14.06.1971

„Ein Elfmeter kostet 1000 Mark“

Die schlimmsten Feinde der Bundesliga spielen selbst in der höchsten Fußballklasse. Strohmänner boten Hunderttausende für manipulierte Resultate, Nationalspieler hielten die Hand auf. Präsident Horst G. Canellas von Kickers Offenbach enthüllte den schmählichsten Skandal der Bundesliga auf Tonbändern. Auch diese Krise beschworen die Bremser überfälliger Reformen herauf. Altbundestrainer Herberger: „Alles fing mit dem Geld an.“
Bei einer großen deutschen Bank nahe der Düsseldorfer Kö stutzte der Bankkaufmann und Fußballfan Merk*. Auf seinem Schreibtisch landete ein Überweisungsauftrag. Summe: mehr als 50 000 Mark; als Absender erkannte er Bundesliga-Klub Arminia Bielefeld; Empfänger: ein Berliner Konto.
Am Sonnabend der vorletzten Woche verfolgte Merk den Schlußtag der Bundesliga-Saison. Ein Ergebnis empörte ihn. Arminia Bielefeld hatte in Berlin gegen Hertha BSC gesiegt. "Da kam mir die Galle hoch." Denn das bedeutete: Arminia Bielefeld blieb in der Bundesliga. Statt dessen stiegen die Offenbacher Kickers nach ihrer Niederlage beim 1. FC Köln in die Regionalliga ab. Als zweiter Absteiger stand Rot-Weiß Essen schon fest.
Spontan spielte Fußballfreund Merk Gerechtigkeit. Per Telephon gab er um 19.17 Uhr, zwei Stunden nach dem Bundesliga-Abpfiff, ein Telegramm an die "Kickers Offenbach am Main" auf: "Transaktion Bielefeld -- Berlin registriert. Rückruf sofort."
Hocherfreut meldete sich Offenbachs Kicker-Präsident Horst Gregorio Ca-
* Name von der Redaktion geändert.
nellas, 50, bei dem unverhofften Zeugen. "Ich wußte schon seit Tagen, daß wir geleimt werden", klagte er.
Vor dem spannendsten Finale der Bundesliga hatten Experten für die vier Spiele, die über Verbleib in der Bundesliga oder Abstieg entschieden, noch 18 Möglichkeiten errechnet (bei Ergebnissen mit nicht mehr als zwei Toren Differenz). Vor der schwersten Aufgabe stand -- jedenfalls rechnerisch nach Toren und Punkten -- Arminia Bielefeld.
Die Mannschaft mußte in Berlin gegen den Tabellendritten Hertha BSC antreten, der im Olympia-Stadion noch nicht verloren und die beste Heimspiel-Bilanz der Saison vorzuweisen hatte. Dagegen waren Arminia Bielefeld in 16 Auswärtsspielen nur zwei Siege und ein Unentschieden geglückt. "Soviel Asse kann die Arminia gar nicht im Ärmel haben", vermutete "Bild". Die Zeitung tippte auf 4:1 für Hertha BSC.
Eine Niederlage hätte nur dann nicht zum Abstieg Arminia Bielefelds geführt, wenn zugleich Rot-Weiß Oberhausen von Eintracht Braunschweig besiegt worden wäre. Günstiger schien die Situation der Offenbacher Kickers; ein Unentschieden gegen den 1. FC Köln vorausgesetzt, hätte Arminia Bielefeld sie nur mit einem Sieg gegen Hertha BSC, hätte Rot-Weiß Oberhausen sie nur mit einem Erfolg von mindestens zwei Toren Unterschied gegen Eintracht Braunschweig überholen können.
"Diese Bundesliga-Saison wird nicht in der Tabelle entschieden", klärte jedoch Canellas seine Mannschaft frühzeitig auf, "sondern vor der Staatsanwaltschaft."
Tatsächlich entschieden gekaufte Tore über den Abstieg. Fernmündlich verhandelten Stars und Funktionäre über die Preise für falsches Spiel in der höchsten Preisklasse. Manipulierte Elfmeter sollten 1000 Mark kosten. Absprachen über ganze Spiele wurden für fünf- bis sechsstellige Summen angeboten. Strohmänner eilten mit geldgespickten Aktentaschen kreuz und quer durch die Bundeslande zu geheimen Treffs.
Die Detektiv-Rolle im Kicker-Krimi spielte der Offenbacher Südfrucht-Importeur Canellas. Wie 1970 der FDP-Bundestagsabgeordnete Karl Geldner zum Schein auf CSU-Angebote eingegangen war, um die Strauß-Partei des Politiker-Kaufs zu überführen, so handelte Canellas Spielfälschungen aus, weil er unwiderlegliche Beweise für Schiebungen im Abstiegskampf der Bundesliga erlisten wollte.
Seine Geschäftspartner: die Nationalspieler Manfred ("Cassius") Manglitz, 31, vom 1. FC Köln, Bernd Patzke, 28, und Tasso Wild, 30, von Hertha BSC Berlin und Eintracht Braunschweigs Kapitän Lothar Ulsaß, 30.
Nichts fürchten Bundesliga-Mitglieder mehr als den Absturz in die Regionalliga, der dem Zwangsumzug aus einem Kaufhaus in zentraler Großstadtlage in einen Krämerladen in der Provinz gleicht.
In der Bundesliga verschaffen ungefähr 20 000 Zuschauer pro Spiel den Klubs einen Jahresumsatz von etwa drei Millionen Mark. Selbst durchschnittliche Kicker kassieren jährlich 60 000 Mark und mehr.
Aber in jedem Frühjahr müssen zwei der 18 Klubs in eine der fünf Regionalligen absteigen. Dafür rücken zwei Regionalliga-Klubs nach, die sich in einem Aufstiegs-Turnier qualifiziert haben. Die Regionalligen nähren keine Berufsspieler. Zuschauer-Durchschnitt: zuletzt 3649. Jährlich setzen nur wenige Regionalliga-Vereine mehr als 200 000 Mark um. Die Spieler verdienen allenfalls ein Zubrot bis zu 600 Mark. Deshalb dürfen sie denn auch die Abstiegsvereine bedingungslos verlassen.
Bei drohendem Abstieg in die Regionalliga, angesichts der sportlichen und wirtschaftlichen Katastrophe, zapfen Bundesligaklubs daher auch schwarze Kassen an und trachten Tore und Punkte zu kaufen. Als ideale Kunden bieten sich Vereine aus dem Mittelfeld an, die mit Meisterschaft und Abstieg nichts mehr zu schaffen haben.
Spielt ein solcher Klub gegen einen abstiegsbedrohten Verein, könnte ein Sieg zwar nicht für ihn, aber für einen anderen, gleichfalls unter der Absturzdrohung stehenden Verein von Bedeutung sein.
Für diesen anderen Verein wäre es dann lohnend, die Spieler des Mittelfeld-Klubs durch heimliche Versprechungen auf eine Siegprämie zu äußerstem Siegeswillen anzustacheln.
"Siegprämien von Unbeteiligten halte ich für höchst bedenklich", urteilte DFB -Sprecher Dr. Wilfried Gerhardt über diese Praktik. "Aber in unserem Statut kommen sie nicht vor." Prämien für eine Niederlage dagegen würden zum Ausschluß aus der Bundesliga führen. Aber noch niemals hatte sich bisher aus verschwommenen Andeutungen ein harter Kern herausgeschält.
In den letzten Wochen verblüffte dann eine Serie merkwürdiger Spielresultate der abstiegsgefährdeten Mannschaften Fans und Fachleute mehr als je zuvor. Am 17. April siegte Bielefeld in Gelsenkirchen gegen die Spitzen-Equipe Schalke 04.
"Wir können nicht so schnell Siegen, wie die anderen schmieren."
Am 5. Mai, einem Mittwoch, gewann der 1. FC Köln gegen Rot-Weiß Essen. Rot-Weiß Essen rutschte endgültig in die Tabellenniederungen und stand bald als erster Absteiger fest. Essens Niederlage begünstigte die ebenfalls gefährdeten Offenbacher Kickers. Offenbachs Geschäftsführer Willy Konrad parkte spätabends nach dem Spiel seinen Wagen in der Aachener Straße in Köln. Dann zahlte er für Nationaltorwart Manglitz vom 1. FC Köln 25000 Mark Siegprämie aus. Des Kickers Braut Irmgard Walter quittierte.
"Wenn die so dumm sind", rechtfertigte sich vergangene Woche Manglitz, "ware ich doch doof, wenn ich es nicht nehmen würde." Offenbachs Canellas: "Ich habe mich beim DFB rückversichert, bevor ich die Prämie aussetzte."
Am viertletzten Spieltag überrumpelte das mit dem Bundesliga-Klub Rot-Weiß Essen namensgleiche Schlußlicht Rot-Weiß Oberhausen den Tabellenfünften Schalke (fünf Nationalspieler) 4:1. Eine Woche darauf überraschte Rot-Weiß Oberhausen gar den 1. FC in Köln (zehn Nationalspieler) mit 4:2 und kletterte auf den vorletzten Platz.
In einem Wust von Gerüchten und Andeutungen vermochte niemand mehr Scherz und Wahrheit auseinanderzuhalten. "Wir können gar nicht so schnell Siegen". muckte etwa Zahnarzt Dr. med. Peter Kunter, Torwart der ebenfalls gefährdeten Frankfurter Eintracht, auf, "wie die anderen schmieren."
Vor dem Spiel 1. FC Köln gegen Rot-Weiß Oberhausen in Köln, so waberten Gerüchte, habe eine Blondine den Spielern des 1. FC Köln Geld überbracht -- die Ehefrau Ingrid des gerade von seinem Amt entbundenen Oberhausener Trainers Alfred Preißler. Kurz darauf freute sich Preißler: "Eben hat mir Maaßen ein prima Angebot gemacht." Fabrikant Peter Maaßen ist Präsident von Rot-Weiß Oberhausen.
Ein Kunter-Kollege nährte neue Verdächtigungen. Kurz vor dem Anstoß im Spiel der Offenbacher Kickers gegen Eintracht Frankfurt in Offenbach sprach der Frankfurter Nationalspieler Jürgen Grabowski den Offenbacher Walter Bechtold an: "Wenn du heute langsam läufst, kannst du 5000 Mark verdienen." Bechtold vertraute sich sofort seinem Präsidenten an. Frankfurt siegte 2:0, Später erklärte Grabowski: "Alles war doch Flachs."
Zwei Wochen vor dem Bundesliga-Finale telephonierte der kränkelnde Canellas mit Patzke, dem Verteidiger von Hertha BSC. "Die Bielefelder haben uns ein duftes Angebot gemacht", verriet Patake. Canellas: "Wir bleiben in Verbindung." DFB-Pressechef Gerhardt bagatellisierte die Berichte: Er halte solche Praktiken "für ausgeschlossen".
Canellas widerlegte ihn. Er lieh sich in Frankfurt ein Telefunken-Tonbandgerät und ließ sich in seiner Bedienung unterweisen. Gegen Mitternacht verständigte er den Frankfurter Sportjournalisten Werner Bremser. der sich am Mittwoch der vorletzten Woche in der Canellas-Villa in der Rosenstraße in Hausen einfand.
Der Besucher wurde Kronzeuge. Offenbachs Boß wählte Patzke von Hertha BSC in Berlin an. Canellas bot den Berlinern 120000 Mark für den Fall. daß Hertha BSC den Gegner Arminia Bielefeld besiege. Das Tonband lief; Bremser hörte mit. "Gestern war schon einer von Bielefeld da", warnte Patzke. "Aber noch haben wir uns nicht entschieden."
"Sie wissen doch, wie die Jugoslawen sind."
Hertha-Spieler Wild, ein gelernter Bankkaufmann, schaltete sich ein: "Vom anderen Verein bekommen wir mehr -- 220 000 Mark in bar." Canellas: "Aber Tasso Wild, die gehen ganz schön ran."
Patzke beruhigte Canellas: "Ich sage Ihnen, wir haben ja mit denen noch eine Rechnung zu begleichen, denn die haben uns so furchtbar auf die Füße gehauen, das muß einen retour geben."
Anschließend rief Canellas Manfred Manglitz vom 1. FC Köln an. "Jetzt bin ich allein", tönte es aus Köln. "Ich habe fünf Mann auf meiner Seite. aber keiner weiß was vom anderen." Seine Mannschaftskameraden Wolfgang Overath ("Der quatscht was so doof"), Kapellmann ("Der ist mir zu grün") und den jugoslawischen Torwart Milutin Soskic ("Sie wissen doch, wie Jugoslawen sind") wollte er nicht einweihen. Offenbachs Präsident, der nach Lage der Dinge mindestens für ein Unentschieden, besser noch eine Niederlage der Kölner im bevorstehenden Match des 1. FC Köln gegen die Kickers Offenbach angeblich zahlen wolke, fragte: "Was habt ihr denn so gedacht?" Manglitz forderte 100 000 Mark. Als Übergabe-Termin vereinbarten sie Freitag, 18.00 Uhr, als Treffpunkt den Bonner Autobahnverteiler, Richtung Köln. "Wir besprechen das im Wagen", schlug Manglitz vor, und so tauschte man die Kennzeichen aus: den mittelblauen Mercedes GV (Grevenbroich) von Manglitz und den Mercedes 250 SE, Kennzeichen F -- CA 70, von Canellas.
Um sich vorsorglich abzusichern, besuchte Canellas den Nationalspieler Wolfgang Overath, den Mannschaftskapitän des 1. FC Köln, in seinem Troisdorfer Haus und berichtete von seinem Kontakt zu Manglitz und seinem Angebot. "Aber wir kaufen das Spiel nicht", versicherte Canellas. Inzwischen meldete sich aus Braunschweig Utz Lamers, ein Freund des Eintracht-Stars Ulsaß: "Bielefeld will für unseren Sieg gegen Oberhausen 20 000 Mark zahlen." Canellas hielt mit.
Am selben Mittwoch schrillte auch bei Braunschweigs ahnungslosem Trainer Otto Knefler das Telephon. Am Apparat: Oberhausens Maaßen, gegen dessen Mannschaft Braunschweig antreten mußte. "Ist der Ulsaß wieder dabei?" fühlte er vor. Knefler bejahte, verblüfft über den ungewöhnlichen Kontakt. "Das paßt mir gar nicht", murrte Maaßen. Knefler brach den Lockruf ab.
Telephonisch drohten Bielefelder Fans der Ehefrau des Hertha-Trainers Helmut ("Fiffi") Kronsbein: "Wir schlagen Ihren Mann tot, wenn er Bielefeld nicht gewinnen läßt." Ein anderer Anrufer versprach dem gebürtigen Bielefelder Kronsbein 60 000 Mark Prämie für eine Niederlage.
überall schraubten Mittelsmänner an den Sicherungen. Bielefeld versuchte. seinen früheren Nationalspieler Karl-Heinz Hellwig als Unterhändler zu gewinnen. Er lebt in Braunschweig und sollte den Eintracht-Spielern für einen Sieg gegen Oberhausen eine Erfolgsprämie ankündigen. Hellwig lehnte ab.
Canellas unterrichtete den DFB von seiner Tonbandausbeute. DFB-Bundesliga-Referent Wilfried Straub wiegelte ungläubig ab: "Wir wollen erst mal die Spiele abwarten. Dann sprechen wir am Montag darüber." Auch DFB-Generalsekretär Paßlack, Übermittelte Straub, hielte alles für "vage Vermutungen".
Auch mit seinen Offenbacher Vorstandskollegen führte Canellas Lagebesprechung. Einige schlugen vor: "Wir sollten zahlen, um drinzubleiben." Die Mehrheit mit Canellas stimmte dagegen.
Gleichwohl starteten Offenbacher am Freitag mit insgesamt 260 000 Mark zur Schmiergeld-Rallye in Richtung Köln, Braunschweig und Berlin-West. Im Foyer des Hotels Berlin traf Offenbachs Vizepräsident Waldemar Klein den Hertha-Spieler Patzke. Beide fuhren in die ruhigere Bierbar "Bei Heinz Holl" in der Dammaschke-Straße gegenüber dem "Old Eden-Saloon". Klein lupfte seine Schweinsledertasche. Patzke durfte zählen: 140 000 Mark.
Am Freitagabend vertrauten sich mehrere Spieler des Bundesliga-Dritten Hertha BSC ihrem Trainer Kronsbein an. Sie beichteten Betrugsangebote. "Wenn ihr nicht gegen Bielefeld gewinnt", drohte Kronsbein, "streiche ich die Sonderprämie für den dritten Platz."
Am Spieltag, Sonnabend, dem 5. Juni, hob Offenbach seine Scheinangebote kurzfristig auf. Torwart Manglitz verging daraufhin die Lust am Spiet "Lassen Sie Soskic ins Tor", empfahl er Kölns Trainer Ernst Ocwirk. Der Jugoslawe, der nach schweren Verletzungen für zwei Spielzeiten auf die Ersatzbank zurückgestuft worden war, sträubte sich und flüchtete. Overath holte ihn zurück. "Scholle. du mußt ins Tor." Soskic zog sich um.
Dieses schmutzige Geschäft mache ich nicht mehr mit."
Um 15.30 Uhr pfiffen die Schiedsrichter die Abstiegskämpfe in Köln, Berlin und Braunschweig an. Zur Halbzeit schien Offenbach -- bei 2:1-Führung gegen Köln -- ebenso gerettet wie Bielefeld bei einem 0:0 in Berlin gegen Hertha BSC. Oberhausens Kicker taumelten enttäuscht in die Pause. Sie lagen 0:1 im Rückstand.
Eine halbe Stunde vor Spielende frohlockten mehr als 3000 Fans aus Oberhausen. Rot-Weiß-Präsident Maaßen hatte einem Teil von ihnen Fahrgeld und 15 Mark Tagesspesen spendiert, damit sie ihre Mannschaft als Claqueure anfeuern konnten: Oberhausens Lothar Kobluhn, mit 24 Treff ern Torschützenkönig der Bundesliga, war der Ausgleich geglückt.
Doch Arminia Bielefelds Anstrengungen in Berlin zahlten sich aus. "Eine enttäuschende Platzelf lieferte eines der schwächsten Saisontreffen", kritisierte, noch nichtsahnend, der Düsseldorfer Sport-Informationsdienst (sid) den "regelrechten Zeitlupen-Fußball" von Hertha BSC.
Arminia-Sturmer Gerd Roggensack trat den Ball zum 1:0 ins Netz. "Patzke fand kein Mittel, diesen wuchtigen Außen zu bremsen", stellte der sid fest. Der Chor der Zuschauer brüllte den Hauptdarstellern sein Stichwort zu: "Schiebung, Schiebung."
Fast zugleich wendete sich in Köln das Spielglück gegen die zahlungsunwilligen Offenbacher. "Was- uns auf die Verliererstraße brachte", analysierte Trainer Kuno Klötzer, "waren Weilbächers halbes Selbsttor zum 2:2 und Weidas Fehlpaß zu Thielen, der das 3:2 für Köln schoß." Nach einem Weiteren Tor stand der Canellas-Klub als Absteiger fest.
Am Morgen nach dem Bundesliga-Finale feierte Canellas seinen 50. Geburtstag. Seine Gäste erlebten etwas Neues, eine Tonband-Enthüllungs-Party. Der Präsident ließ seine Bänder mit den Indizien für die Betrugs-Manöver abfahren. Millionen hörten später im Deutschen Fernsehen mit.
Bundestrainer Schön stahl sich, ein Glas Orangensaft in der Hand, aschfahl davon. "Bitte, bitte stellen Sie mir dazu keine Fragen", wehrte er ab. Dann strich er Patzke aus dem Kader für das Länderspiel gegen Albanien.
"Dieses schmutzige Geschäft mache ich nicht mehr mit", kündigte Tonbandunterhalter Canellas ("Ich bin nicht vorbestraft") stockheiser seinen Rücktritt an. Am Montag lieferte sein Anwalt Dr. Reinhold Schiefhauer das Belastungsmaterial in der DFB-Zentrale im Frankfurter Westend ab. "Wir werden prüfen müssen", räumte DFB-Generalsekretär Paßlack ein, "ob die Unterlagen für eine Anklage ausreichen."
Dann spielte der DFB-Beamte schizophren. "Vertrauliche oder persönliche Gespräche" mit Canellas räumte er zwar ein, Aber "wir bestreiten ganz heftig, als Deutscher Fußball-Bund unterrichtet worden zu sein
"Canellas hat zuerst angerufen", behauptete Manglitz, ließ sich jedoch beurlauben und verzichtete auf seine Mitwirkung im Deutschen Pokalendspiel am kommenden Sonnabend gegen Bayern München. Patzke schützte eine Marktanalyse vor: "Ich wollte mal sehen, was ich wert bin."
Den Abgrund von Manipulation, Schiebung und Betrug hatte der DFB selber aufgerissen. In der Kluft zwischen dem Amateurfußball der Sport. kameraden und der Realität eines immer größere Geldbeträge bewegenden, harten Fußhallgeschäfts stauten sich zwangsläufig immer neue Affären. Die Fußballgerichte besitzen kaum Kontrollchancen.
Erst für 1963 ließen sie sich unter dem Druck der öffentlichen Meinung, die ein vor allem international erfolgversprechendes Leistungsniveau verlangte, die Bundesliga abnötigen. Aber über jede Einzelheit, die seither im Berufsfußball als erlaubt oder verboten gelten soll, entscheidet weiterhin die Lobby der Amateur-Vereine. Die Bundesliga-Unternehmen mit ihren Millionen-Umsätzen werden von den Fürsten des Fußball-Verbandes wie unmündige Familienmitglieder behandelt.
In Hurra-Patriotismus befangen, verpaßte das Amateur-Fußvolk den Aufbruch ins 20. Fußball-jahrhundert. So zwängte die Amateur-Mehrheit des DFB-Bundestages die Spitzenklubs in eine rechtlich und wirtschaftlich fehlkonstruierte Bundesliga. Die Profis wurden eine Vereinseinrichtung der Amateure, auf die Wirtschaft übertragen, würde die Börse gleichsam eine Sektion des Sparvereins. Die Mitglieder der höchsten Spielklasse bezogen das Obergeschoß, ohne daß der DFB das Erdgeschoß ausgebaut hatte.
So beginnen die Bundesliga-Mitglieder jede Spielzeit gleichsam wie Drahtseilkünstler, die zum Finale zwei Rivalen in die Tiefe schubsen. Wie ein frühkapitalistischer Arbeitgeber verweigert ihnen der DFB das Netz: eine zweite Bundesliga.
Das Kicker-Unterhaus von 16 bis 32 Klubs würde den bezahlten Fußball von jetzt 101 Bundes- und Regionalliga-Klubs auf höchstens 50 Vereine gesundschrumpfen lassen. Eine Bundesliga-Unterklasse garantierte Absteigern mehr Zuschauer als jetzt die Regionalliga und somit eine gesündere wirtschaftliche Basis.
Doch bislang blockierten die 35 Amateur-Vertreter im DFB-Beirat gegen die nur zehn Delegierten-Stimmen des bezahlten Fußballs eine wirtschaftlich vertretbare Klassenordnung. "Von mir aus macht doch die Bundesliga kaputt", resignierte DFB-Vorstandsmitglied Professor Karl Zimmermann aus Karlsruhe vor einem Veto der Konservativen, das sicher wie das Amen in der Kirche folgte.
Bezahlung für Spitzenspieler ließen die Amateure sich noch abringen. Aber ein bißchen Jungfrau sollten die Profis doch bleiben: Knauserig setzte die DFB-Mehrheit Grenzen für Prämien und Gehälter fest, statt die Marktregel von Angebot und Nachfrage zu akzeptieren. Als unausweichliche Folge entstand ein schwarzer Spielermarkt. Die Transaktionen übernahmen Agenten und Spielerhändler, die dem DFB nicht angehörten und daher risikolos die Grenze zwischen Bundesliga legal und Bundesliga kriminell überschritten.
Am Rande und abseits der unrealistischen DFB-Legalität weitete sich eine graue Zone aus. Wer sich an die DFB-Zahlungsgrenzen hielt, blieb an der Spielerbörse auf Statisten sitzen.
Den normalen Rechtsweg riegelte der DFB ab. Vereine oder Spieler dürfen nicht ohne seine Genehmigung vor ordentlichen Gerichten klagen. Seine eigenen Fußballgerichte besitzen jedoch kaum Kontroll-Chancen. Sie dürfen keinen Eid fordern und können Aussagen nicht erzwingen. "Beim DFB darf jeder ungestraft lügen", stellte Wilhelm Tiefenbach, der Vorsitzende des MSV Duisburg, fest.
Inzwischen bestätigte sogar ein Urteil des Bundesarbeitsgerichtes, daß die Klubs keine Zahlungsgrenzen des DFB-Statuts einzuhalten und Geheimklauseln nicht vorzulegen brauchen: "Das Fehlen einer Genehmigung durch den Bundesligaausschuß allein nimmt dem Zusatzvertrag nicht die Rechtswirksamkeit.
Einmal, 1965. boten sich dem DFB freiwillige Zeugen an. Hertha BSC beschuldigte 35 Lizenzspieler aus 14 der 16 Bundesliga-Klubs, unerlaubte Gagen angeboten, verlangt und angenommen zu haben. Damals forderten die DFB-Oberen alle betroffenen Vereine auf, gegen Hertha vor ordentlichen Gerichten vorzugehen. Nach DFB-Statuten war die Bundesliga reif zur Auflösung. Doch kein Klub klagte. Vielmehr mußte Störenfried Hertha BSC die Bundesliga zwangsweise verlassen.
Damals deckte der SPIEGEL auch einen konkreten Betrug auf: Hertha-Vorstandsmitglied Wolfgang Holst hatte den Spieler Alfons Stemmer von München 1860 mit 15 000 Mark gekauft. Stemmers Auftrag: Der Abwehrspieler sollte den abstiegsbedrohten Berlinern einen Sieg gegen München 1860 zuspielen.
"Lauf doch durch", ermunterte Stemmer den Gegenspieler Uwe Klimaschefski. Hertha gewann tatsächlich 3:1 und blieb in der Bundesliga. Statt dessen stieg Preußen Münster ab, das sich noch nicht wieder erholt hat.
Holst versuchte sich vor Gericht reinzuwaschen. Das Berliner Landgericht wies Holst damit in einem Zivilprozeß ab. Der DFB ließ das Gras auf seinem befleckten Rasen wachsen. Holst gehört nach wie vor dem Hertha-Vorstand an. In der letzten Woche beschuldigte er Canellas, den jüngsten Skandal eingefädelt zu haben. Dem kompromittierten Patzke stellte der Berliner Saubermann einen Persilschein aus.
Allerdings ruinierte Holst seinen Ruf nicht zu eigenem Vorteil: "Ich tat es für meinen Verein." Wie er beklagten auch andere Handlungen zugunsten ihres Klubs, die sie "in der eigenen Firma niemals" gewagt hätten (so Adalbert Wetzel, der frühere Präsident von München 1860). Der Gelsenkirchener Stadtkämmerer Dr. Hans-Georg König hinterzog als Vorsitzender von Schalke 04 Steuern zugunsten des konkursreifen Klubs und verlor sein Amt -- vorübergehend. Inzwischen rückte er zum Oberstadtdirektor auf.
Sogar Bundeswohnungsbau-Minister Dr. Lauritz Lauritzen geriet 1964 vor den Ermittlungsrichter. Als OB in Kassel hatte er Industriespenden an den finanzschwachen KSV Hessen Kassel vermittelt und sie als steuerlich abzugsfähig bescheinigt. Das Geld floß in eine schwarze Kasse und diente dazu, Kicker zu illegalen Überpreisen zu kaufen.
"Ob eine Stadt in der Bundesliga vertreten ist oder nicht", schrieb die "Frankfurter Rundschau", "kann über Politiker-Karrieren entscheiden." Im Rahmen des DFB-Statuts liegen Bundesliga-Ziele außer Reichweite. Deshalb erfanden pfiffige Funktionäre immer ausgefallenere Tricks am Außenrand der Legalität, die Insider augenzwinkernd als unvermeidliche Kavaliersdelikte rechtfertigen.
Nach DFB-Statuten war die Bundesliga reif zur Auflösung.
Zu doppelter Moral verführten Funktionäre und Trainer auch ihre Arbeitnehmer, die Kicker. In der Öffentlichkeit priesen sie Fairplay und sauberes Spiel. Tatsächlich jedoch hielten sie Spieler besonders vor entscheidenden Gängen an, ordentlich "einzusteigen". Nach Niederlagen halten Präsidenten und Trainer ihrer Mannschaft gern vor: "Ihr habt viel zu brav gespielt"
Der Grad ihres Erfolges hängt für die Stars vom Repertoire ihrer Tricks, Täuschungen und Tücken ab. Die geschicktesten entnerven ihre Gegner schon durch psychologische Kriegsführung. "Ich heiße Finken", pflegte sich ein Bundesliga-Kicker seinem Gegner vorzustellen, "und du wirst bald hinken."
Einige Kicker vermögen Leidensszenen wie erfahrene Tragöden darzustellen. Mit geschickten Scheinstürzen, Salti und Bodenrollen schinden sie Freistöße und Elfmeter heraus oder provozieren -- gleichsam als mimische Höchstleistung -- den Feldverweis des vermeintlichen brutalen Gegners.
Die Fußball-Herren weit vom Torschuß verdrängen den tiefen Zwiespalt in ihrem Gewerbe. Wenn durch die Zustände, die er geschaffen hat, abermals eine Affäre in die Schlagzeilen und auf die Mattscheiben geraten war, bagatellisierte der DFB sie meist als böswillige Erfindung von Feinden der Leibesertüchtigung.
"Es gibt keine Affäre Bundesliga", beschwichtigte DFB-Sprecher Gerhardt noch während des frischen Erdbebens in der Prunkliga, "es gibt nur eine Affäre in der Bundesliga." Um die Tatbestände zu verkleinern und zu vernebeln, bedienen sich die Fußball-Fachwarte einer markigen Terminologie aus vergangenen Zeiten:
Mit "bedingungslosem Einsatz" wird der Gegner "niedergekämpft". Als "Notbremse" verharmlosen sie ein Foul, mit dem überspielte Verteidiger einen schnelleren und geschickteren Gegner doch noch fällen. Außenseiter-Siege, von denen heute niemand sicher weiß, ob sie nicht erkauft worden sind, feiern sie als "glorreiche Ungewißheit des Sports". Ihr Schaugeschäft verklären sie zu "König Fußball".
Die gutgläubigen Kickerkameraden verkennen die vielfältigen Möglichkeiten, ungestraft zu manipulieren. Sie übersehen, daß auch sie Vereinspräsidenten ebenso wie ihre Stars und Trainer nur an einem Maßstab messen: am Erfolg, auch mit unerlaubten Mitteln.
An der Spitze, beim DFB, begannen die Manipulationen. 1962 bestimmte er als Höchstgehalt für Bundesliga-Spieler 1200 Mark. Nur ausnahmsweise und mit Sondergenehmigung durfte mehr gezahlt werden, etwa an Nationalspieler. Bald drang durch, daß der DEB die komplette Mannschaft des 1. FC Nürnberg als Ausnahme anerkannt hatte.
Nachdem 1965 die Traditions-Klubs Karlsruher SC und Schalke 04 schon abgestiegen waren, behandelte der Dachverband sie gleicher als die anderen: Er benutzte den Skandal um Hertha BSC als Vorwand und stockte die Bundesliga auf. Schalke und der KSC blieben erstklassig.
Wie der Fußballbund tricksen und täuschen auch die Klubs einander im Gegenverkehr. Vor der laufenden Aufstiegsrunde zur Bundesliga spekulierte der 1. FC Nürnberg etwa auf einen Leih-Trainer. Er lockte den Braunschweiger Bundesliga-Trainer Knefler mit einem Angebot von 50 000 Mark für fünf Wochen, weil Knefler zuvor Nürnbergs Haupt-Konkurrenten Fortuna Düsseldorf trainiert hatte. Eben deshalb lehnte Knefler ab.
Sogar "Siegprämien von dritter Seite sind gang und gäbe", versicherte der Trainer des FC St. Pauli, Erwin Türk. Tatsächlich zählen Branchenkundige schon Dutzende von Beispielen, lange bevor der letzte Skandal ruchbar wurde. So zahlte Rot-Weiß Oberhausens Präsident Maaßen 1969 Kopfprämien von je 500 Mark für ein Spiel, an dem seine Mannschaft nicht beteiligt war: Hertha Zehlendorf hatte in der Bundesliga-Aufstiegsrunde Oberhausens Rivalen, den SV Alsenborn, besiegt. Dadurch stieg Maaßens Mannschaft auf.
Volker Danner, Torwart des MSV Duisburg, verpetzte neben Arminia Bielefeld auch den Deutschen Vizemeister Bayern München: "Für eine Niederlage gegen Bayern sollte ich 12 000 Mark aus München bekommen. Ich habe abgelehnt."
Die Spitzenfunktionäre fürchten um ihre Wiederwahl.
Bayern München verlor in Duisburg gegen den MSV und verpaßte den Meistertitel. Danner und seine Mannschaftskameraden gelangten dennoch an ein Sonderhonorar von je 2000 Mark. Als Absender vermuteten sie einen anonymen Mäzen des Bayern-Rivalen Borussia Mönchengladbach, dem der Sieg des MSV Duisburg gegen Bayern München zum Titel verholfen hatte.
"Eine ganze Mannschaft kann man nicht bestechen", bog Alfred Strothe, der Vorsitzende des Bundesliga-Ausschusses, ab. Doch die Praxis erwies, daß schon ein Spieler wie Manglitz eine Niederlage herbeiführen kann. Torwart Manglitz vom 1. FC Köln ließ in 31 Punktspielen durchschnittlich 1,4 Tore passieren, in zwei Spielen gegen Bayern München und Rot-Weiß Oberhausen, jedoch elf Treffer. Diese Quote nährte den Verdacht auf absichtliche Fehlleistungen.
Auf jedes Spiel hat ein Mann überragenden Einfluß: der Schiedsrichter. Sein Urteil gilt als "Tatsachenentscheidung" und ist unumstößlich. Photos und Filme, die krasse Fehlurteile nachweisen, läßt der DFB als Unterlagen für einen Protest nicht gelten.
Zugleich behandelt der Fußballbund die Schlüsselfiguren jedes Kickerkampfes wie Parias. Er billigt den Schiedsrichtern nur 25 Mark Tagesspesen zu. So weckt er unbeabsichtigt in ihnen unbewußten Neid auf die ihrem Urteil ausgelieferten Stars mit den Ministergehältern, bewirkt Komplexe und Vorurteile.
Schon in der ersten Bundesliga -- Saison verbreitete sich auf den Rängen nach emporenden Fehlentscheidungen das Gerücht: "Ein Elfmeter kostet 1000 Mark."
Daß die instinkt-sicheren Fans richtig gewittert hatten, zeigte sich kürzlich vor dem Berliner Landgericht. Ein Zeuge beeidete, daß Hertha BSC über Karl ("Moppel") Alt, den früheren DFB-Schiedsrichter-Obmann" insgesamt 9800 Mark an sechs Schiedsrichter habe verteilen lassen:
"Alt habe eine Abrechnung durchgeführt, wobei er Spielorte, Schiedsrichternamen und Beträge genannt und auch erklärt habe", heißt es im Urteil, "daß es an bestimmten Orten mit bestimmten Schiedsrichtern nicht geklappt habe."
Zur Aufdeckung führte vom Fall Hertha BSC bis zur jüngsten Affäre nur eine Verquickung von Zufällen. So zeigen die ruchbar gewordenen Skandale sehr wahrscheinlich nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Funktionäre in den Klubs und beim DFB kennen die Abwehrwaffen gegen Manipulation, Betrug und Schiebung:
* Der Berufsfußball muß über seine Belange selbst entscheiden dürfen.
* Er muß der Amateur -- Gerichtsbarkeit entzogen werden.
* Angemessene Entlohnung muß die Schiedsrichter aufwerten.
* Der Verbandsvorstand muß im Eilverfahren die zweite Bundesliga durchsetzen. Alle Erfahrung steht allerdings dafür, daß die Fußball-Alten vorerst fast alles beim alten belassen werden. Auf dem DFB-Bundestag 1971 stehen die ausgearbeiteten Pläne der Reformer -- -sie sehen einen Bundesliga-Unterbau vor -- nicht auf der Tagesordnung, weil die Spitzen-Funktionäre um ihre Wiederwahl fürchten.
Doch im Wettlauf mit der Zeit sehen sich die Fußballführer nahezu überrundet. Immer mehr Zuschauer zweifeln an Sauberkeit in der Bundesliga. Sie könnten sich andere Unterhaltungen suchen, etwa Catcher-Turniere" bei denen die Rollen für Buhmänner und blonde Heiden offen verteilt sind.
Während sich bereits Staatsanwälte einschalteten, wiegelte der DFB noch ab. Einige Funktionäre begannen sogar, die Situation zu verkehren. So zeigte Hertha BSC den vermeintlichen Nestbeschmutzer Canellas "wegen grober Unsportlichkeit" an.
Als die Fußballsünder am letzten Donnerstag nach der ersten Einvernahme durch den Kontrollausschuß die Frankfurter DFB-Villa verließen, mußten sie durch aufgebrachte Fans Spießruten laufen. "Schieber, Schieber", beschimpften sie vor allem Manglitz, "Totengräber des Fußballs."
Der wichtigste Zeuge nebelte sich ein. Fußballfreund Merk aus Düsseldorf gab sein Telegramm an Offenbach nun als unbedachten Scherz aus. Ihm war sein Konflikt zwischen Wahrheit und Beruf klargeworden:
Als Zeuge gegen Arminia Bielefeld könnte er nur auftreten, wenn er bereit wäre, das Bankgeheimnis zu brechen. "Für meinen Verein hätte ich sogar meine Stellung riskiert", entschuldigte sich der Fortuna-Düsseldorf-Fan bei Canellas, "Offenbach liegt mir nicht so nah."
Gespickte Spieler werden ihre Sonderprämien nicht ungeschmälert verzehren können. Die Steuerfahndung ist ihnen schon auf der Spur. Und Kölns Generalstaatsanwalt Dr. Franz Drügh ermittelt bereits gegen Torwart Manglitz wegen "versuchter Erpressung, Untreue und anderer straf barer Delikte".

DER SPIEGEL 25/1971
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