13.01.1960

HOHLSPIEGEL

Der Fachverband des Tabakwaren-Einzelhandels von Baden-Württemberg beschwerte sich über die Anordnung der Stuttgarter Straßenbahnen AG, wonach in den Wagen des städtischen Unternehmens nicht mehr geraucht werden darf. Der Verband erklärte, die ungerechtfertigte Maßnahme bedeute für einen Teil der Fahrgäste - nämlich die Raucher - "einen Verlust der persönlichen Freiheit".

Das "Staatliche Großhandelskontor für Kulturwaren" in Ostberlin vertreibt zum Preis von 30 Ostpfennig neuerdings die seit Jahrzehnten bekannten und bei Kindern beliebten "Wundertüten" unter der Bezeichnung "Kulturtüten". Ein Reporter der Ostberliner "BZ am Abend" stellte fest, daß die Kultur in den Tüten aus Papiertieren, bunten Bildchen und Glückwunschkarten zur Vermählung (ohne Umschlag) besteht.

Die Textilfirma Weber & Ott AG in Forchheim (Oberfranken) wünschte ihrer Belegschaft auf grünen Handzetteln "ein gutes, vor allem gesundes neues Jahr, denn Krankmachen muß reduziert werden, sonst geht unsere Krankenkasse pleite".

Ein Kuratorium für den Bau eines Altersheims in Konstanz versandte an 300 Empfänger je einen echten Zehnmarkschein und stellte anheim, ihn zu behalten oder aber vervielfacht zurückzuschicken: "Sind Sie gütig oder herzlos? Wieviel werden Sie senden?"

Die IBM Deutschland (Internationale Büro-Maschinen Gesellschaft mbH) in Sindelfingen und Böblingen (Württemberg) bediente sich des Werbefernsehens, um dringend benötigte Arbeitskräfte zu suchen.

Westberlins Verkehrsamt nahm mit Berliner Exportunternehmen Gespräche auf, um den Geschäftsbriefen eine Berlin -Werbung beilegen zu dürfen.

Der Rat des sowjetzonalen Kreises Hohenstein-Ernstthal schrieb der im Kreisgebiet lebenden Familie eines Stuttgarter Bürgers mit Bleistift auf einem elf mal fünf Zentimeter großen, von einem gebrauchten Briefumschlag abgerissenen Stück Papier, daß ein Gesuch um Aufenthaltsgenehmigung (über Weihnachten) für den Stuttgarter Angehörigen abgewiesen sei. Dem amtlichen Schreiben war eine gleichlautende Mitteilung des Rats der Gemeinde beigelegt, die mit Bleistift auf ein zehn mal 14 Zentimeter großes, mit Dienststempel versehenes Papier geschrieben war, das man von einem politischen Werbeplakat abgetrennt hatte.


DER SPIEGEL 3/1960
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