nicht ans große Geld." Millionär Blumenauer: "Ich betreibe eines der härtesten Brote überhaupt."
Ganz so hart scheint es nicht zu sein. denn im vergangenen Jahrzehnt drängten immer mehr Interessenten aus allen Berufsgruppen zu den Makler-Provisionen. Das Statistische Bundesamt zählte 1962 nur 3577 Immobilienmakler mit mehr als 12000 Mark Jahresumsatz. 1970 aber waren es bereits 10935. Die Provisionen wuchsen im gleichen Zeitraum von 700 Millionen auf 3.39 Milliarden Mark. Der Taxwert der vermakelten Objekte stieg von knapp 15 auf 68 Milliarden Mark.
Das Vermittlungsgeschäft am Telephon lockte Facharbeiter. die ihren Beruf leid waren, Pleitiers und auch Schwerkriminelle. Indes. auch ehrbarer Zunftgenossen ermangelt der Maklerstand nicht. So war der Frankfurter Bankier und CDU-Protagonist Johann Philipp Freiherr von Bethmann ("Junker Schwarzbart") als Vorsitzer des Verwaltungsrats der Bau- und Maklerfirma Boß, jetzt Tochter der Hessischen Landesbank, eine Zierde seines Standes. Das Unternehmen leistete Maklerdienste exklusiv für die staatliche und gemeinnützige Wohnungswirtschaft.
Die Erfolgreichsten der Branche, in der vor allem Überredungskunst schnelles Geld verspricht, sind längst vom Wohnungs-Vermittler zum Haus- und Großgrundbesitzer aufgestiegen.
Vor neun Jahren kam in Frankfurt etwa Herbert Brummermann 28jährig ins Geschäft -- "mit 5000 Mark Eigenkapital und 10 000 Mark Kredit". Heute beschäftigt er 200 Mitarbeiter. Und er ist längst über das reine Makeln hinausgewachsen.
Von den 5000 Eigentumswohnungen, die der pausbäckige Mittdreißiger zur Zeit zum Kauf anbietet, hat er ein Drittel selbst über seine Gewerbe- und Wohnungsbauträger GmbH & Co. KG (GWB) gebaut.
In neun Jahren hat er "schätzungsweise 15 000 Wohnungen" (Brummermann) an Käufer oder Mieter vermittelt -- nicht nur rund um Frankfurt. sondern mittlerweile auch in Köln, Hamburg und Berlin. Zu seinem Privatvermögen zählen heute 1000 eigene Wohnungen und ein Flugzeug vom Typ Piper PA-28 "Arrow".
Groß ins Geschäft kam auch Makler Alfred Krulich, 44, in München, ein ehemaliger Bankkaufmann. der bei seinem ersten Grundstücksgeschäft sich noch verpflichten mußte, der Anbieterin nach ihrem Tode zehn Jahre lang das Grab zu pflegen.
Krulich beschied sich mit Kontakttätigkeiten bis 1963; dann stieg er selbst in den beginnenden Bau-Boom für Eigentumswohnungen ein. Nunmehr Mitinhaber an mehreren Hamburger Reedereien. meint er, daß "ein Makler, der nur noch vermittelt, nicht mehr zurechtkommt".
Lediglich ein Viertel seiner Einnahmen bezieht er noch aus Beratung und Vertrieb fremder Bauprojekte. Die gesamten von ihm vermittelten oder selbst angebotenen Neubauten in Bayern -- zur Zeit zieht er eine exotisch anmutende Wohnpyramide ("Pharao") in München-Oberföhring hoch -- erreichen in Kürze den Wert von annähernd einer Milliarde Mark. In 13 Jahren 150 Millionen gemacht.
Gleiche Karrierekennzeichen weist in Düsseldorf ein Makler auf, der sogar innerhalb von vier Jahren die schöne Aussicht des wahren Wohlstands erreichte: Jost Reich, 32, war Angestellter hei der Deutschen Bank, bevor er begann. selbständig Wohnungen und Häuser zu vermitteln. Heute ist der Jungunternehmer bereits Chef der größten Verkaufsorganisation für Wohnraum in Nordrhein-Westfalen.
Auch Reich stieg in die Millionen-Makelei auf, nachdem er seine Marktkenntnisse für eigene Zwecke eingesetzt hatte: Der wohlgenährte Jaguar-Fahrer gehörte zu den findigen Agenten, die baufällige Villengrundstücke erwarben, die Häuser abrissen und mehrere teure Eigentumswohnungen auf dem Areal errichteten. Seine Bauträger-Gesellschaft Treuplan setzte mittlerweile -- nebenbei -- eigene Appartements im Wert von 40 Millionen Mark ab.
In Köln steht ein Makler sogar einer Firmengruppe vor, die mitlerweile Konzerngröße erreicht hat und über Tochtergesellschaften in Philadelphia und Las Palmas verfügt. Dr. Renatus Rüger. 40. regiert von dort über ein aus mehr als zwei Dutzend Unternehmen bestehendes Immobilien-Imperium und über ein persönliches Anlagevermögen von weit über 150 Millionen Mark.
Rüger -- groß und blond, Bentley-Fahrer und Sylt-Snob -- fing als Zimmervermittler in Graz an (wo er über die Teilung Deutschlands promovierte), siedelte 1960 als Wohnungsmakler nach Köln und stieg dort mit seinen ersten 100 000 Mark Provision sogleich selbst ins Bauträgergeschäft ein.
Eigentumswohnungen verkaufte er bald en gros als "Wohnparks"; Grundbesitz (220 000 Quadratmeter) erwarb er von Lübeck bis München. 3200 Mietwohnungen nennt er mittlerweile sein eigen.
In Hamburg, wo das Maklergewerbe seit Jahrhunderten zum Traditionsbild der Stadt zählt, arbeitet die schon vor über 70 Jahren gegründete Maklerfirma Arnold Hertz unauffällig, aber mit besten Kontakten zu Senat und Industrie: 5000 Wohnungen, Läden und Kontore (unter anderem ein 18stöckiges Glashochhaus von IBM) stehen unter ihrer Verwaltung; Grundstücke, Appartements und Bürohäuser im Wert von 140 Millionen Mark wurden seit 1970 über sie verkauft. Auch die Firma Hertz, heute im Besitz der beiden Makler Karl-Heinz Göseke, 55, und Werner Meinberg, 49, hat sich dem allgemeinen Trend angepaßt und betreibt Geschäfte als Bauträger.
Lebendes Bilderbuch-Modell des Nachkriegsmaklers ist Norddeutschlands reichster Grundstücksvermittler Wilhelm Lohmann, von der Wesermarsch bis an die Leine als "Millionen-Willi" bekannt. Der Bauernsohn begann seine Karriere mit einer Erbschaft.
Er übernahm 1958 einen alten Hof im Vorfeld von Bremen mit viel Ödland, das er als Bauland verkaufte. Nach diesem Geschäft überredete er die Bauern in den Dörfern um Bremen, ihre sauren Wiesen und sandigen Äcker ebenfalls großen Baugesellschaften anzubieten. Damit wurde er zum Makler.
"Da ich plattdeutsch spreche und mit den Buren umgehen kann", so erklärt er seinen erfolgreichen Einstieg in die Immobilienbranche, "konnte ich ihnen immer abschnacken, was gebraucht wurde." Großes Talent bewies er beim Arrondieren. Nach den Plänen der großen Wohnungsbaugesellschaften kaufte er in Dorfkrügen und auf den Höfen, ohne die Namen seiner Auftraggeber zu verraten, das begehrte Terrain zusammen. Nach seinen eigenen Angaben lieferte er den großen norddeutschen Baugesellschaften, wie dem gewerkschaftseigenen Konzern "Neue Heimat", während der stürmischen Aufbauphase für mehr als 100 Millionen Mark Land und kassierte dafür vier Prozent Provision. "Der Stunk kam von den Jusos."
Nur vorübergehend betätigte er sich auch als Wohnungsmakler, "aber da steckte für mich nicht genug drin". Hohe Gewinne kassierte er hingegen. als er sich eine eigene Bauträgergesellschaft, die Nordwestbau oHG. Bremen. zulegte, die in der Weserstadt und in West-Berlin Wohn- und Geschäftsgebäude hochzog.
1,2 Millionen Mark Maklerprovision legte er in Ölgemälden an, vorzugsweise in alten Niederländern aus der dubiosen Kiste des ambulanten Stuttgarter Kunsthändlers Friedrich Kohn. Sein Jagdhaus schmückte Lohmann mit einem sogenannten van Dyck, den er für echt hält.
1969 geriet Lohmann durch eine Untersuchung des Landesrechnungshofes, der seine hohen Provisionsforderungen für einen Streifen Autobahnland beanstandete, in den Verdacht unredlicher Manipulations- und Spekulationsgewinne. Drei Jahre lang wurde der Multimillionär in einem Ermittlungsverfahren hart in die Mangel genommen.
Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß wirbelte viel Staub auf, aber schließlich resignierten die Untersuchungsrichter.
"Den ganzen Stunk", sagt Lohmann heute, "den haben doch nur die Bremer Jusos gemacht." Sie sorgten auch dafür, daß Richard Boljahn, Lohmanns Intimfreund und Zechkumpan im Kellerklub 222, als SPD-Fraktionsvorsitzender abgesetzt wurde.
Juso-Chef Wolfgang Roth erlebte den Lohmann-Skandal, zu dem auch der Boß des Gewerkschaftskonzerns "Neue Heimat", Albert Victor, gehört wurde. frontnah als Angestellter der Neuen-Heimat-Zentrale. Der Rauch um den schnellen Reichtum des Bremer Maklers schürte im Juso die Aversion gegen die Haie im Makler-Teich.
Millionen-Willi lacht heute darüber: "Die können mir gar nichts, auch wenn sie den Maklerberuf verbieten. Ich bin wieder in die vollen gegangen." Vor wenigen Monaten wurde er Partner einer Tochter des Veba-Konzerns, die im Raum Niedersachsen-Bremen Gewerbebauten errichtet und bei Stadtsanierungen mitmischt. Obwohl er heute als Makler, Bauträger und Finanzierungsgehilfe mit seinen Millionen in einer breiten Firmenpalette tätig ist, verteidigt er stolz seine Startbasis
den Maklerberuf: "Es gibt nicht nur Mist-Makler, sondern auch andere -- wie mich."
"Jetzt heißt er Margot."
Erfolg im Makler-Beruf war manchem nach einer gebrochenen Karriere erst im zweiten Zugriff beschieden: zum Beispiel dem Braunschweiger Makler Karl Heinz Moos, der nach dem Millionen-Bankrott seiner drei Dutzend Firmen ("Moos-Gruppe") jetzt einen Betrugsprozeß erwartet. Ungebrochen war er alsbald im Mercedes 250 mit Autotelephon wieder auf Maklerreisen -- für die Firma seiner Frau. "Jetzt heißt er Margot", witzelten Staatsanwälte.
Ähnlich ging es Siegfried Wolters. der als Makler in Seesen fallierte. Nachdem sein Geschäft in einer Wolke fauler Wechsel von rund 60 Millionen Mark verschwunden und auch der persönliche Konkurs mit Offenbarungseid überstanden war, makelte er namens seiner Frau und seiner Mutter weiter und vertraute Freunden an: "Nun lebe ich endlich unbeschwert."
Auch Hessens einstiger "Baukönig" Werner Freitag, nach seinem Millionending von einer Großen Wirtschaftsstrafkammer in Frankfurt mit viereinhalb Jahren Gefängnis belegt, widmet sich, bis über seine Berufung entschieden ist. der Immobilienmakelei. Von 1968 bis 1971 registrierten Experten Schäden von. 233 Millionen Mark, die 400 betrügerische Immobilien- und Finanzmakler verursacht hatten. In der gleichen Zeit gingen 4500 Anzeigen gegen Wohnungs- und Grundstücksvermittler bei deutschen Staatsanwaltschaften ein. Die vielen Fälle. in denen Geschädigte gegen Makler lediglich zivilrechtlich klagten oder auf gerichtliche Schritte verzichteten, sind Legion. aber nicht bekannt. "Das ist schlecht zu überblicken", klagt Abteilungspräsident Karlheinz Gemmer vom Bundeskriminalamt, "wir erfassen nur die Spitze, das, was offenkundig kriminell ist."
Allein von Anfang 71 bis September 72 wurden in Berlin mehr als 100 Wohnungsvermittler aktenkundig. Gegen 27 von ihnen ermittelten die Staatsanwälte. 76 fielen dem Berliner Preisamt wegen überhöhter Courtage-Forderungen auf.
Jahrelang bedrängte der heutige Ehrenpräsident der Standesorganisation "Ring Deutscher Makler" (RDM), Carl Christian Franzen. die Bundesregierung, ein zeitgemäßes Maklergesetz zu erlassen, das schrägen Vögeln den Zugang zum Maklerberuf versperrt und die Branche von Provisionsbetrügern und Geldschneidern säubert. Franzen nahm sogar Verbindung zu zwei schweren Knastbrüdern auf, die gerade aus dem Zuchthaus entlassen worden waren. Ihr Strafregister reichte von Einbrüchen. Diebstählen bis zu Zuhälterei und Betrug. Gegen ein kleines Handgeld waren die Ex-Sträflinge bereit, sich auf Franzens Geheiß einen Gewerbeschein zwecks Eröffnung eines Maklerbüros zu beschaffen. Das Hamburger Gewerbeamt stellte die Scheine anstandslos aus.
Mit diesen Papieren und dem Sündenregister fuhr Franzen dann nach Bonn, um den sturen Ministerialbürokraten die Notwendigkeit eines schärferen Maklergesetzes zu demonstrieren: "So ist es heute in der Bundesrepublik. Warum sollte ein Zuchthäusler sich noch die Mühe machen einzubrechen. Er braucht doch nur Makler zu werden, dann kommt er auch an großes Geld."
Am 6. April verurteilte das Landgericht Lüneburg den Wohnungsmakler Harry Schneider, 25, und seinen Kompagnon Wolfgang Rückert, 32. einen gelernten Bäcker und ehemaligen Küchenhelfer, zu viereinhalb und drei Jahren Gefängnis. Rückert und Schneider hatten rund 450 Wohnungsuchende mit Zeitungsinseraten geworben und gegen Zahlung einer im voraus zahlbaren Gebühr eine Unterkunft versprochen.
Die Jungmakler arbeiteten mit dem Trick, den Wohnungsuchenden angebliche Mietunterlagen zu je 50 Mark per Nachnahme zu übersenden. Wenn die Kunden den Brief öffneten, fanden sie darin nur ein Formular, das sie ausfüllten und zurückschickten. Dann hörten sie nie wieder etwas von dieser "Spezialagentur für Altbauwohnungen". Nur zwei der Betrogenen konnten den Gaunern das Einstandsgeld wieder abknöpfen und verfolgten ihre Spur, nachdem die Firma "Rückert Immobilien" von Lüneburg nach Neuenkirchen bei Soltau in ein kleines Stubenbüro ausgewichen war. Da Schneider, der Hauptakteur, schon wegen Betruges vorbestraft war, hatte der unbedarfte Bäckergeselle Rückert seinen Namen für den Gewerbeschein und den Briefkasten hergegeben.
Nach der Beweisaufnahme stand fest, daß die Makler mit Sicherheit eine Wohnung vermittelt hatten, allen anderen Interessenten aber waren weder ernsthafte Angebote gemacht noch die Gebühren zurückgezahlt worden.
Durch eine Verschärfung der Gewerbeordnung, die am 1. Februar dieses Jahres in Kraft trat, werde, so hofft RDM-Präsident Horst F. G. Angermann, die Branche die Kriminellen und Halbseidenen abstoßen können. Denn jetzt müssen Makler. wenn sie eine Lizenz beantragen, nachweisen, daß es ihnen gelungen ist, die letzten fünf Jahre straffrei zu verbringen.
"Die erforderliche Zuverlässigkeit besitzt in der Regel nicht", so heißt es im Gesetz, "wer in den letzten fünf Jahren vor Stellung des Antrages wegen Diebstahls. Unterschlagung, Erpressung, Betruges. Untreue, Urkundenfälschung, Hehlerei. Wuchers, Konkursvergehens oder Vergleichsvergehens rechtskräftig verurteilt worden ist." Auch ist neuerdings der Nachweis geordneter finanzieller Verhältnisse erforderlich. Schon praktizierende Makler müssen sich bis zum 31. Juli bei den Gewerbeämtern registrieren und eine Überprüfung ihrer Verhältnisse gefallen lassen.
"Man erwischt nicht die richtigen Vögel"
Allein diese relativ grobmaschigen Prüfungen wird nach Schätzungen des RDM-Präsidenten Angermann rund die Hälfte der geschätzten 15 000 Immobilienmakler nicht überstehen -- immerhin ein Hinweis darauf, daß die landesüblichen schwarzen Schafe, die überall für die Bemäntelung übler Zustände herhalten müssen, in dieser Branche Herdenstärke haben.
"Es ist unser lebhaftes Interesse", beteuert Werner Kienast, Vorsitzender des RDM-Bezirksverbandes Frankfurt, "daß die Leute. die im dunkeln hantieren, rausfliegen." SPD-Genosse Paul Nevermann, ehemals Hamburger Bürgermeister und Präsident des Mieterbundes, hofft, die neue Gewerbeordnung werde die Dunkelmänner das Fliegen lehren. "Das Gesetz wird die Allgemeinheit schützen", so notierte er. "und zugleich die Qualität des Maklergewerbes verbessern."
* In Nürnberg (l.). Hamburg (r.).
Heinrich Bonkowske, Chef der Zentrale zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität beim hessischen Landeskriminalamt, aber bleibt weiter skeptisch: "Damit erwischt man vielleicht die kleinen dreckigen Wohnungsvermittler. aber doch nicht die richtigen linken Vögel"
Auch Karlheinz Gemmer, Abteilungspräsident des Bundeskriminalamtes findet eine weitere Kontrolle der Maklertätigkeit wünschenswert: "Der Staat sollte nicht nur von der Seite zuschauen. wenn sich Dinge zum Kriminellen entwickeln. Aber wie man es macht -- faktisch ist es schwer."
In der Dunkelregion bleiben häufig jene Delikte, für die auch Makler. die sonst als seriös gelten, anfällig sind: Sie kassieren Provisionen für die Vermietung eigener Wohnungen.
So verlangte etwa die Münchner Alpha GmbH von ihrem Untermieter, dem Studenten Axel Kment, außer einer Kaution eine Vermittlungsprovision in Höhe von 224,20 Mark. Auch Arabella-Hausbesitzer Josef Schörghuber kassierte bei einem Mieter über seine Betriebsgesellschaft eine Vermittlungsgebühr. obwohl es gar nichts zu vermitteln gab. da Anbieter und Nachfrager direkt miteinander verhandelt hatten.
Nach dem neuen Gesetz über die Wohnungsvermittlung vom November 1971 dürfen Hauseigentümer und -verwalter keine Provision mehr verlangen. Der Münchner Rechtsanwalt Helmut Paschertz hat mindestens "150 Aufforderungsschreiben" an Hausbesitzer 011(1 Hausverwalter geschickt, die auch noch nach dem Termin vom November 1971 ihren Mietern Courtage abverlangt haben. Paschertz: "Ich habe Fristen für die Rückzahlung gesetzt. Wenn das Geld bis dahin nicht da ist, wird geklagt."
Derartige Geschäfte, in denen Besitzer zugleich Makler sind, und sich dennoch eine Courtage bezahlen lassen, sind meist schwer nachzuweisen. Denn clevere hausbesitzende Makler sind längst dazu übergegangen, Vermittlungsgeschäfte in eigener Sache über Strohmänner abzuwickeln.
Der Sigmaringer Makler Karl Stehr findet die Emotionen gegen seinen Stand deshalb verständlich. "Die Maklerverbände brauchen sich gar nicht zu beschweren, denn sie tragen eine hohe Portion Schuld an der Entwicklung", murrt der Initiator einer Schutzvereinigung "zur Säuberung des Marktes, auch im Interesse der Geschädigten".
Erstes Opfer des Trutzvereins wurde jüngst das Branchen-As Rudolf Ratzel. vom Handel mit Läusepulver und Krediten zum Chef der Südland- und Ferienhaushandlung Contracta AG aufgestiegen, jetzt Herr der Immobilienmakelei Kurbau GmbH. Das Stuttgarter Landgericht, von Stehr-beratenen Ratzel-Kunden zwischen Kiel und München angerufen, hob unlängst von Kurbau vermittelte Kaufverträge als nichtig auf.
Schon 1967 hatte Makler Stehr in einer Denkschrift dargelegt, "daß es so, wie es jetzt ist, nicht weitergehen kann". Anstelle -des "ungehemmten Liberalismus, bei dem naturgemäß viele straucheln". empfahl er, sich "an der amerikanischen Praxis zu orientieren": Konzessionierung der Makler für jeweils ein bis zwei Jahre mit Staatskontrolle und Fachkunde-Nachweis. "Niemand", so begründet Stehr, "kann einfach zum Gewerbeamt gehen und sich als Steuerberater anmelden, ohne Sachkunde, ohne Prüfungen.
Sinnvoller als ein Verbot des gesamten Gewerbes erscheint auch, was in einigen Kommunen seit zwei Jahren praktiziert wird: Wohnungssuchern, denen es schwerfällt, an einen freien Makler Hunderte von Mark zu zahlen, empfehlen sich immer mehr Großstädte mit einem neuen Service der kommunalen Wohnungsvermittlung zum Null- oder doch wenigstens zum kräftig ermäßigten Sozialtarif.
Erstmals praktiziert wurde die neue Variante städtischer Daseinsvorsorge in Hessen: Im April 1971 öffneten in Darmstadt und kurze Zeit später in Offenbach die ersten urbanen Wohnungs-Mittler Amtstüren und Kartei für geplagte Raum-Sucher.
Die südhessische Avantgarde fand schnell Nachahmer: Noch im gleichen Jahr folgte Frankens Metropole Nürnberg, 1972 dienten bereits fünf weitere Städte ihre Rathäuser als Makler-Büros an. Und in diesem Jahr, so zählte das Bonner Wohnungsbau-Ministerium, wollen 25 weitere Kommunen den ehrlichen Miet-Makler machen.
Um Wohnungssuchenden eine "kostenlose Alternative zu den hohen Maklerprovisionen" zu bieten, hatte im Spätherbst 1970 der Juso-Unterbezirkssekretär Günther-Philipp Müller die Stadt Darmstadt befragt. "ob die Einrichtung einer kommunalen Wohnungsvermittlungsstelle im Rahmen der Möglichkeiten" liege. Sie lag.
Ein Sachbearbeiter und eine Hilfskraft haben seither zum Nulltarif für Mieter und Hausbesitzer 1212 Mietverträge vermittelt, davon allein mehr als 800 im vergangenen Jahr. Allerdings war die Arbeit nicht umsonst: Etwa 53 000 Mark mußte die Stadt Darmstadt 1972 für diesen Mieter-Service tragen.
Dabei konnten die Darmstädter Kommunal-Makler jedoch nur jedem vierten Wohnungssucher helfen, denn die "Zahl der Vorsprechenden ist ungewöhnlich hoch" (CDU-Stadtrat Wilhelm Barth). Immerhin schlossen sich inzwischen sechs Wohnungsbau-Gesellschaften, darunter auch die Markt-Allmacht "Neue Heimat", mit einem Wohnungsbestand von rund 12 000 Wohnungen dem Kommunal-Experiment an.
Zunächst mit Einschränkungen makelte die kommunale Wohnungsvermittlung in Nürnberg: Vorsprechen konnten vom November 1971 an erst einmal nur jene Bürger. die zwar Anspruch auf eine Sozialwohnung hatten, aber keine bekamen.
Doch seit Mai 1972 vermitteln die Nürnberger Beamten alle Wohnungen, staatlich subventionierte wie freifinanzierte. Denn der Bayerische Landtag gab Anfang vergangenen Jahres den Kommunal-Maklern den Wohnungsmarkt frei. SPD- und CSU-Fraktion ergänzten einmütig den Paragraphen 75 der Bayerischen Gemeindeordnung: Sobald die Wohnungen knapp sind, darf in Bayern jede Stadt den Makler spielen.
Nürnbergs gemeinnützige und private Hausbesitzer boten bisher der kommunalen Vermittlungsstelle monatlich zwischen 150 und 160 Wohnungen an. Davon werden durchschnittlich 40 Prozent an den Mieter gebracht. "Die Zahl der Wohnungsangebote", so Gotthard Pruss, Leiter der neuen Dienststelle. "hat alle Erwartungen übertroffen."
Die Nürnberger Kommunalen tun es allerdings nicht umsonst: Bei Erfolg zahlt der Mieter für jeden Raum seiner neu angemieteten Wohnung sieben Mark. Dieser Vermittlungs-Obolus reicht jedoch nicht aus. Pruss bekennt: "Wir wollen nicht kostendeckend arbeiten. Gewisse Zuleistungen sind vertretbar."
Die freien Wohnungsmakler zeigten. nachdem sie mit einer Beschwerde gegen die uneingeschränkte Wohnungsvermittlung durch die Stadt Nürnberg bei der Regierung von Mittelfranken in Ansbach abgeschmettert worden waren, vor vier Wochen erstmals Wirkung: Sie senkten weithin ihre Courtage auf eine Monatsmiete, nachdem sie zuvor durchschnittlich zwei Mieten bei Erfolg gefordert hatten.
Der Wohnungswissenschaftler Rainer Thoss, Direktor des Münsteraner Instituts für das Siedlungs- und Wohnungswesen und selber SPD-Genosse, hätte sich deshalb auch eine andere Entscheidung des Parteitages gewünscht. Thoss: "Man hätte die Kommunen verpflichten sollen, eigene Vermittlungsbüros als Konkurrenz zu den Maklern einzurichten. Die Vermittlungsgebühr würde dann wahrscheinlich überall sinken." "Das wird die Stadt auch nicht heilen."
Alle die Vorteile, die eine Konkurrenz zwischen öffentlichen und privaten Vermittlern haben könnte, übersahen die Initiatoren des Verbotsantrages in Hannover. Ihr Vorschlag, den öffentlichen Ämtern allein die Makelei zu überlassen, ohne daß private Konkurrenz zur Leistung spornt, weckt düstere Erinnerung an den Muff der Wohnungsämter in der Nachkriegszeit. Überdies mahnt Peter Conradi, SPD-MdB, Architekt und Wohnungsbauexperte: "Die kommunale Wohnungsvermittlung ist gar nicht so billig." Ärgerlich wird den Sozialdemokraten bewußt, daß dann auch Millionäre ihre Objekte auf Steuerzahlerkosten vermakeln las sen dürften,
Unter ihnen breitet sich jetzt ein gewisses Unbehagen über die allzu patente Parteitagslösung aus. Ernst Waltemathe. SPD-Einker aus Bremen und Leiter des bremischen Liegenschaftsamtes, etwa gibt zu bedenken: "Mißstände auf dem Boden- und Wohnungsmarkt können wir nicht einem Berufsstand anlasten."
Auch Peter Conradi warnt davor, sich bei einer Realisierung dieses Beschlusses zuviel zu versprechen: "Das wird die Städte auch nicht heilen." Grundsätzlich gehe es darum, "den Waren-Charakter von Grund und Boden zu beseitigen".
Selbst Frankfurts Oberbürgermeister Rudi Arndt, der im ersten Rausch den beifallbedachten Verbotsantrag anzunehmen empfahl, überkam ein paar Tage später Ernüchterung. Statt von einem Berufsverbot für Makler fabulierte er bereits in der vergangenen Woche nur noch von einer verschärften Aufsicht. Arndt: "Denkbar wäre etwa eine Behandlung, wie das bei den Notaren der Fall ist, mit öffentlicher Kontrolle auch der Gebühren."
Als "völlig naiv" bezeichnete Bremens Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) die Vorstellung, der Staat könne die Funktion der Makler komplett übernehmen. Zudem ist nach seiner Ansicht ein Berufsverbot nicht durchsetzbar: "Wie kann man denn Grundstücksverkäufer oder Wohnungsvermieter daran hindern, über einen Beauftragten oder Bevollmächtigten Verträge abzuschließen? Und wie sollen Käufer wissen, daß in dem Kaufpreis nicht das enthalten ist, was jetzt Courtage heißt?"
Aus diesen Gründen vermutet Koschnick, daß der Parteitagsbeschluß Makulatur wird.
DER SPIEGEL 17/1973
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