20.03.1972

MINISTERStein auf Stein

Als üble Nachrede wertet der hessische Minister Werner Best (SPD) Gerüchtes er habe auf unlautere Art Spekulations-Grundstücke erworben. Freilich: Best-Boden liegt just in Zonen, die goldene Zukunft haben.
Sozialdemokrat Werner Best, 44, hessischer Staatsminister für Landwirtschaft und Umwelt, sieht sich gern als Mann der Praxis: "Ich kann pflügen, ich kann melken, ich bin Mähdrescher gefahren; alles von der Pike auf gelernt."
Und wie entschlossen der Minister mitunter zuzupacken versteht, fiel letzthin auch Hessens Christdemokraten auf: Der Landwirt und CDU-Agrarexperte Richard Bayha warf Best vor, er habe 1968 das hundert Hektar große Hofgut Bubenrod in der bei Wetzlar gelegenen Gemarkung Königsberg entgegen den Bestimmungen des Grundstückverkehrsgesetzes an Nicht-Landwirte verschoben.
In der Tat nimmt sich die Fürsorge. die der damalige Wetzlarer Landrat Best jenem Anwesen widmete, fatal aus. Dem Bubenrod-Besitzer und Best-Duzfreund Jakob Christian Schwarzentraub, der den Hof in wenigen Jahren heruntergewirtschaftet hatte (Schuldenstand Mitte 1968: 600 000 Mark), waren seinerzeit liquide Käufer zu Hilfe gekommen: Best-Freund Dr. Josef Korum, Chefarzt in Ehringshausen, Best-Freund Hans Will, Ingenieur aus Naunheim, und Best-Freund Dr. Walter Hofmann, Diplom-Volkswirt und Rechtsanwalt aus Frankfurt.
Hofmanns Drittelanteil übernahm freilich später Bests Ehefrau Ilse. Die Genehmigung dazu hatte der Landwirtschaftsminister zu erteilen. Werner Best.
"Nur als Sicherheitsübereignung" habe seine Frau "diesen Anteil übernommen", verteidigt sieh der melkmächtige Privat-Finanzier Best. Schließlich seien Darlehen und Bürgschaften für Schwarzentraub auf "mehrere hunderttausend Mark" angewachsen gewesen, und "was sollte ich denn machen, wenn die Leute auf der Haustürtreppe sitzen und jammern"?
Doch was alles Best gemacht hatte, offenbarte dann ein Gutachten des Landesrechnungshofes, das Wiesbadens Regierungschef Osswald nach der CDU-Enthüllung zur Entlastung Bests bestellt hatte. Mal als Rechtsanwalt und Notar, mal als Abgeordneter und Landrat war der praktisch veranlagte Sozialdemokrat bemüht gewesen, den bankrotten Bauernhof dem Lande Hessen zu übereignen. Best-Freund Schwarzentraub wäre dabei nicht schlecht gefahren.
Bests Amtsvorgänger und Genosse Tassilo Tröscher aber winkte damals ab, ihn störten die "wirtschaftlichen und finanziellen Manipulationen" Schwarzentraubs ebenso wie die "hohe Kaufpreisforderung" von 900 000 Mark. Und so scheiterte Bests Vorhaben, Bubenrod und den verschuldeten Gutsherrn von der überwiegend landeseigenen Nassauischen Siedlungsgesellschaft sanieren zu lassen. Vom Notariat Dr. Best beurkundet, wurde der Hof schließlich privat veräußert -- für 520 000 Mark; dem Gutsbesitzer Schwarzentraub blieb ein bescheidener Drei-Zwölftel-Anteil.
Und für die Schulden, die das Anwesen noch belasteten, fand Best -- wie SPIEGEL-Recherchen ergaben -- bald einen potenten Partner: Die Hessische Landesbank trat mit 656 000 Mark als Hauptgläubiger ein -- ein ungewöhnlich hohes finanzielles Engagement für den verlustreichen bäuerlichen Betrieb.
Ungewöhnliche Aktionen waren freilich dem Minister, der in seiner Heimatgemeinde Waldgirmes noch eine Anwaltspraxis unterhält, schon immer etwas ganz Gewöhnliches. So ließ er etwa in der Langenhainer Straße im Taunus-Flecken Weilbach einen komfortablen Bungalow mauern, ohne dazu die Baugenehmigung zu haben. Das Kreisbauamt Hoechst belegte ihn mit einer Geldbuße -- die der SPD-Politiker leichthin hinterlegte.
Unter der Herrschaft des Landrats Best lagen im Kreise Wetzlar Bauleitung und Planung für Krankenhaus, Schulen und Turnhallen fast ausschließlich bei dem Wiesbadener Architekten Heinz Stillger, zu dessen Kompagnons wiederum der Best-Vertraute Dr. Walter Hofmann gehörte -- vorübergehend Teilhaber des Hofguts Bubenrod.
Und die Verquickung von Politik und Profit, von Mandat und Mandant genierte Werner Best auch nicht, wenn etwa Bests Notariatsbüro Grundstückskaufverträge beurkundete, die er als Landrat zu genehmigen hatte.
"Sein Ruf im Kreis", so urteilt der Wetzlarer Jungsozialisten-Chef Ernst Holzer über den Parteifreund Best, "ist so, daß man ihm alle Schlechtigkeiten zutraut. Der CDU-Landtagsabgeordnete Bayha weiß von Kollegen aus Wetzlar: "Unter den Bürgermeistern des Kreises hieß es eben immer: Gehen wir doch zum Genossen Best."
Der prominente Genosse kümmerte sich wirklich um alles aufs beste, speziell aber um die Belange seiner Heimatgemeinde Waldgirmes (3000 Einwohner), die er mit Millionen-Projekten versorgte -- wie etwa einem großstädtischen Hallenbad mit 50-Meter-Bahn. Best: "Ich habe hier selbst Stein auf Stein gefügt."
Als Landrat von Wetzlar wurde Wohltäter Best Vorsitzender der SPD-Fraktion im Parlament zu Wiesbaden, nach Aufgabe des Landratspostens im Dezember 1970 Minister im Kabinett Osswald. "Wer so aktiv und erfolgreich ist wie ich", sagt Best von sich, "schafft sich zwangsläufig Neider."
Gerüchte, er habe sich im heimatlichen Landkreis als Grundstücksspekulant betätigt, wehrt der Minister denn auch als "empörende Gemeinheit" und "von Krämerkreisen genährt" ab. Best zum SPIEGEL: "Alles, was ich habe, ist aus ererbtem und verwandtschaftlichem Besitz. Ich habe keine Grundstücke, die in irgendeinem Bereich spekulativ interessant sein könnten."
Darüber aber läßt sich streiten. Denn allein im Grundbuch von Waldgirmes -- Band 50, Blatt 1866 -- sind 19 Grundstücke mit nahezu 20 000 Quadratmetern auf "Landrat Dr. Werner Best" als Eigentümer eingetragen.
Und in mehreren Nachbargemeinden wie etwa in Atzbach (Grundbuch Band 22, Blatt 786 a) gehört Best mit rund 8000 Quadratmetern zu den stillen Grundbesitzern. Ackerland gekauft hat er noch 1967 in seiner Amtszeit als Landrat -- wohl vertraut mit der Planung für Straßenbau- und Autobahnprojekte.
So steht seit Jahren fest, daß die künftige Bundesautobahn A 74 von Reiskirchen nach Montabaur Gemarkungen berührt, in denen Landwirtschaftsminister Best Höfe, Wiesen, Ackerland oder auch Forellenteiche besitzt. Wenn Georg Leber dort bauen läßt, darf sein hessischer Parteifreund daher hoffen, mit dem Bund in gute Geschäfte zu kommen.
Golden wird die Zukunft Bests auch dann, wenn das Land Hessen den Plan einer Regionalstadt Gießen-Wetzlar verwirklicht. Denn just zwischen beiden Orten liegt Waldgirmes, wo sich einst der Landrat Best reichlich mit Grund und Boden versehen hat.
Einheimische überdenken derweil schon originelle Namen für die neue Stadtzone: "Sebestopol" oder "Nowosibest".

DER SPIEGEL 13/1972
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