16.04.1973

GESTORBENVictor de Kowa

Victor de Kowa, 69. Den ersten Szenenapplaus bekam er auf einer kleinen sächsischen Freilichtbühne -- weil ihm der angeklebte Bart verrutschte. Der schlesische Gutsbesitzer-Sproß Victor Kowarzik. königlich-sächsischer Kadett und Malerei-Student, hat seinen Bühnen- und Film-Figuren fürderhin gern einen kleinen komischen Defekt gegeben. Das machte seine zähneblitzenden Bonvivants und Herzensbrecher im Frack ein wenig menschlich. Er spielte im alten Berlin auch Klassiker, später war er der ewig junge Charmeur ungezählter Boulevard-Komödien "Unterhaltung muß immer etwas mit Haltung zu tun haben", setzte er sich als Anspruch; privat hielt er es mit der "Moralischen Aufrüstung" und der "Pax"Bewegung. Ein wenig sah er sich wohl wirklich, wie der Titel seiner Memoiren kündete: "Als ich noch Prinz war in Arkadien". Vorletzten Sonntag starb er in Berlin an Zungenkrebs.
Josef Pavel, 64. Der Lackierer aus Südböhmen erlebte in den 40 Jahren seiner Mitgliedschaft in der KPC Glanz und Elend eines Kommunisten. Nach Studium an der Lenin-Akademie in Moskau und an einer Kriegsschule in Mittelrußland führte er die tschechischen Freiwilligen der Internationalen Brigaden 1939 in die Schlacht bei Barcelona. Im Jahr der kommunistischen Machtergreifung in Prag 1948 befehligte Pavel die Volksmiliz und wurde -- zum General der Polizei befördert
Vize-Innenminister der CSR. 1951 wurde er verhaftet, zu 25 Jahren Gefängnis wegen angeblicher Spionage für den Westen verurteilt und vier Jahre später begnadigt. Pavel tauchte in der zentralen Sportbehörde unter, und drei Jahre später übernahm er ein gewohntes Amt: Von April bis
August 1968 -- Innenminister in der Dubcek-Ära -- galt er als der liberalste Polizeichef des Ostblocks. Vierzehn Monate nach dem Sowjet-Einmarsch schloß Husák ihn aus der KPC aus. Pavel starb vergangenen Montag in Prag.

DER SPIEGEL 16/1973
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