26.04.1961

NEU IN DEUTSCHLANDGünther Weisenborn: „Der Verfolger“.

In seinem neuen Beitrag zur Bewältigung der Nazi-Vergangenheit gibt der 53jährige Romancier und Dramatiker ("Die Illegalen") dem Romanhelden und Erzähler Daniel Brendel reichlich Anlaß zu Meditationen über Recht und Gerechtigkeit, die sich vom bundesdeutschen Stammtischgedankengut zwar durch ihre antifaschistische Tendenz, nicht aber durch besseres Niveau unterscheiden. Brendel, gegen Ende des Krieges Mitglied einer musizierenden Widerstandsgruppe, findet nach jahrelanger Suche den Pianisten der Tanzkapelle wieder, der die Resistenzler an die Gestapo verriet und dadurch den Tod von drei Menschen verschuldete. Da weder Zeugen noch Beweismaterial gegen den Spitzel aufzutreiben sind, entschließt sich der einstige Kämpfer gegen Terror und Willkür - er entging der Vollstreckung seines Todesurteils, weil die Akten verbrannten - zur Selbstjustiz. Brendel will einen Verkehrsunfall mit anschließender Fahrerflucht vortäuschen und so den Tod seiner Kameraden rächen. Im letzten Augenblick besinnt er sich jedoch eines Besseren und weicht dem erschrocken zur Seite springenden Pianisten aus: Er ist zu der Einsicht gelangt, daß man Unrecht nicht durch neues Unrecht sühnen kann. (Verlag Kurt Desch, München; 240 Seiten; 12,80 Mark.)

DER SPIEGEL 18/1961
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NEU IN DEUTSCHLAND:
Günther Weisenborn: „Der Verfolger“.

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