19.12.1956

SOWJETZONE / HARICHSchlag ins Genick

Am Morgen des 2. Mai 1945 - des Tages, an dem der letzte deutsche Widerstand in Berlin zusammenbrach - fuhr vom Osten her eine Kolonne von Personenwagen durch die zerstörten Straßen der Reichshauptstadt auf das Berliner Stadtzentrum zu. In diesen Wagen saßen außer einigen sowjetischen Politoffizieren die zehn Mitglieder der "Gruppe Ulbricht" - deutsche Kommunisten unter Führung des ehemaligen KPD-Reichstagsabgeordneten Walter Ulbricht, die zwei Tage zuvor mit einem Flugzeug aus Moskau in der Nähe Berlins angekommen waren.
Am nächsten Morgen drückte Walter Ulbricht dem Jüngsten dieser Gruppe, dem 23jährigen Wolfgang Leonhard, eine Liste mit Namen in die Hand. Ulbricht sagte: "Hier hast du eine Liste, besuch' mal die Leute und stell' fest, wer davon brauchbar ist." Die zehn heimkehrenden Emigranten hatten nämlich den Auftrag, in Berlin Antifaschisten ausfindig zu machen, mit denen die verwaiste Berliner Verwaltung wieder in Gang gebracht werden konnte. An erster Stelle dieser Liste stand: "Wolfgang Harich, Berlin-Dahlem, Podbielski-Allee 1."
Wieder einen Tag später, also am 4. Mai 1945, setzte sich Wolfgang Leonhard, der von Ulbricht jene Liste bekommen hatte, in einen Kraftwagen und fuhr zunächst in die Podbielski-Allee 1, um diesen Wolfgang Harich zu suchen.
Das Haus Podbielski-Allee 1 war mit siamesischen Fahnen geschmückt, um es vor marodierenden Rotarmisten als exterritorial auszuweisen. Während Ulbrichts Abgesandter Leonhard das Gebäude noch unschlüssig musterte, wurde ihm aus einem Fenster zugerufen: "Wollen Sie zu uns?" Leonhard antwortete: "Man hat mir gesagt, daß hier Herr Wolfgang Harich wohnt."
- Ja, das stimmt, kommen Sie nur herein."
Ulbrichts Emissär wurde in den ersten Stock geführt, wo ihm der Gesuchte entgegentrat: ein schlanker, damals 24jähriger Jüngling mit weichen, mädchenhaften Zügen und langen dunklen Haaren. Leonhard erläuterte, daß er dabei sei, mit antifaschistischen Kreisen Verbindung aufzunehmen, um sie für die Mitarbeit an der deutschen Verwaltung zu gewinnen, die nun ja gänzlich neu aufgebaut werden müsse.
Wolfgang Harich zeigte sich nicht sehr begeistert: "Nein, dafür hätte ich wohl kaum Interesse. Aber ich bin gern bereit, auf kulturellem Gebiet, in der Presse oder bei Studentenorganisationen mitzuwirken." Und dann verwickelte er seinen Besucher in eine gescheite Diskussion über die Probleme der Sowjet-Union. Besucher Leonhard mußte das Gespräch abkürzen, weil er auf seiner Liste noch mehrere Namen hatte. Aber er notierte sich:
Wolfgang Harich, antifaschistischer Student, gebildet, interessiert an Mitarbeit bei Kulturorganisationen, Presse oder Studentenbewegung.
Elf Jahre und sieben Monate nach diesem Gespräch teilte der Generalstaatsanwalt der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik mit, auf seine Veranlassung sei "eine Personengruppe festgenommen, die in Zusammenarbeit mit westlichen Geheimdienststellen das Ziel verfolgte, die verfassungsmäßige Ordnung in der Deutschen Demokratischen Republik zu untergraben und zu beseitigen. Anführer der staatsfeindlichen Gruppe war ein Dr. Wolfgang Harich, beschäftigt als Lektor beim Aufbau-Verlag im demokratischen Sektor Berlins."
Über Harichs Vergangenheit wurde lediglich bekanntgegeben: "Harich, der ehemals als Journalist unter anderem für die Westberliner Hetzblätter 'Tagesspiegel' und 'Kurier' tätig war, unterhielt in diesem Zusammenhang auch enge Kontakte zu dem amerikanischen Nachrichtenoffizier Josselson." Kein Wort, daß dieser Wolfgang Harich es in den Jahren, seit er in Ulbrichts Auftrag aufgetan wurde, zu einer Reihe von Ehren im kommunistischen Staat gebracht hatte.
Er war Dozent an der Ostberliner Humboldt-Universität, Chefredakteur der "Deutschen Zeitschrift für Philosophie" und überhaupt ein Paradepferd des kommunistischen Regimes: Wo immer östliche Intelligenz ihre kommunistischen Ideen im Westen verkaufen wollte, war der junge Harich mit von der Partie.
Er war - trotz seiner Jugend - wahrscheinlich der einzige Intellektuelle der sowjetischen Besatzungszone, der in der Lage war, die jetzigen Grundlagen des kommunistischen Staates, die Doktrin des eisenharten Stalinismus, in Frage zu stellen. Und er war einer der wenigen, die den Mut hatten, ihre Ideen offen zu vertreten, ohne deswegen den Machtbereich Ulbrichts zu verlassen und vom sicheren westlichen Port aus zu reden.
Er war klug genug einzusehen, was andere Kommunisten vor ihm in Polen und Ungarn eingesehen hatten: daß der Kommunismus sich hoffnungslos kompromittiert hat und daß die SED deshalb einer weitgehenden - auch personellen - Erneuerung bedarf, wenn sie aus ihrer Isolierung vom Volk herauskommen und nicht von einem Zornesausbruch ungarischen Ausmaßes zerblasen werden will.
Als in der letzten Woche der Nato -Ministerrat in Paris über die Gefahren diskutierte, die ein Volksaufstand in der Sowjetzone für den Weltfrieden heraufbeschwören könnte, sagte Außenminister Heinrich von Brentano in einer Pressekonferenz:
"Je länger die deutsche Teilung dauert, je länger diese Bedrückung und Ausbeutung der Deutschen unter Fremdherrschaft und unter einem ihnen verhaßten Regime, das in der Minderheit ist, andauert, desto länger schwelt der Aufstand unter der Decke äußerlicher Ruhe weiter. Die Verhaftung von Harich zeigt doch, daß entgegen der äußeren Ruhe unter der Oberfläche die Kräfte des Aufstandes sich bewegen. Wie weit sie gekommen sind, ob und wann sie offen und mit Gewalt ausbrechen werden, vermag niemand zu sagen."
Harich freilich wollte diesen Aufstand durch eine gelenkte Umwandlung der SED verhindern. Er wollte eine attraktive SED. Aber auch das war ein für den Westen gefährliches Geschäft. Indes, wen sie verderben wollen, den schlagen auch die roten Götter mit Blindheit: Der Generalstaatsanwalt der "DDR" begründete den Haftbefehl für Harich so: "Das politische Ziel der staatsfeindlichen Gruppe (Harich) bestand in der Restaurierung der kapitalistischen Ordnung in der DDR." Und: "Die Beschuldigten stammen samt und sonders aus Kreisen, die dem Sozialismus und der Arbeiterbewegung fremd gegenüberstehen."
Aus solchen "Kreisen" stammten auch Karl Marx, der Rechtsanwaltssohn, und Friedrich Engels, der Fabrikantensohn, ohne daß ihnen ein Kommunist daraus jemals posthume Vorwürfe machen würde. Mangels besserer Möglichkeiten mußte im Falle Harich der gleiche Umstand als Belastung herhalten.
Harich wurde - in Kreisen, die der Arbeiterbewegung allerdings fremd gegenüberstanden - am 9. Dezember 1921 zu Königsberg in Preußen geboren. Der Vater seiner Mutter war der Dr. h. c. Alexander Wyneken, der die angesehene "Königsberger Allgemeine Zeitung" verlegt, seine erste Tochter als Theaterrezensentin nach Berlin geschickt und seine zweite
Tochter dem Schriftsteller Dr. Walther Harich zur Frau gegeben hatte.
Dieser Mann, der Vater des verhafteten Wolfgang Harich, besaß nicht nur als Verfasser bedeutender essayistischer Arbeiten über Jean Paul und E. T. A. Hoffmann einen Namen, sondern hatte auch entdeckt, daß man mit Illustrierten-Romanen bedeutend mehr Geld verdienen kann. Vor seiner Ehe mit der Wyneken-Tochter war er schon einmal verheiratet gewesen, und zwar mit der Cembalistin und Pianistin Eta Harich-Schneider. Aus dieser Ehe ging
eine Tochter Susanne hervor, eine sensible Frau, die später, 1950, sie hieß nun Susanne Kerckhoff, als Redakteurin der Ost "Berliner Zeitung" Selbstmord beging, weil sie sich unter einer sozialistischen Gesellschaft etwas anderes vorgestellt hatte als das, was Ulbricht in der Sowjetzone praktiziert.
Die zweite Frau des Dr. Walther Harich und Mutter Wolfgangs, die geborene Wyneken, ist heute Sekretärin des Theaterkritikers Fritz Erpenbeck im offiziellen Ostberliner Henschel-Verlag für Bühnenliteratur.
Ende der zwanziger Jahre wohnte Schriftsteller Harich - er starb 1931 - bei Neuruppin. Schon in der Schule zeigte sich, daß Sohn Wolfgang über eine ganz ungewöhnliche Intelligenz verfügt. Bei Kriegsbeginn hörte der Abiturient an der Berliner Universität Philosophie. Der Philosoph Nicolai Hartmann, dessen Vorlesungen Harich schon als Pennäler heimlich besucht haben will, vermittelte dem jungen Mann jene systematische und methodische Art, an philosophische Probleme heranzugehen, die dem Wolfgang Harich wenige Jahre später so sehr zustatten kam. Harich sagte später von seinem Lehrer Hartmann, dessen baltischen Dialekt er kabarettreif zu parodieren verstand, der Gelehrte habe eine Natter an seinem Busen genährt.
Wolfgang Harichs Philosophiestudium währte nur zwei Semester. Sein Bestreben ging dann dahin, unter gar keinen Umständen Soldat werden zu müssen. Der junge Student glaubte, dieses Ziel am besten mit Hilfe der Japaner erreichen zu können. Die erste Frau seines Vaters, die Cembalistin Eta Harich-Schneider, die Berlin verlassen hatte und auf ihrem Wege nach Südamerika der Kriegsereignisse wegen in Tokio hängengeblieben war, verkehrte inzwischen im Hause des deutschen Botschafters in Tokio, wo auch der Sowjet-Spion Sorge aus- und einging. Eta Harich-Schneider bereicherte mit ihrem Cembalospiel die geschmackvollen Musiktees der Botschafterin. Sorge fühlte sich durch die graziöse Musikantin übrigens dazu inspiriert, in der "Frankfurter Zeitung", deren Tokioer Korrespondent er war, eine Musikbesprechung zu veröffentlichen.
War die erste Frau seines Vaters also in Tokio gelandet, so fand stud. phil. Wolfgang Harich in Berlin Kontakt mit der Japanerin Michiko Tanaka, der Gattin des Filmdarstellers Victor Kowalski, der unter dem Namen Victor de Kowa bekannter ist. Michiko Tanaka war es, die den stud. phil. Harich - etwa 1941 - bei der japanischen Botschaft in Berlin- einführte. Der junge Mann bekam dort tatsächlich eine Anstellung und arbeitete bis 1943 als eine Art Archivar in der Presseabteilung. Die Tochter des Botschafters Oschima machte er mit Sprache. Sitten und Gebräuchen Deutschlands bekannt, und weil er nun Angestellter der Botschaft einer befreundeten Nation war, wurde er zunächst UK. gestellt.
Aus dieser Zeit stammt ein Vorschlag, den Wolfgang Harich dem Auswärtigen Amt Joachim von Ribbentrops einreichte. Er schlug vor, zur Festigung der Achse Berlin-Tokio eine deutsch-japanische Zeitung zu gründen.
Im übrigen vertrieb sich der intelligente junge Mann, wenn er nicht im Archiv der japanischen Botschaft tätig war, seine Zeit sowohl mit dem Studium des Buddhismus als auch mit gänzlich privaten Abenteuern in der Berliner Gesellschaft. Später, als er unter der SED zu Amt und Würden gekommen war, interpretierte er den Genossen das philosophisch: "Ohne Klatsch und eine morbide Gesellschaft, die ihn immer mit neuem Stoff nährt, möchte ich nicht leben. Ich brauche das Hochstaplertum, um in die richtigen Sachen hineinzukommen. Ohne Hochstapelei wäre ich nie der Vertraute Michi Tanakas geworden."
Die fröhliche Zeit im Berlin der ersten Kriegsjahre ging indes 1943 zu Ende. Harich wurde zur Wehrmacht einberufen - zur Infanterie. Grenadier Harich war in Potsdam stationiert, wo er im Sommer 1944 aus einem reichlich ungewöhnlichen Grunde die Bekanntschaft des Dichters Hermann Kasack suchte.
"Sie sind doch der Tull"
Kasack hatte im Winter 1932/33 für den Berliner Rundfunk eine Kinderfunk-Hörspielreihe "Tull - der Meisterspringer" geschrieben. Hunderte von Kinderbriefen waren im Berliner Rundfunkhaus eingetroffen, die sich mit "Tulls" Abenteuern beschäftigten. Unter diesen Briefen fanden sich auch zwei von einer Gisela Harich aus Neuruppin, die davon erzählten, wie sie zusammen mit ihrem Brüderchen Wolfgang im Radio "Tull" gehört habe. Diese Kindheitsbegebenheit nahm Grenadier Harich nun zum Anlaß, den Dichter Kasack in Potsdam aufzusuchen: "Sie sind doch der Tull."
Der junge Soldat war einige Male in Kasacks Haus. Man unterhielt sich über allgemeine philosophische Fragen, und der Grenadier Harich erwies sich in diesen Gesprächen als ein besonders guter Kenner der buddhistischen Lehre. Er war Pazifist und lehnte Krieg und Wehrmacht ab. Kasack suchte sich diese Einstellung durch das aufgeschlossene Milieu des Harichschen Elternhauses und durch Wolfgang Harichs intensives Studium der indischen Religionsphilosophie zu erklären. Von einer Neigung zur sozialistischen Gedankenwelt vermochte Kasack damals nichts zu bemerken.
Nach etwa drei bis vier Besuchen im Hause Kasack kam Wolfgang Harich im Herbst 1944 plötzlich völlig verstört und aufgeregt zu dem Dichter. Er hatte ein Köfferchen in der Hand und sagte: "Ich bin eben vom Militär davongelaufen. Ich will zu meiner Mutter nach Berlin und mich dort verstecken, der Krieg muß doch bald zu Ende sein."
Grenadier Harich hatte sich gegenüber zwei, drei Leuten über die Sinnlosigkeit des Krieges geäußert und sollte nun wegen Wehrkraftzersetzung verhaftet und in ein Militärgefängnis abtransportiert werden. Es war ihm aber gelungen, davonzulaufen. Der Dichter Hermann Kasack riet dem Grenadier Harich, keine Dummheiten zu machen und freiwillig zur Truppe zurückzukehren. Der Krieg werde keineswegs so schnell zu Ende sein, wie Harich wohl annehme: "Tauchen halten Sie nicht durch." Kasack redete dem jungen Harich vor allem den Plan aus, zur Mutter nach Grunewald zu gehen: "Dort findet man Sie doch sofort, wenn nicht heute abend, dann spätestens morgen früh um fünf."
Der Grenadier Harich begab sich daraufhin zunächst einmal zu Berliner Freunden, um in Ruhe zu überlegen, was nun werden solle. Am anderen Tag hatte er die Sinnlosigkeit seines Davonlaufens eingesehen, und zwei Tage später meldete er sich bei der Truppe zurück.
Wegen Wehrkraftzersetzung wurde er dann aber doch vor ein Kriegsgericht gestellt. Daß er freiwillig zurückgekehrt wir, rechnete man ihm entlastend an, er bekam zunächst eine Gefängnisstrafe, die dann aber in sechs Wochen geschärften Arrest umgewandelt wurde. Aus dieser Episode ist dann in der Nachkriegszeit die Version entstanden, Harich sei zum Tode verurteilt gewesen und habe deswegen im Wehrmachtgefängnis Torgau eingesessen.
Bitte um Rückenschuß
Harich sollte zu einer Bewährungseinheit an die Ostfront abgestellt werden. Aber er täuschte so geschickt ein, Ischiasleiden vor, daß daraus zunächst nichts wurde. Um die Jahreswende 1944/45 suchte Harich in Straußberg bei Berlin die Familie eines Mannes auf, den er aus seiner Zeit in der japanischen Botschaft kannte, und stellte ein ungewöhnliches Ansinnen: Er hatte eine Armeepistole mitgebracht und bat man möge ihn in den Rücken schießen, an einer Stelle, die er mit Kreide an seiner Jacke markiert hatte.
Harich erzählte seinen überraschten Gastgebern, er habe diese Angelegenheit mit einem Arzt besprochen, und der Arzt habe ihm die Stelle markiert. Es könne nicht viel passieren, weil der Schuß genau an der Lunge vorbeigehen müsse. Er, Harich, wolle dann später erzählen, er sei auf der Straße überfallen und verletzt worden.
Der ehemalige Kollege aus der japanischen Botschaft lehnte diese Bitte ab, und es wäre deswegen beinahe zum Bruch zwischen den beiden gekommen, weil Harich die Weigerung "unkameradschaftlich" fand.
Mitte Januar 1945 konnte er seinen Berliner Druckposten nicht mehr länger halten. Er wurde in der Gegend von Schneidemühl an der Front eingesetzt, aber dieser Einsatz dauerte nur einen Tag. Dann mußte sich Harichs Truppenteil zurückziehen. In der allgemeinen Verwirrung gelang es ihm, sich seine Militärpapiere beim Kompaniestab zu besorgen und zu vernichten, woran ihm einiges lag, weil sie Eintragungen über seine nach militärischen Maßstäben wenig rühmliche Laufbahn enthielten, deren aktenkundiger Nachweis ihm nicht sehr lieb war. Er meldete sich bei einem anderen Truppenteil als Versprengter.
Harich schaffte es, sofort wieder nach Berlin zurückzukommen, wurde dort krank, bekam Genesungsurlaub und verschwand endgültig von seiner Truppe. Er schloß sich einer illegalen Gruppe an, die sich "Aktion Nein" nannte, weit sie durch die nationalsozialistische Parole "Kapitulation - Nein" auf die Idee gekommen war, auch hinter alle anderen an den Wänden oder anderwärts angemalten Parolen, wie etwa "Der Führer führt uns zum Endsieg", ein "Nein" zu pinseln.
In den letzten Kriegstagen lernte Harich dann auch noch eine siamesische Dame kennen, und ob es nun metaphysische oder physische Gründe hatte: Jedenfalls zog er mit ihr in die Berliner Podbielski-Allee 1. Das Gebäude verfügte freilich auch über einen Vorzug, der in jenen Tagen außerordentlich nützlich war: einen besonders stabilen und sicheren Luftschutzbunker, der in Diplomatenkreisen weithin Ruhm genoß.
Dort, in der Podbielski-Allee, wurde Harich dann am 4. Mai 1945 von dem Ulbricht-Abgesandten Leonhard aufgetan. Alsbald stürzte er sich wieder in das kulturelle und gesellschaftliche Leben, das sich zögernd, wenn auch unter neuen Vorzeichen, wieder entfaltete.
Harich fungierte als Sekretär des Schauspielers Paul Wegener, der zum Vorsitzenden der "Kammer der Kunstschaffenden" gemacht worden war. Auf diese Weise kam Harich unter anderem auch mit dem amerikanischen Offizier Josselson zusammen, der gemeinsam mit dem Sowjet-Major Otschkin und zwei anderen westlichen Majoren in der Schlüterstraße als Entnazifizierungsoffizier für deutsche Künstler residierte. Harich nahm auch einmal an einer Party bei Josselson teil, in Begleitung seiner Siamesin. Und mit der gleichen Intensität und Brillanz, mit der er sich früher über den Buddhismus unterhalten konnte, erging er sich nun in endlosen Gesprächen über Marx und Hegel.
Zwischen der buddhistischen und der marxistischen Periode Harichs hatte allerdings eine ganz kurze katholische gelegen. In einem Streitgespräch des Berliner Rundfunks in jenen ersten Nachkriegszeiten vertraute er dem Mikrophon an: "Die katholische Auffassung ist immer und stets die allein maßgebliche gewesen, nicht nur für mich, sondern an sich überhaupt."
Bald wohnte Harich nicht mehr in der Podbielski-Allee, sondern bei einer Amerikanerin in Berlin-Dahlem, die bei der amerikanischen Militärregierung angestellt war und gewisse kommunistische Tendenzen zeigte.
Um diese Amerikanerin scharte sich ein Kreis politisch unzufriedener amerikanischer Besatzungsangehöriger, die mit dem Kommunismus sympathisierten. Der Kreis flog bald aus politischen Gründen auf. Die Amerikanerin zog weg, und Harich bewohnte dann eine Etage des Hauses allein. Er hatte im Feuilleton der französisch lizenzierten Abendzeitung "Der Kurier" mitzuarbeiten begonnen, und als sich 1945 in Berlin der kommunistisch inspirierte "Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands" konstituierte, hielt Wolfgang Harich als "Vertreter der Studentenschaft" eine Begrüßungsrede.
Die Nagaika der Partei
In jenen ersten Nachkriegsmonaten war in Berlin noch nicht recht zu sehen, von welcher Art der Sozialismus - und Kommunismus - sein würde, den zu praktizieren unter sowjetischer Herrschaft möglich war. Denn es waren Leute sehr unterschiedlichen Charakters, die unter dem Schutz der siegreichen Roten Armee aus der Emigration nach Berlin zurückkehrten, um das neue politische und kulturelle Gesicht der Stadt zu prägen.
Da waren jene harten Berufsrevolutionäre der alten kommunistischen Garde, die nach 1933 Deutschland verlassen mußten, reine Apparatschiks. Aber es gab auch etwas selbständiger denkende Köpfe, es gab vierschrötige Draufgänger mit wenig Gehirn und es gab eiskalte Intellektuelle, die vor Jahrzehnten aus Trotz gegen die bürgerliche Welt zur Roten Fahne geeilt waren. Inzwischen waren alle - die Apparatschiks und die Intellektuellen - alte Gladiatoren geworden, Männer ohne Illusionen, denen die Nagaika der Partei oft genug die Haut gegerbt hatte.
Die meisten von ihnen hatten Deutschland bald nach 1933 verlassen; der spanische Bürgerkrieg zog sie zu den Internationalen Brigaden. Danach zerstob der. Rest der Altgardisten nach West und Ost. Die einen waren in England, in Mexiko, in der Schweiz, in China oder in deutschen Konzentrationslagern, die anderen in der Moskauer Emigrantenkolonie gelandet.
Die erste Gruppe, die wieder deutschen Boden betrat, war die "Gruppe Ulbricht" gewesen. Dann folgte mit dem zweiten Trupp der im Moskauer Marx-Engels -Lenin-Stalin-Institut geschulte Parteitheoretiker Eugen Hanisch, genannt Anton Ackermann, der vor 1933 in der Berliner KPD eine führende Rolle gespielt hatte - ein schlanker mittelgroßer Mann mit offenem Gesicht, der während des Krieges den Moskauer Propagandasender "Freies Deutschland" geleitet hatte. "Ackermann war der klügste Kopf" der Moskauer Rückkehrer, lobte ihn Wolfgang Leonhard*.
Im Juni 1945, als die dritte Moskauer Gruppe mit dem schon damals recht senilen Wilhelm Pieck in Berlin eintraf, gaben die russischen Politoffiziere den Rückkehrern das Zeichen, wieder eine kommunistische Partei in Deutschland zu gründen. Wilhelm Pieck hatte den von den Sowjets genehmigten Gründungsaufruf der neuen KPD mitgebracht. Darin hieß es:
"Wir sind der Auffassung, daß der Weg, Deutschland das Sowjet-System aufzuzwingen, falsch wäre, denn dieser Weg entspricht nicht den gegenwärtigen Entwicklungsbedingungen in Deutschland. Wir sind vielmehr der Auffassung, daß die entscheidenden Interessen des deutschen Volkes in der gegenwärtigen Lage für Deutschland einen anderen Weg vorschreiben, und zwar den Weg der Aufrichtung eines antifaschistischen, demokratischen Regimes, einer parlamentarisch demokratischen Republik mit allen demokratischen Rechten und Freiheiten für das Volk." In den zehn Punkten des neuen KPD-Programms wurden die Worte Marxismus und Sozialismus überhaupt nicht erwähnt.
Unter dem Gründungsaufruf standen sechzehn Namen. Den Unterschriften Wilhelm Piecks, Walter Ulbrichts und Anton Ackermanns folgte der Name des späteren Ulbricht-Widersachers Franz Dahlem, des einstigen Führers der Westemigranten in Frankreich, der sich nach der Spanientragödie nicht hatte entschließen können, befehlsgemäß nach Moskau zu kommen. Dahlem war später der Gestapo in Frankreich in die Hände gefallen und ins KZ -Lager Mauthausen geworfen worden.
Wartet ab, Genossen
Außer den vier Altgardisten hatten noch zwölf weitere Altkommunisten den Gründungsaufruf unterschrieben. Die Rangfolge war nicht unwichtig. Praktisch zählten aber nur die ersten vier Namen. Der einzige, der den vorsichtig abgewogenen Text des KP-Gründungsaufrufs halbwegs ernst nahm, war Anton Ackermann, während Ulbricht nur zynisch grinste, wenn ihn die einfachen Genossen in Berlin nach dem neuen Weg fragten, den die Partei in der Wildnis des materiellen, physischen und moralischen Zusammenbruchs einzuschlagen gedenke: "Wartet nur ab. Ihr werdet das schon bald merken, Genossen."
Ulbricht gab mehrere Jahre später eine Broschüre heraus, die den Titel trägt: "Die Legende vom deutschen Sozialismus." Darin rechnet er mit dem nationalen Sozialismus ab. Damals aber - 1945 - entstand in der Agitprop-Zentrale der neuen KPD oder genauer: in der Luxusvilla in Niederschönhausen, in der Ackermann Quartier genommen hatte, eine andere Legende - die Legende vom besonderen nationalen Weg zum Sozialismus marxistischer Provenienz.
Im Herbst 1945, als die kommunistische Garde sich angesichts ihres mangelnden Kredits bei der Bevölkerung nach einem bündnisfähigen Partner umsah und die Zwangsvereinigung mit der SPD vorbereitete, entwarf der Parteitheoretiker Ackermann ein Manifest, das zwei Jahre lang als parteitheoretisches Grundsatzprogramm diente. Die Quintessenz dieses Manifestes, das im Februar 1946 in der neu gegründeten ideologischen Zeitschrift "Einheit" veröffentlicht wurde, lautete:
- Friedliches Hineinwachsen in den Sozialismus unter den in Deutschland gegebenen Bedingungen und keine blutige Revolution.
Ackermann schrieb: "Entwickelt sich die antifaschistisch-demokratische Republik als ein Staat aller Werktätigen unter Führung der Arbeiterklasse, so ist der friedliche Weg zum Sozialismus durchaus möglich ... Beim Übergang zur sozialistischen Umwälzung werden sich die starken Besonderheiten der historischen Entwicklung unseres Volkes, seine politischen und nationalen Eigenheiten, die besonderen Züge seiner Wirtschaft und Kultur außerordentlich stark ausprägen ... In diesem Sinne müssen wir einen besonderen deutschen Weg zum Sozialismus unbedingt bejahen ..."
Ackermanns nationalkommunistische Thesen erleichterten die Vereinigungsgespräche mit den Sozialdemokraten, nachdem die russischen Politoffiziere dafür gesorgt
hatten, daß alle Einheitsfeinde aus den Vorständen der SPD entfernt worden waren. So kam es Ostern 1946 zu dem Vereinigungsbeschluß - die neue sowjetzonale Staatspartei, die SED, war geboren.
Wenige Monate später, im September 1946, nahm die SED-Führung sogar zur Frage der deutschen Ostgrenze noch im deutschen Sinne Stellung. Damals durfte das aus der SPD hervorgegangene Mitglied des Zentralsekretariats Max Fechner öffentlich erklären, "daß die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands sich jeder Verkleinerung deutschen Gebiets entgegenstellen wird. Die Ostgrenze ist nur provisorisch und kann erst auf der Friedenskonferenz unter Mitwirkung aller großen Siegerstaaten endgültig festgelegt werden."
Kein Wunder, daß angesichts solcher Thesen die jetzigen Bonner Bundesminister Kaiser und Lemmer glaubten, unter sowjetischer Kontrolle arbeiten und mit der Sowjetzonen-CDU einigermaßen freiheitlich lavieren zu können. Der erste Chefredakteur der "Neuen Zeit", des Organs der Sowjetzonen-CDU, war sogar ein Erzfeind jedes Totalitarismus; Rudolf Pechel, der Herausgeber der "Deutschen Rundschau".
Intellekt auf zwei Beinen
Von Rudolf Pechel stammt ein Porträt des Wolfgang Harich jener Tage. Pechel schrieb damals: "Ich erblickte ein kleines zierliches Männchen von 23 Jahren, einen Jüngling zwischen Konfirmation und Portokasse, körperlich ein wandelndes Diminutiv ...
"Harich ist zweifellos ein Phänomen an Intellekt. Er hat eine weit über seine Jahre hinausgehende Fähigkeit, allen und jeden Wissensstoff, der ihm mühelos zufliegt, ohne ihn durch redliche Arbeit sich erwerben zu müssen, sich anzueignen und mit ihm virtuos zu arbeiten. Störend waren gelegentliche grobe Taktlosigkeiten des Herzens, aber ich bin nun einmal kinderlieb und stellte das gegenüber einer fast genialischen intellektuellen Begabung nicht weiter in Rechnung. Erhofftes Reifwerden würde ja hier schon Wandel schaffen ...
"Sein Wesen, der Cocktail seiner Eigenschaften, ist schlecht gemixt: Er verfügt nur über eine ganz dünne menschliche Substanz. Er ist sozusagen ein reiner Intellekt auf zwei Beinen, eine Art Homunculus. In leichteren Fällen entsteht so ein Genie im Rechnen oder ein Schachmeister, in schwereren ein politikasternder Feuilletonist - eben ein Harich ... Er braucht wie alle Substanzlosen einen Gegner, an dem er sich reiben kann, und das führt ihn dann zu intellektuellen Lustmordversuchen. Alles in allem von amüsanter Bösartigkeit, ein genialisch-intellektuelles Wunderkind."
Ein solches Wunderkind mußte im kommunistischen Kulturbetrieb natürlich Chancen haben. Harich sagte damals vertrauten Freunden, man müsse sich jetzt offen entscheiden, entweder für die Sowjet-Union oder für Amerika. Für die SPD hatte er nichts als Verachtung. Sie sitze zwischen den Stühlen und könne doch offenbar weder im Westen noch im Osten Einfluß gewinnen oder die Regierung übernehmen. Harich wurde Theaterkritiker bei der sowjetamtlichen "Täglichen Rundschau". Seine Entscheidung war gefallen.
Aus dem November 1946 datiert jene Episode, die den neuen Kritiker der "Täglichen Rundschau" einem breiteren Publikum bekannt machte. Die Schauspielerin Käthe Dorsch spielte damals im Ostberliner Deutschen Theater in dem amerikanischen Rührstück "Eine Familie", einer Übertragung der Heiligen Familie in das amerikanische Alltagsdasein. Schrieb Harich in der "Täglichen Rundschau":
"... Maria im seelischen Reformkleid mit Mütterkreuz, die ihren Enkeln Hosenträger festnäht und wiederholt Kuchen backt. In diesem biblischen Alt-Heidelberg spielt Frau Dorsch mit Lust die Kathi (alias Maria). Sie ist hold auf Sexappeal geschminkt, schwenkt entweder jugendlich daher oder stellt - von blauen und roten Tüchern umwallt - Madonnenbilder, wie es sie sonst nur auf Buntdruckpostkarten zu sehen gibt."
Käthe Dorsch fuhr in den Ostberliner Künstlerklub "Die Möwe", wo sich Harich aufhielt, ließ den Kritiker vom Ober in den Vorraum rufen, sagte: "Damit Sie sehen, wie gut ich schwenken kann" und gab dem Wolfgang Harich eine Ohrfeige. Seine Brille lag am Boden. Harich eilte der Dorsch nach: "Aber, gnädige Frau, ich habe doch ...". Sie drehte sich auf dem Absatz um: "Haben Sie noch nicht genug?" Dann gab sie ihm noch eine Ohrfeige. Der Kritiker riß die "Möwen" -Tür auf: "Bitte sehr, gnädige Frau!" - - Harichs Widerstand gegen den Westen
manifestierte sich zuweilen auf kuriose Weise. Während der 1948er Blockade der Berliner Westsektoren durch die Sowjets
- Harich bewohnte immer noch eine Etage des Hauses jener Amerikanerin in Westberlin - hatte er einen Elektriker an der Hand, der in der Lage war, die Zähler des Elektrizitätswerkes zu überbrücken, so daß man den damals in Westberlin streng rationierten elektrischen Strom unbegrenzt aus den Leitungen entnehmen konnte.
Harich empfahl den Elektriker allen seinen Freunden mit dem ernsthaft vorgebrachten Argument, man müsse den Westberliner Senat schädigen, wo nur irgend möglich, selbst auf dem Gebiet der Stromversorgung.
Bekenntnis beim Maskenfest
Trotz seiner Bindungen an die "Tägliche Rundschau" der Sowjets verschloß sich Harich westlichen Freuden nicht. Beim Maskenfest eines Westberliner Pressephotographen in Wilmersdorf tanzte er mit Hannelore Schroth und schrieb ihr am nächsten Tag: "Ich lebe nur noch für Stalin und für Dich." Seine Versuche, die Filmdarstellerin zum Kommunismus zu belehren, waren von dem Erfolg gekrönt, daß Hannelore Schroth sich mit Mutter Käthe Haack und dem ganzen Künstleranhang verfeindete.
Harich selbst sprach zuweilen über dieses Intermezzo. Die Selbsterkenntnis, daß "einer meiner Fehler zum Beispiel darin besteht, daß ich über gewisse Menschen, an sich nicht gerade wertlose, die Schale dem maßlosen Spotts und Zorns ausgieße", war damals für ihn noch kein Schritt zur Besserung.
Eins konnte ihm freilich auch sein schärfster Kritiker nicht absprechen: Seine imponierende Kenntnis der deutschen Philosophie und Literatur, die weit über das Normale selbst eines Fachmannes hinausgeht. Er gehört zweifellos zu den wenigen mitteldeutschen Marxisten, die in der Lage sind, auf diesem Gebiet eine in sich schlüssige Stellung zu beziehen.
Zwei Westberliner Philosophieprofessoren, die öfter Gelegenheit hatten, mit Harich zu diskutieren, stellen ihm das Zeugnis aus, er rage unter der jüngeren Ostintelligenz haushoch hervor. Er sei freilich in einer bei Philosophie-Adepten wohlbekannten, kindlich-fanatischen Mentalität befangen, die seiner Intelligenz Scheuklappen anlege. Typisch hierfür sei sein eindringlicher Glaube an den utopischen Kommunismus, wobei er nicht erkannt habe, daß es sich dabei nicht um ein theoretisches Gedankengebäude, sondern im Gegenteil um ein Programm für die Praxis handele.
Das Nur-Theoretische seiner Formulierungen hat dem Wolfgang Harich in philosophischen Diskussionen, die er in Westberlin und Westdeutschland mit Wonne immer wieder führte, das Air des Missionarischen gegeben. Es wirkte immer, als ob er gekommen sei, um für den theoretischen Kommunismus zu werben. Er fand es einfach unverständlich, daß so gescheite und vernünftige Menschen wie seine Gesprächspartner nicht Kommunisten seien. 1948 erhielt Harich dann auch einen Lehrauftrag für marxistische Philosophie an der Ostberliner Humboldt-Universität.
Im selben Jahre 1948 brach Titos Jugoslawien aus dem Ostblock aus, und das inzwischen neugegründete Informationsbüro der Kommunistischen und Arbeiterparteien (Kominform) stellte fest, "daß die Gruppe Tito einem kleinbürgerlichen Nationalismus unterlegen ist und einen besonderen jugoslawischen Weg" eingeschlagen habe, der darauf hinauslaufe, "das große sowjetische Beispiel zu mißachten".
In jenen kritischen Tagen des Jahres 1948 - als man im Ostberliner Parteipalast der SED, davon erfuhr, daß auch der polnische Parteichef Gomulka ähnlichen Tendenzen anhing - drängte sich Ulbricht, der sich bis dahin weniger um Parteitheoreme und mehr um planökonomische Tifteleien gekümmert hatte, als ideologischer Linienrichter in den Vordergrund.
Tiefer als jeder andere Stalinist verbeugte sich Ulbricht vor Stalins Thron, und lauter als jeder andere Satrap des Kreml verfluchte Ulbricht den Tito und schleuderte schon damals derbe Kritik gegen Gomulka.
Das Verhältnis zwischen Pankow und Warschau war nie sehr innig gewesen. Die Spitzenfunktionäre aus dem Parteipalast der SED vertrugen sich viel besser mit den tschechoslowakischen Kommunistenführern als mit den polnischen Genossen. In Warschau mißtraute man vor allem Ulbricht, weil man befürchtete, daß sein Kotau vor Stalin den Alten im Kreml eines Tages veranlassen könnte, die von Polen besetzten ostdeutschen Gebiete der "DDR" zuzuweisen, um der vielgeschmähten SED zu einer besseren politischen Plattform gegenüber Westdeutschland zu verhelfen.
Alle Macht den Räten
Auch im eigenen Hause wachte Walter Ulbricht über die ideologische Linientreue. Der Parzival des "deutschen Sonderweges", Anton Ackermann, mußte sich Ulbricht und der Moskauer Direktive beugen. Ackermann hatte nicht das Rückgrat eines Gomulka, geschweige denn eines Tito, und schwor allen nationalkommunistischen Tendenzen ab. Das Parteiblatt "Neues Deutschland" verbreitete in seinem Namen die Erklärung: "Die Theorie von einem besonderen deutschen Weg zum Sozialismus hat sich als unbedingt falsch und gefährlich erwiesen ... Das ist die einzige Schlußfolgerung, zu der ich nach reiflicher Prüfung gelangen konnte."
Als Parteitheoretiker war Ackermann unmöglich geworden. Da er aber zu den in Moskau Gesalbten und nicht zu den Ulbricht erst recht verhaßten Westemigranten gehörte, bekam er einen Posten, der ihn freilich stark kompromittierte. Ackermann wurde Staatssekretär im sowjetzonalen Außenministerium* und zeichnete in dieser Funktion mitverantwortlich für die Warschauer Erklärung vom 6. Juni 1950, in der die Oder-Neiße-Grenze ausdrücklich von der "DDR"-Regierung als endgültig anerkannt wurde. ("... beseelt von dem Wunsch, den Frieden zu festigen und das Friedenslager zu stärken ...")
Walter Ulbricht hatte sich inzwischen zum uneingeschränkten Diktator über den Partei- und Staatsapparat aufgeschwungen. Auf der 13. Tagung des Parteivorstandes am 16. September 1948 verkündete er die neuen Grundsätze für die Umwandlung der SED in eine straffe, Stalin völlig ergebene Kaderpartei, die sich von jeder nationalen Eigenständigkeit distanzierte, die Theorie vom friedlichen Hineinwachsen in den Sozialismus über Bord warf und den bürgerlichen Parteien der Zone den schärfsten Kampf ansagte.
"Manche glaubten an einen 'besonderen deutschen Weg', der wahrscheinlich in der Abschwächung des Klassenkampfes und in einem friedlichen Hineinwachsen in den Sozialismus bestehen sollte", so grollte Ulbricht. "Aber im Gegensatz zu dieser Auffassung hat sich der Klassenkampf verschärft."
Um den Klassenkampf zu schüren und die abgestumpfte Bevölkerung aufzuhetzen, entfachte Ulbricht mit Hilfe seines treu ergebenen Freundes, des damaligen Chefs der Zentralen Kontrollkommission, Fritz Lange, eine großangelegte Kapitalistenjagd in Sachsen. Privatunternehmer der Textilindustrie, Schuhfabrikanten und Großhändler wurden bei Nacht und Nebel aus den Betten geholt und wegen relativ geringer Warenhortungen zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt; ihre Betriebe wurden enteignet. So demonstrierte Ulbricht den verstärkten Klassenkampf.
Aber auch die Partei bekam die Kursschwenkung zu spüren. Schulung und Schnüffelei waren die Instrumente der neuen Kaderpolitik des immer mächtiger werdenden "Genossen Zelle", wie Ulbricht wegen seiner Organisationswut schon vor 1933 von kommunistischen Funktionären genannt wurde.
Unwillig beobachteten viele Parteivorstandsmitglieder den Machtzuwachs des sächselnden Zonendiktators, der die Kohorten der Partei schurigelte und keinen Unterschied machte zwischen altgedienten Rabauken und Parteikandidaten. Mitunter schien er eine Schwäche gerade für junge Leute zu haben, wenn wie sklavisch auf seinen Kurs schworen.
Es lag durchaus in seiner demagogischen Art, Intellektuelle zu hätscheln und an den Busen der Partei zu drücken, obschon Ulbricht nicht frei war von dem jakobinerhaften Mißtrauen aller revolutionären, Praktiker, die in einer gewissen Haßliebe zur Intelligenzschicht stets fürchten, daß man sie eines Tages hereinlegt.
Ulbrichts herrschsüchtige Art, die keinen Widerspruch duldet, und seine knechtische Unterwürfigkeit gegenüber der sowjetischen Befehlszentrale brachten selbst alte Vorstands- und Politbüromitglieder gegen ihn auf.
Aber Ulbricht schlug zurück, bevor die Verschwörung um sich griff. Ersorgte dafür, daß von den vierzehn Mitgliedern des ersten Zentralsekretariats der SED, das auf dem Vereinigungsparteitag 1946 gewählt worden war, im Laufe weniger Jahre zehn Mitglieder abgesetzt, degradiert, teilweise sogar "als Parteifeinde entlarvt" und aus der SED ausgeschlossen wurden. Aus der mehrschichtigen Gruppe seiner intimsten Widersacher brach er zunächst den heraus, der am leichtesten anzugreifen war: Paul Merker, Mitglied des Politbüros und Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium der "DDR".
Merker, von Beruf Kellner, war schon vor 1933 im Parteivorstand Gegenspieler Ulbrichts gewesen. Als Mitglied der Gewerkschaftsabteilung des Parteivorstandes berief sich Merker sehr oft auf die Parteiveteranin Rosa Luxemburg, die in weiser Voraussicht der Schwächen des Sowjetstaates geschrieben hatte:
"Mit dem Erdrücken des politischen Lebens im ganzen Lande muß auch das Leben in den Sowjets immer mehr erlahmen. Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse- und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution, wird zum Scheinleben, in dem die Bürokratie allein das tätige Element bleibt ...
"Einige Dutzend Parteiführer voll unerschöpflicher Energie dirigieren und regieren ... Und eine Elite der Arbeiterschaft wird von Zeit zu Zeit zu Versammlungen aufgeboten, um den Reden der Führer Beifall zu klatschen, vorgelegten Resolutionen einstimmig zuzustimmen, im Grunde also eine Cliquenwirtschaft - eine Diktatur allerdings, aber nicht die Diktatur des Proletariats, sondern die Diktatur einer Handvoll Politiker ... im Sinne einer Jakobinerherrschaft."
Daß Merker kein ausgesprochener Freund der Sowjetrussen war, zeigte sich nach der Spanientragödie, als die meisten deutschen KP-Emigranten am Scheidewege standen und sich fragten: Ost oder West? Merker entschied sich für Mexiko, und gleich ihm fuhren dorthin die Schriftsteller Ludwig Renn, Bodo Uhse, Egon Erwin Kisch, Alexander Abusch und Anna Seghers. Merker und seine Intellektuellengruppe verschmähten es, Anschluß bei den Moskowitern zu suchen, die sich darum bemühten, die Versprengten zu sammeln und aus der selbstgewählten Isolierung in die Bannmeile des Kreml zu lotsen.
Je länger Merker und seine Freunde der zentralen Befehlsgewalt entrieten, desto liberaler wurden ihre Ansichten. Der Gegensatz zwischen Stalinisten und Stalingegnern unter den deutschen Emigranten war schon 1944 - während der Debatten über die Kollektivschuld des deutschen Volkes am Nazismus und am zweiten Weltkrieg - überdeutlich.
Merker war Mitherausgeber einer Zeitschrift "Freies Deutschland", die sich gegen die These von der Kollektivschuld des deutschen Volkes wandte, eine These, die von der offiziellen Sowjet-Propaganda zur Rechtfertigung der bevorstehenden Revanche mit Eifer verbreitet wurde. So kam der an sich farblose Merker später in den Ruf, Antistalinist zu sein, obwohl er eigentlich als politischer Kopf gar keine Bedeutung hatte. Er war nur der Vordermann der Intellektuellen, die sich hinter seinem- breiten Rücken verschanzten und in Merkers Zeitschrift ihre Giftpfeile abschossen.
Im Herbst 1946 kehrte Merker mit seiner Intellektuellenschar auf einem sowjetischen Frachter nach Deutschland zurück. Mißtrauisch nahm ihn Ulbricht in den neuen Führungselan auf und übertrug ihm die Leitung der Gewerkschaftsabteilung des Zentralsekretariats.
Merker hatte nun die undankbare Aufgabe, die Unzufriedenheit der Arbeiter in den volkseigenen Betrieben zu besänftigen. Dazu fehlte ihm aber jegliches Redetalent. Er war in der Sonne Mexikos feist und bequem geworden und sah sich Problemen gegenüber, von denen er vor 1933 nichts geahnt hatte.
Damals hatte Merker eine konstruktive Idee entwickelt vielleicht die einzige in seinem Leben - sie kommt heute in Polen, Jugoslawien und Ungarn zu Ehren: Er vertrat die Auffassung, daß im Fall der roten Machtübernahme, auf die sich die Kommunisten damals in den stürmischen Wahlkämpfen vorbereiteten, in allen Betrieben Arbeiterräte als Kontroll- und Selbstverwaltungsorgane eingesetzt werden müßten, "denn die Betriebe gehören dann doch den Arbeitern", so argumentierte Merker, "also müssen sie auch die Betriebsführung direkt übernehmen, getreu der Losung Lenins: 'Alle Macht den Räten!'"
Merker hatte übersehen, daß diese Losung selbst für Lenin nur so lange opportun gewesen war, wie die Bolschewisten noch nicht den Regierungsapparat fest in der Hand hatten. Nach der Machtübernahme und erst recht während der Stalin -Ära wurden die Räte (Sowjets) zunehmend in Instrumente der neuen Oberschicht aus Parteifunktionären, Offizieren und technischer Intelligenz verwandelt.
Genauso sah auch die Kopie des Sowjetregimes in der Sowjetzone aus: In den volkseigenen Betrieben der "DDR" regierten die Vertreter der neuen herrschenden Klasse, die Parteibürokraten, die nur darauf bedacht waren, rücksichtslos die von Ulbricht und der sowjetischen Kontrollkommission diktierten Plan- und Reparationsauflagen zu erfüllen.
Zu offener Kritik fehlte Merker der Mut, und seine intellektuellen Freunde aus der mexikanischen Emigrationszeit, die weitab von der Moskwa und von der Panke so oft kritische Artikel geschrieben hatten, wagten jetzt kein lautes Wort gegen Ulbricht.
Den unzufriedenen Paul Merker dirigierte Ulbricht schließlich als Staatssekretär in das Landwirtschaftsministerium, damit er sich in diesem undankbarsten aller sowjetzonalen Ministerien erst recht in die Nesseln setzte. Im August 1950 war Merker dann reif für das Scherbengericht. Dabei kam Ulbricht der Verfolgungswahn Stalins zugute - Merker und weitere Westemigranten gerieten in den Sog des Budapesters Rajk-Prozesses. Merker wurde parteioffiziell als "amerikanischer Agent" und "Versöhnler" gebrandmarkt und aus der SED ausgestoßen. Er mußte froh sein, daß man ihm noch ein leidliches Verbannungs- und Bewährungsasyl - das HO-Restaurant Turmeck in Luckenwalde - anwies, wo Merker wieder in seinem alten Beruf als Kellner arbeiten durfte.
Zwei Jahre lang ließ man ihn ungeschoren. Als dann Stalin gegen die Zionisten zu Felde zog, erinnerte sich Ulbricht, daß Merker Jude ist und während der Mexiko -Jahre Mitglieder für die zionistische Loge "Menorsh" geworben hatte. Eines Tages durfte der behäbige Paul Merker keine Bockwürste mehr im HO-Turmeck servieren - der Staatssicherheitsdienst transportierte ihn ins Gefängnis. Diesmal war es sehr ernst: Jetzt war für den herzkranken Mann die Sonnenfinsternis gekommen - er sollte seine "parteiverräterischen Verbindungen" zu dem angeblichen amerikanischen Agenten Noel Field offenlegen.
Der amerikanische Kommunist Noel Field hatte während des zweiten Weltkrieges - gemeinsam mit seiner Frau Herta und seinem Bruder Hermann - in der Schweiz ein Emigrantenhilfswerk, das sogenannte Unitarian Service Comittee, gegründet und Verbindung zu prominenten KP-Funktionären aufgenommen, darunter auch zu Merker. Noel Field, der für den sowjetischen Geheimdienst arbeitete, wurde während des Krieges im Auftrag der Sowjets auch für den strategischen Geheimdienst des in der Schweiz operierenden amerikanischen Abwehrchefs Allen W. Dulles tätig. Als die Amerikaner hinter Fields Auftrag kamen, ließen die Sowjets ihren eigenen Mann in Prag festnehmen. Merkers Verhaftung ließ dann nicht mehr lange auf sich warten.
Ein deutscher Gomulka?
Die intellektuellen Paradepferde des Regimes aber, die sich schon in Mexiko hinter Merker versteckt hatten, konnte Ulbricht nicht gut auch noch sämtlich festsetzen. Sie - und mit ihnen der intellektuelle Nachwuchs wie Wolfgang Harich - schienen zunächst auch einigermaßen ungefährlich für die Partei. Harich war 1949 Professor geworden, nachdem er einen Halbjahreskursus an der SED-Parteihochschule absolviert hatte. Er wurde Chefredakteur der "Deutschen Zeitschrift für Philosophie" und Lektor beim Aufbau -Verlag, wo er eine Heine-Ausgabe neu herausgab. Unter den Studenten konnte der junge Professor freilich zunächst keine Popularität gewinnen. Seine Vorlesungen waren zwar gedankentief, aber häufig etwas sehr abstrakt.
Harich und seine sowjetzonalen Philosophenkollegen trieben in ihrem elfenbeinernen Turm philosophische Haarspaltereien und legten den Marxismus aus. Mit derselben Eleganz, mit der Harich allezeit seine privaten Probleme gelöst hatte, entwirrte er philosophische. Es war nicht überraschend: Diese Weltanschauung bot seinem Gehirn für den über alles geliebten Denk-Sport weit mehr Material als Buddhismus und Katholizismus zusammengenommen.
Dann aber kam ein Ereignis, das den abstrakten Philosophen entscheidend wandelte: der 17. Juni 1953, das Lehrstück für alle kommunistische Welt, dessen Lehre besagte, daß der stramme Kurs der Diktatur nicht für alle Zeiten durchgehalten werden kann, auch unter den Bajonetten der Besatzungsmacht nicht.
Kurz nach dem 17. Juni protestierte Wolfgang Harich in einem Artikel des Kulturbund-Organs "Sonntag" gegen all das, was in den Jahren seit 1948 geschehen war. Es schien, als habe er bis dahin vom Zonen-Alltag überhaupt nichts bemerkt. Nun aber kam in seiner "Deutschen Zeitschrift für Philosophie" immer häufiger ein Mann zu Wort, als dessen Schüler sich Harich heute bezeichnet: der ungarische kommunistische Literaturphilosoph Georg Lukács.
Lukács formulierte seine Auffassung selbst einmal so: "Je menschlicher wir den Sozialismus aufbauen ... um so mehr dienen wir auch dem endlichen Sieg des Sozialismus im internationalen Maßstab ... Wenn es uns gelingt, den Sozialismus anziehend zu machen, dann wird er für die Massen kein Schreckgespenst mehr sein; ich denke nicht an die kleine Gruppe der imperialistischen Kapitalisten; für sie wird die Enteignung immer ein Horror sein. Aber seien wir ehrlich: Es gibt im Westen noch zahllosei Arbeiter: die vor dem Sozialismus in seiner heutigen Form, zurückschrecken, nicht zu reden von der großen Masse der Bauernschaft und der Intelligenz, deren Abneigung, deren schreckhafte Reaktion durch Taten, durch richtige Erläuterung und Propaganda des echten Marxismus sehr wohl aufgehoben werden kann."
Wolfgang Harich brachte in der "Deutschen Zeitschrift für Philosophie" so oft es ging Beiträge aus der Feder von Lukács. Schon 1954 wurde Harich wegen seiner ideologischen Abweichungen gerüffelt. Damals rechnete der Professor Dr. Rugard -Otto Gropp von der Karl-Marx-Universität in Leipzig mit Harichs "Deutscher Zeitschrift für Philosophie" ab:
"In der 'Deutschen Zeitschrift für Philosophie' hat eine Richtung das Übergewicht, die sich gegen die Philosophie stellt, indem sie einen 'Marxismus besonderer Art' kultiviert ... Unsere neue Intelligenz und unsere Studenten fördert sie nicht in ideologischer Hinsicht, sondern verwirrt sie. Von den propagandistischen Kadern unserer Partei wird sie im allgemeinen abgelehnt."
Auch an Georg Lukács hatte Professor Gropp etwas auszusetzen: "In der Weimarer Republik war unter der kommunistischen und sympathisierenden Intelligenz eine hegelianische Interpretierung der marxistischen Dialetik verbreitet. Diese Tradition ist nach 1945 in Deutschland wieder aufgelebt. Sie ist auch heute besonders mit dem Namen von Georg Lukács verknüpft. Obwohl sich Lukács gegen Ende der zwanziger Jahre selbstkritisch von dem in seinem Buch 'Geschichte und Klassenbewußtsein' vertretenen Idealismus losgesagt hatte, war er doch in der Folgezeit nicht imstande, seinen Idealismus entscheidend zu überwinden. Er vertritt bis heute die Auffassung, die mit dem Entwicklungsstand der sowjetischen Philosophie nicht übereinstimmt."
Harich ließ sich nicht einschüchtern; wenn Lukács, der "Agent des Idealismus", in Ostberlin war, veranstaltete Harich im Aufbau-Verlag besondere "Redaktionsgespräche".
Vom 23. Mai bis zum 5. Juni 1956 reiste Harich mit einer Gruppe ostdeutscher Philosophen durch Polen. In einer dreitägigen Philosophenkonferenz in Warschau wurden zunächst "Fragen der Entwicklung des sozialistischen Bewußtseins" diskutiert, und dann fuhr die mitteldeutsche Delegation in einem Omnibus zehn Tageslang im Lande umher. Harich sagte später vor Freunden, das alles sei für ihn ein "großes Erlebnis" gewesen; denn dort scheine sich etwas abzuzeichnen, was sein Mentor Lukács gefordert hatte: ein Sozialismus, der vom Volke und nicht nur von einer Funktionärskaste getragen wird und Chancen zu haben scheine, auch für Leute attraktiv zu werden, für die der Sozialismus östlicher Machart bisher ein rotes Tuch war.
Gemeinsam mit dem Leiter des Philosophischen Instituts der Universität Leipzig, Professor Ernst Bloch, sprach Harich in
überfüllten Hörsälen vor polnischen Studenten über das Thema "Grundlagen und Perspektiven der Entwicklung des demokratischen Patriotismus in Deutschland". Er erzählte später, daß er in Polen gefunden habe, was er in der Zone immer habe vermissen müssen: "Kühnes Denken und revolutionären Patriotismus."
Die "Deutsche Zeitschrift für Philosophie" veröffentlichte einen ausführlichen Bericht über die Reise, und Harich sorgte dafür, daß in diesem seinem Blatt nun ständig auch Beiträge polnischer Wissenschaftler erschienen. Vor westlichen Gesprächspartnern machte Harich kein Hehl daraus, daß er die Sowjet-Union nach wie vor als Modell und Vorbild eines sozialistisch revolutionären Staates betrachte. Auch die moderne sowjetische Dichtung hielt er für vorbildlich. Er meinte aber, daß für die aktuelle Lage in Deutschland das sowjetische Vorbild nicht akzeptabel sei.
Die deutsche Wiedervereinigung, so hatte er sich in den Kopf gesetzt, müsse über eine Verständigung zwischen einer regenerierten SED und einer SPD zustande kommen, die dann in Bonn an der Macht sein werde. Voraussetzung war ihm, daß die sogenannten "sozialistischen Errungenschaften" der Sowjetzone erhalten bleiben würden: die Verstaatlichung der Industrie und des Handels, die Bodenreform und die sogenannte "Brechung des Bildungsmonopols".
Die enteigneten Betriebe in der Sowjetzone sollten von Arbeiterräten geleitet werden, die sich aus der Belegschaft des Betriebes rekrutieren und auch Befehlsgewalt über die Betriebskampfgruppe ihres Werkes haben sollten.
Die SED sollte die Demokratie von unten einführen, und der Bundesrepublik sollte angeboten werden, man werde in der "DDR" die SPD zulassen, wenn Bonn das KPD-Verbot aufhebe. Auf diesem Wege, so wähnte Harich, würde ein Bündnis zwischen der SPD und einer erneuerten SED -KPD die deutsche Wiedervereinigung herbeiführen und den Sieg des Sozialismus in ganz Deutschland auf demokratische Weise sichern, weil eine solche Konstellation, der es gelungen sei, die Wiedervereinigung zu erreichen, die Mehrheit des Volkes hinter sich haben müsse.
Der Clou aller Harichschen Aktivität in den letzten Wochen war seine Idee, Walter Ulbricht müsse sich an die Spitze des Neuen Kurses stellen öder sich von seinem Posten zurückziehen. Er müßte dann durch einen Kommunisten ersetzt werden, der im westlichen Sinne weniger kompromittiert ist.
Im Frühjahr 1956 war Paul Merker stillschweigend aus der Haft entlassen worden und lebte seitdem - einsam und innerlich zerbrochen - in Luckenwalde. Für seinen Unterhalt sorgte die Partei. Merker konnte nicht ahnen, daß man ihn in den letzten Wochen fast noch einmal in Gefahr gebracht hätte: Wie weiland in Mexiko wollten sich wieder einmal Intellektuelle hinter seinem Rücken verschanzen. Wolfgang Harich und seine Freunde liebäugelten mit dem Gedanken, den Paul Merker als "deutschen Gomulka" auf den Schild zu heben.
Da das Volk einen Helden braucht, einen Märtyrer des Ulbricht-Regimes, erschien ihnen der sonst so bedeutungslose altkommunistische Veteran für diese Rolle gerade recht; Paul Merker hatte schon 1930 das gefordert, was nun Harich wollte: die Einsetzung von Arbeiterräten als Selbstverwaltungsorgane in allen Betrieben.
In den Blättern des Aufbau-Verlages, dem "Sonntag" und dem "Aufbau", wurden vorsichtige Fühler ausgestreckt. Da zitierte dann der "Sonntag" den ungarischen kommunistischen Dramatiker Julius Hay, der gegen die "durchaus falsche offizielle Auffassung" wetterte, daß es "gefährlich und dem Aufbau des Sozialismus schädlich" sei, "über gewisse Fragen die volle Wahrheit zu schreiben. Eine beschränkte, in das Prokrustesbett aller Rücksichten gepreßte Wahrheit ist keine Wahrheit".
Und eine Woche später hieß es im "Sonntag", es mute befremdlich an, "daß die dazu berufenen Tageszeitungen und der Rundfunk es bisher versäumt haben, die Bevölkerung unserer Republik ausführlich und allseitig über das achte Plenum des ZK der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei und die gegenwärtigen politischen Diskussionen in unserem Nachbarlande zu informieren".
In der Tat hat die Presse der deutschen Sowjetzone über die polnische Oktober -Revolution und Gomulkas neue Linie nichts berichtet, was der mitteldeutschen Bevölkerung erlaubt hätte, sich ein Bild zu machen.
Harich steigerte sich in eine unheimliche Aktivität hinein, die nach Meinung seiner Freunde "ein Amoklauf war, der nicht gut ausgehen konnte". Er glaubte, Ulbricht werde die Zukunft des Kommunismus in Deutschland über seine - Ulbrichts - eigene Person stellen. Harich besuchte sämtliche exponierten Leute der Zone, die er, glaubte für sein Reform-Programm interessieren zu können. Er berief sich auf den XX. Parteitag der sowjetischen Kommunisten, auf dem der neue Kurs proklamiert worden war. Er war Kommunist genug, sich bei seinen Bemühungen streng an die Statuten seiner Partei zu halten.
Wolfgang Harich drang auch zum sowjetischen Botschafter Puschkin vor, um ihm "im Namen vieler junger Intellektueller der DDR" klarzumachen, daß es an der Zeit sei, aus der kommunistischen Isolierung nach vorn zu flüchten. Das Gespräch fand am 26. Oktober statt und dauerte von mittags zwölf bis nachmittags vier Uhr.
Harich knüpfte seine Hoffnungen an das polnische Beispiel, und er fürchtete das ungarische. Auch Ulbricht selbst ließ sich den Genossen Harich vorladen und sprach mit ihm über die Reformpläne des jungen Philosophen.
In den Funktionärsköpfen um Ulbricht hatte sich aber inzwischen die fixe Idee festgesetzt, das ungarische Chaos sei allein das Ergebnis jener Redereien der Leute um Georg Lukács im "Petöfi-Klub". Daß dieser Altkommunist Lukács nun auch noch ausgerechnet Minister in dem Drei -Tage-Kabinett Nagy gewesen war, schien diese Version zu bestätigen, war doch Lukács zusammen mit Nagy im Omnibus ins rumänische Zwangs-Exil befördert worden.
Die ideologischen Traumtänzer vom Schlage Wolfgang Harichs mit ihren abstrakten Diskussionen über Hegel, Marx und die deutsche Aufklärung waren für harte Apparat-Funktionäre wie Ulbricht nicht sonderlich interessant gewesen, solange sie nur philosophierten. Das wurde nun mit einem Schlag anders, als der Jung -Philosoph Harich sich plötzlich auf die" Marxsche Erkenntnis besonnen hatte: "Die, Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kömmt drauf an, sie zu verändern."
Harich war in der Sowjetzone bald nicht mehr der einzige, der die Idee hatte, man müsse den Parteiapparat reformieren, um ihn für westliche Gesprächspartner annehmbar zu machen. Da waren die Studenten an den Universitäten, die auf einmal interessiert nach Polen schielten, und da war die altkommunistische mexikanische Dichtergarde mit Anna Seghers und Bodo Uhse, die ebenfalls auf einmal unerwartete Töne anschlug.
Unter dem Titel "Gedanken zum Tag der Republik" schrieb beispielsweise Bodo Uhse, im "Aufbau": "Dieser Tage hatte ich eine Begegnung, die mich aufs tiefste bewegte. Unerwartet traf ich einen Genossen, der vor kurzer Zeit erst das Gefängnis verlassen hat. Heute wissen wir alle, daß er zu Unrecht darin gewesen ist. Was ihn bewegte zu sagen, als wir uns - endlich wieder! die Hände drückten, vermag ich nicht zu sagen, aber über meine Empfindungen kann, ich Rechenschaft geben. Da war Zorn über das geschehene Unrecht, Scham über mich selbst und tiefe Freude einer konkreten Hoffnung."
Der Marxismus ist keine Luderwiese
So weit wie Harich, der bei allen Prominenten der Partei und Regierung auf die- streng satzungsgemäße - Demission Ulbrichts hinarbeitete, ging freilich sonst kaum jemand unter den Ost-Intellektuellen. Man wußte zwar allgemein, daß Harich mit rund 25 anderen Kommunisten regelmäßig Aussprache-Abende im Haus des Kulturbundes veranstaltete, bei denen die aktuellen ideologischen Prozesse innerhalb des Ostblocks durchdiskutiert wurden. Kenner des Apparats aber, denen der idealistische Genosse Harich mit seinen Ideen etwas zu weit zu gehen schien, hielten sich von derartigen Redereien zurück.
Das Zentral-Komitee der SED hatte in Harichs Kreis einen Vertreter namens Lewin eingeführt, den viele für einen Spitzel hielten, zumal er häufig scharfe Auseinandersetzungen ideologischer Art besonders mit Wolfgang Harich hatte. Am 29. November wurde Wolfgang Harich denn auch verhaftet, nachdem er von einer Reise zu linken Gesinnungsfreunden in Westdeutschland zurückgekehrt war.
Mit ihm wurden Bernhard Steinberger festgenommen, wissenschaftlicher Assistent an der gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Ostberliner Humboldt-Universität, Manfred Hertwig, Redaktionssekretär der "Deutschen Zeitschrift für Philosophie", und Wolfgang Harichs Sekretärin, Irene Giersch.
Wenige Tage später wurde das Redaktionskollegium der "Deutschen Zeitschrift für Philosophie" von Funktionären des Staatssicherheitsdienstes eingehenden Verhören unterzogen. Es ging um ein Manuskript von Wolfgang Harich zur Frage der "Weiterentwicklung des Marxismus" und um eines von Manfred Hertwig, "Erkenntnis und Wahrheit", die nach Zustimmung des Redaktionskollegiums für die nächsten Ausgaben der Zeitschrift vorgesehen waren. Das ganze Kollegium wurde eingehend befragt, wie es zu diesen Arbeiten stehe. Die Arbeiten sollten nämlich "voller ideologischer Abweichungen" sein. Die Verhörten wurden auch über ihre Beziehungen zu Georg Lukács vernommen.
Da es außerordentlich mißlich ist, in einem kommunistischen Staat Kommunisten zu verhaften und anzuklagen, weil sie auf dem Boden des XX. Parteitags der
KPdSU ihre Weltanschauung für den Westen attraktiver machen wollten, wühlte der stellvertretende Generalstaatsanwalt der sogenannten DDR, Bruno Hayd (SED), eifrig in der Vergangenheit der Festgenommenen. So wurde denn plötzlich als belastend entdeckt, daß Harich 1946 mit dem amerikanischen Entnazifizierungsoffizier Josselson zu tun hatte, und dem Dozenten Bernhard Steinberger wurde vorgehalten, daß er im Zusammenhang mit Noel Field belastet sei - eine Sache, die längst aufgeklärt ist.
Der Schlag gegen Harich und seine Freunde hatte die erwartete Wirkung. Es war kein Paukenschlag für die Massen, wohl aber eine Warnung für die Intellektuellen. In der Bevölkerung kam die Meldung nicht an, weil ihr der Chefredakteur
der Philosophie-Zeitung kein Begriff ist. Aber die Intelligenz wußte, wie es gemeint war.
Ein polnischer Student, der im Auftrage der Warschauer Studentenzeitung "Po prostu" in Berlin war, konstatierte erstaunt, daß sich die Intelligenzler Ostberlins bis zu dem Tage, an dem Harich verhaftet wurde, um ihn gerissen hätten, dann aber sei das plötzlich ganz anders geworden. Er habe eine Diskussion ausfallen lassen müssen, die er für einen Termin kurz nach Harichs überraschender Verhaftung angesetzt hatte, weil nicht einer der Leute erschienen war, die sich angemeldet hatten.
Die Sowjetzonen-Dichter einschließlich der Mexikogruppe krochen wieder in ihre Schneckenhäuser zurück und unterschrieben eine Ergebenheitserklärung für den Ulbricht-Staat. Walter Ulbricht rief seine SED-Spitzenfunktionäre zusammen und hielt ihnen eine "Haut den Lukács"-Rede:
"In Ungarn haben die Intellektuellen angefangen. Ihre Schuld ist es, daß die Bevölkerung auf die Fehler der Vergangenheit gelenkt wurde. Die Herren Nagy, Lukács und Hay haben die Konterrevolution offen vorbereitet und dann unterstützt. Auch bei uns hat man die defaitistischen Artikel des Herrn Lukács abgedruckt. Im 'Aufbau' und im 'Sonntag'. So etwas werden wir auf keinen Fall mehr dulden. Auch
unter unseren Intellektuellen gibt es solche Bestrebungen, wie sie sich unter den ungarischen Intellektuellen gezeigt haben ...
"Es gibt unter den Studenten Elemente, die die ganze Aufmerksamkeit auf die Vergangenheit lenken. Wie soll man also die Studenten behandeln? Ich halte es hier mit dem Arbeiter, der gesagt hat: 'Die brauchen einen Schlag ins Genick.' ..."
"Es gibt sogar Meinungen innerhalb der Partei, die sagen, man müsse die Führung der Partei ändern. Man hat sogar schon Namen genannt und in die Diskussion geworfen, die die neue Parteiführung bilden sollen. Wer mit solchen Gedanken spielt, dem können wir nur sagen: Das kommt gar nicht in Frage."
Am 6. Dezember rief der Organisationschef des SED-Apparates, Karl Schirdewan, die Leiter der FDJ- und SED-Hochschulgruppen sowie leitende Funktionäre des Kulturbundes zusammen und hielt eine Rede zum Fall Harich: "Harich hat geglaubt, eine neue marxistische Philosophie gründen zu dürfen. Eine, die man mit der Ideologie des imperialistischen Lagers zur kapitalistischen Verbrüderungssuppe zusammenrühren kann. Der Marxismus ist aber keine Luderwiese, auf der jeder seinen Mist abladen kann."
Harich sitzt inzwischen optimistisch und guten Mutes in seiner Zelle, die sogar ausreichend beheizt ist, und bekommt seines kranken Magens wegen die vorgeschriebene Diätnahrung. Verschiedene der Anschuldigungen hat er schon entkräften können. Über seinen Rechtsanwalt hat er auch eine gewisse Verbindung nach draußen.
Ein Mittelsmann der sowjetischen Botschaft in Ostberlin ließ inzwischen wissen, das Untersuchungsverfahren gegen Harich werde nicht mehr lange dauern.
* Wolfgang Leonhard brach 1949 mit der SED, ging erst nach Jugoslawien, dann nach Westdeutschland und lebt heute in Oxford. Seine Erlebnisse im Osten schildert sein Buch "Die Revolution entläßt ihre Kinder".
* Nach dem Juni-Aufstand 1953 wurde Ackermann wegen "versöhnlerischer Abweichungen" aus dem Zentralkomitee der SED ausgeschlossen und auch als Staatssekretär abgesetzt. Heute leitet er die Hauptverwaltung Film im Ministerium für Kultur.
Propagandaredner Harich (am Pult), Freunde*: Intellektuelle Lustmordversuche
Klein-Wolfgang, Vater Harich und Schwester: "Kreise, die dem Sozialismus fernstehen"
Harich-Halbschwester Susanne Kerckhoff
Selbstmord in Berlin
Harich-Gastgeber Kasack
Ratschläge in Potsdam
Harich-Vertraute Michi Tanaka
Um in die richtigen Sachen hineinzukommen ...
Jung-Kommunist Harich
... brauche ich eine morbide Gesellschaft
Diktator Ulbricht: Schreckgespenst für die Massen ...
Reformer Harich
... oder menschlicher Sozialismus?
Kommunistischer Theoretiker Ackermann
Ja und nein zum deutschen Weg
Harich-Mentor Lukács (r.): Mit Nagy nach Rumänien
Ulbricht-Opfer Merker
Bockwürste in Luckenwalde
* L. n. r.: Schriftsteller Stephan Hermlin, "DDR"-Kultusminister Becher, Westberliner Einheitsfreund Dr. Wallner.

DER SPIEGEL 51/1956
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