Literarisches Schreiben gilt als einsamer Job. Muss es aber nicht sein. Dass das Alleinsein nicht Bedingung für eine sprudelnde Inspiration ist, zeigt das große Interesse junger Schriftsteller und Drehbuchschreiber an den jüngst eröffneten "writers rooms" in den intellektuellen US-Metropolen. Beim "Paragraph" oder "Village Quill" in Manhattan oder der "Brooklyn Writers Space" gibt es inzwischen Wartelisten. Egal, ob die Großraumbüros in kleine Schreibparzellen mit Tisch, Lampe und separatem Stromanschluss unterteilt sind oder ob sie mit Sofas und Sesseln entspannte Lounge-Atmosphäre verbreiten sollen - die Autoren kommen hierher um zu arbeiten. Besonders die Meister im Aufschieben, die bei sich zu Hause immer zuerst den Kühlschrank aufräumen oder staubsaugen, bevor sie schreiben können, profitieren von der Gemeinschaft. Wer durch den Geräuschpegel der vielen bedienten Tastaturen eingeschüchtert einer Schreibhemmung verfällt, dem raten die Mitarbeiter, den Aufenthalt sportlich zu nehmen - als ein Gerätetraining für die Phantasie, bei dem jeder auf seinem Level trainiert.
DER SPIEGEL 42/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.