Zensuren mag Volker Hage, 56, nicht gern geben. Als der SPIEGEL-Literaturkritiker vor der Frankfurter Buchmesse aber die deutschsprachigen Neuerscheinungen sichtete, fiel sein Urteil recht gnadenlos aus: "Deutsch: mangelhaft" attestierte er zahlreichen Werken. Anhand von vier Titeln zeigt Hage in einem "Protestruf" exemplarisch, warum er bei der Lektüre litt: Da wurde "mit wenig Begabung geschrieben und schludrig lektoriert" - und da gab es Rezensenten, die solche Schlampereien "auch noch feiern". Als Mitglied der siebenköpfigen Jury für den Deutschen Buchpreis, zu dessen Hauptsponsoren der SPIEGEL zählt, fand Hage unter den weit mehr als hundert Büchern, die um den Titel des besten deutschsprachigen Romans konkurrieren, indes auch Anspruchsvolles. Hage und SPIEGEL-Redakteur Dieter Bednarz, 49, sprachen zudem mit dem Schriftsteller Orhan Pamuk. Der Türke wurde in seiner Heimat angefeindet, weil er den Genozid des Osmanischen Reichs an den Armeniern kritisiert hatte. In der Frankfurter Paulskirche soll er am Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten (Seite 162).
DER SPIEGEL 42/2005
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