18.05.1960

FRIEDMANNVon LoIa zu LoIita

Auf der oberbayrischen Hochebene lachen sich seit Dienstag nachmittag vergangener Woche die Anhänger der stärksten Partei - der Christlich-Sozialen Union (CSU) - ins Fäustchen: Ihr einflußreichster Widersacher, der parteilose Linksliberale Werner Friedmann, Mitherausgeber und Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung" in München, hat sich so in Petticoats verfangen, daß er politisch erledigt ist. Eine der drei
überregionalen Tageszeitungen der Bundesrepublik ist damit in ihrem Fundament angeschlagen, einer der zehn Journalisten, an denen die Freiheit in der Bundesrepublik hängt, wurde auf dem Felde der Unehre zu Fall gebracht.
Mit dem Leitartikler und Fernsehkommentator des Bayrischen Rundfunks war sein Intimus, der Lokalfeuilletonist des Süddeutschen Verlags, Siegfried ("Siggi") Sommer - Pseudonym "Blasius der Spaziergänger" -, Autor der Eros-Balladen "Und keiner weint mir nach" und "Meine 99 Bräute"; festgenommen worden.
Beide waren der Staatsanwaltschaft verdächtig, gegen den dreizehnten Abschnitt des Strafgesetzbuches ("Verbrechen und Vergehen wider die Sittlichkeit") verstoßen zu haben, der 51jährige Friedmann wegen "Unzucht mit Abhängigen", Sommer wegen Kuppelei. Die Kripo holte den Spätschläfer Sommer nach Sonnenaufgang gegen 5 Uhr 30 aus den Federn, den Chefredakteur verfrachtete sie gegen 17 Uhr in den Streifenwagen.
Bis zu dieser Stunde gehörte der hochbegabte Gesellschafter des Süddeutschen Verlags ("Süddeutsche Zeitung", "Münchner Illustrierte") und Hauptinhaber der Münchner "Abendzeitung" zur Creme der bajuwarischen Gesellschaft. Lokalredakteur Friedmann wurde 1946 nachträglich der vierte Lizenzträger der "Süddeutschen Zeitung", 1951 wurde er, der fortan auf keiner politischen Hochzeit fehlte, Chefredakteur.
Dank einer besonderen bayrischen Mentalität trug der Umstand, daß Friedmann im Dritten Reich verfolgt wurde und nach dem Kriege mit amerikanischen Besatzungsherren gut befreundet war zu seiner Unbeliebtheit bei. Zudem war er einer der gewichtigsten Gegner des Ur-Bayern Franz-Josef Strauß.
Allein aufgrund seiner publizistischen Machtstellung wirkte er in jenem Clan beziehungsreicher Bürger mit, die den Kurs des Freistaats Bayern bewußter steuern als die Abgeordneten im Maximilianeum. Am sichtbarsten wurde sein Einfluß in Entscheidungen, die Bayerns Landeshauptstadt betrafen. Beispielsweise bestimmte Friedmann mit der Drohung, "nicht länger stillzuhalten", Münchens SPD, zu den letzten Kommunalwahlen nicht wieder den geselchten oberbayrischen Volkshelden Wimmer als Oberbürgermeister-Kandidaten aufzustellen, sondern einen Jüngeren.
Friedmanns größtes Verdienst: Er dämmte den altbayrisch-muffigen Geist in der bajuwarischen Metropole ein und trug wesentlich dazu bei, daß sich sein geliebtes "Millionendorf" zu einer weltoffeneren, fast liberalen Einstellung durchrang. Seit dem König Ludwig der Lola Montez hat kaum jemand mehr zur Hebung der Münchner Liberalität getan als Werner Friedmann.
Am Tage nach seiner Verhaftung verschwiegen alle Münchner Zeitungen den Vorfall, obwohl die Stadt von Sendling bis Schwabing von Gerüchten schwirrte.
Der erste christlich-soziale Bajuware, der aus seiner Schadenfreude kein Hehl machte, war Dr. Hans Kapfinger, Herausgeber und Chefredakteur der "Passauer Neuen Presse", ein Spezi des Bundesverteidigungsministers Franz-Josef Strauß.
Der Berufskollege des Herausgebers und Chefredakteurs Friedmann war der erste Journalist, der - unter Pseudonym
- dem "Sittenskandal" einen Leitartikel
widmete. Kapfinger verglich Friedmann mit Hitlers Propagandaminister("Schließlich war auch ein Goebbels hochintelligent und trotzdem ein verbrecherischer Demagoge").
Kapfinger entdeckte einen "direkten und politischen Zusammenhang" zwischen Friedmanns linksliberaler politischer Einstellung und seinem vergleichsweise stark entwickelten Hang zur Weiblichkeit: "Der eingesperrte Friedmann war einer der intellektuellen Gönner und Drahtzieher der sogenannten 'heimatlosen Linken', unter seinen Fittichen schlugen altrosarote und neurosarote Publizisten ihre Nachkriegswurzeln."
Schlußfolgerte Kapfinger, obwohl Friedmanns Schuld gerichtlich noch
nicht festgestellt ist: "Wer kriminell ist, kann erpreßt werden. Er ist anfällig, versucht, die Haltung seiner Leitartikel, seiner Kommentare nicht nach dem Gewissen auszurichten sondern nach der Zweckmäßigkeit seines Falles." Und: "Hier ist die schwankende Linie zu suchen, die in der Süddeutschen Zeitung seit langem festzustellen ist."
Lange vor Kapfinger, nämlich schon Ende 1958, hatte der prominente Sproß der CSU, Franz-Josef Strauß, die Verhältnisse "in der bayrischen Justiz" (unter SPD-Minister Dr. Koch) lauthals gerügt. Im Büro des "Stern"-Verlegers und CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Bucerius tobte er, die bayrische Justiz habe trotz einer CSU-Anzeige das Sittlichkeitsverbrechen eines prominenten Bayern "unterdrückt". Einer der Strauß-Zuhörer - unter ihnen der Bankier Güssefeld, Vizepräsident des Hamburger Landesparlaments - faßte bei Straußens damaligem Adjutanten Dr. Acker nach: Strauß hatte seinen Atom -Gegner Friedmann gemeint, der sich an einer minderjährigen Dame des
Süddeutschen Verlags vergangen habe. Amouröse Ausflüge des Münchner Publizisten, über die sich der sittenstrenge Strauß zum Richter aufwarf, sind in der Tat seit Jahren bekannt. Bis zur staatsanwaltlichen Entdeckung zeigte Münchens High Society ein Verständnis, das an den Maßstäben des stadtoffiziellen Halbnackedei-Faschings ausgerichtet war.
Was Lola Montez für den Bayernkönig Ludwig I. war, wurde ein kaufmännischer Lehrling in der Anzeigenabteilung des Süddeutschen Verlags, Christa Rosenhain aus München, für den König der bayrischen öffentlichen Meinung Fräulein Rosenhain (Geburtsdatum: 22. Februar 1939) trat mit vierzehn Jahren, am 1. September 1953, in die Dienste des Verlags ein; am 31. Dezember 1957 schied sie aus.
Wie anderen Herren des Verlags, fiel das Lehrmädchen auch dem Chefredakteur auf. Während das Münchner Naturtalent Siegfried Sommer, ein Handwerkersohn, der in den letzten Jahren zum Star der Münchner Lokalpresse aufstieg, nie um den rechten Ton verlegen war, wußte Friedmann nicht, wie er dem Anlernling den Hof machen sollte. Friedmann zu Sommer: "Ich kann doch keinen Lehrling in mein Büro bestellen." Er bearbeitete "Blasius den Spaziergänger", der schließlich den ersten Kontakt zur Dame Rosenhain herstellte. Der freundliche Siggi, der sich gern mit offenem Hemd photographieren läßt, um seine ansehnlich behaarte Männerbrust zur Schau zu stellen, war
seinem Chef weiterhin behilflich, die zarten Bände enger zu knüpfen. Er überließ seinem Chefredakteur - mitunter auf telegraphische Anweisung - seine sturmfreie Junggesellenbude in Münchens Wurzerstraße 17. Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus ein praktisches System: Sommer hinterlegte seine Wohnungsschlüssel bei Bedarf im Verlag und betrat sein Domizil erst, wenn der Schlüssel in den Verlag zurückgebracht worden war. Sommers Schlüsselgewalt mißt die Staatsanwaltschaft nun buchstabenhart an dem Kuppelei-Paragraphen 180*.
Werner Friedmann, der gegen das Buch "Lolita" glaubhaft Ekel bezeigte, ist mit der begabten Journalistin Anneliese Schuller in zweiter Ehe verheiratet, die aus seiner Journalisten-Nachwuchschule - dem renommierten "Werner-Friedmann-Institut" - hervorgegangen ist. Nebst Porträtphoto füllt die
heute 30jährige Mutter dreier Kinder unter dem Pseudonym "Sybille" Kolumnen der "Abendzeitung" (Anneliese Friedmann in der "Abendzeitung" über Nabokovs "Lolita": "Junge Menschen haben etwas so Sauberes, Neues, Frisches, daß alte Finger nicht daran rühren sollten - sie kleben von Ehrgeiz und Egoismus").
CSU-Freund Kapfinger wußte auch von ausgewachsenen. "Orgien" à la Pariser "ballet rose" zu berichten. Kapfinger: "Es wird in den kommenden Wochen viel zu hören sein über die skandalösen und hochhonorierten Abenteuer dieses Lebemannes, man wird erfahren von minderjährigen Lehrmädchen des Süddeutschen Verlags, die weit außerhalb ihres Lehrvertrags liegende 'Dienste' zu erfüllen hatten, man wird erfahren vom Zutreiben ehrgeiziger Film- und Illustriertensternchen, die den Harem des bevorzugten Fernsehkommentators Friedmann bereichern mußten, man wird erfahren von seltsamen 'Schweigeverträgen' und Abfindungssummen."
Entgegen Kapfinger hatte Friedmann nach den Ermittlungen des Staatsanwalts bis zum Samstag letzter Woche die Grenze zwischen der doppelten Moral unserer Gesellschaft - die eheliche Treue fordert, Casanovas jedoch bewundert - und den Normen des StGB nur im Fall Rosenhain überschritten.
Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ist nicht etwa die mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestrafte Verführung eines "unbescholtenen Mädchens", solange es das sechzehnte Lebensjahr nicht vollendet hat. Fräulein Christa wurde im Februar 1956 17 Jahre. Bislang haben ihre Eltern nicht Strafantrag gestellt, so daß es entgegen Pressemeldungen - bis jetzt - strafrechtlich unerheblich ist, ob Friedmann gegen diese Bestimmung verstoßen hat.
Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft den Fall vielmehr unter dem Gesichtspunkt des Strafgesetzbuch-Paragraphen 174. Danach wird mit Zuchthaus oder mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestraft,
- "wer einen seiner Erziehung, Ausbildung, Aufsicht oder Betreuung anvertrauten Menschen unter einundzwanzig Jahren" mißbraucht. Die Münchner Staatsanwaltschaft wird dabei diffizile Überlegungen anstellen müssen. Es ist strafrechtlich durchaus
nicht eindeutig, ob ein
kaufmännischer Lehrling in der Anzeigenabteilung eines Verlags wirklich auch dem Chefredakteur, Mitherausgeber und GmbH-Mitgesellschafter anvertraut war (Friedmann war nicht Geschäftsführer) oder ob nicht vielmehr für den kaufmännischen Verlagslehrling im Sinne des Gesetzes nur Verlagsleiter und Abteilungsleiter zuständig sind.
Diese Knobelei wäre der Münchner Staatsanwaltschaft erspart geblieben, wenn nicht auch ein anderer Herr des Süddeutschen Verlags eine Neigung zu weiblichen Angestellten aktiviert hätte.
So rückten plötzlich Schlafzimmer-Geschichten in den Mittelpunkt seit Jahren schwelender Auseinandersetzungen zwischen den Gesellschaftern des honorigen Verlags.
Gesellschafter des Süddeutschen Verlags (Stammkapital: 300 000 Mark) sind:
- Herausgeber Werner Friedmann
(22,5 Prozent),
- Herausgeber Edmund Goldschagg
(22,5 Prozent),
- Herausgeber Dr. Franz Josef Schöningh (22,5 Prozent),
- Herausgeber August Schwingenstein
(20 Prozent),
- Generaldirektor Hans Dürrmeier
(zehn Prozent) und
- die Gesellschaft (2,5 Prozent):
Die Machtkämpfe innerhalb des Süddeutschen Verlags wurden vorwiegend um die politische Linie des Blatts geführt. Dem Linksliberalen Friedmann stand der SPD-Genosse Goldschagg zur Seite, der aus Altersgründen wenig Einfluß mehr nahm. Während Dürrmeier zur FDP tendiert, fühlen sich Schöningh (ehemals Herausgeber der katholischen Zeitschrift "Hochland") und Schwingenstein der CSU eng verbunden. Friedmanns stellvertretender Chefredakteur Proebst - einst Pressereferent des Ministerpräsidenten Ehard -, der im Augenblick die Redaktionsgeschäfte führt, steht ebenfalls der CSU nahe.
Der Kampf um die politische Richtung wurde auf die moralische Ebene angehoben, als Schwingenstein-Sohn Alfred, einst Prokurist des Verlags, ausscheiden mußte. Schwingensteins Gegner im Hause hatten den Filius Alfred wegen Unterschlagung und Untreue in Untersuchungshaft gebracht. Als die Vorwürfe zusammenbrachen, versuchte Vater Schwingenstein den Sohn in die Firma zurückzuholen.
Die Entscheidung, ob Vater Schwingensteins Forderung erfüllt werden müsse, hatten die Gesellschafter der SZ einem Schiedsrichter übertragen. So trafen sich am 24. März 1960 im Münchner Justizpalast im Dienstzimmer eines zum Schiedsrichter bestellten Landgerichtsdirektors die Vertreter der beiden Parteien, nämlich Rechtsanwalt Dr. Kessler für die Mehrheit der Gesellschafter und Rechtsanwältin Marianne Thora für die Schwingensteins. Rechtsanwalt Kessler fühlte sich bemüßigt, die "moraligchen Qualitäten" des Sohnes Schwingenstein zu bezweifeln, weil der angeblich "pornographische Photos" von einer Sekretärin des Hauses verfertigt hatte. Dieserhalb sei es den Gesellschaftern des Süddeutschen Verlags unmöglich, sich mit dem photographierenden Junior jemals wieder an einen Tisch zu setzen".
Scwingenstein-Anwältin Thora, blies zum Gegenangriff: Gesellschafter Friedmann sei ja sogar unerlaubter Beziehungen zu einem Lehrmädchen bezichtigt worden. Darauf Rechtsanwalt Kessler: Auch Herr Schwingenstein junior habe sich "nächtlicherweise" in den Verlagsräumen "verfehlt".
Bei dieser Gelegenheit äußerte sich Rechtsanwältin Thora - ähnlich wie Verteidigungsminister Strauß über den früheren SPD-Justizminister Koch: Auf ein Ermittlungsverfahren gegen Friedmann sei in ungewöhnlicher Form Einfluß genommen worden.
Aus dem Gesellschaftsstreit um die Aventuren des Schwingenstein-Sohns wurde nun ein Rechtsstreit um Friedmanns Amouren: Werner Friedmann verklagte die Rechtsanwältin Thora auf Widerruf ihrer Behauptung. Frau Thora benannte Kapfinger als Zeugen.
Die Rechtsanwältin Thora, die Schwingenstein senior in den Gesellschafterversammlungen des Süddeutschen Verlags höchstpersönlich vertritt, hörte mit dem Wäschewaschen nicht mehr auf: "(Friedmann) hat auch sonst sehr häufig ersichtlich nicht dienstlichen Zwecken dienende Besuche verschiedenster Damen empfangen, unter anderem auch ein Fräulein Haase, deren Mutter, Frau Haase, von dem Kläger (Friedmann) einen Sohn geboren hatte."
Obwohl die Unterredung über derlei Dessous im Münchner Justizpalast streng vertraulich war, erfuhr die Staatsanwaltschaft auf unbekannten Wegen von den Vorwürfen gegen Friedmann. Ob der CSU-Mann und Herausgeber der
"Passauer Neuen Presse" hierbei mitgewirkt hat, bleibt unklar. Auf jeden Fall aber hat die bayrische Justiz in bezug auf die sogenannten politischen Prozesse das Gleichgewicht parteipolitischer Parität wiederhergestellt:
- Der Spielbankenprozeß ruinierte die Bayernpartei - darunter den früheren stellvertretenden Ministerpräsidenten Baumgartner - zur Freude der CSU.
- Nach Abschluß dieses Prozesses klagte die Staatsanwaltschaft zur Freude von Bayernpartei und SPD den CSU -Generalsekretär Dr. Zimmermann wegen zweier Meineide an; außerdem prüft die Staatsanwaltschaft, ob sich nicht auch Bayerns höchster Repräsentant, der CSU-Landtagspräsident Hanauer, im Spielbankenprozeß eines Meineids schuldig gemacht habe.
- Nunmehr ergötzt es die CSU, daß der betont links eingestellte Publizist Friedmann von der bisher unabhängigen "Süddeutschen Zeitung" ebenfalls ins Netz der Staatsanwaltschaft geraten ist.
Sachbearbeiter für das Sonderreferat Spielbanken - seit neuestem auch für
das Sonderreferat Journalistenmoral - ist der 36jährige Staatsanwalt Heinz Jörka aus Graslitz in Böhmen, zuvor Amtsrichter in Erding. Der energische Anklage-Star des Landgerichts München I geriet am Mittwoch mit Friedmanns Verteidiger. Dr. Oehl so hart aneinander, daß Ehefrau Oehl schleunigst einen Arzt herbeiholte.
Dr. Oehl hat die Verteidigung Friedmanns allerdings dicht nur mit Rücksicht auf diesen Schwächeanfall niedergelegt, sondern auch unter Hinweis darauf, daß er den meineidverdächtigen Zimmermann von der CSU vertrete. Zu viele
Leute sehen in dem
Prominenten der CSU und Friedmann natürliche Gegner.
Der forsche Staatsanwalt - auf den die Rechte drückte, wenn er die Linke schonte, und umgekehrt - war es auch, der am Montag vergangener Woche gegen Friedmann und Sommer Haftbefehl beantragte.
Friedmann hatte an diesem Tag seinen Postillon d'amour, Sommer, veranlaßt, Fräulein Rosenhain per Telegramm in das Münchner Fred-Kraus-Espresso zu bestellen. Zum vereinbarten Zeitpunkt erschien Sommer, eine halbe Stunde später auch Friedmann, Christa blieb aus: Das Telegramm war der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis gekommen. Es war ihr Beweis genug, Verdunkelungsgefahr anzunehmen und in rigorosester Weise die Verhaftung Friedmanns und Sommers anzuordnen. Die Staatsanwaltschaft glaubt, Friedmann habe Christa Rosenhains Gedächtnis dahin gehend auffrischen wollen, daß erst nach Christas Ausscheiden aus dem Verlag das erste Rendezvous stattgefunden habe.
Möglicherweise hätte München seines Skandals entraten müssen, wenn sich Werner Friedmann im Frühjahr 1957 nicht gerühmt hätte, daß auch der Passauer Scharfschütze Kapfinger für weibliche Reize empfänglich sei. Friedmann wollte wissen, daß Kapfinger in der Nähe des Englischen Gartens, in einem Hause Am Biederstein, mit einer jungen Dame abgestiegen sei. Kapfinger konterte am 4. Mai 1957 in einem Brief an Friedmann: Er sei bereit, "auf dieser Ebene den Kampf aufzunehmen".
Schrieb Kapfinger damals: "Ich bin überzeugt, daß mein Material über Sie ebenso interessant ist wie das Ihrige über mich."
*Wegen Kuppelei wird mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft, "wer gewohnheitsmäßig oder aus Eigennutz ... durch Gewährung oder Verschaffung von Gelegenheit der Unzucht Vorschub" leistet.
Verhafteter Friedmann: Die CSU frohlockte
Kapfinger
Naturtalent Sommer
Blasius ging spazieren
Jörka

DER SPIEGEL 21/1960
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