31.05.1971

Pullach intern

12. Fortsetzung
Im ersten Stock des Präsidentengebäudes der Geheimdienst-Zentrale Pullach ließ sich ein Spionage-Veteran bei Reinhard Gehlen melden. Der Besucher, ein Referatsleiter des Bundesnachrichtendienstes (BND), wollte dem Chef seine Sorgen vortragen: Er befürchtete, der BND werde allmählich unglaubwürdig.
"Herr Präsident", begann er, als er an einem kleinen Teetisch Platz genommen hatte, "mir ist aufgefallen, daß in Meldungen aus der Zone als Quelle neuerdings angeführt wird: .Von einem Mitarbeiter im SED-Zentralkomitee." Gehlen: "Ja, und?"
Der Referatsleiter: "Wir haben doch gar keinen Mitarbeiter im Zentralkomitee!"
Gehlen lächelte: "Wer will uns das Gegenteil beweisen?"
Der Referatsleiter: "Wir können nicht eine Quelle anführen, die es gar nicht gibt, und vor allem können wir nicht in unseren Berichten nach Bonn so tun, als hätten wir einen eigenen Mann im Zentralkomitee der SED sitzen."
Da unterbrach Gehlen seinen Mitarbeiter: "Natürlich können wir. Ich sagte Ihnen doch schon: Wer will uns das Gegenteil beweisen!"
Der Referatsleiter zögerte einen Augenblick, dann formulierte er vorsichtig einen Protest: "Ich halte ein solches Verfahren für unseriös. Das haben wir doch wirklich nicht nötig." Der Präsident verabschiedete ihn kühl.
Das Gespräch zwischen Gehlen und seinem Mitarbeiter, im Sommer 1958 geführt und im Tagebuch des Referatsleiters überliefert, offenbarte. daß die großen Tage der Ostspionage des BND ihrem Ende entgegengingen. Zwei Jahre nach seiner Erhebung zum einzigen Auslandsnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland stand der BND vor den Ruinen seines legendären Aufklärungsapparats im Osten: Er hatte kaum noch Einblick in das politische Entscheidungszentrum der DDR.
Schlag um Schlag hatte der DDR-Staatssicherheitsdienst das ostdeutsche Informationsnetz Gehlens zerrissen. Die zahlreichen V-Männer und Agenten, die zwischen 1953 und 1956 in der DDR verurteilt worden waren, ließen sich kaum ersetzen. Die harten Urteile schreckten neue West-Spione ab. Besonders schwer fiel es dem BND, wieder Spitzenquellen im Verwaltungs- und Parteiapparat des anderen Deutschland zu finden. Die vom SED-Regime verbreitete These. mit dem Eintritt in die Nato habe Westdeutschland der Wiedervereinigung eine Absage erteilt und sei ins Lager des Imperialismus abgewandert, blieb nicht ohne Eindruck auf jene Funktionärsschicht. deren DDR-Staatsbewußtsein von Jahr zu Jahr wuchs.
Aber auch in Osteuropa und in der Sowjet-Union boten sich dem BND immer seltener Chancen, Aufklärung zu betreiben.
Nach dem Abzug der Sowjets aus dem inzwischen neutralisierten Österreich gab es kaum noch Ansatzpunkte für eine Infiltration russischer Staats- und Militärorgane; in der Sowjet-Union selber war der BND auf ein paar unsicher arbeitende Gelegenheits-Spione angewiesen, die wenig meldeten.
Schon 1957 munkelten westliche Geheimdienstler, der sagenhafte General Gehlen sei über den Osten keineswegs so gut unterrichtet, wie er anderen weismachen wolle. Solche Zweifel stammten vor allem aus dem Pariser Special Committee der Nato, einem Sicherheits- und Abwehr-Gremium, dem ein Bericht des BND über die künftige sowjetische Deutschland-Politik zugegangen war. Dies war das Ergebnis:
Prognose Nummer eins lautete, die Sowjet-Union wolle, notfalls mit Gewalt, Westdeutschland ihrem Machtbereich einverleiben. Ein paar Seiten später hieß es jedoch in dem Pullacb-Papier, Moskau sei daran interessiert, die Bundesrepublik aus der Nato herauszubrechen und zu neutralisieren. Die dritte Erkenntnis: Der Kreml strebe eine Allianz mit Bonn an, uni die Amerikaner aus Europa hinauszudrängen. Eine vierte Version verhieß sogar ein sowjetisches Ja zu einem kapitalistischen, wiedervereinigten Reich, falls Bonn garantiere, daß ein Gesamt-Deutschland sich mit der Sowjet-Union verbünde.
Die Geheimdienstler in Paris wußten nicht, wie sie diese Sammlung von Zukunftsbildern deutsch-sowjetischer Beziehungen deuten sollten. "Uns schien", erinnert sich ein französischer Offizier. "als hätten mehrere Herren unabhängig voneinander ihre Lagebilder aufgezeichnet und uns die verschiedenen Versionen völlig ungeordnet auf den Tisch gelegt."
Deutlicher konnte ein Geheimdienst nicht entblößen, wie rätselhaft ihm die Weltmacht war, deren Geheimnisse er angeblich so gut kannte.
Dennoch wehrte sich Gehlen gegen die Erkenntnis. daß die Ostaufklärung seiner Organisation untauglich geworden war. Er duldete, daß übereifrige Untergebene in ihren Meldungen an das Kanzleramt Ost-Quellen aufführten, die nur in ihrer Phantasie bestanden; sie ließen einen dichten Nebel aufsteigen, der die Lücken und Engpässe des BND gegenüber der Außenwelt verschleierte.
Die Berichte aus Pullach wurden schwammiger und geheimniskrämerischer. Selbst offene Quellen (Wiedergabe sowjetischer Zeitungs- oder Rundfunkmeldungen) wurden zu Informationen "zuverlässiger Kreise im Osten" hochstilisiert.
Gehlen konnte die nachlassende Leistungsfähigkeit seines Apparats eine Zeitlang vertuschen, weil die wenigen Spitzen-Agenten, die der BND im Osten noch unterhielt, ihm ermöglichten, ab und zu Erfolge vorzuweisen. Es waren jedoch meistens negative Erfolge, Bravourstücke der Pullacher Gegenspionage (Illf), bei denen es nicht um Aufklärung, sondern um Verwirrung der Gegenspieler ging.
Einer dieser Spitzen-Agenten bot dem BND sogar die Gelegenheit. den militärischen Geheimdienst der DDR auf Jahre hinaus auszuschalten -- der S-Agent Siegfried Dombrowski, Oberstleutnant der Nationalen Volksarmee. Der Fernfahrer-Sohn Dombrowski, Jahrgang 1916, gelernter Autoschlosser und Mitglied der kommunistischen Jugendorganisation, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, auf einer Agentenschule in Moskau ausgebildet, dann Politoffizier der Kasernierten Volkspolizei, war im September 1955 in eine mysteriöse Dienststelle Ost-Berlins berufen worden.
Sie trug den harmlosen Namen "Verwaltung für Koordinierung" (VfK), war in Wahrheit aber dazu ausersehen, die Militärspionage gegen die Bundesrepublik zu steuern, In einem Kasernenareal in Berlin-Grünau trat Dombrowski als stellvertretender Leiter an die Spitze des neuen Spionageapparats.
Doch der Oberstleutnant Dombrowski hatte eine Schwäche: Er liebte das gute Leben, er fuhr gerne nach Westdeutschland. Bei einem seiner Abstecher in den Taunus lernte ihn Ostern 1956 ein Geheimdienst-Profi kennen, der als Forscher für das Bundesamt für Verfassungsschutz und die Central Intelligence Agency (CIA) arbeitete.
Pullach lanciert gefälschtes Material: Der sowjetische Geheimdienst verhaftet einen eigenen Mann.
Der Vermittler bot Dombrowski ein Monatsgehalt von 800 Mark für den Fall, daß er sich entschließe, für die "bundesdeutsche Abwehr" zu arbeiten. Dombrowski akzeptierte. Später kamen CIA und Verfassungsschutz überein, den Agenten an Gehlens BND abzutreten; fortan lieferte Dombrowski sein Material nur noch an Pullach.
Die Berichte Dombrowskis enthüllten dem BND Arbeitsweise, Personal und Aufgaben der Verwaltung für Koordinierung; informierten über Pannen der VfK und über die Rivalität zwischen VfK und Staatssicherheitsdienst.
Als sich der VfK-Chef, General Linke, am 18. März 1958 mit den führenden Männern der sowjetischen Militärspionage (Chef: Generaloberst Schtemenko) in Moskau zusammensetzte, war auch der BND dabei. Ein paar Tage später las die Zentrale Pullach, was sich Linke in unsicherem Deutsch in sein Diensttagebuch geschrieben hatte:
Das vom Minister an den Armeegeneral übergebenen Materials (über die Bundeswehr) sagte der Gen. Schtemenko folgendes. Inhaltlich war es gut bis auf einige Differenzen in den Zahlen der Divisionsstärke, die bei den Freunden etwas höher ist und die Zahl der Schiffe die bei den Freunden mit 100 und bei uns mit 47 angegeben sind ... am meisten macht sich das fehlen einer militärpolitischen Prognose der Entwicklung bis zum Jahr 1960 bemerkbar. Dar letzte Manöverbericht vom November war gut bis auf den Versuch einer Analyse der aber nicht gelungen ist. Die Militärgeografischen Beschreibungen der Stätte fehlen, Bald jedoch ging im KGB-Hauptquartier das Gerücht um, in der VfK-Zentrale sitze ein BND-Agent; davon hörte auch Oberst Igonin vom sowjetischen Beraterstab in der VfK. Ihm kam alsbald der Verdacht, der Oberstleutnant Dombrowski sei der gesuchte Gehlen-Spion. Er veranlaßte den KGB-General Dimitrow, gegen Dombrowski zu ermitteln. Im Juni lag dem KGB-Genenil der Ermittlungsbericht vor. Ergebnis: Nicht Dombrowski, sondern Igonin spionierte für den BND.
Das überraschende Resultat ging auf eine Intrige der IIIf-Experten in Pullach zuruck. Sie hatten rechtzeitig erfahren, daß Dombrowski gefährdet sei. Die Spezialisten der Abteilung Technik. von Dombrowski mit Schriftproben Igonins versorgt, fertigten Berichte in der Handschrift des Sowjet-Obersten an und spielten sie dem KGB zu.
Das in Pullach frisierte Belastungsmaterial überzeugte den KBG-General Dimitrow. Er ließ Igonin verhaften und nach Moskau abführen. Doch die BND-Führung bezweifelte, daß der Trick lange währen würde. Im August 1958 erhielt Dombrowski Order, noch möglichst viel Geheimmaterial zu photokopieren und sich auf einen schnellen Abruf vorzubereiten.
Dombrowski kam schneller, als die Skeptiker in Pullach erwartet hatten. In der Weihnachtszeit floh er in die Bundesrepublik --- die Sowjets hatten herausgefunden, wer die Geheimnisse der DDR -Militärspionage verraten hatte.
Das DDR-Verteidigungsministerium beeilte sich, durch Degradierung des Generals Linke und einen Umbau der VfK Selbstkritik zu üben, doch der Staatssicherheitsdienst nutzte die Chance, die VfK-Rivalen zu demütigen. Am 26. Februar 1959 nahm er Linke, zwei Oberste und 67 weitere VfK-Angehörige in Untersuchungshaft; 200 Offiziere und Soldaten wurden aus dem Aufklärungsdienst entlassen. Es dauerte fünf Jahre, ehe die Armee-Spione der DDR wieder aktiv wurden.
Erfolge wie der Fall Dombrowski tauchten jedoch in der BND-Bilanz immer seltener auf. "Für uns", so resignierte ein BND-Vetei an, "schwammen noch ein paar Heringe in einem Teich, in dem sich einige Jahre vorher Haie und Hechte getummelt hatten." Die Zeit der großen Gehlen-Agenten im Osten war zu Ende.
Doch der BND-Präsident rührte sich kaum, seine Organisation wieder aus der Sackgasse herauszuführen. Erschreckt beobachteten die Mitarbeiter, daß sein Elan und seine Arbeitskraft nachließen; ihm schien an der Wahrung eigener Interessen mehr gelegen als an der Leistungsfähigkeit des Dienstes.
Gewiß, er hatte sich schon lange nicht mehr um Organisationsdetails gekümmert; seine Stärke lag in der Intuition, in der Analyse, im blitzschnellen Erfassen kommender Entwicklungen. Aber solche Gleichgültigkeit gegenüber organisatorischen Fragen hatten die Gehlen-Kenner an ihm noch nie zuvor beobachtet.
Gehlen empfing nur noch selten Abteilungs- und Referatsleiter, die ihm ihre Sorgen anvertrauen wollten. Meistens wurden sie von "Alo", Gehlens gefürchteter Chefsekretärin, abgefangen: nicht selten schob ihr der Chef Personalentscheidungen und unangenehme Unterredungen mit Untergebenen zu. Kritik hörte er ungern -- er hatte schon genug Ärger mit den 16 Verwandten. die von ihm im BND untergebracht worden und eine ständige Quelle hausinternen Klatschs waren,
Reinhard Gehlen wurde nur munter, wenn es galt. Positionen zu verteidigen
-- eigene und die des BND. Er hatte sich mit Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU liiert, die seine Interessen im Bonner Bundeshaus vertraten. Nichts schien ihn mehr zu bewegen; als die Machtstellung zu zementieren, die er sich und seinem Geheimdienst in Westdeutschlands Regierungssystem gesichert hatte.
In der Tat konnte sich kein anderer Geheimdienst der Bundesrepublik mit dem Einfluß messen, den der BND im Staate Konrad Adenauers ausübte. Obwohl er sich die Macht mit zwei schwächeren Konkurrenten, dem
Verfassungsschutz und dem Militärischen Abschirmdienst, teilen mußte, war er auf eine besondere Art mit dem Regierungsapparat verbunden.
Er stand unmittelbar dem Bundeskanzler und unterlag keinerlei Fachaufsicht (wie etwa Verfassungsschutz durch den Bundesinnenminister). Er war so etwas wie ein hauseigener Geheimdienst des Kanzleramts.
Adenauers "graue Eminenz", der Kanzleramts-Staatssekretär Hans Globke, führte die Dienstaufsicht über den BND. Er nahm sich mit besonderem Eifer wichtiger Personalfragen des BND an und inspizierte Abteilungen der Zentrale.
Adenauer spielt den BND gegen das Auswärtige Amt aus.
Mochte auch die Ostarbeit stagnieren. der Apparat rotierte und produzierte. Aus Pullach ergoß sich ein schier unerschöpflicher Strom von Informationen, Hinweisen und Berichten ins Kanzleramt, darunter
* der BND-Schnelldienst über wichtigste Ereignisse, jeweils in zwei Sätzen zusammengefaßt, > die BND-Wochenberichte, > die Lageberichte Ost, > die Monatsanalysen, > die Länderstudien,
* Gutachten. Prognosen und Trend-Analysen.
Fernschreiber, drei Flugzeuge und eine Staffel von Kurieren standen ständig bereit, Meldungen ins Kanzleramt zu befördern. Den Hauptdienst verrichteten dabei die Kuriere, meist pensionierte Offiziere, die -- immer zu zweit -- nachts fuhren, Eisenbahnabteile II. Klasse benutzten, nicht schlafen und nie (nicht einmal beim Gang auf die Toilette) ihre mit Leder überklebten Stahlkoffer unbeobachtet lassen durften.
Die in Pullach gefertigten Berichte beeindruckten Adenauer so, daß er sie vermeintlich nachlässigen Bundesbehörden vorhielt. Versagte einmal der Verfassungsschutz, so schickte ihm der Kanzler prompt die angeblich gründlicheren BND-Meldungen zu.
Am ärgsten hatte das Auswärtige Amt unter Adenauers Vorliebe für den BND zu leiden: Kanzler-Marginalien auf BND-Berichten belehrten den Außenminister Heinrich von Brentano stets, daß die Geheimdienstler wieder einmal besser gearbeitet hätten als die Diplomaten. Meistens unterdrückten die AA-Räte ihren Ärger. auch wenn sie fanden. die BND-Berichte läsen sich "oft wie Reise- und Gesprächsschilderungen in Tageszeitungen, nur mit weniger Details. dafür mit Geheim-Stempeln und kunstvoll verdeckten Informanten" -- so die Auffassung eines AA -Ost experten.
"Die Gehlen-Organisation, beobachtete der Publizist Ulrich Blank, "hat das fast aristokratische Privileg, Analysen, Expertisen anzufertigen, die sich sonst die höhere Ministerialbürokratie vorbehält. Bedenklicher noch: Der BND verdrängte sie nicht selten von ihrem legitimen Platt.
Trat Adenauer eine Auslandsreise an. so ließ er sich nicht vom AA. sondern vom BND über das Besuchsland informieren. So mußte der BND monatelang die Rätsel japanischer Innenpolitik ergründen, weil Adenauer Japan besuchen wollte -- noch Jahre danach stapelten sich in Pullach die Japan-Berichte, die man abzubestellen vergessen hatte.
Adenauer animierte auch andere Politiker und Ministerien zu engster Zusammenarbeit mit dem BND. Als Bundespräsident Lübke nach Brasilien reiste, sah er zuvor das Bollwerk lateinamerikanischer Militärdiktaturen durch die wohlwollende Lupe eines BND-Aufklärers. Das Auswärtige Amt zog den BND zur eigenen Sicherheit heran -- zum Schutz gegen die "Wanzen" (Abhöranlagen) fremder Geheimdienste in bundesdeutschen Auslandsmissionen und gegen die Infiltration gegnerischer Agenten in den diplomatischen Dienst. 2500 Mitarbeiter von Gehlens Ost-Aufklärung haben nichts mehr zu tun.
Wer sich so sicher im Zentrum westdeutscher Macht angesiedelt wußte, konnte getrost seinen Einfluß immer mehr ausweiten:
* Gehlen setzte durch, daß die alliierte "Hauptstelle für Befragungswesen" -- sie vernahm jeden Flüchtling aus dem Ostblock -- vom Bund übernommen. ihr Material weitgehend dem westdeutschen Geheimdienst zugeleitet wurde.
* Gehlen erwirkte dem BND das Recht. seine Etatmittel im Bundeshaushaltsplan nur noch global anzuführen und Sonderzuschüsse im Etat anderer Ministerien verschleiert unterzubringen.
* Gehlen sicherte dem BND das Recht. Angriffe gegen ihn selber aufzuklären und abzuwehren. Je mehr sich aber der BND ausdehnte, desto unsicherer wurde die Basis, auf der seine Machtstellung beruhte. Denn die Zerstörung der Gehlen-Netze im Osten hatte die gesamte Organisation derangiert; 2500 Mitarbeiter Gehlens, in Filialen, Bezirks- und Untervertretungen einseitig nur mit der Ostaufklärung befaßt, waren praktisch arbeitslos geworden.
Die Führungsfäden der einzelnen Dienststellen des BND, von ihren V-Männern im Osten abgeschnitten. hingen wirr herum und verhedderten sich miteinander. Jetzt rächte sich, daß Gehlen seine Organisation wie ein Labyrinth angelegt hatte; nicht einmal der Chef wußte noch, welche Dienststellen intakt waren und welche nur, um eine Existenzberechtigung vorzutäuschen. Spielmaterial konstruierten.
Das Chaos im Apparat scheuchte eine Gruppe von BND-Beamten zum Widerstand gegen Gehlens Lethargie und Alleingänge auf. Sie schlugen dem Chef vor, ein Organisations-Experte solle Ordnung in das Durcheinander bringen: ein Vizepräsident an der Seite Gehlens müsse den BND modernisieren und erweitern.
Gehlen hörte sich die Argumente an. doch zögerte er mit seiner Entscheidung so sehr, daß schon das Gerücht aufkam. er wolle den ehemaligen Brigadegeneral Wolfgang Langkau, Leiter einer Sonderabteilung, die sich "Strategischer Dienst" nannte und dem BND-Präsidenten unmittelbar unterstellt war, zum Vizepräsidenten ernennen.
Doch die Reformer lehnten den als Intriganten verrufenen Langkau ab, weil er Gehlen allzu ähnlich war. Er glich dem BND-Chef nicht nur in der Figur, er hatte auch mit ihm im gleichen Artillerie-Regiment gedient und teilte mit ihm jene Geheimniskrämerei, die beide mit Geheimdienstarbeit verwechselten,
BND-Vizepräsident Worgitzky reorganisiert die Nachrichtenbeschaffung.
Langkau hatte offenkundig einen konspirativen Tick: er schloß sich oft in seinem Büro ein, öffnete nur nach verabredetem Klopfzeichen und traf sich später mit Politikern (er war Gehlens wichtigster Kontaktmann zu den Parteien, vor allem zur CDU/CSU) gerne an zwielichtigen Orten. Langkau, so spotteten seine Gegner, halte sich für so geheim, daß er selber nicht wissen dürfe, daß es ihn überhaupt gebe. Bedenklich erschien ihnen, daß er völlig unkontrolliert, fast ohne Tuchfühlung mit anderen Abteilungen. BND-Politik nach draußen trieb -- das im Special Committee gescheiterte Rußland-Memorandum war sein Werk gewesen.
Als Gehlen das Gerücht von der Kandidatur Langkaus nicht dementierte, probten die Reformer den Aufstand. Mehrere BND-Beamte ließen den Präsidenten wissen, wenn Langkau Vize werde, würden sie den Dienst verlassen und zur Bundeswehr übertreten.
Gehlen akzeptierte den Kandidaten der Reformer. den freilich auch er schon als Vizepräsidenten erwogen hatte: Hans-Heinrich Worgitzky, Leiter der Außenstelle Hamburg. Der ehemalige Generalstabs-Oberst, Jahrgang 1907, im Zweiten Weltkrieg Feindlage-Bearbeiter (Ic) der Heeresgruppe Mitte, seit Dezember 1946 Mitglied der Organisation Gehlen, ab Juni 1951 als Leiter der Generalvertretung N (Bremen) mit der "Zonenaufklärung" befaßt. gehörte zu den populärsten BND-Männern und galt als guter Organisator.
Er machte sich, am 24. Mai 1957 zum ersten Vizepräsidenten des Bundesnachrichtendienstes ernannt, sofort an die Arbeit. Er wollte den überdehnten Apparat abbauen, die Nachrichtenbeschaffung rationalisieren: da Worgitzky bezweifelte, daß der Einsatz von V-Männern zeitgemäß und im sowjetischen Machtbereich noch vertretbar sei, plante er, ausschließlich hochqualifizierte Reisequellen im Osten einzusetzen und offene Quellen (Funk, Presse. Fachliteratur) verstärkt auszuwerten.
Manche seiner Ideen durfte er verwirklichen. Die Dienststellen der Org wurden reorganisiert, die Modernisierung des Kommunikationssystems beschleunigt. Wissenschaftler wurden angeworben, die Grundlagenforschung erweitert.
In Pullach etablierte sich eine Telephonzentrale, die groß genug war, eine Stadt von dem Umfang Passaus oder Detmolds zu versorgen. Es kamen verstärkt Fernschreiber mit elektronischen Zerhackern in Gebrauch, die den Text in einen Wort- und Zahlenwust verwandelten, der beim Empfänger erst mit einem Spezialgerät lesbar gemacht werden mußte.
Über einen superstarken Kurzwellensender, der im 13-Meter-Band hauptsächlich in der Zahlengruppe zwischen 14 und 31 arbeitete, hielt der BND Kontakt zu den Außenstellen. Führungsanweisungen sendete er im einseitigen A-3-Verkehr; die mit einer Kennziffer versehenen Durchsagen wurden in Blindfunksendungen ausgestrahlt.
Wo immer "Worgy" modernisieren konnte, griff er zu. Der BND rühmte sich später, als erste Bundesbehörde die Fünf-Tage-Woche eingeführt zu haben. Der erste behördliche Computer Westdeutschlands stand in Pullach. Elektronik, Datenbanken, Zerreißwölfe (zur Vernichtung alter Akten), ein Indication Center für die frühe Erkennung weltpolitischer Krisen -- jedes technische Mittel wurde erprobt, um die Leistung des BND zu erhöhen.
Gehlen schickt SS-Veteranen als Werber nach Südamerika.
Doch als der Vizepräsident den Apparat von unnützem Ballast befreien und auch personell auf einen produktiven Kern reduzieren wollte, fiel ihm der Präsident in den Arm. Gehlen wünschte keine weitere Rationalisierung. Der kluge, aber sensible Vize ließ sich allmählich von dem robusten Gehlen ausschalten und auf Randgebiete (der Nahe Osten wurde später sein unfreiwilliges Hobby) abschieben.
Denn Gehlen hatte längst eine Möglichkeit erspäht, von der Malaise der Ostaufklärung abzulenken und das Prestige des BND zu steigern. Bonn verlangte, was auch Worgitzky seit langem forderte: Der Geheimdienst müsse auch außerhalb des Ostblocks tätig werden. Endlich konnte der BND sich von der Fixierung auf den sowjetischen Gegner lösen -- Worgitzky hatte das immer angestrebt.
Die hausinternen Historiker Pullachs sehen denn auch in dieser weltweiten Öffnung einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte des BND. Eine BND-offizielle "Orientierungshilfe" besagt: "Die bis zu diesem Zeitpunkt geforderte Begrenzung auf militärpolitische Aufklärung in Osteuropa wird aufgegeben. Der Dienst erweitert seine Tätigkeit auf die Aufklärung der Krisengebiete in aller Welt."
Diese neue Aufgabenstellung hätte in der Tat zu einem Wendepunkt der BND-Geschichte werden können. Die Organisation Gehlen (Org) hatte, bedingt nicht zuletzt durch Stalins aggressive Europapolitik. als antisowjetischer Aufklärungsdienst begonnen: die Erkundung der Sowjet-Union und ihrer Satelliten war die einzige Aufgabe der Org gewesen. die Bekämpfung des Kommunismus ihr ideologisches Lebenselixier.
Jetzt hatte der BND die Chance. ein normaler Geheimdienst zu werden, der überall aufklärt, wo das Staatsinteresse es erheischt. Doch das setzte eine innere Umorientierung voraus, zu der das Gros des BND-Personals schwerlich Neigung zeigte. Es war aufgewachsen in den militärischen Traditionen des sogenannten Feindnachrichtendienstes, es war eingestellt auf bestimmte Feinde, die es zu überwinden, zumindest zu lähmen galt -- der moderne, wissenschaftlich differenzierte Geheimdienst aber hat sich längst von der Feind-Mentalität befreit.
Nur wenige der von Militär und Antibolschewismus geprägten Veteranen verstanden die neuen Lehren von der Weltmission des Geheimdienstes. "Aufgabe des BND", so formulierte einer seiner Wortführer, der ehemalige Generalmajor und BND-Chefauswerter Erich Dethleffsen, sei "die Beschaffung von Nachrichten aus anderen Staaten, die von diesen geheimgehalten werden. deren Kenntnis aber für die eigene Staatsführung von Wichtigkeit ist". Der BND-General argumentierte:
Es darf niemals auf eine breit angelegte, letztlich alle Kontinente erfassende Aufklärung verzichtet werden, da durch die zunehmende enge wirtschaftliche Verflechtung aller Länder der Erde sowie ideologische und rassistische Einflüsse die Entwicklung auch in abgelegensten Räumen für die eigene Politik von Bedeutung werden kann.
Gehlen schloß sich dieser These an, wenn er auch sicher den Vorbehalt machte, es gehe nicht zuletzt darum, in Drittländern neue Quellen über das Sowjetlager zu erschließen. Doch die von Worgitzky inaugurierte Richtungsänderung des BND war ihm lieb: Schon Ende der vierziger Jahre hatte er einzelne Agenten auch außerhalb des Ostblocks aufklären lassen.
Die ersten Fäden hatte die Org nach Südamerika gezogen. Dort waren aus Deutschland geflohene Nationalsozialisten teilweise in so einflußreiche Stellungen eingerückt, daß Gehlen ihrer Mitarbeit nicht entraten wollte. Zur Kontaktaufnahme setzte er ehemalige Angehörige der SS und des SD ein, die Verbindungen zu alten Kameraden in Argentinien, Brasilien und Chile herstellten.
Dann wurde der Org-Chef auf ehe malige SS-Führer im Nahen Osten aufmerksam, die sich arabischen Geheimdiensten verdingt hatten. Auch zu ihnen entsandte er einen Kontaktsucher aus einschlägigen Kreisen: den ehemaligen stellvertretenden Reichsjugendführer Hartmann Lauterbacher. Er heuerte einige Ehemalige für die Organisation Gehlen an.
1952 gelang der Org der große Einbruch im Nahen Osten: General Nagib, Ägyptens Staatspräsident und ein Freund der Almanis, rief deutsche Militärberater ins Land. unter ihnen auch einen Gehlen-Vertrauten. der im Zweiten Weltkrieg Feindlage-Bearbeiter von Rommels Afrikakorps gewesen war und dabei Fäden bis nach Kairo gesponnen hatte.
Der Gehlen-Mann erhielt von Nagib einen für die Org überaus nützlichen Auftrag: Er sollte gemeinsam mit dem späteren Innenminister Sakaria Muhieddin den ägyptischen Geheimdienst reorganisieren.
Auf solche Verbindungen konnte sich der BND stützen, als er daranging, im Bonner Auftrag auch in nichtsowjetischen Gebieten aufzuklären. Mit einem Programm nachrichtendienstlicher Amtshilfe drang er in die Länder der Dritten Welt ein, vor allem im Nahen Osten.
Ein Kommando von BND-Männern bildete in Indonesien militärische Geheimdienstier aus und löste die von der antiamerikanischen Propaganda hart bedrängten Kollegen von der CIA ab. 1965 sollten die BND-Ausbilder sogar in einen Bürgerkrieg eingreifen: durch Lieferung sowjetischer Gewehre und finnischer Munition an Indonesiens Armee.
Auch nach Afrika drang der Ruf der geheimdienstlichen Helfer. Als sich einer der schwarzen Potentaten Zentralafrikas von seinen Gegnern bedroht fühlte, rief er den BND herbei, seine Leibwache auszubilden. Ein BND-Kommando schulte und rüstete die Palastwache aus.
Andere folgten dem Beispiel. König Ibn Saud, die Regierung des Kongo, das Kabinett in Persien, die Geheimdienste von Tansania und Afghanistan -- jeder hatte eine Wunschliste.
Aber auch in westlichen Ländern tauchten die Aufklärer des BND auf. In der Hauptstadt jedes Nato-Staates wurden Residenturen mit dem Auftrag eingerichtet, vor allem die Beziehungen des Gastlandes zur Sowjet-Union zu beobachten. Die BND-Residenten in Washington -- sie standen im Generalsrang
rekognoszierten nicht zuletzt die Militärpolitik der USA.
Selbst an den verschleierten Etat-Zahlen des BND mi Bundeshaushalt ließ sich ablesen, daß sich Gehlens Apparat von Jahr zu Jahr mehr ausweitete: 1956 hatten die Gesamtausgaben des BND 23 Millionen Mark betragen, vier Jahre später hatten sie sich fast schon verdoppelt (43,4 Millionen Mark) für 1971 liegen sie bei 80,1 Millionen.
Noch einmal zeigte Gehlen etwas von seiner alten Kunstfertigkeit: Im nichtkommunistischen Ausland operierte der BND in manchen Gebieten bald produktiver, als es ihm jemals im Osten gelungen war.
Der BND bekam von seinen neuen afrikanischen Freunden fast freiwillig, was sich frühere Kolonialmächte wie England. Frankreich und Belgien nur durch umständliche Agenteneinsätze konspirativ beschaffen konnten Lagebilder über den sich politisch emanzipierenden Kontinent Afrika.
Zudem sorgten die vom BND unterstützten Geheimdienstchefs der jungen afrikanischen Staaten für einen stramm antikommunistischen Kurs, der Bonns Hallstein-Doktrin jahrelang zugute kam. Aber auch Westdeutschlands Industrie und Wirtschaft profitierte davon: Sie konnte in afrikanischen Ländern ausländische Konkurrenz verdrängen -- nicht selten im Zusammenspiel mit Gehlens Residenten.
Der BND signalisiert Widerstand Washingtons gegen Atompläne des Verteidigungsministers Strauß.
Die guten Beziehungen des BND zu den Geheimdiensten Israels und Ägyptens ermöglichten ihm, über Kräftepotential und Absichten der Kontrahenten im jüdisch-arabischen Konflikt besser informiert zu sein als westliche Geheimdienste. Mancher Staatsstreich in Afrika, manche politische Eruption in Asien wurde vom BND frühzeitig erkannt.
Aber die Dritte Welt bot auch eine Chance, die Ostaufklärung des BND wieder etwas zu verbessern. Das Personal der diplomatischen Vertretungen Sowjetrußlands und anderer Ostblockstaaten zeigte sich hier und da einer Ansprache durch den BND nicht abgeneigt.
Selbst den schwarzen Freitag westlicher Geheimdienst-Arbeit nach dem Zweiten Weltkrieg, den Bau der Berliner Mauer, überstand der BND weniger gerupft als seine Nato-Kollegen. Zwar kannte auch der BND Details und Datum des Mauerbaus nicht, er hatte aber immerhin seit Wochen die "totale Absperrung West-Berlins" (Meldung vom 9. August 1961) vorausgesagt.
Schon am 13. Januar 1961 war das Kanzleramt vom BND informiert worden, daß Ost-Berlin Straßen an der Sektorengrenze umleiten lasse. Lagebeurteilung vom 19. Juli: Die SED plane "Aufstellung von Sicherungseinheiten und Festlegung von Alarmplänen für alle zentralen Punkte Ost-Berlins"; am 1. August eine neue Voraussage: "Abriegelung der Berliner Sektorengrenze und die Unterbrechung des S- und U-Bahn-Verkehrs".
Auch über interne Vorgänge in den Zentren der Nato-Staaten war der BND gut informiert. Die noch immer weitgehend militärischen Interessen des BND (25 Prozent seines Personals kamen aus General- und Führungsstäben) verknüpften den Geheimdienst mit Strategie und Wehrpolitik.
Aus Nato-Kanälen stammten Informationen, denen die BND-Auswerter im Frühjahr 1962 entnehmen mußten, daß Washington und Bonn einem schweren Zusammenstoß zusteuerten. In Präsident John F. Kennedys neuer Administration, so besagten die Quellen, waren Militärpolitiker und Generale zu Einfluß gekommen, die Westdeutschland jeden Mitbesitz an Atomwaffen verweigern wollten.
Das mußte den ehrgeizigen Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß herausfordern, der schon ein atomar aufgerüstetes Westdeutschland als Schiedsrichter und Beschützer Europas sah. Seit die Militärplaner des Kennedy-Vorgängers Eisenhower Ende 1960 den europäischen Nato-Partnern 100 Mittelstrecken-Raketen zum eigenen Gebrauch angeboten hatten, träumte Strauß von einer Rolle an der Spitze einer westeuropäischen Atom-Großmacht.
Die BND-Meldungen an das Kanzleramt indes signalisierten das Ende solcher Träume, ja mehr noch: Sie sagten einen Konflikt mit Washington voraus, wenn das Bundesverteidigungsministerium die obsolet gewordenen Pläne weiterverfolge.
Adenauer reichte die BND-Analyse an Strauß weiter. Strauß reagierte rüde, denn er mußte befürchten, der militärpolitisch uninteressierte Kanzler werde den BND-Meldungen mehr Glauben schenken als den Thesen des Ministers und ihn aus Rücksicht auf Amerika fallenlassen.
Strauß trat zum Angriff an. Er forderte, der BND müsse radikal reformiert werden; es gehe nicht an, daß ein Geheimdienst Nachrichten beschaffe und sie zugleich auswerte -- die Auswertung militärischer Nachrichten gehöre in den Kompetenzbereich des Verteidigungsministeriums. Er hielt schon einen Vertrauten bereit, der Gehlen in Pullach ablösen sollte.
Just in diesem Augenblick tauchte an der Seite von Strauß eine Macht auf, die Gehlen für alle Zeiten neutralisiert zu haben glaubte: der Militärische Abschirmdienst (MAD), die Abwehrorganisation der Bundeswehr.
Gehlen hatte den MAD einst mitgegründet, die führenden MAD-Posten mit seinen Leuten besetzt. Doch ihm war entgangen, daß der Abwehrdienst der Bundeswehr eigene Interessen zu entwickeln begonnen hatte, die sich nicht mehr mit der Position des BND in Einklang bringen ließen. Die MAD-Führer hatten nicht verwunden, daß ihnen von Gehlen keine militärische Feindaufklärung zugestanden worden war; der MAD sollte nur Spionageabwehr in der Bundeswehr betreiben. Gehlens Kontakte zum SPIEGEL gemeinsame Front gegen Strauß.
Das genügte den MAD-Führern nicht, sie versuchten immer wieder, aus dem von Gehlen gezogenen Rahmen auszubrechen. Sie wollten zumindest erreichen, daß ihrem Apparat eine Mitwirkung bei der militärischen Aufklärung der DDR eingeräumt wurde.
Schon der ehemalige Gehlen-Stellvertreter Gerhard Wessel, inzwischen zum Leiter des militärischen Nachrichtenwesens der Bundeswehr avanciert. hatte bei dem BND-internen Streit um Langkau mit dem Gedanken gespielt, einen Teil des BND-Personals zu übernehmen und den MAD zum Aufklärungsdienst zu erweitern.
Jetzt fühlten sich die MAD-Oberen sogar von ihrem Minister ermuntert, mehr Kompetenzen zu fordern. Alte Gehlen-Mitarbeiter scherten in die Strauß-Front gegen den BND-Präsidenten ein, unter ihnen der MAD-Chef Selmayr und Wessels Nachfolger Brigadegeneral Ferber.
Derartig in die Enge gedrängt, igelte sich Gehlen ein und hielt Ausschau nach Verbündeten. Ihm konnte nur willkommen sein, daß es in Hamburg ein Nachrichtenmagazin gab, dessen Redakteure sich gerade anschickten, die Öffentlichkeit vor den für Demokratie und Rechtsstaat gefährlichen Ambitionen des Draufgängers Strauß zu warnen: den SPIEGEL.
Oberst Adolf Wicht, Leiter der BND-Außenstelle Hamburg, hatte vor geraumer Zeit Verbindungen zu dem Magazin aufgenommen -- es war nicht der erste Kontakt. Schon Anfang der fünfziger Jahre war es zu Gesprächen zwischen dem späteren Vizepräsidenten Worgitzky und SPIEGEL-Redakteuren gekommen. Dabei wurde im Frühsommer 1954 die Idee geboren, eine Titel-Geschichte über die noch völlig unbekannte Organisation Gehlen zu schreiben. Gehlen stimmte zu, machte jedoch zur Bedingung. ein "SPIEGEL-Verantwortlicher oberster Charge müsse die Story bearbeiten.
Hans Detlev Becker, damals Geschäftsführender Redakteur (später Chefredakteur, heute Verlagsdirektor) des SPIEGEL und seit Unteroffiziers-Tagen bei der Funkagenten-Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht an Geheimdienst-Fragen interessiert, übernahm das Projekt selber.
In einer konspirativen Wohnung Münchens interviewte er Gehlen. Die SPIEGEL-Titelgeschichte "Des Kanzlers lieber General" (SPIEGEL 39/ 1954) galt auf Jahre hinaus als die instruktivste Darstellung der Organisation Gehlen.
Worgitzky besuchte auch später noch zwei- oder dreimal jährlich die Redaktion und brachte 1956 kurz vor seiner Berufung nach Pullach den Nachfolger mit: Adolf Wicht, damals Bundeswehr-Oberstleutnant und ehedem Gruppenleiter in Gehlens "Fremde Heere Ost".
Eben dieser Oberst Wicht war auch am 18. September 1962 zur Stelle, als sich der lautlose Kampf zwischen Gehlen und Strauß zuspitzte. Er kam zur rechten Zeit: In der SPIEGEL-Redaktion schloß soeben der stellvertretende Chefredakteur Conrad Ahlers seine Titelgeschichte über den Bundeswehr-Generalinspekteur Foertsch ab, die Straußens antiamerikanische Militärpolitik ("Bedingt abwehrbereit") entlarvte; die Geschichte sollte in der darauffolgenden Woche erscheinen, ihre Veröffentlichung wurde aber dann um zwei Wochen verschoben.
Das Auftauchen Wichts wollte nun Ahlers dazu nutzen, einige militärische Passagen seines Artikels vom BND daraufhin überprüfen zu lassen, ob sie geheimhaltungsbedürftig seien. Wicht war bereit, die Passagen in Pullach vorzulegen. Ahlers stellte zwei Listen mit 13 Punkten zusammen, am 1. Oktober holte Wicht die Listen ab. Becker notierte: Die von Herrn Ahlers aufgestellten Fragelisten Wicht übergeben mit der Bitte, Antworten bis spätestens Donnerstag zu geben, da der Artikel Donnerstag technisch abgeschlossen werde.
Wicht schickte die Listen nach Pullach. wo sie ein Worgitzky-Helfer mit dem Decknamen Winterstein von BND-Militärs prüfen ließ. Ergebnis der Untersuchung: keine Bedenken, mit Ausnahme eines Punktes (der aber schon von Ahlers gestrichen worden war). Am 4. Oktober benachrichtigte Wicht den Verlagschef Becker.
Kaum aber war vier Tage später die Titelgeschichte erschienen, da wurde die Maschine in Gang gesetzt, die den schärfsten Kritiker Straußens und seiner Politik ausschalten sollte. Die SPIEGEL-Redaktion erfuhr, die Bundesanwaltschaft sei vom Verteidigungsministerium angestoßen worden, gegen das Hamburger Blatt wegen Verdachts des Landesverrats zu ermitteln.
Nur einer wußte davon nichts: BND-Oberst Wicht. Becker traf ihn erneut am 16. Oktober und notierte danach:
In dem Raum -- -- sagte Herr Wicht zu mir etwa den, Sinne nach: "Na, es ist ja alles sehr gut gelaufen. Der Foertsch-Artikel war ja sehr gut und mit Foertsch alles in Ordnung" Ich sagte, andernorts scheine man anderer Ansicht zu sein, denn ich hätte gehört, es werde doch irgend etwas an dem Artikel geprüft. Für Herrn Wicht war die Mitteilung nach meinem sicheren Eindruck eine Neuigkeit, denn er reagierte überrascht und gebrauchte eine begütigende Wendung.
Wicht erkundigte sich in Pullach. zwei Tage später saß er wieder vor Becker. Der Verlagsdirektor schrieb sich auf:
Vorsprache Wicht: Aufgrund meiner Bemerkung habe er nachgefragt und festgestellt, daß in der Tat wegen Geheimhaltungsverstößen in der Foertsch-Titelgeschichte ermittelt werde. Es gehe um Geheimnisse des Fallex-Manövers. Er und seine Dienststelle könnten keine Verantwortung für diese Fragen übernehmen, sondern nur für die ihnen vorgelegten Fragen.
Die Erklärungen Wichts verrieten die Ohnmacht, in die der BND bereits durch die Winkelzüge von Strauß versetzt worden war. Der BND ahnte nichts von der Nacht-und-Nebel-Aktion, die immer deutlichere Formen annahm. Der Geheimdienst war von Anfang an aus den geheimen Erörterungen zwischen Bundesanwaltschaft, Sicherungsgruppe Bonn und Verteidigungsministerium ausgeschaltet worden; kein BND-Vertreter (nicht einmal der dienstaufsichtführende Staatssekretär Globke) war geladen, als sich die Herren am 22. Oktober in Karlsruhe zusammensetzten, die letzten Details des Unternehmens zu besprechen.
Statt dessen übernahmen MAD-Offiziere das Kommando. MAD-Chef Selmayr und Sicherheitschef Ferber stachelten zu verschärftem Vorgehen an. Korvettenkapitän Koch von der MAD-Zentrale. dem Amt für Sicherheit der Bundeswehr, stieß zur Ermittlungsgruppe hinzu, drei Observationsgruppen des MAD schwärmten aus. SPIEGEL-Redakteure zu beschatten.
Einen Tag später formierten sich die Stoßtrupps gegen den SPIEGEL: Am 23. Oktober erließ der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof Haft- und Durchsuchungsbefehle gegen Ahlers und Herausgeber Augstein, zur gleichen Zeit rückte Oberkommissar Schütz mit fünf Beamten der Sicherungsgruppe nach Hamburg ab, empfangen vom MAD.
Die Nacht-und-Nebel-Aktion im Hamburger Pressehaus.
Am 26. Oktober gegen 21 Uhr durfte Schütz. assistiert von MAD-Oberst Schirmer, losschlagen. Die Geschäftsräume des Hamburger Pressehauses (und das Bonner Büro des SPIEGEL) wurden besetzt, Akten beschlagnahmt, jedes Zimmer durchsucht -- tagelang, wochenlang.
Am siebenten Tag schienen die Fahnder am Ziel ihrer Wünsche. Sie fanden in Beckers Büro jene Gesprächsnotizen. die der Verlagsdirektor nach den Zusammenkünften mit Wicht angefertigt hatte. Jetzt gab es für die Gehlen-Gegner keinen Zweifel mehr: Der BND-Chef stand hinter der Strauß-Kritik des SPIEGEL, Wicht hatte die Redaktion vor der Nacht-und-Nebel-Aktion gewarnt und ihr die Möglichkeit verschafft. das landesverräterische Material verschwinden zu lassen.
Aus der SPIEGEL-Affäre war plötzlich ein Fall Gehlen geworden. Die Verfolger zögerten nicht lange: Noch am 2. November wurden die vermeintlichen Verschwörer Becker und Wicht verhaftet, wenige Tage später geriet auch der BND-Chef und seine Führungsequipe in die Schußlinie.
Gehlens Verfolger wurden nicht müde, dem alten Herrn im Palais Schaumburg das Schreckensbild des Landesverräters Gehlen auszumalen. Ihre Verschwörer-These wurde immer uferloser, immer gespenstischer: Bald sahen sie ein weltweites Komplott von der CIA in Washington über Gehlen in Pullach bis zu Augstein in Hamburg, entschlossen. Adenauer und Strauß zu stürzen.
Einen Landesverräter Gehlen aber mochte der Kanzler nicht mehr im Regierungsapparat dulden. Vergebens verbürgte sich Globke für Gehlen (und erregte sich dabei derartig, daß er sofort einen Erholungsurlaub antreten mußte) Adenauer war mit Gehlen fertig. Schon am 7. November hatte Adenauer im Bundestag auf den BND angespielt. als er gegen Wicht polemisierte: "Ist es dann nicht erschreckend, wenn ein Oberst der Bundeswehr, nachdem er gehört hat, daß ein Verfahren gegen Augstein und Redakteure des SPIEGEL eingeleitet sei, hingeht und denen Bescheid gibt, damit Beweismaterial beiseite geschafft wird?" letzt aber wollte er sich den Anstifter solchen Verrats greifen.
Am 12. November mußten sich die Führer des Bundesnachrichtendienstes nach Bonn in Marsch setzen -- "zur Verfügung des Generalbundesanwalts", wie die Order besagte. Gehlen, Worgitzky. Winterstein und der Verwaltungschef Wendland mußten sich im Kanzleramt einfinden; sie wurden in getrennten Zimmern untergebracht.
Am gleichen Tag erreichte den Bundesjustizminister Stammberger und den Bundesanwalt Kuhn in Karlsruhe ein Anruf aus dem Bundeskanzleramt, der sie sofort nach Bonn beorderte. Als sie im Kanzleramt erschienen. wartete Adenauer bereits ungeduldig.
Adenauer: "Herr Stammberger. Sie müssen den Herrn Gehlen verhaften. Er hält sich in einem Nebenzimmer auf und ist dort greifbar."
Stammberger verstand nicht recht. "Warum soll ich den Herrn Gehlen festsetzen?", wollte er wissen. Darauf der Kanzler: "General Gehlen hat die Vorbereitungsmaßnahmen gegen den SPIEGEL dem Oberst Wicht mitgeteilt. und der hat sie dem SPIEGEL verraten."
Doch Stammberger lehnte ab: ..Herr Bundeskanzler. wenn wir keine harten Beweise haben. stellt uns kein Bundesrichter einen Haftbefehl aus." Bundesanwalt Kuhn stimmte ihm zu. Adenauer resignierte: "Ich bin auch einmal Staatsanwalt gewesen. Früher war das aber ganz anders."
Gleichwohl erklärte sich Kuhn bereit. die vier BND-Führer sofort einzeln zu vernehmen. Gehlen wurde zuerst befragt. Der BND-Präsident war offenkundig verwirrt, er gab nur stotternd Antwort und war sich kaum bewußt, was er da formulierte: Nein, er sei in die Sache nicht verwickelt, er wisse im Grunde gar nicht, worum es eigentlich gehe.
Als jedoch Kuhn darauf pochte, es bestehe aber Anlaß zu der Annahme, daß Wicht die SPIEGEL-Redaktion gewarnt habe, wich Gehlen zurück. Er könne natürlich, gab Gehlen zu Protokoll. nicht ausschließen, daß BND-Beamte im Außendienst auf eigene Faust gehandelt und mit dem SPIEGEL paktiert hätten.
Nicht ohne Ärger hörten die Zimmer-Nachbarn, was Gehlen erklärt hatte. Winterstein erregte sich: "Wenn das der Herr Präsident gesagt hat, dann irrt sich der Herr Präsident gewaltig." Noch einmal vernommen, zog Gehlen seine Erklärung wieder zurück. Die vier BND-Männer konnten gehen.
In Pullach aber bearbeiteten Winterstein und andere BND-Beamte ihren Präsidenten. eine Ehrenerklärung für Wicht abzugeben. Gehlen wollte sich nicht engagieren, er zögerte. Da erschien am 21. November in der "Westfälischen Rundschau" die Meldung. Gehlen solle "erklärt haben. "die Kontakte des Obersten Wicht zu bestimmten Redaktionen, darunter auch zur SPIEGEL-Redaktion. seien im Einverständnis und mit Billigung des Bundesnachrichtendienstes erfolgt".
Verhöre in Pullach: "Welche Beziehungen haben Sie zum SPIEGEL?"
Wer in Pullach die Meldung veranlaßt hatte, konnte nie geklärt werden, aber schon am übernächsten Tag schoß das Bundeskanzleramt zurück: "1. Der Präsident des BND hat sich weder selbst geäußert noch solche Äußerungen veranlaßt. 2. Der Präsident des BND ist sich immer im klaren darüber gewesen, daß die amtliche Unterrichtung der Öffentlichkeit über Fragen des Bundesnachrichtendienstes ausschließlich Sache der Bundesregierung ist"
Im Januar 1963 schlugen die Gehlen-Gegner noch einmal zu. Bundesanwälte und Beamte der Sicherungsgruppe fielen in die BND-Zentrale Pullach ein und verhörten die engsten Mitarbeiter Gehlens über die vermutete Verschwörung zwischen Pullach und Hamburg. Immer wieder hörten die BND-Männer dieselbe Frage: "Welche Beziehungen haben Sie zum SPIEGEL?"
Vor allem Vizepräsident Worgitzky hatte Mühe, sich aller Fragen zu erwehren. Als Beweismittel für konspirative Beziehungen diente sogar ein im SPIEGEL-Haus aufgefundener Spesenbeleg, der enthüllte, daß "Worgy" und Becker 1956 in der Hamburger Plüsch- und-Mahagoni-Speisestätte "Ehmke" nach Hummermedaillons zu Rebhühnern je eine ganze Flasche "Château Lafite Rothschild" getrunken, sich die Rechnung freilich auf altdeutsche Manier geteilt hatten.
Aber auch die Überraschungsaktion in Pullach verlief ergebnislos. Strauß stürzte, Wicht wurde rehabilitiert und später Brigadegeneral, der MAD erreichte nicht sein Ziel, dennoch hatte die Strauß/SPIEGEL-Affäre Gehlen und den BND des innenpolitischen Fundaments beraubt: Die Achse Gehlen-Adenauer war zerstört, für alle Zeit.
Nie konnte der BND-Chef die Demütigung des 12. November 1962 vergessen. Für Reinhard Gehlen war es der Beginn eines unaufhaltsamen Abstiegs. Der BND steuerte in eine unsichere Zukunft.
Im nächsten Heft
Die Felfe-Affäre: Ein Sowjet-Spion wird in Pullach Leiter des Rußland-Referats -- Eine Untersuchungskommission des Kanzleramts deckt die Mängel der BND-Führung auf -- Reinhard Gehlen verläßt den Bundesnachrichtendienst
Von Hermann Zolling und Heinz Höhne

DER SPIEGEL 23/1971
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