15.06.1960

HOHLSPIEGEL

Die staatliche "Zentralstelle für Arbeitsvermittlung, Büro Führungskräfte der Wirtschaft" in Frankfurt unterstützte durch Anzeigen in der Tagespresse als amtliche Dienststelle ein größeres Rundfunk- und Fernsehapparate-Werk bei der Suche nach einem leitenden Direktor und bediente sich dabei auf offizieller Basis privatwirtschaftlicher Abwerbungsmethoden, indem sie eventuellen Interessenten versicherte: "Wir behandeln Ihre Bewerbung streng vertraulich. Bitte geben Sie uns an, welchen Unternehmen Ihre Bewerbung nicht vorgelegt werden soll ... Schreiben Sie (Kennziffer BFW 655) oder rufen Sie an, wenn Sie Interesse an einer unverbindlichen Fühlungnahme haben."

Mit dem Hinweis auf die nach amerikanischen Wohlstandspraktiken in den US-Haushalten beliebte doppelte Ausrüstung mit Fernsehgeräten, Waschautomaten, Kühlschränken und Automobilen propagiert eine amerikanische Telephon-Gesellschaft neuerdings auch das Zweit-Telephon, das den Kindern der Familie zur Verfügung stehen soll. Sie will festgestellt haben, daß Teenager

durch ihre Fernsprech-Leidenschaft die

Erstapparate ungewöhnlich häufig blokkieren.

Im Harz sind rings um Auto-Parkplätze "Wanderringwege" angelegt und mit Farbe gekennzeichnet worden, um marschierfreudigen Automobilisten einen Kreislauf zu ermöglichen, der sie zu ihrem Gefährt zurückführt: Blaue Markierungen zeigen einen einstündigen, gelbe einen zweistündigen und rote einen dreistündigen Wanderweg an.

Gemäß einer Verfügung des britischen

Innenministeriums können jetzt auch Gefängnisinsassen an Preisausschreiben teilnehmen, doch lediglich an solchen, bei denen die Häftlinge nicht durch Ferienreisen oder ähnliche "indiskutable" Preise gereizt werden.

Münchens Hauptwerbemittel, ein offizieller, 36 Seiten starker Bild-Prospekt (Auflage 400 000 Stück), ist zum erstenmal auch in russischer Sprache abgefaßt.

Der Verband deutscher Schaufensterdekorateure beschloß auf seinem Jahreskongreß in Mainz, die Berufsbezeichnung "Schaufensterdekorateur" durch "Schauwerbegestalter" zu ersetzen.

Die erste Wahl einer "Miss Uganda" in Kampala mußte abgebrochen werden. Eine der Titelbewerberinnen erlitt während der Parade eine Fehlgeburt.


DER SPIEGEL 25/1960
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