10.10.2005

HOCHSCHULEN

Ideale Voraussetzungen

Matthias Schrappe, neuer Dekan der Medizinischen Fakultät der privaten Universität Witten/ Herdecke, über seine Pläne, nach der massiven Kritik des Wissenschaftsrats die medizinische Forschung in Witten neu zu organisieren

SPIEGEL: Bis Frühjahr 2006 müssen Sie dem Wissenschaftsrat ein überzeugendes Konzept zur Verbesserung der Forschung in Witten vorgelegt haben, sonst droht dem renommierten Medizinstudiengang die Schließung. Haben Sie schon Ideen?

Schrappe: An der Medizinischen Fakultät von Witten mit all ihren Besonderheiten einzig auf die Grundlagenwissenschaften zu setzen, halte ich nicht für sinnvoll. Stattdessen will ich Witten zu einem Zentrum der Versorgungsforschung machen.

SPIEGEL: Was genau ist das?

Schrappe: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse brauchen heute im Durchschnitt zehn Jahre, bis sie in die Behandlung in normalen Krankenhäusern und Praxen Eingang gefunden haben. Das will die Versorgungsforschung verbessern. Am Anfang steht dabei etwa die Barrierenanalyse: Hat es organisatorische Gründe, ökonomische oder vielleicht psychologische? Danach wird ein Plan entwickelt, wie Patienten schneller an innovative Therapien kommen.

SPIEGEL: Warum ist gerade Witten dafür gut geeignet?

Schrappe: Charakteristisch für Witten ist nicht eine hochspezialisierte Uniklinik, sondern die Kooperation mit einem Netz von Krankenhäusern aller Versorgungsstufen. Anders als an anderen Universitäten steht hier also eine riesige Zahl von "normalen" Patienten für die Forschung zur Verfügung. Zudem verfolgt Witten als Universität einen sehr interdisziplinären Ansatz. Es wäre etwa eine enge Kooperation mit den Wirtschafts- und Pflegewissenschaften möglich - alles ideale Voraussetzungen für eine gute Versorgungsforschung.


DER SPIEGEL 41/2005
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