DER SPIEGEL



DIPLOMATEN

Stramme Zügel

Außenamt und Verkehrsressort wollen mit neuen Autonummern von 10 bis 153 den Aberglauben der Diplomaten in Bonn bekämpfen -- doch die Ziffer 13 sparten die Ministerialen aus.

Was für Egon Bahr lediglich "zweiter Staat in Deutschland", ist für Max Graf Podewils-Dürniz bereits Ausland.

Nach den Plänen des AA-Protokollchefs darf der künftige DDR-Bevollmächtigte in der Bundeshauptstadt seinen Wagenpark mit dem Statussymbol des Bonner Corps Diplomatique schmücken. Vorgesehenes Kennzeichen des Ost-Berliner Vertreters, der nach dem Grundvertrag nicht als diplomatischer Ausländer gilt: 0-31-1.

Die Geste gegenüber dem innerdeutschen Nachbarstaat fiel dem Protokollanten um so leichter, als die 3120 Bonner Diplomatenautos zu Beginn dieses Jahres ohnehin neu numeriert werden. Auswärtiges Amt und Verkehrsministerium, die bislang den Botschaftern und ihrem Personal willkürlich Fahrzeugziffern zugewiesen hatten, wollen Ordnung in den Wirrwarr des diplomatischen Fuhrparks bringen. Ein simples Dezimalsystem soll Herkunft und Rang besser kenntlich machen. Graf Podewils kündigt an: "Wir ziehen die Zügel langsam, aber korrekt stramm."

Außer Kontrolle geraten waren die Diplomaten durch abergläubische Südamerikaner und prestigebedachte Afrikaner. Die einen weigerten sich, bei der Kfz-Zulassungsstelle unglückbringende Ziffern wie 7 und 13 an ihre Autos heften zu lassen, die anderen empfanden es als chic, noch monatelang nach der Rückversetzung in ihrer Heimat mit westdeutschen Nummern zu protzen.

Nach der neuen Nummern-Etikette bekommen die Missionen in alphabetischer Folge ihre Kennziffern von 11 (Ägypten) bis 153 (Zypern) zugeteilt. Außer Alphabet rangiert der CD-Doyen, Vatikanbotschafter Corrado Bafile, mit der Nummer 10. Die Ziffer 13 wurde ausgelassen, um diplomatischen Verwicklungen vorzubeugen.

Die hochgestellten Herren dürfen sich mit einem O (Official) von dem gemeinen Personal abheben, das die Buchstaben BN (Bonn) im Schilde führt. Die Chefs der Missionen sind leicht an einer 1 hinter der Landesnummer auszumachen. Die weiteren 0-Ziffern muß die Exzellenz an Gesandte, Botschaftsräte und Attachés verteilen.

Mit einer weiteren Ordnungsmaßnahme hoffen die Ministerialen zudem die illegale Ausfuhr der begehrten Blechsymbole zu verhindern: Die Missionschefs sind gehalten, Autoschilder abberufener Botschaftsangehöriger wieder einzusammeln.

Als erster Botschafter ließ in der vergangenen Woche Y. K. Puri, Vertreter Indiens, seinen Dienstmercedes auf die Nummer 0 -- 56 -- 1 ummelden. Die Vertreter der Großmächte lassen sich noch Zeit. Für den Mercedes des sowjetischen Chefdiplomaten Walentin Michailowitsch Falin liegt beim Bonner Ordnungsamt die Kontrollnummer 0 -- 140 -- 1 bereit, für den Rolls-Royce von Englands Sir John Nicholas Henderson die Num mer 0 -- 49 -- 1.

Frankreichs Jean Sauvagnargues, der in seinem Citroën-Coup~ den Beifahrersitz aus- und ein Fernsehgerät einmontieren ließ, hat sein Gefährt bereits avisiert, um die 0 -- 45 -- 1 abholen zu lassen. Amerikas Martin J. Hillenbrand will im Februar seinen Cadillac bei der Zulassungsstelle auf 0 -- 17 -- 1 umrüsten lassen.

Doch auf amerikanische Wagentypen wollen die neuen Nummern der Deutschen nicht mehr so recht passen. Die US-Limousinen haben nur Platz für 32 Zentimeter lange Kennzeichen; die Schilder aber sind drei Zentimeter länger. Oberamtsrat Müller im Bonner Verkehrsministerium hat das Problem durch Nachdenken gelöst. Der Beamte erleichtert: "Wir werden für diese Autos Ausnahmegenehmigungen erteilen, die Buchstaben und Zahlen auf den Nummernschildern bis zu 15 Prozent zu verkleinern. Das wird dann im Kfz-Schein eingetragen."


DER SPIEGEL 2/1973
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