09.10.1972

„Blick auf Schweden - Blick in die Zukunft“

In jedem Wahlkampf warnen Christdemokraten, die SPD wolle in der Bundesrepublik das „schwedische Modell“ einführen -- für die Rechten ein Schreckgespenst. Sozialdemokrat Eppler dagegen: „Wir wollen lieber ein großes Schweden als ein kleines Amerika werden.“ Kein Land, kein System, nicht Jugoslawien, nicht Kuba, ist hierzulande so umstritten wie das „Beispiel Schweden“. Ist es ein Modell, das die Deutschen nachahmen können?
Am Rande Europas, aber doch nur eine Jet-Stunde von seinen Zentren entfernt, liegt ein kaltes Land voll exotischer Widersprüche: Waldeinöde, in der Fortschritt dräut, demokratische Monarchie mit sozialistischem Dauer-Regieren. Ein industrielles Dorado, in dem deutsche Christdemokraten gleichwohl nur kollektiven Unrat wittern.
Dort will kaum einer seinen König entbehren, paradieren die Gardisten noch in Pickelhaube. Aber dort darf auch jedermann jederzeit den Regierungschef duzen.
Der Arbeitsfriede ist beispielhaft, seit Jahrzehnten. Aber die Regierung sprach auch mal -- vor anderthalb Jahren -- die Aussperrung von 3000 Offizieren aus, so daß der Verteidigungsminister die Wintermanöver absagen mußte.
Zu verteidigen hat dieses Land viel, denn es hat seit 158 Jahren keinen Krieg geführt. Es ist so friedfertig wie hochgerüstet, so wohltuend tolerant wie zuweilen lästig kleinkariert.
Verurteilte Verbrecher dürfen ihr Tagewerk in Häusern ohne Türschlösser und ohne Wachen selbst einteilen sowie ihre Bräute lieben. Will aber ein unbescholtener Untertan sich ein Haus nach seinen individuellen Wünschen bauen, hat er 192 Formulare auszufüllen, um es -- vielleicht -- bewilligt zu bekommen.
Aus Furcht vor Geschlechtskrankheiten mahnt der Staat seine Teenager, immer ein Präservativ bei sich zu tragen. Er verbietet seinen erwachsenen Bürgern den beliebigen Genuß einer Flasche Starkbiers, ohne Berufungsinstanz.
Schwedens Arbeiter verdienen mehr, die Manager weniger als in fast allen anderen Industriestaaten -- und, für Deutschland unvorstellbar, jeder weiß, was der andere nach Hause trägt: Alle Einkommen von mehr als 50000 Kronen (33 450 Mark) werden in einem "Taxeringskalender", einem jedermann zugänglichen Steuer-Gotha, aufgeführt.
Dieser Staat stellt Gratis-Vitamine für alle Kinder, richtet Gratis-Rechtsberatung für alle Bürger ein. In U-Bahn-Stationen baut er Extra-Lifts für Körperbehinderte, die Rolltreppen nicht benutzen können.
Der Wohlfahrtsstaat läßt keinen aus, von der Wiege bis zum Grabe. Das neue Gleichheitsprogramm beispielsweise will bei Geburt eines Kindes sogar dem Vater einen staatlich bezahlten Urlaub gewähren, damit auch der Erzeuger sein Baby begreifen lernt.
In dem gleichen Wohlfahrtsstaat rackern die Arbeiter noch überwiegend im Akkord und ruinieren sich oft frühzeitig. Die privaten Unternehmer werden gehätschelt, damit sie besser zu melken sind. Jedoch wurden die Apotheken vergesellschaftet und ein Gutteil der Arzneimittelindustrie dazu. Wenn es nach dem Willen des Direktors für Verkehrssicherheit geht, sollen demnächst auch die privaten Fahrschulen abgeschafft werden, weil sie "ihre Aufgaben nicht zur Zufriedenheit der Regierung erfüllen. über ein Volk, das sich solche Widersprüche leistet, wuchern mehr Vorurteile als über Russen, Chinesen und Amerikaner, über seinen Weg wird erbitterter gezankt als über Experimente in Kuba, Jugoslawien oder Israel.
Die Schwedenmädel, so ein unausrottbares Primitiv-Urteil, seien die lockersten von allen. Griechische Bischöfe beten deshalb für ihre Burschen, auf daß sie nicht den blonden Bestien anheimfallen. In Wahrheit lehnen 85 Prozent aller verheirateten Schwedinnen Seitensprünge ab.
"Verderbnis durch erotische Anfechtung."
Die Raggare, Stockholms motorisierte Lederjacken, müssen als Beweis für die Verrohung der Jugend herhalten. Verglichen mit Hamburger Rockern oder New Yorker Gangs scheint die schwedische Spielart freilich harmlos.
Die Schweden suchten sich am häufigsten ihrem -- dann ja wohl besonders tristen -- Dasein durch Selbstmord zu entziehen, kolportierte schon Eisenhower -- eine gleichfalls unausrottbare Behauptung, die freilich durch keine Statistik belegt wird. Schweden steht an fünfter Stelle in Europa.
Das angeblich so erschreckend nüchterne Schweden nun auch nüchtern zu beurteilen ist offenbar schwer, an seinem Wohlfahrtsstaat scheiden sich die Geister. Den einen gilt das Land, das zwar fast doppelt so groß ist wie die Bundesrepublik, aber weniger Einwohner hat als Baden-Württemberg, schlicht als Zukunftsmodell. Den anderen ist Schweden ein gescheitertes Experiment für den Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus.
Amerikas progressiv-liberaler Wirtschaftsprofessor Galbraith bescheinigt den Schweden eine optimale Balance zwischen privaten und gemeinwirtschaftlichen Aufgaben und Leistungen. Frankreichs Polit-Publizist Servan-Schreiber fand dort "die Gegensätze schwächer ausgeprägt als das gemeinschaftliche Bewußtsein", die Gesellschaft "progressiv und harmonisch".
Während die kanadische Zeitschrift "MacLean's" Schweden zum "Symbol für ein funktionierendes Utopia" hochstilisiert, trauert Englands linker "New Statesman" um Schweden als "sterbenden Traum", und des Papstes "L'Osservatore della Domenica" sieht Schweden verderben -- im Gefolge "erotischer Anfechtungen und der Pornographie".
"Plötzlich haben sich alle Völker gerade auf Schweden gestürzt", hatte sich der Stockholmer Nobelmann Eric Graf Oxenstierna schon vor einem Jahrzehnt in seinem Buch "Wir Schweden" gewundert. Er konnte damals nicht ahnen, was alles noch kommen würde.
Der langjährige Korrespondent des Londoner "Observer" in Stockholm, Roland Huntford, schildert das Land in der Horror-Studie "The New Totalitarians" als bisher einzig realisiertes Beispiel von Aldaus Huxleys Alptraum einer gleichgeschalteten "Schönen neuen Welt".
Armes Schweden, in das vorfast vier Jahrzehnten Deutschlands schwermütiger Satiriker Kurt Tucholsky floh, um dort zu sterben, in dem sich aber ein deutscher Autor unserer Tage, Horst Krüger, beim Besuch des Tucholsky-Grabes im "perfekten Schattenreich" wähnte und unter Friedhofs-Eichen philosophierte: "In diesem Land hat er sich umgebracht. Ein guter Ort am Ende -- Schweden."
Für diesen "Ort am Ende" allerdings errechnete der Futurologe Herman Kahn, es werde als einziges Land Europas im Jahr 2000 die postindustrielle Gesellschaft erreicht haben.
Rheinische Christdemokraten wollen da so schnell nicht hin. In allen Wahlkämpfen suchten sie die Deutschen unter anderem mittels Schweden-Horror
*Errechnet zu Preisen von 1963. um Verzerrungen, die durch unterschiedliche Inflationsraten entstehen, auszuschalten und einen Vergleich des Lebensstandards zu ermöglichen
bei der Stange zu halten -- das letztemal vergeblich.
"Schaut nicht nach Norden", warnt zu Beginn des Bundestagswahlkampfs 1972 der christdemokratische "Deutschland-Union-Dienst", weil "sich Schweden recht wenig als Vorbild eignet".
Die höchste Lebenserwartung der Welt.
Die Christen fühlen sich insoweit durchaus eins mit orthodoxen Marxisten. Als "Modell der Ausbeutung" brandmarkten deutsche Apo-Schreiber das für sie ungebrochen kapitalistische System Schwedens. Seine Sozialdemokratie hat sich nach der Erkenntnis der Ultralinken mit der "Großfinanz" zu einer "korporativen Gesellschaft ohne Haftung" (so Horst Schröder in "Schweden zum Beispiel") fusioniert.
Ist dieses Schweden nun eine politische Tundra von Gleichmacherei und Gleichgültigkeit -- trotz gewisser Fortschritte? Oder hat es gesellschaftliche Pionierarbeit geleistet -- trotz gewisser menschlicher Ödland-Bezirke? Ist der dortige Wohlstand ekelig, das Glück in Rentenformeln eingefangen? Schweden Vorbild für Deutschland?
Es ist nicht nur das Land, in dem die Menschen die höchsten Löhne Europas, die meisten Autos, Telephone, Fernsehgeräte, Wochenendhäuser und Motorboote haben. Die Schweden erfreuen sich nicht nur der höchsten Lebenserwartung auf dieser Welt: Männer werden im Schnitt über 71, Frauen fast 75 Jahre alt.
Der schwedische Wohlfahrtsstaat hat seine Schattenseiten. Doch als einzigem Staat dieser Welt ist es Schweden auch gelungen, ökonomische und soziale Aufgaben zu lösen, für deren Bewältigung alle anderen Staaten noch Jahrzehnte brauchen dürften.
Schweden hat die Armut ausgerottet. Schweden hat früher als alle anderen die Arbeitslosigkeit überwunden. Es hat die Slums restlos ausgemerzt, die Unwissenheit weitgehend beseitigt und gleiche Bildungschancen für alle geschaffen. Es hat seinen Wohlstand gerechter verteilt als alle anderen Länder. Die Schwedinnen bestimmen längst über ihren eigenen Bauch -- Abtreibung gibt"s auf Krankenschein. Tempo 100, in der Bundesrepublik eben als Experiment angelaufen, ist für die Schweden ein alter Hut: Sie sind auf 70 Stundenkilometer. über 80 Prozent aller jungen Schweden erlangen Abiturreife, eine Quote, die sich Deutschland nicht mal als Fernziel vornehmen kann -- denn heute sind es in deutschen Landen erst 11 von 100. Und: Der Anteil an Arbeiterkindern "bei den Studierenden erreicht 21 Prozent (Bundesrepublik: 7), jener der weiblichen Studenten 35 Prozent (Deutschland: 30).
So hat es Schwedens Premier Olof Palme, linker Visionär mit Juso-Tradition, einigermaßen leicht, zu argumentieren: "Wenn unsere Industriellen über die hohen Steuern klagen, sage ich immer, seid doch froh, denn alles das wird auf die anderen Industriestaaten zukommen."
So kann Schwedens Soziologen-Papst Gunnar Myrdal getrost prophezeien, dem Wohlfahrtsstaat ä la Schweden werde zwangsläufig eine Wohlfahrtswelt folgen, denn die einzige Alternative sei der Untergang. So zweifelt Herbert Giersch, Direktor des Weltwirtschaftsinstituts in Kiel, nicht: "Ein Blick auf Schweden ist zugleich ein Blick in die Zukunft."
"Die bieten, was wir gern hätten."
Und Erhard Eppler, links in der SPD, urteilt: "Wenn ich die Wahl hätte, ob die Bundesrepublik ein kleines Amerika oder ein großes Schweden werden soll, wäre ich für das große Schweden."
36 Prozent aller Deutschen waren bei einer SPIEGEL-Umfrage im Herbst 1970 derselben Meinung -- für sie war das fortschrittlich-reiche Schweden das erstrebenswerteste Vorbild vor der betulich-reichen Schweiz, die karge sieben Prozent erhielt. Selbst unter den CDU/CSU-Sympathisanten meinte noch fast jeder dritte, so wie in Schweden sollte es auch hierzulande aussehen.
Tatsächlich haben die Schweden vieles schon jetzt, was deutsche Sozialdemokraten für den Fall, daß sie auch in den 70er Jahren regieren dürfen, erst für 1985 anvisiert haben.
Während Deutschlands Sozialdemokraten in ihrem Langzeit-Programm beklagten, daß ein Drittel aller Wohnungen kein Bad, ein Fünftel noch nicht mal eine Toilette haben, leben die Schweden heute schon zu 80 Prozent in Heimen erster Qualität, mit Bad, Zentralheizung und Kühlschrank.
Die Nordländer bieten ihren Bürgern bessere Krankenhäuser als sonst wo auf der Welt und die meisten Spitalbetten pro Kopf der Bevölkerung (Schweden: 1 Bett auf 60 Einwohner, Bundesrepublik: 1 Bett auf 89 Einwohner). Sie haben modernste Altersheime und Rehabilitationsmöglichkeiten für Behinderte gebaut, wie sie die Experten des Bonner sozialdemokratischen Sozialministers in einer Kabinettsvorlage erst andeutungsweise zu fordern wagten: "Die bieten Dienstleistungen, wie wir sie hier auch gern hätten."
Das Bodenrecht, das Deutschlands Sozialdemokraten und neuerdings sogar die Unionschristen in der nächsten Legislaturperiode ändern wollen, hat Premier Palme dieses Jahr nochmal renoviert. Schon früher hatten Schwedens Gemeinden ein gesetzliches Vorkaufsrecht an allen Grundstücken. Damit aber künftig "mit Grund und Boden und den Gewässern des Landes haushälterisch umgegangen wird" (so Innenminister Eric Holmquist), dürfen die Gemeinden Boden innerhalb ihrer Gemarkungen auch gegen den Widerspruch der Besitzer zum Marktwert aufkaufen. Dazu genügt schon die Behauptung, sie brauchten das Land irgendwann.
Kein schwedischer Grundbesitzer kann seither, was seine westdeutschen Kollegen täglich praktizieren: sich gegen die Hergabe des Landes für dringende Straßen-, Wohnungs- oder Krankenhausbauten jahrelang sträuben, damit die öffentliche Planung blockieren und den Preistreibern riesige Spekulationsgewinne schenken. Jeder Wertzuwachs, der öffentlichen Investitionen, wie Erschließung, Straßen- oder U- Bahnverbindungen zuzurechnen ist, wird dem Landverkäufer ohnedies automatisch vom Preis abgezogen.
Für Springers "Welt" nähert sich Schweden damit "sichtbar den Zuständen, wie sie in den sozialistischen Ländern des Osten bestehen". Die OECD sieht es nüchterner: "In Schweden hat sich die Ansicht durchgesetzt, daß soziale Verbesserungen manchmal wichtiger sind als persönlicher Reichtum."
"Eingebildeter Übermut, angemaßte Freiheit."
Warum gerade die Schweden zu dieser anderenorts noch unterentwickelten Erkenntnis vorgestoßen sind, erklärt Roland Huntford so: "Die kollektive Mentalität der Schweden, ihr historischer korporativer Instinkt, läßt sie sich selber vor allem als Glied der Gesellschaft empfinden. Der Schwede sieht kommunale Interessen als seine eigenen an und läßt es zu keinem Konflikt zwischen beiden kommen."
Demnach hätten die Schweden in der Tat bereits den langen Marsch in jene neue Gesellschaft angetreten, deren Konturen in den Vorstellungen kontinentaler Gesellschaftswissenschaftler (mehr Lebensqualität, weniger Lei-
* Pfeil: SAP-Cbef Branting
stungsdruck) erst verschwommen dämmern; sie konnten es, so der deutsche Politologe Karl Kaiser, dank ihrer Strategie, "in der sich wissenschaftlicher Sozialismus mit Pragmatismus verbindet".
Marxistisches Gedankengut war erst spät nach Schweden gekommen. Als der Schneidergeselle August Palm nach Wanderjahren in Deutschland 1881 seine Landsleute über den Sozialismus aufklären wollte, wurde er eingesperrt. Aus dem Gefängnis rief er zur Gründung der "Socialdemokratiska Arbetareparti" (SAP) auf.
Sie ließ sich eher von "Ideen des utopischen Sozialismus" (Alva Myrdal, die Grand Old Lady der Partei) beschwingen als von der radikalen Revolution. Und die friedliche Gemeinschaftstradition war im Bauernland Schweden schon immer stark gewesen.
Im Mittelalter durfte der schwedische Bauer mit seinem Acker nicht einfach tun, was er wollte. In der Dorfversammlung legten die Klügsten die Arbeitsgänge fest. Hegte jemand. so zitiert Oxenstierna aus alten Chroniken, den "eitlen Gedanken, daß er sein Eigentum besitze oder frei darüber verfügen könnte", mußte er mit einer Geldstrafe "für diesen eingebildeten Übermut und die angemaßte Freiheit" büßen.
Schwedens Sozialisten wandelten sich binnen weniger Jahre von radikalen Marxisten zu Pragmatikern des Gemeinsinns, Die SAP sang zwar seit 1902 die "Internationale" als Parteihymne" aber ihr erster Vorsitzender, der Journalist Hjalmar Branting, stiftete den Übersetzer an, jenen Vers zu unterschlagen, der zum "Erschießen unserer Generäle" aufforderte.
Und schon 1911, als Deutschlands Linke noch auf die proletarische Revolution und den von Marx vorhergesagten Zusammenbruch des Kapitalismus warteten. richteten sich Schwedens Sozialdemokraten auf eine Machtübernahme mit den Mitteln des bestehenden Systems ein. Damals bereits dachte Sozialist Hjalmar Branting an eine Koalition mit den Liberalen, die deutschen Linken als Sünde wider den marxistischen Geist galt.
Die Liberale Partei hatte bereits um die Jahrhundertwende die
wichtigste Forderung der Arbeiterpartei durchgesetzt -- das allgemeine Wahlrecht.
Als bürgerliche Regierungen mit der durch die Weltwirtschaftskrise bedingten Massenarbeitslosigkeit nicht fertig wurden, erarbeitete die SAP ein erfolgreiches Krisenprogramm, gewann damit die 1932er Wahlen und trat ihr bis heute währendes Dauerregiment an.
Denn Schwedens Sozialdemokraten hatten auch nie das Stigma von Vaterlandsverrätern oder einer Proletarierpartei zu tragen. Sie waren und sind im Grunde Volkspartei.
Anfang der 30er Jahre, als der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) noch für die Sozialisierung der Produktionsmittel stritt und von einer Zentral-Verwaltungs-Wirtschaft träumte, hatten Schwedens Sozialdemokraten bereits die Marktwirtschaft akzeptiert. "Ich gehöre zu denen", bekannte damals der SAP-Ideologe Ernst Wigforss. "die wirklich wissen, was wir der alten liberalen Idee zu danken haben, wenn es gilt, uns vor Torheiten zu retten."
Schwedens Sozialdemokraten dachten auch nicht an Revolution, als 1931 Soldaten auf demonstrierende Arbeiter schossen (fünf Tote im nordschwedischen Adalen) und als anschließend in Stockholm Protestdemonstranten von der Polizei mit Säbeln auseinandergetrieben wurden.
Jeder Schwede
hat vier Wochen Urlaub.
Von Anfang an trieben sie keine Klassen-Politik, sondern handelten nach fast romantischen Vorstellungen, wie sie Per Albin Hansson, ihr zweiter Premier. einmal im Reichstag skizzierte: "Im guten Volksheim gibt es weder Privilegierte noch Zurückgesetzte, weder Hätschel-, noch Stiefkinder." Das setze voraus: "Niederreißen der sozialen und wirtschaftlichen Schranken. die noch die Bürger in ... Herrschende und Abhängige, Reiche und Arme, Begüterte und Besitzlose, Ausbeuter und Ausgebeutete einteilt."
Um diesen Utopien nahezukommen, gingen die schwedischen Sozialdemokraten pragmatisch vor, denn "wir waren immer sehr pragmatisch", sagt heute Frau Myrdal, 70, Abrüstungsministerin und Gleichheits-Predigerin. die Ehrensuffragette der Partei. "wir haben eine Mischökonomie geschaffen. die wir dauernd weiter korrigierten".
Als sie die Macht antraten, praktizierten sie als erste Regierende der Welt jene Theorien des britischen Wirtschaftswissenschaftlers Lord Keynes, der den Kapitalismus verbessern, aber ihn auch erhalten wollte. Mit einem gewaltigen Arbeitsbeschaffungsprogramm und expansiver Finanzpolitik bekämpften sie das Arbeitslosenelend.
Sie stellten Vollbeschäftigung her und ermöglichten es der schwedischen Industrie. zu weltweiter Bedeutung zu expandieren. Mit nur zwei Promille der Weltbevölkerung setzte sich Schweden in die Spitzengruppe aller Industrienationen. Schwedische Weltkonzerne wie Volvo (Autos) und Saab-Scania (Kraftfahrzeuge, Flugzeuge), SKF (Kugellager) und der Elektrokonzern Asea haben heute 600 Zweigfirmen allein in europäischen Ländern. Zwei Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in der Welt kommen aus Schweden, jenem Land. in dem Deutschlands Unternehmer stets Schlimmes aufspüren.
Schweden, so entdeckte das Deutsche Industrieinstitut erst jüngst wieder, gehöre zu "den Spitzenreitern, was Mißmut in der Wirtschaft, Kriminalität und Bildungsverfall" sowie ein weiteres halbes Dutzend ägyptischer Plagen betreffe.
CDU-Bundesgeschäftsführer Ottfried Hennig meinte mitteilen zu müssen: "In Schweden werden Intelligenz. Fleiß und Begabung nicht mehr belohnt." Und: "So will die SPD schwedische Verhältnisse in Deutschland einführen. Ihre programmatischen Aussagen -- insbesondere die der Steuerreform -- zielen auf eine Umverteilung der Einkommen."
In punkto Umverteilung hat der Christdemokrat sogar recht: Schweden besitzt längst ein Einkommensteuersystem, das jene Beschlüsse des SPD-Steuerparteitags, die Deutschlands Rechte zu dem Aufschrei "Zusammenbruch" und "strangulierte Marktwirtschaft" ("Handelsblatt") veranlaßte, weit in den Schatten stellt:
* Schon bei 150000 Mark Jahreseinkommen sind 65,9 Prozent abzuliefern, Millionäre zahlen bis zu 85 Prozent Steuern (SPD- Spitzensatz: 60 Prozent bei Einkommen ab 200000 Mark).
* Kinder können nicht lukrativ von der Steuer abgesetzt werden. Die Unterhalts-Verpflichteten bekommen vielmehr, wie die SPD jetzt auch empfiehlt, statt dessen für jedes Kind Geld vom Staat (800 Mark im Jahr).
* Für Besitz ist zwischen 1 und 2,5 Prozent Vermögensteuer zu zahlen, die nicht von der Einkommensteuer abgesetzt werden kann (SPD-Plan: maximal 1 Prozent).
* Das Glück. daß eine millionenschwere Erbtante verschieden ist. kann ein Schwede nur marginal genießen -- der Staat beläßt dem Erben nur 35 Prozent der Erbmasse (SPD-Vorschlag: 40 Prozent). Außerdem belegt der Fiskus Ge- und Verbrauchsgüter mit einer Mehrwertsteuer von 17,65 Prozent. insgesamt kassiert der Staat nach Angabe des Stockholmer Nationalökonomen Assar Lindbeck 50 Prozent des Bruttosozialprodukts -- die Hälfte davon reicht er allerdings den Bürgern als Sozialleistung wieder zurück.
An Sozialleistungen empfängt Herr Medelsvensson -- der Durchschnittsschwede -- nicht nur, was anderswo auch üblich ist, er ist fast überall vorn und genießt noch vieles, was anderswo nicht mal im Programm vorhanden ist.
Ab 1973 gilt in ganz Schweden die 40-Stunden-Woche, seit 1963 hat jeder Schwede mindestens vier Wochen bezahlten Urlaub. Eine dynamische Volkspension, 1913 in ersten Ansätzen skizziert, ermöglicht mittels einer beitragspflichtigen Zusatzpension (ATP) jedem schwedischen Arbeitnehmer eine ausreichende Altersversorgung, jedem Lohn- und Gehaltsempfänger als Gesamtrente 60 Prozent des Durchschnittssalärs seiner 15 besten Einkommensjahre. Sie wird ständig der Preisentwicklung angepaßt.
Ein Menü
für alle Schüler.
Was Medelsvensson zusteht, wenn er stirbt, alt, krank oder Invalide wird, wenn er, verheiratet oder ledig, Vater wird, Rechtshilfe braucht, studieren oder sich für einen anderen Beruf ausbilden möchte, seine Miete nicht mehr bezahlen kann -- das ist im 72-Seiten-Katalog "Öffentliche Sozialleistungen in Schweden" stichwortartig enthalten. Dort kann jeder nachlesen, wann er welche Ansprüche hat, wie und wo er sie geltend machen kann.
Und es ist nicht bloß ein Butterbrot, das da verabreicht wird. Der Staat bezahlt beispielsweise bis zu 40000 Mark für das motorisierte Fortbewegungsmittel eines Behinderten. Für bauliche oder technische Besonderheiten, die eine Wohnung den Bedürfnissen des Behinderten anpassen, leistet er verlorene Zuschüsse bis 10 000 Mark.
Schulspeisung ist in Schweden nicht bloß eine warme Schokolade. Für die kompletten Menüs, die in allen Schulen kostenlos verabreicht werden, gibt der Staat jährlich eine halbe Milliarde Kronen aus -- 320 Millionen Mark.
Der Staat beschäftigt auch keine Arbeiter mehr, denn zu Beginn dieses Jahres stiegen sämtliche 50 000 Arbeiter des öffentlichen Dienstes zu Angestellten auf -- ein Fortschritt, der im deutschen Arbeitsrecht für das nächste Jahrzehnt angepeilt wird.
Alle Schweden, aber auch alle in Schweden lebenden Ausländer, selbst wenn frisch eingetroffen, die ihren Lebensunterhalt aus welchen Gründen immer nicht bestreiten können, haben Anspruch auf "Sozialhilfe". Um der Sozialhilfe den Geruch des Almosens zu nehmen, heißt der Sozialhilfe-Betrag "Soziallohn".
Er beträgt etwa für eine alleinstehende Frau mit Kind monatlich 836 Kronen -- rund 580 Mark, für ein Ehepaar mit zwei Kindern 1485 Kronen
über 1000 Mark. In beiden Fällen wird diesen Beträgen die volle Wohnungsmiete noch zugeschlagen.
Seit 1971 zahlt der Staat sogar für Schäden, die ein Bürger durch Gewalttäter erleidet, falls diese nicht gefaßt oder nicht zur Kasse gezwungen werden können. Höchstsumme für Geschädigte: 50000 Kronen, wobei auch Schmerzensgeld geltend gemacht werden kann.
Was Wunder, daß deutsche Unternehmer und ihre politischen Stoßtrupps, solchen Realitäten noch nicht mal in Alpträumen konfrontiert, über die schwedischen Entartungen sagen, sie lähmten alle Dynamik. CDU-Hennig: "Die psychologische Auswirkung dieser Gesellschaftsordnung ist, daß persönliche Verantwortungsfreudigkeit und staatsfördernder Leistungswille zurückgehen."
Er war entweder nie in Schweden oder hat versäumt, einschlägige Statistiken einzusehen, schwedische Werkshallen zu besichtigen, in den Exporthäfen nach Umschlagsziffern zu fragen.
Denn im totalen Wohlfahrtsstaat gedeihen, o Wunder, Leistungsprinzip und Unternehmerglück. Schwedens Unternehmer haben in der Dekade vor 1971 im Schnitt 23 Prozent des Bruttosozialprodukts investiert (Bundesrepublik: 25, USA: 15 Prozent). "Die Arbeitsproduktivität (sic!) stieg stärker", so schrieben die OECD-Experten in ihrem letzten Bericht.- "als in jedem anderen Mitgliedsland außer Japan. Bei den Avantgarde-Industrien stieg sie in Schweden am stärksten in der Welt."
Schwedens Industriearbeiter steigerten in der letzten Dekade ihre Leistung pro Stunde jährlich um durchschnittlich acht Prozent (Bundesrepublik: sechs Prozent). Schwedens Unternehmer verkaufen jährlich rund 21 Prozent des Bruttosozialprodukts ins Ausland. Mit ihren Autos, ihren Kugellagern, ihrem Stahl, ihrem Papier verdienten sie auf den Weltmärkten 1971 über 25,5 Milliarden Mark -- pro Kopf der Bevölkerung 3000 Mark -- das Exportland Bundesrepublik kam auf 2000 Mark pro Kopf.
"Am wenigsten Kapitalismus."
Solche Zahlen verschweigen nicht nur westdeutsche Wahlkämpfer gern. Sie passen nicht ins Feindbild vom faulenzenden schwedischen Arbeiter, nicht in die Karikatur nordischer Elends-Kapitalisten, die angeblich investitionsscheu werden, weil sie von einer verdienten Bruttomillion nur 200000 Mark übrigbehalten (in der Bundesrepublik 454 000 Mark).
Während Westdeutschlands Abendlands-Retter händeringend vor dem "abschreckenden Beispiel" ("FAZ") warnen und sich um die dortigen Unternehmer sorgen, finden die Betroffenen selbst das unerbetene Mitleid durchaus unangebracht.
Denn obwohl Premier Palme in seinem Land "am wenigsten Kapitalismus" von allen westlichen Industriestaaten findet, haben die Unternehmer zwischen Malmö und Kiruna keineswegs den Eindruck, ihnen sei der Kapitalismus verleidet worden. Tore Browaldh, Chef der Svenska Handelsbanken, meint etwa: "Man muß einen Unterschied machen zwischen den Reden und den Taten. Wenn man die Reden der Politiker hört, sind wir viel sozialistischer als in Wirklichkeit."
Pehr Gyllenhammar, Präsident der Volvo-Werke, des größten skandinavischen Industriekonzerns: "In unserer Industrie herrscht eine sehr freie Unternehmerschaft, wenn man das vergleicht mit den meisten anderen Staaten."
Tatsächlich achteten Schwedens Sozialisten beim Aufbau ihres Wohlfahrtsstaates sorgfältig darauf, die Industrie nicht allzusehr zu schröpfen.
Während unproduktive Rentiers, reiche Erben und hochverdienende Manager, aber auch schon der untere Mittelstand kräftig zur Kasse gebeten werden, sind "die Steuern der Gesellschaften keineswegs höher als in allen anderen Ländern" (Gyllenhammar).
Eine Aktiengesellschaft, die in Schweden schon jeder Metzger gründen kann, da nur ein Grundkapital von 6700 Mark (Bundesrepublik: 100 000 Mark) vorgeschrieben ist, zahlt nicht mehr Körperschaftsteuer als in der Bundesrepublik. Die schwedischen Gesellschaften jedoch zahlen keine Vermögenssteuer und auf die Investitionsgüter. die sie kaufen. keine Mehrwertsteuer.
Jenes Land, das vom Deutschen Industrieinstitut "Wallfahrtsort der Sozialisten" genannt wird, verzichtete bisher auf Sozialisierung der Grundindustrie, die kontinentaleuropäische Gewerkschafter immer noch fordern.
Schwedens Sozialisten schickten zwar Staatskommissare als Aufsichtsräte in die Großbanken (Handelsbanken-Browaldh: "Wir haben auch zwei, es sind feine Kerle"), aber sie taten nichts gegen die Konzentration des Kapitals in wenigen Händen: Die zwei größten Kreditinstitute, Skandinaviska Enskilda Banken und Svenska Handelsbanken. machen allein zwei Drittel des Geldverleihgeschäfts unter sich aus. Die reichsten von den 15 reichen Familien, denen die wichtigsten Unternehmen gehören, die Wallenbergs, verwalten über 100 Aufsichtsratsmandate.
Über die Anti-Trust-Gesetzgebung, wie sie in anderen Ländern üblich ist -- etwa in den USA -. urteilt Schweden Bankier Browaldh: "Das könnte ich nicht ertragen, das finde ich fast kommunistisch."
Jene eigenartige Mischung totaler Sozialpolitik, die in keinem Winkel des Landes Elend zuläßt, und Hätschelkur für die private Industrie brachte den Schweden. was jetzt auch die SPD in ihrem Langzeitprogramm anvisiert: einen hohen Staatsanteil am Bruttosozialprodukt und dennoch eine für ein derart entwickeltes und wohlhabendes Land beträchtliche reale jährliche Wachstumsrate von 4,6 Prozent im letzten Jahrzehnt.
Daß sie ihr Rezept -- das vielleicht einzig mögliche, mehr Geld für öffentliche Aufgaben und zugleich ein gesundes Wirtschaftswachstum zu erreichen -- für einen guten Exportartikel halten. für ein Modell. das sie den Europäern zur Nachahmung empfehlen, geben Schwedens Sozialdemokraten nur verschämt zu Protokoll.
"Der Boß muß ein bißchen auf seine Arbeiter hören."
Premier Palme antwortet auf die Frage. ob Schweden für die anderen mitdenke: "Vielleicht ein wenig." Sein Vorgänger und Mentor Tage Erlander. der mit 23 Regierungsjahren den Amtszeit-Weltrekord aller demokratisch gewählter Premiers hält, präzisiert es: "Irgend etwas in dem Stil. wie wir es machten, werden früher oder später alle Industrieländer machen müssen.
Erlander weiß auch, daß Schwedens Konzept nur mit Einschränkungen auf andere Länder übertragbar ist, denn "wir haben hier unter sehr günstigen Umständen experimentieren können.
Diese günstigen Umstände sind in Kontinentaleuropa oder gar in der Dritten Welt kaum nachzuvollziehen. Schon die Ausgangslage Schwedens war einmalig: ein großes Land mit reichen natürlichen Ressourcen. wenigen Menschen -- und ohne große Konflikte.
Niemals wurde Schweden von fremden Truppen besetzt. Ausländische Einflüsse hinterließen in Schweden keine tiefen Spuren. Seine homogene Bevölkerung kennt keine Rassen-, kaum Klassenkonflikte, Common sense und Disziplin sind von alters her Merkmale schwedischer Art. Nie entstand Feudalismus, nie Unterjochung durch eigene oder fremde Fürsten. "Es gibt bei uns einen sturen Eigenwillen, ein empfindliches Ohr, falls jemand mehr sein möchte als der andere", schreibt Graf Oxenstierna.
Und "wenn in England die industrielle Revolution einen Bruch mit der Vergangenheit bedeutete", erklärt Schweden-Kritiker Huntford, "so war sie in Schweden eine Fortsetzung". Die industrielle Revolution, die in England oder Deutschland fast ein Jahrhundert währte und verarmte Handwerker, Bauern, Landarbeiter in die Slums der Städte drängte, lief in Schweden in viel kürzerer Zeit und in ländlicher Abgeschiedenheit ab.
In vielen Gemeinden etablierten sich kleine Fabrik-Siedlungen -- sogenannte "Bruks" -, deren Besitzer sich nach Gutsherrenart für die Kirche im Dorf und das Wohlergehen ihrer Arbeiter verantwortlich fühlten, in der Isolation dieser kleinen Kolonien gediehen Gemeinschaftssinn und eine Mentalität, die nahtlos in den Wohlfahrtsstaat paßt.
Industrieherr Iveroth ist überzeugt: "Das alte Bruk-System steckt heute noch im Bewußtsein der Bevölkerung." Und er beschreibt, was das bedeutet: "Der Boß ist der Boß, aber er muß schon ein bißchen auf seine Arbeiter hören."
Selbst die OECD-Forscher registrieren einen "hohen Grad von Obereinstimmung in Schweden". Boshafter formuliert es wiederum Huntford: "Anderssein war in Schweden immer unerwünscht. teils Sünde, teils Krankheit" -- und damit erklärt er ein Phänomen. das christdemokratischen Schweden-Horror zu stützen scheint: Selbst jene. die Schwedens Weg als zukunftsweisend anerkennen, möchten sich an diesem Foyer des Fortschritts persönlich nicht niederlassen -- und zwar kaum. weil das Klima dort kalt und die Küche karg ist.
Diesen Schweden. denen benachbarte Dänen schon als lose Neapolitaner erscheinen, könnten sich Mitteleuropäer nur schwer anpassen. In diesem Land der Ordnung und Vernunft fehlt jenes Quentchen Unordnung. von dem der spanische Philosoph Ortega y Gasset einmal gemeint hat, es sei Phantasie. In dem Land. in dem das Gesetz viel seltener und viel weniger hart Anomalien bestraft als etwa in romanischen Staaten. wird die Freiheit des einzelnen per Akklamation der übrigen weitaus wirkungsvoller beschränkt. als es Staatsanwälte tun können.
Da mahnt in feinen Lokalen der Ober heitere Ausländer: "Meine Herren, lachen Sie bitte nicht so laut, bei uns benehmen sich so nur Betrunkene." Da geht alles, was über 18 ist, freiwillig zum Gammeldans. zum Tanz für die Alten.
Für Trinker
eine schwarze Liste.
Der gleiche Gemeinsinn, der Konflikte zwischen Individuen und Gemeinschaft weithin entschärft, trifft jenen kleinen Verkehrssünder. der bei Rot die -- leere -- Straße zu überqueren wagt: Er hat mit den finsteren Blicken der Umstehenden zu rechnen.
Obwohl Schweden in der Trinker-Statistik mit einem Alkoholverbrauch von 4,8 Litern erst an 23. Stelle der Welt steht und die etwa 50000 Alkoholiker nur 0,7 Prozent der Bevölkerung ausmachen -- in Frankreich sind es mehr als drei Prozent -, nimmt der Schwede zumindest im eigenen Land unterwürfig hin, daß der Staat ihm vorschreibt, wann und wo er was trinken darf. Alkohol wird allein in staatlichen Läden verkauft, in denen allenthalben Plakate vor Alkoholgenuß warnen.
Eine Trinkerfürsorge mit Zweigstellen in jeder Kommune kann jeden Bürger vom Alkoholbezug ausschließen -- er kommt dann auf eine schwarze Liste, die in jeder Verkaufsstelle ausliegt. Ohne Berufungsmöglichkeit kann jeder Trinker auch von dieser Behörde in eine Anstalt eingewiesen werden. Pro Jahr werden so etwa 40000 Fälle untersucht, etwa ein Fünftel davon für eine Anstaltsbehandlung vorgeschlagen -- wohlfahrtspolizeiliche Fürsorge, verhängt gegen mündige Bürger im Staat der Zukunft.
Das müsse wohl so sein, finden die meisten Schweden. "Man kann einem Mann nicht erlauben, zu trinken, soviel er will", argumentiert ein Werbemann. "Es kann ihm schaden, aber auch der Gesellschaft. Die Gesellschaft hat daher die Aufgabe, ihn vor sich selbst zu schützen."
"Die Gleichheit friert im Freien."
Die Gesellschaft schützt ihre Mitglieder, indem sie ihnen zum Beispiel vorschreibt, auf Landstraßen nicht schneller als 70, auf Schnellstraßen 90 und auf Autobahnen nicht mehr als 110 Stundenkilometer zu fahren. Alle Schweden halten sich daran -- und die meisten fahren selbst an hellen Sommertagen mit Scheinwerfer durch die Gegend, weil die Polizei mal sagte, so sei es sicherer.
Im neuen Gleichheitsprogramm der Sozialdemokraten -- ihrem Plan für die siebziger Jahre -- wird jedem Schweden "das Recht auf Arbeit" garantiert -- das durchaus in die Nahe einer allgemeinen Arbeitspflicht führen kann. Eine Direktorin der Arbeitsmarkt-Behörde: "Eine Ausbildung zu haben und nicht zu arbeiten, heißt ein Feind der Gesellschaft sein."
Genügsam finden sich die Schweden mit der Nivellierung ihrer sozialen Umwelt ab, vor allem auch ihrer Wohnverhältnisse. Eine Wohnung in den Satellitenvorstädten gleicht der anderen aufs Haar, ein Reihenhaus sieht aus wie alle, Individualismus ist verpönt.
So wirken Schweden selbst dort gleichgeschaltet, wo sie ihren Eigenbröteleien frönen, ob sie Rucksack-bewehrt den Kebriekaise, ihren höchsten Berg, erklimmen, oder angeln. Horst Krüger schilderte es in seinem "Schattenreich"-Essay so:
"Das rote Holzhaus der Volvo davor, die Gartenmöbel sind mit großer Entschlossenheit herausgerückt, obwohl es beinahe regnet. Überall ein leuchtender Sonnenschirm. ein Planschbecken für die Kinder, eine herrliche Hollywood-Schaukel, in der die Eltern sitzen. der Mann meistens mit nacktem Oberkörper, denn es ist Summertime.
Das Bild ist eine einzige Demonstration, ein überwältigender Beweis der schwedischen Egalité: die große Hoffnung Gleichheit sitzt im Freien, friert und sagt: Ferien."
Angestellte und Arbeiter feiern mehr krank.
Sicherlich wäre eine solche Gesellschaft mit Franzosen nicht zu verwirklichen. unvorstellbar für Italiener und vielleicht auch ungeeignet gegenüber rheinischer Fröhlichkeit oder schwäbischem Eigensinn.
Dennoch werden früher oder später alle Industrieländer vieles von dem anstreben müssen, was Schweden längst hat: einen Staat mit beispielhaften öffentlichen Diensten.
Insofern ist Schweden ein Modell auch und gerade für die Bundesrepublik. Ob die Westdeutschen jemals den Weg in die Wohlfahrtsgesellschaft so ohne Reibungsverluste wie die Schweden gehen können, ist freilich fraglich. Auf die Grautöne und die Langeweile. die Schweden produziert, angesprochen, antwortet Olof Palme: "Vielleicht mag das Leben zuweilen langweilig erscheinen, aber wenn jemand glaubt, das Leben weniger langweilig zu gestalten, wenn ... viele im Elend leben müssen. dann erscheint mir das ein sehr problematischer Weg. das Leben lustiger zu gestalten."
Das Paradies. in dem Arbeitnehmer und Industrielle meist einträchtig in Frieden leben, hat dennoch seine Flecken. Längst zahlt der Staat Für- und Vorsorge für die Armen aus den Taschen auch der Minderbemittelten. Fast 50 Prozent der Staatseinnahmen werden durch indirekte Steuern eingetrieben, die alle treffen.
Das System der Umverteilung "ist leider nicht zu machen ohne Preiseffekte", räumt der stellvertretende Reichsbankpräsident Sven Joge ein. So hatten die Schweden schon im vergangenen Jahrzehnt mit durchschnittlich 4,5 Prozent eine höhere Teuerungsrate als die Deutschen. 1971 -- Preissteigerungsrate 7,5 Prozent -- versuchte die Regierung es mit Sparhaushalten, sogar mit einem vorübergehenden Preisstopp.
Der Kampf gegen die Inflation aber ließ die Arbeitslosigkeit steigen -- derzeit sind 118 000 Schweden, drei Prozent der werktätigen Bevölkerung, ohne Job, während die Industrie nach Facharbeitern fahndet und Portugiesen für Arbeiten engagiert werden, die kein Schwede mehr annehmen will. In den letzten drei Jahren registrierte Schweden auch ernste Symptome eines schleichenden Unmuts der Arbeitnehmer. Auflehnung der Steuerzahler und stärkere Kritik der Kapitalisten.
In dem Land, das immer stolz auf seine niedrige Streikbilanz war, traten Ende 1969 die Kumpel der staatlichen Erzgrube in Kiruna nördlich des Polarkreises in einen wilden Streik. Sie forderten nicht nur höhere Löhne, sie protestierten gegen die mangelnde Demokratie am Arbeitsplatz und zu starken Leistungsdruck. Akademiker streikten gegen die verordnete Gleichheit.
Angestellte und Arbeiter kündigen öfter und feiern mehr krank, weil mehr Lohn ihnen nicht mehr Geld bringt -- die Steuerprogression frißt Lohnerhöhungen auf, von Sozialleistungen läßt sich"s leichter leben. Schul- und Universitätsabgänger blieben lieber arbeitslos als etwa in Fabriken zu gehen, weil ihnen Fließbandarbeit zuwider ist, ihnen mit ihrer vom Wohlfahrtsstaat bezahlten guten Ausbildung die manuelle Arbeit sinnlos erscheint.
"Die fetten Jahre sind vorbei."
Solche Ermüdungs-Erscheinungen im fast perfekten Wohlfahrtsstaat trafen zusammen mit einem Wechsel an der Spitze, der wohl mehr war als die sonst übliche Generationsablösung in der Parteiführung der SAP, seit nunmehr vier Jahrzehnten identisch mit der Führung des Staates.
Denn der intellektuelle, eher introvertierte Patriziersohn Olof Palme scheint in vielem ein Gegenteil des jovial-selbstsicheren Tage Erlander, der mit 23 Jahren Schweden länger regiert hat als irgendein demokratisch gewählter Premier irgendein anderes Land. An dem Grübler Palme, den Elends-Erlebnisse in Amerika und Asien radikal machten, entzündeten sich Gegensätze schneller und leichter als an dem Landesvater Erlander. "Mit Palme kommen wir nur schwer zurecht", klagt ein Liberaler.
Schweden-Kritiker, besonders in Deutschland, befriedigte all dies schien es doch das langgepflegte Zerrbild zu bestätigen. "Wer jetzt nach Schweden blickt", triumphierte die "FAZ", "kann nicht mehr gebannt auf den Glanz eines Beispiels schauen." Das Kölner Industrieinstitut entdeckte ein Land der "neuen Armen". "Das Musterland", so die "Welt", "gerät aus dem Lot." Der Pariser "Monde" meinte, "die fetten Jahre sind für Schweden vorbei", Londons "Financial Times" registrierte "das Ende einer Ära".
Die Schweden selbst sind sich sicher. daß nicht der Wohlfahrtsstaat schuld an der "Katerstimmung" (Wiens "Presse") sei. "Wir stoßen auf Neuland, und dabei gibt es natürlich zuweilen Schwierigkeiten". sagt Premier Palme.
Schwedens Linke wie Rechte sind sich darüber einig, daß die Schwierigkeiten nicht durch einen Weg zurück gelöst werden können. Palme: "Der Wohlfahrtsstaat ist völlig etabliert, darüber gibt es auch gar keinen Streit." Den Unmut der Steuerzahler über ihre durch Progression und Inflation im vergangen Jahr teilweise gesunkenen Realeinkommen besänftigte Palme nicht etwa durch Abbau der Staatsausgaben sondern durch eine Umschichtung der Steuerlasten. Ab 1. Januar 1973 werden nach dieser Reform die unteren und mittleren Einkommenbezieher weniger Einkommensteuer zahlen als bisher, dafür wird. die Lohnsummensteuer von derzeit zwei auf vier Prozent erhöht.
Selbst die Industriellen wollen die "Schattenseiten im Paradies" ("Newseek") nicht dem System anlasten. Volvos Pehr Gyllenhammar: "Wir haben früher als die meisten anderen Länder einen hohen Lebensstandard gehabt. Das hat neue Probleme geschaffen, aber die werden möglicherweise in zehn Jahren auch auf alle anderen europäischen Länder zukommen."
In der Tat ist offensichtlich, daß alle Industriestaaten ihre Konjunkturen künftig nicht mehr mit dem herkömmlichen Instrumentarium werden steuern können. Überall in Europa und Amerika blieb der Kampf um die Geldwertstabilität in den vergangenen Jahren nahezu erfolglos -- auch ohne Wohlfahrtsstaat.
Über die USA, die ungleich mehr als Schweden von Unlust und Unruhe ihrer Bürger wie von Arbeitslosigkeit erschüttert werden, schrieb Arthur Schlesinger: "Das Amerika von heute durchlebt die Krisen der Moderne, die Krise, die alle hochindustriellen Nationen in spätestens einer oder zwei Generationen an sich selbst erfahren werden." Es sei notwendig, so Schlesinger, "die für eine neue Gesellschaft mit hoher Technologie geeigneten Werte zu entdecken".
Und auf diesem Weg ist Schweden -- trotz seiner Schatten -- schon wieder voraus. Anders als Amerika, das große Minoritäten seiner Bevölkerung außerhalb der Gesellschaft vegetieren läßt, dessen Mittelstand und dessen Nixons von Heimweh nach dem heilen Gestern gepackt sind, scheinen die Schweden eine reelle Chance zu haben, einen Weg in die postindustrielle Gesellschaft trotz aller Schwierigkeiten zu finden -- den Weg in jene Gesellschaft, in der es nicht mehr allein nur auf das Mehr an Gütern ankommt.
Die wahren Probleme der 70er Jahre, erkannte Olof Palme, stecken im Produktionsleben selbst: "Was wir künftig brauchen, sind nicht nur neue Maschinen, sondern eine soziale Erneuerung der Produktion."
Schwedens Unternehmer, die dem jungen Premier verübeln, daß er "nicht soviel mit uns redet wie sein Vorgänger" (Iveroth), gestehen ihm immerhin zu: "Palme ist ein Mann der Visionen" (Bankier Browaldh) -- aber vielleicht braucht eine Gesellschaft im Umbruch Visionäre.
Palme selber meint:" Man braucht die Utopie, eine Fata Morgana als ständige Treibkraft" Seine Fata Morgana von der neuen Gesellschaft definiert er so: "Unsere Aufgabe ist es, nach neuen Gemeinschaftsformen zu suchen, in der alle Menschen alle Möglichkeiten haben, ihre Persönlichkeit frei zu entfalten"
Die Suche hat bereits begonnen. Als erste ihrer Branche auf der ganzen Welt schaffen die beiden schwedischen Autokonzerne Volvo und Saab die Fließband-Arbeit ab. Seit drei Jahren testen die Gewerkschaften, die bisher eine Demokratisierung am Arbeitsplatz hintangestellt hatten, Mitbestimmungsmodelle.
"Verliert man das Tempo, scheitert man auch bald."
Sie führten in einzelnen Abteilungen des staatseigenen Tabakkonzerns Svenska Tobaks Aktiebolaget vor drei Jahren bereits unterschiedliche Mitbestimmungsformen ein, mit denen geprüft werden soll, welches Modell auf die gesamte Industrie übertragbar wäre. Sie testeten dabei sogar ein Konzept, das deutschen Unternehmern immer als der Untergang des Abendlandes erscheint: In der Tobaksbolaget-Filiale im Grenzstädtchen Arvika arbeitet eine Abteilung seit Jahren nach den Prinzipien der totalen Arbeiter-Selbstverwaltung.
Die 30 Mann starke Gruppe, alles hochqualifizierte Facharbeiter, beschließen ihre Tätigkeiten, ihre Arbeitszeit, ihr Tempo und sogar ihre Vorratsbestellungen per Abstimmung. Der Vorarbeiter hat nur beratende Funktion. Tobaksbolaget-Personalchef Arne Wiel -Berggren über seine Erfahrungen mit der mitbestimmenden Truppe: "Sie haben eine außerordentlich hohe Produktivität."
Und: "Es gab bisher in all den Jahren nur eine Fehlleistung. Sie haben einmal einstimmig beschlossen, wegen eines Eishockeyspieles Schweden gegen Rußland zwei Stunden früher nach Hause zu gehen. Die nächste Abteilung hatte dann keine Vorräte mehr."
In den nächsten Jahren wollen die Schweden in der gesamten Industrie dieses oder ein ähnliches Mitbestimmungsmodell einführen. Am meisten interessiert sind die Unternehmer selbst: "Wir verstehen die ablehnende Haltung unserer deutschen Kollegen zur Mitbestimmung nicht", sagen die Herren vom Stockholmer Industrieverband. "Wahrscheinlich haben sie nicht genügend darüber nachgedacht."
Abgerundet werden soll die Demokratie am Arbeitsplatz durch Mitbestimmung der Gewerkschaften von oben. Der von den Gewerkschaften mitverwaltete Pensionsfonds ATP. in den die Unternehmer Beiträge für eine Zusatzrente ihrer Arbeitnehmer einzahlen müssen, soll künftig auch Aktien kaufen können -- ein gewaltiges Instrument, denn derzeit lagern im ATP-Fonds bereits 55 Milliarden Kronen (1980 werden es 180 Milliarden sein).
So hofft Schwedens Regierung, auf dem Weg ins postindustrielle Zeitalter voranzukommen -- immer wieder den anderen einen Schritt voraus. Immer wieder trotz aller nicht nachahmbarer Eigenarten, nicht genau vollziehbarer Strategie den deutschen Sozialdemokraten ein Beispiel, über das etwa Erhard Eppler sagt: "Wir können da ja auch aus den Fehlern lernen."
Schwedens Unternehmer gehen anders als die Deutschen bei der Zukunftsplanung durchaus mit. "Das wichtigste für die Durchführung der Reformen ist", sagt der Volvo-Chef, "daß wir weiterhin an der Spitze der Produktivitäts-Skala marschieren." Bankier Browaldh: "Ich bin Optimist." Premier Palme: "Man muß weitermachen. Man darf auch nicht das Tempo verlieren. Verliert man erst den Tritt, das Tempo, dann scheitert man auch bald."
Unvoreingenommene Beobachter -- die Experten der OECD -- sind überzeugt, daß die Schweden den Tritt halten können. Nach ihren Schätzungen werden die Nordländer trotz -- oder vielleicht wegen -- aller schon vollendeten und noch geplanten Reformen im kommenden Jahrzehnt die Produktivität ihrer Industrie jährlich um 6,1 Prozent steigern.
Das wäre die höchste Zuwachsrate aller Industriestaaten der westlichen Welt.

DER SPIEGEL 42/1972
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