István Eörsi , 74. Der ungarische Schriftsteller war ein ungemein freundlicher Zeitgenosse - und gleichzeitig härtester Kritiker undemokratischer Verhältnisse. Der Sohn eines jüdischen Juristen, 1931 in Budapest geboren, wurde, nachdem er Krieg und Ghetto überlebt hatte, als Student des Philosophen Georg Lukács zum Marxisten. Nach der Niederschlagung des antistalinistischen Aufstands 1956 saß Eörsi fast vier Jahre im Gefängnis; anschließend schlug er sich am Rande des staatlich kontrollierten Kulturbetriebs als Dramaturg und Übersetzer durch, wurde etwa zum Freund des US-Beatnik-Lyrikers Allen Ginsberg, dessen Gedichte er ins Ungarische übertrug. Neben schriftstellerischer Arbeit - "Das Verhör", "Tage mit Gombrowicz" - griff Eörsi mit Essays und Kommentaren in politische Debatten ein. Mit beißender Polemik und feiner Ironie demontierte er das Bild vom gemütlichen "Gulaschkommunismus". Nach dem Ende des Staatssozialismus stritt er als antikommunistischer Linker gegen Nationalismus und Rassismus. István Eörsi starb am 13. Oktober in Budapest an Leukämie.
DER SPIEGEL 42/2005
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