Paco Rabanne , 71, spanischer Haute Couturier im Ruhestand, hat sich in Moskau als jugendlicher Verehrer Stalins zu erkennen gegeben: "Ich muss ehrlich sagen: Josef Stalin machte einen starken Eindruck auf mich. Für mich war er kein Mensch mehr - er war Legende, leibhaftiger Gott. Und er verfügte ganz offensichtlich über eine durchdringliche, hypnotische Ausstrahlung." Die prägende Bekanntschaft mit dem Generalissimus und Herrn über das sowjetische Gulag-System verdankte Rabanne, wie er die Zeitschrift "Nowoje wremja" nun wissen ließ, einer persönlichen Audienz im Jahr 1950. Rabannes Mutter,
eine spanische Kommunistin der ersten Stunde, die "schießen und Bomben legen" konnte, war von Stalin in den Kreml eingeladen worden. Den Sohn und späteren Modeschöpfer brachte sie einfach mit. Der einst gerühmte Modezar hat sich vor sechs Jahren aus der Haute Couture verabschiedet und ist seitdem vor allem unterwegs - "auf der 40 Zentimeter langen Strecke vom Herzen zur Seele", wie er in Moskau sagte. Einblicke in sein Innenleben beschert dort seit vorvergangener Woche die weltweit erste Ausstellung von Grafiken Rabannes. Für Moskau als Ort der ersten Werkschau habe er sich, so Rabanne, bewusst entschieden: "In dieser Stadt tauchte Anfang des 20. Jahrhunderts die moderne Kunst auf - alles, was mit Fauvismus, Symbolismus und Abstraktionismus zu tun hatte."
DER SPIEGEL 42/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://corporate.spiegel.de finden Sie Angebote für die Nutzung von SPIEGEL-Content zur Informationsversorgung von Firmen, Organisationen, Bibliotheken und Journalisten.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.