08.07.1959

NEU IN DEUTSCHLANDMilo Dor: „Nichts als Erinnerung“.

Weniger grausamkeitsgesättigt und zeitbezüglich als in seinem Erstling "Tote auf Urlaub" gibt sich Dors neuer Roman: Der modischbluttriefende Realismus des heute 36jährigen Autors ist einer sehr viel idyllischeren Betrachtungsweise gewichen. Seinem Familienroman- der bankrotte, ehrpusselige Großvater säuft sich resigniert zu Tode, die Söhne fassen nicht recht Fuß im Dasein, und nur der Enkel weiß, vor allem in Liebes- und Dichtungsangelegenheiten, einigermaßen genau, was er will - hat der aus Budapest stammende, in Belgrad aufgewachsene Erzähler durch geschickte, wenn auch simple Montagen gerade noch aufgeholfen. Die Fülle der Geschichtchen zwischen Serbien und Amerika, zwischen Selbstmord und Schlittschuhlaufen, Trinken und Spielen ist nichtsdestoweniger beeindruckend. Milo Dor hat vielleicht nicht mehr zu sagen, aber doch mehr zu erzählen als viele seiner deutschen Schriftstellerkollegen. Ein paar Episoden - "Am Rande der Straße", "Das Geburtstagsgeschenk" - gelangen ihm exemplarisch. (Verlag Henry Goverts, Stuttgart; 288 Seiten; 15,80 Mark.)

DER SPIEGEL 28/1959
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Milo Dor: „Nichts als Erinnerung“.