DER SPIEGEL



SCHÖNHEIT

Stolz auf große Ohren

Er schämte sich für seine großen Ohren, sie fand ihre Nase und die Füße katastrophal. Beide fühlten sich dank Werbung und Medien seit je umzingelt von schönen Menschen. Aber auch gelangweilt vom Diktat des Schönen. Bis Harald und Regina Gasper entdeckten, dass sie im Grunde erleichtert, vielleicht sogar stolz waren, nicht schön zu sein. So müsste es doch vielen gehen, dachten sich die beiden Hamburger und gründeten nach dem Vorbild des italienischen "Club dei Brutti", der mittlerweile 20 000 Anhänger hat, den Hamburger "Club der Hässlichen". Pünktlich zur Gründung erschien das von den Gaspers verfasste Manifest "Herrlich hässlich!" (Eichborn Verlag), das beim ersten Clubtreffen in der Hamburger Pony-Bar gefeiert wurde. Seitdem geht es rund: Über 85 Mitglieder rekrutierte der Club nach eigenen Angaben in den ersten zwei Wochen, täglich kämen ein Dutzend Anfragen hinzu. Die meisten Interessenten möchten beitreten, viele fragen nach dem Programm der monatlichen Treffen. Einige E-Mails an die Internet-Adresse des Clubs weckten Erwartungen: Eine 100 Kilogramm schwere Bauchtänzerin zum Beispiel schrieb, schön sei sie nun wirklich nicht, aber ihr Charisma mache das wett. Die Gaspers haben sie für einen Auftritt engagiert.


DER SPIEGEL 42/2005
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