28.06.1971

DIESE WOCHE IM FERNSEHEN

Montag, 28. 6.
20.15 Uhr. ARD. Panorama (Farbe)
Leitung: Peter Merseburger. Die weiblichen SPD-Abgeordneten wollen die Partei-Führung unter Druck setzen, um die Reform des Abtreibungsparagraphen 218 voranzutreiben. Außerdem informiert "Panorama" über die Kontroverse um die geheime Vietnam-Studie, die Präsident Nixon nun dem Kongreß übergeben hat. Der kürzlich verschobene Filmbericht über einen mittleren westfälischen Handwerksbetrieb, in dem Mitbestimmung und Gewinnbeteiligung beispielhaft realisiert worden sind, soll anschließend nachgeholt werden.
21.00 Uhr. ARD. Babylon (Farbe)
"Amerika ist ein Babylon der Unterdrückung und des Exils", sagt der Münchner US-Regisseur George Moorse ("Lenz"): In seiner "ziemlich ernsten" Musikshow, die er mit der schwarzen Schriftstellerin Joyce Burke ursprünglich für das New Yorker La-MaMa-Theatre ausgedacht hat, führt er acht stumme, elektronisch verfremdete Getto-Sketchs vor und erinnert bei einem Interview mit zwei in der Bundesrepublik stationierten Gis, daß "der Rassismus als Instrument der Herrschenden auch in Deutschland bekannt ist".
21.05 Uhr. ZDF. Zeit des Sterbens
In seinem ersten Spielfilm (1965) erzählt der mexikanische Regisseur Arturo Ripstein die Geschichte eines entlassenen Sträflings, der nach 18 Jahren Haft in sein Heimatdorf zurückkehrt und vergeblich versucht, dort in Frieden zu leben. Deutsche Erstaufführung.
21.45 Uhr. ARD. Titel, Thesen, Temperamente (Farbe)
Heinrich Böll nimmt zu den "Briefen aus einem anderen Land" Stellung, jenem kürzlich veröffentlichten 330-Seiten-Buch, das die Münchner Philologin Hildegard Baumgart aus der Korrespondenz von DDR-Bürgern zusammengestellt hat. Außerdem zeigt "TTT" ein Porträt des schwedischen Dramatikers und Essayisten Lars Gustafsson.
22.45 Uhr. ZDF. Porträt eines Außenseiters (Farbe)
Das "Filmforum" stellt den 32jährigen Kunsthändler Paul Anczykowski aus Münster vor, dessen erster Spielfilm bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes trotz des Widerstands aller deutschen Auswahl-Gremien als offizieller Beitrag der Bundesrepublik gezeigt wurde.
Dienstag, 29. 6.
20.30 Uhr. BR III. Anfang einer Therapie? (Farbe)
Der Journalist Otmar Engel untersucht, ob das Städtebauförderungsgesetz, das am 9. Juli dem Bundesrat vorgelegt wird, zur "Verbesserung unserer bebauten Umwelt ausreicht" oder ob "nötige Maßnahmen durch unsere Eigentums-Ideologie gebremst und behindert werden".
21.00 Uhr. ARD. Die süßen Spiele des vergangenen Sommers (Farbe)
Das tschechoslowakische Fernsehspiel (Regie: Juraj Herz) nach der Maupassant-Novelle "Die Fliege" wurde am 6. Mai kurzfristig vom ARD-Programm abgesetzt. Begründung: Das Stück, in dem "ein sommersprossiges Mädchen und fünf junge Männer einen herrlichen Sommer lang den Freuden der Liebe und der unbekümmerten Jugend leben", sei "für Jugendliche nicht geeignet" und deshalb zur 20.15-Uhr-Sendezeit untragbar. Statt dessen zeigte der NDR damals einen brutalen Kriminal-Reißer.
21.30 Uhr. NDR, RB, SFB III. Die Präsidentenrunde
Parlamentsreform, "Halbzeit-Wahlen", das "imperative Mandat", Versteuerung von Abgeordneten-Diäten und die Einbürgerung von Gastarbeiter-Familien -- über diese Themen diskutieren die Parlamentspräsidenten Wilhelm Baumgarten (Niedersachsen), Herbert Dau (Hamburg), Dieter Klink (Bremen), Helmut Lemke (Schleswig-Holstein) und Walter Sickert (Berlin). Leitung: Rudolph Borchers.
21.50 Uhr. ZDF. Impulse (Farbe)
Auch nach der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrags wird in der Bundesrepublik Schülern zum Teil ein verzerrtes Bild von den ehemals deutschen Ostgebieten vermittelt. Anhand von Zitaten aus deutschen Geographie- und Sozialkundebüchern soll belegt werden, daß eine "überholte antikommunistische Grundhaltung" und "die Klischees des kalten Krieges" vielfach noch gültig sind. Über diesen Mißstand werden sich in der Sendung auch der Berliner Pastor und Initiator des "Arbeitskreises Schulbuchanalyse", Günter Berndt, der Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Herbert Hupka, der Vorsitzende des Verbands Deutscher Schulgeographen. Willi Walter Puls, und der rheinland-pfälzische Kultusminister Bernhard Vogel unterhalten. Diskussionsleiter ist Wilfried Hoff er.
Mittwoch, 30. 6.
20.15 Uhr. ARD. Ein Kontinent spielt mit der Zukunft (Farbe)
Am Beispiel der Republik Nigeria will der Münchner Journalist Klaus Stephan "die Diskrepanz zwischen den sehr gut konzipierten entwicklungspolitischen Plänen der Industrieländer" und den Chancen von Schwarz-Afrika aufzeigen, "diese Pläne in Zukunft auch zu realisieren".
20.15 Uhr. ZDF Magazin (Farbe) Moderator: Gerhard Löwenthal.
21.00 Uhr. ZDF. Der Schrottplatz (Farbe)
Soziogramm einer Rocker-Gruppe von Montmelly, jenen Elendsvierteln vor Paris, in denen aus Nordafrika eingewanderte portugiesische, arabische und jüdische "Kolonial-Proletarier" zur Zeit von Baracken und Wohnwagen in moderne Wohnsilos umgesiedelt werden. Die Vorlage für dieses Fernsehspiel, eine Co-Produktion mit der ORTF, stammt von der französischen Schriftstellerin Christiane Rochefort.
22.00 Uhr. ARD. Fußball-Länderspiel Dänemark-Deutschland
Ausschnitte einer Übernahme vom dänischen Fernsehen.
Donnerstag, 1. 7.
20.15 Uhr. ARD. Leb wohl, Judas
Als "eine Krankheit" entlarvt der polnische Schriftsteller Ireneusz Iredynski in seiner jetzt für den Südwestfunk eingerichteten Judas-Parabel die bedingungslose Loyalität und Treue zu einem Ideal. In einer leeren Turnhalle auf ein Übungspferd gefesselt, wird ein Widerstandskämpfer (Vadim Glowna) von zwei rivalisierenden Gruppen so lange gefoltert, bis er "die Last des Glaubens" abwirft, Verrat begeht und sich anschließend erhängt.
21.25 Uhr. ARD. Revue II/71 (Farbe)
Moderator: Hans Lechleitner. Das Münchner Wissenschaftsmagazin informiert über die begrenzten Möglichkeiten, Vulkan-Ausbrüche exakt vorauszusagen, und berichtet über neuartige, aus tierischen Substanzen gewonnene "Ersatzteile" für Menschen, bei denen die gefürchteten Abwehrreaktionen des Körpers angeblich nicht auftreten. Außerdem wird der Futurologe und Soziologe Alvin Toffler zu seinem Buch "Der Zukunftsschock" interviewt und eine von japanischen Psychiatern entwickelte Methode vorgestellt, mit der psychische Reaktionen wie Freude oder Angst als "Gehirnstrom-Bilder" graphisch sichtbar gemacht werden.
22.00 Uhr. ZDF. Bilanz (Farbe)
Moderator: Wolfgang Schröder. Die Wirtschaftssendung beschäftigt sich mit der Absicht der Steuerreformer, Bewirtungsspesen nicht mehr als Betriebskosten anzuerkennen, und gibt Tips für den Urlaub im Ausland.
Freitag 2. 7.
20.15 Uhr. ARD. Notizen vom Nachbarn: Ein Unfall
Im letzten Juli kam der 23jährige Kölner Gießerei-Arbeiter Erich Lohoff -- vermutlich wegen Übermüdung -- auf der Autobahn München-Salzburg mit seinem Wagen von der Fahrbahn ab und prallte gegen eine Leitplanke. Die Folgen dieses schweren Verkehrsunfalls, bei dem der Vater des Fahrers ums Leben kam, hat Wilhelm Bittorf für den Süddeutschen Rundfunk mit der Kamera protokolliert.
21.00 Uhr. NDR, RB, SFB III. Der Zuschauer hat das Wort (Farbe)
In dieser Live-Sendung aus dem Funkhaus Hannover wird Zuschauern erstmals Gelegenheit gegeben, an Beiträgen des Dritten NDR-Programms Kritik zu üben. Gesprächspartner sind Dietrich Schwarzkopf (NDR-Fernsehdirektor), Peter Merseburger (Chefredakteur Zeitgeschehen), Julia Dingwort-Nusseck (Wirtschaftsmagazin Ultimo), Rudolph Borchers (Im Gespräch -- Politik in fünf Ländern), Walter Menningen (Forum, Das politische Studio) und Ludwig Schubert (Sozial-Report, Auslands-Report). Leitung: Rüdiger Proske.
23.00 Uhr. ZDF. Nederlands Dans Theater
Das Feature über die progressive holländische Ballettgruppe, die im letzten Jahr durch ihr Nackt-Ballett "Mutations" Schlagzeilen machte, hat der Stuttgarter Kritiker Hartmut Regitz zusammengestellt.
Samstag, 3. 7.
16.45 Uhr. ARD. Der Markt (Farbe)
Für 80 Millionen Dollar wurde vergangenes Jahr in den USA Trinkwasser verkauft. Auch in bundesdeutschen Haushalten wird immer häufiger statt des gechlorten Leitungswassers in Flaschen abgefülltes, klares Wasser verwendet. Über diesen Trend informiert das Wirtschaftsmagazin unter anderem.
18.45 Uhr. ZDF. Direkt (Farbe)
"Jugendgruppen, die sich kritisch; selbstbewußt und aktiv mit ihrer Lage in der Gesellschaft auseinandersetzen", möchte das ZDF mit seiner neuen Sendereihe ermuntern, "Erfahrungen und Ansichten in eigenen Filmbeiträgen darzustellen". Das Mainzer Jugendmagazin wird künftig einmal pro Monat gesendet und soll "das Desinteresse jugendlicher Zuschauer am Fernsehprogramm überwinden helfen".
19.00 Uhr. BR III. Polit-Party: Frau 71
Zu einer Diskussion über den "Standort der Frau in der Gesellschaft" hatte das Gäste ins Studio eingeladen -- darunter Gesundheitsministerin Käte Strobel, den Verhaltensforscher Otto Koenig, sowie Hausfrauen, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Psychologen, Stadträte und Studentinnen. Die interessantesten Aspekte des dreistündigen Gesprächs zeigt diese Sendung.
20.15 Uhr. NDR, RB, SFB III. War comes to America
1942 wurde der Hollywood-Regisseur Frank Capra vom Chef des amerikanischen Generalstabs beauftragt, Propaganda-Filme für die Armee herzustellen, durch die "der Feind sich selbst verurteilen" und den US-Rekruten klarwerden sollte, wofür sie kämpfen. Die Serie "Why we fight", die Capra aus erbeutetem feindlichen Dokumentar-Material und eingeschobenen Spielszenen montierte, wurde in allen alliierten Ländern und dem neutralen Ausland vorgeführt und galt als Vorläufer der "Stimme Amerikas". Den letzten, der insgesamt sieben Einstunden-Filme zeigt das Dritte NDR-Programm zum Abschluß der Frank-Capra-Werkschau in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
21.55 Uhr. NDR, RB, SFB III. Tramp, Tramp, Tramp
Mit dieser Stummfilm-Groteske von 1926 -- Harry Langdon spielt darin einen Schustersohn, der durch die Teilnahme an einem Preisrennen die väterliche Werkstatt sanieren und die schöne Joan Crawford erobern will -- war Langdon für Kritiker "endgültig in den Olymp der Komiker, zu Chaplin und Lloyd" aufgerückt.
Sonntag, 4. 7.
21.50 Uhr. ZDF. Der aktive Neutrale (Farbe)
Für diese "Zwischenbilanz einer Präsidentschaft" hat ZDF-Redakteurin Jutta Ahlemann zwei Wochen lang beobachtet, wie Bundespräsident Heinemann lebt.

DER SPIEGEL 27/1971
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