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Die "Berliner Zeitung" zum SPIEGEL-Gespräch mit dem Maler-Star Gerhard Richter über die Suche nach Schönheit und die Rekordpreise für seine Bilder "Mich interessiert der Wahn" (Nr. 33/2005):

Gerhard Richter schwebt mit seinem Weltruhm und den höchsten Marktpreisen eines heute lebenden Malers eigentlich über dem Geschehen. Dennoch stieg er im August in einem SPIEGEL-Interview in die Niederungen der Kunstbetrachtung. Er beklagte, dass in der Kunst alles hingenommen würde, niemand mehr Kriterien und Maßstäbe zur Hand habe. Als Beispiel nannte er Rainer Fettings Willy-Brandt-Skulptur in der Berliner SPD-Zentrale, die er drastisch, wenn auch nicht ganz unzutreffend, mit einem "Zombie" verglich. "Aber die Genossen stellen sich blind und glauben, es sei moderne Kunst." Mit einiger Verspätung schoss der Geschmähte nun zurück. "Ich weiß, was ich von seinen Arbeiten zu halten habe. Seine Technik, diese Alla-prima-Malerei kann man doch in jedem Malbuch lernen", sagte Fetting gegenüber der Boulevardzeitung "B.Z". "Gerhard Richters Bilder sind langweilig." Man mag den Streit wie die "B.Z." als "Zicken-Krieg" abtun, doch geschieht hier viel mehr. Zwei renommierte Maler machen endlich vor, wie sie sich die Kunstkritik eigentlich wünschen: Polemik statt wohlabgewogenen Urteils, Emotion statt Theorie, lieber ein Hauch von Stammtisch als die alten akademischen Winde. Dahin die vielen staubtrockenen Texte, die nach dem Willen von Künstlern in Katalogen und Zeitschriften geschrieben wurden. Vorbei die vornehme Zurückhaltung. Jetzt wird Tacheles geredet.


DER SPIEGEL 42/2005
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