Johannes Gachnang , 65. Vom Hochbauzeichner zum freien Künstler, zum Kurator und Verleger - für den gebürtigen Züricher lag die Kontinuität im Wandel. Als er 1974 die Leitung der Kunsthalle Bern übernahm, widmete er die erste Ausstellung seinem Lehrer Hans Scharoun, einem Vertreter des "Neuen Bauens". Damals war es nicht üblich, Architektur im Museum zu thematisieren, doch Gachnang wollte Neues im Alltäglichen entdecken - und zeigen. Mitte der siebziger Jahre noch weitgehend unbekannte Künstler wie Jörg Immendorff oder Georg Baselitz verdanken diesem Streben große Ausstellungen in Bern. Gachnang prägte die Documenta 7 (1982) in Kassel und andere international wichtige Kunstereignisse wie den "Bilderstreit" (1989) in Köln. Mit dem Berliner Kunsthändler Rudolf Springer gründete er 1983 den Verlag Gachnang & Springer, dessen Programm unter anderem Kunst, Reiseberichte und Literatur umfasst. Auch als Verleger blieb er seinem Motto treu: "Nicht verblüffen, wundern will ich mich." Johannes Gachnang starb am 11. Oktober in Bern an Krebs.
DER SPIEGEL 42/2005
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