03.05.1971

Pullach intern

8. Fortsetzung
Im Hauptquartier der sowjetischen Ostseeflotte wurde Alarm gegeben. Späher des Obersten Albert Janowitsch Balodis, Abwehrchef des Staatssicherheitsdienstes der Lettischen Sowjetrepublik, hatten im Raum der kurländischen Küste im Seegebiet von Uzava ein fremdes Schnellboot (S-Boot) ausgemacht, das drei Männer an Land setzte.
Kurz darauf formierten sich zwei Zerstörer, sechs Fregatten und acht Schnellboote der Sowjet-Marine zur Jagd auf das unbekannte S-Boot. Im freien Seeraum zwischen der lettischen Küste und der Insel Gotland sichteten die Verfolger das Boot. Die Russen besetzten ihre Waffen, das S-Boot war schon deutlich zu erkennen.
Doch es ließ sich nicht einholen, die Distanz zwischen Flüchtling und Verfolgern vergrößerte sich immer mehr. Wenig später war das kleine Schiff verschwunden -- dank überlegener Geschwindigkeit. Die Russen merkten sich die Zeit des erfolglosen Zusammentreffens: September 1952.
Einige Tage danach klagte auf einem Empfang in Moskau ein sowjetischer Diplomat dem britischen Marineattaché, es sei wenig schön, daß unbekannte Schnellboote innerhalb der sowjetischen Hoheitsgewässer operierten. Die Sowjet-Union werde sich das nicht länger bieten lassen.
Der Brite entgegnete, es sei doch recht ungewöhnlich, daß Sowjet-Schiffe im freien Seeraum zuweilen Schießübungen auf gewisse Schnell-. boote abhielten. Das werde die britische Admiralität nicht länger hinnehmen.
Es war nicht das erste und nicht das letzte Mal, daß sowjetische Kriegsschiffe ein fremdes 5-Boot jagten, wenn auch immer ohne Erfolg: Das Boot war mit 45 Knoten schneller als die sowjetischen S-Boote, die damals eine Geschwindigkeit von 37 bis 40 Knoten erreichten.
Die sowjetische Flottenleitung mochte lange rätseln, warum es nicht gelang, das Boot zu stellen. Erst später erfuhr sie: Das Schiff fuhr ohne Armierung. Maschinenkanonen und Torpedorohre waren demontiert worden. Da konnten die Sowjet-Boote mit der schweren Last ihrer Torpedos, Kanonen und Munition nicht mithalten.
Zunächst nahmen die Russen an, es sei immer dasselbe Schnellboot, das sie jagten. Bald aber wurde ihnen klar, daß drei dieser hinken Boote auf der Ostsee operierten. Es waren Boote aus dem Restbestand der deutschen Kriegsmarine, auf einer britischen Werft repariert und mit einem weißen, nicht glänzenden Anstrich versehen -- Tarnfarbe für den Nachteinsatz auf glitzernder See.
Denn nur in der Dunkelheit konnten die Boote ihren Auftrag erfüllen: Kundschafter des Westens an der baltischen Küste der Sowjet-Union abzusetzen und erfolgreiche Spähtrupps aus dem Osten in den Westen zurückzuholen. Die S-Boote beförderten Agenten der Organisation Gehlen (Org) ins Feindgebiet, die auf dem Wasserweg "infiltriert" und "exfiltriert" wurden.
Das Ostsee-Abenteuer würde noch heute zu den Geheimnissen des Kalten Krieges zählen, wären nicht einige Teilnehmer dieses Unternehmens zu den Sowjets übergelaufen. Org-Chef Reinhard Gehlen aber verbarg selbst vor führenden Mitarbeitern, auf welchen Verbindungslinien der westdeutsche Geheimdienst in die Sowjet-Union vorstieß.
Einer der Organisatoren jenes Unternehmens, heute leitender Beamter im Bundesnachrichtendienst, erinnert sich: "Als wir von der Wasserseite in die Sowjet-Union einsickerten, machten wir aus der Not eine Tugend: Die Not war offenkundig: Seit Jahrzehnten entzog sich die Sowjet-Union fast jedem Infiltrationsversuch westlicher Geheimdienste.
Gehlen wußte nur allzu gut: Die UdSSR ist das wichtigste Ziel unserer Arbeit, aber auch das schwierigste." Da ein frontaler Angriff auf die Sowjet-Union zunächst unmöglich war, mußte sich die Org ihrem Ziel auf Nebenwegen nähern: über die Nachbarstaaten Sowjet-Rußlands, deren Polizei- und Sicherheitssystem noch nicht die Perfektion des sowjetischen besaß.
Im westlichen Vorfeld des sowjetischen Machtbereichs, der DDR, unterhielt Gehlen schon ein dichtes Netz von Quellen, Agenten und V-Leuten. Die "Nahaufklärung", wie die Organisation ihre Spionage in der DDR nannte, lief auf vollen Touren. Jetzt kam der nächste Zug: die "Fernaufklärung".
Gehlen wollte mit seinen Spähern weiter ins östliche Hinterland vorstoßen: nach Polen, in die Tschechoslowakei und nach Ungarn. Am 28. Februar 1953 erging von Pullach der "Grundsätzliche Hinweis" (WS Nr. 4883/53):
Dabei null erreicht werden, daß ... in ganzer Breite auf Fäden geachtet wird, die aus der SBZO (sowjetische Besatzungszone Deutschlands) und aus der Bundesrepublik nach Polen, der CSR und der UdSSR faulen, diese Faden auf ihre Tauglichkeit für unsere Ziele erforscht und zu Verbindungen ausgebaut werden. Bildhaft gesprochen, kann der hierbei einzuschlagende Weg etwa so festgehalten werden: Ire gesamten Bereich der UV (Untervertretung) Scheinwerfer In Ritte lung Polen-CSR-UdSSR auf; im Scheinwerfer auftauchende Fäden und Anknüpfungspunkte unter bes. "Punktbeleuchtung" nehmen mit den Ziel, ausreichende Erkenntnisse über die beiden Fragen: "Was ist? und "Was kann daraus entwickelt werden?" zu gewinnen.
Polen als strategisch wichtige Drehscheibe zwischen der Sowjet-Union und der DDR erhielt die "Dringlichkeitsstufe I. Gehlen: "Aus dem Raum jenseits der Oder-Neiße-Linie interessiert jede Nachricht."
Kaum ein Pole, der damals seine Heimat aus politischen Gründen verhell, entging den Forschern der Org. In den Lagern und Organisationen der Polen tauchten Gehlens V-Männer auf und gaben vor, für eine amerikanische Organisation Erkundigungen einzuziehen. Einem deutschen Geheimdienst hätten die Polen kaum Auskunft gegeben.
Zunächst waren es militärische Fragen für die sich Gehlens Fahnder interessierten: die Zentrale Pullach hatte die Fragen in einem Arbeitspapier formuliert. Die Org-Männer wollten wissen, wo sowjetische Truppen in Polen stationiert, wie stark die Unterkünfte belegt seien, an weichen Punkten es Versorgungseinrichtungen gebe und wo die Übungsräume der Sowjets lägen.
Fast wichtiger noch als militärische Details waren für die Org die Kenntnisse der Flüchtlinge über die Lebensbedingungen in ihrer Heimat Jeder Flüchtling verfügte über Informationen, die Gehlen benötigte, uns im Osten ein Nachrichtennetz aufbauen zu können.
Wollte die Organisation eigene Agenten in Polen einschleusen, so mußte sie wissen, welche Wege durch Grenzsperren ("Skizze durch Flüchtling anfertigen lassen Beförderungsmittel angeben") führten, wie die "Kontrollen in der Grenzsperrzone wann, wo und durch wen" vorgenommen, "welche Ausweise verlangt, anerkannt. beanstandet" wurden.
Vor allem aber war die Organisation an einer Antwort auf die Frage interessiert: "Welche Möglichkeiten gibt es, sich der Kontrolle zu entziehen?" Der polnische Flüchtling mußte berichten: "Wann und wo erfolgte Grenzübergang (Beschreibung des Geländes, genaue Einzeichnung der Schleuse in Kurie)?"
Derartig informiert, begannen Gehlens Planer, die Einschleusung von Agenten ins gegnerische Aufklärungsgebiet vorzubereiten. Auch dabei sollten die geflohenen Polen helfen. Die Befrager suchten herauszufinden, bei welchen Kontaktpersonen ein Spion ansetzen konnte: die Org-Fahnder wollten wissen, ob ein in der Heimat gebliebener Verwandter, Freund oder Bekannter des Flüchtlings für die Spionage zu gewinnen wäre.
Ständig waren Gehlen-Leute unterwegs, um für den Polen-Einsatz Agenten zu werben und Originalausweise zu sammeln. Da lieferte ein polnischer Mitarbeiter des "Control Centre" der Internationalen Flüchtlingsorganisation (IRO) aus der Münchner War ncr-Kaserne Namenslisten polnischer Flüchtlinge. Für 100 Mark benannte ein Pole 22 Landsleute, die 1950 aus Polen hach Westdeutschland geflohen waren. Im IRO-Lager Fürstenfeldbruck verpflichtete sich ein Dolmetscher, auf mögliche Agenten aufmerksam zu machen und polnische Personalpapiere zu sammeln.
Mit dem in München lebenden Polen S. M., so berichtete ein V-Mann im Sommer 1950, "wurde bei verschiedentlich durchgeführten Treffs vereinbart, daß er uns geeignet erscheinende polnische Flüchtlinge zur Verfügung stellt". I. K., ebenfalls aus München, "bereist dienstlich die auswärts liegenden DP-Lager. Bei einer Zusammenkunft erklärte er sich bereit, namentlich in den Lagern befindliche Polen zu benennen.
Polen waren an der internationalen Nachnichtenbörse stark gefragt. So mußte ein Gehlen-Mitarbeiter am 15. Juni 1951) melden: "Die Anwerbung von Agenten für Polen gestaltet sich zur Zeit etwas schwierig, da sämtliche hier im Nachrichtendienst tätigen Dienststellen außer der Ostzone auf Polen ihr Augenmerk richten."
Gleichwohl engagierten sich viele Polen für den westdeutschen Geheimdienst. Da erklärte sich der Pole W. B. bereit, "als V-Mann nach Polen zu gehen und dort eine Residentur zu schaffen, die von bestimmten Agenten angelaufen werden kann". Der Pole G. verpflichtete sich als Funker, "besteht aber auf vorher genau festgelegtes Existenzminimum sowie eine rechtzeitig durchgeführte Vorbereitung, wie Aufbau und Überprüfung eines Sendegerätes" -- so ein Bericht eines Werbers.
Einen guten Tip konnte auch der ehemalige deutsche Hauptmann W. B. geben, der sich, 1945 von den Polen gefangengenommen, in einem Kriegsgefangenenlager mit einem polnischen Offizier angefreundet hatte, "der als krasser Gegner alles Sowjetischen, aber auch Russischen besonders auffiel". Tipper W. B. erklärte sich "bereit, einem nach Polen gehenden Kurier einige Zeilen für den polnischen Offizier mitzugeben, um einen Kontakt mit diesem herzustellen".
Gehlens Agenten infiltrierten Polen. Der V-Mann Alfred Pietruszka legte Kurierwege und Tote Briefkästen un, der Agent Adolf Machura sammelte wirtschaftliche Informationen, der V-Mann Wilhelm Alrichs beobachtete Kasernen und Militärtransporte in Danzig, der Informant Henryk Skowronek meldete aus Gogolin, was immer ihm beachtenswert erschien.
Stets von neuem fanden sich Menschen, die Gehlens polnischen Spionage-Apparat bedienen wollten. Der Agent ODT Boß-18, mit bürgerlichem Namen Conrad Wruck, spannte gar seine ganze Familie für die Organisation Gehlen ein.
Vor einem polnischen Militärgericht sagte Wruck später aus: "Meine Schwester, Stefania Wazna, die an der Ostsee im früheren Zoppot wohnte, wurde im Gebrauch der Geheimtinte unterwiesen. Ich wandte mich auch an meinen Vater, Albert Wruck. Mein Bruder Stefan, der damals seinen Militärdienst leistete, konnte mir Informationen über die Kasernen von Grudziadz, dem früheren Graudenz. und Bydgoszcz, dem früheren Bromberg, geben. Mein Onkel Marian Niemczyck, der in einem staatlichen Sägewerk arbeitet, gab mir Einzelheiten über die Produktion und das Personal in der Holzindustrie und besorgte mir einen Plan seines Betriebes."
Die Arbeitsmethode von ODT 738-18 illustrierte, wie ein Gehlen-Agent im gegnerischen Aufklärungsgebiet sein Netz aufbaute: "Ich habe auch andere Personen geworben, die nicht zu meinem Verwandtenkreis gehörten. Mein Freund Gelhar, der im Westen geblieben war, hatte mich gebeten, seine Frau Jadwiga aufzusuchen. Sie gab mir den Rat, ihren Onkel Wiktor Krogul zu besuchen. Er wohnte im Süden, in Olsztyn, in der Nähe von Czestochowa.
"Ich fuhr dorthin. Krogul, der in einem Krankenhaus arbeitete, vertrat den abwesenden Wirtschaftsleiter. Er lebte mit einer gewissen Leocadia Berend zusammen. Das war eine Offizierswitwe. Sie ermutigte ihn dazu, mit mir zusammenzuarbeiten. Krogul half mir; er gab mir zwei Personalausweise, die Kranke im Krankenhaus vergessen hatten.
Gehlen hatte in Polen Fuß gefaßt. Jetzt konnte er sein osteuropäisches Beobachtungsnetz weiter ausdehnen. Seine V-Leute drangen in einen anderen volksdemokratischen Nachbarstaat ein: in die Tschechoslowakei.
Im Bayerischen Wald führten deutsche Förster Gehlen-Agenten zu abgesicherten Grenzübergängen. Der Anmarsch der Org-Männer blieb freilich den CSR-Behörden nicht verborgen. Schon am 25. Oktober 1950 warnte ein V-Mann der Organisation: "Seit dem 1. Oktober wird eine verstärkte Grenzüberwachung wahrgenommen. Tag und Nacht wird ein ununterbrochener Streifendienst von kleineren Gruppen, vier bis fünf jüngeren Leuten im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, hart an der Grenze beobachtet. Diese unterscheiden sich in nichts von den übrigen tschechischen Grenzposten, haben aber eine besondere Ausbildung durch sowjetische Instrukteure des MWD-Grenzschutzes genossen."
Dennoch gelang es der Zentrale Pollach, sich bald einen guten Einblick in die militärischen Verhältnisse der Tschechoslowakei zu verschaffen; vor allem die sowjetischen Truppen in der CSR erweckten die Neugier der Org-Männer.
Ein V-Mann in Prag meldete, die sowjetische Armee verfüge neuerdings über ein Geschoß, das "sowohl in einem Granatwerfer wie auch als Bombe verwendet werden kann" Es besitze "einen genial einfachen und sicheren Zünder, der das Geschoß, als Bombe geworfen, ohne jede weitere Einstellung entweder vor dem Aufschlag in einer genau regulierbaren Höhe (Schrapnellwirkung) oder erst beim Aufschlag krepieren läßt".
Das Geschoß, so der V-Mann", hätten Techniker einer Charkower Drehbank- und Werkzeugmaschinenfabrik erfunden. Ein tschechischer Ingenieur, den die Sowjets dienstverpflichtet hatten, habe die Pläne weiterentwickelt; seit Frühjahr 1949 werde das Geschoß in einer Munitionsfabrik bei Kurgan (Sowjet-Union) hergestellt.
Gehlen leitete den US-Verbindungsoffizieren in Pullach den V-Mann-Bericht über die Bomben-Kugel zu. Daraufhin baten die Amerikaner den Deutschen:" Besorgen Sie uns unbedingt den Zünder!"
Zwei Wochen später händigte Gehlen den US-Offizieren ein Paket aus, das Zünder sowie Metall- und Sprengstoffproben enthielt, dazu die genauen technischen und ballistischen Daten. Gehlen konnte aber noch mehr präsentieren: den tschechischen Konstrukteur. Org-Kuriere hatten den Ingenieur mit seiner Familie über die Grenze geschleust.
Späher berichteten aus den Skoda-Waffenfabriken, eine Stenotypistin im Prager Handelsministerium informierte über den Handelsverkehr zwischen CSR und DDR, ein technischer Zeichner lieferte die Konstruktionspläne der "Magnetfeld-Metall-Keramik-Triode LS 500 (Außen-Kathodenröhre)" -- wichtiger Bestandteil für Fernsteuerungsgeräte in Waffen und Flugkörpern.
Seit langem stand noch ein weiteres Ostblock-Land auf der Observationsliste der Org: Ungarn.
In Budapest hatte ein ungarischer General begonnen, eine antisowjetische Widerstandsorganisation zu bilden. Gehlen setzte am 4. April 1948 einen Verbindungsmann in Marsch, der dem General von jedem Widerstand abraten sollte, "da eine oppositionelle Gruppe dank der Methoden der sowjetischen Gegenspionage bald auffliegen würde" -- so eine schriftliche Anweisung der Wiener Org-Filiale.
Der Sendbote schlug vielmehr vor, die antisowjetischen Kräfte in der ungarischen Armee sollten "Nachrichten militärischen, politischen und wirtschaftlichen Charakters über das Land und die Sowjets sammeln". Der General war einverstanden: Die ersten Informationen aus Ungarn flossen in die Nachrichtenkanäle der Zentrale Pullach.
Gehlen richtete zudem in Bad Reichenhall eine Außenstelle ein, die nur von ungarischen Emigranten besetzt wurde und unter der Leitung des ehemaligen Honved-Oberstleutnants Kollényi stand. Kollényi unterhielt in Salzburg eine Vernehmer-Gruppe, die ungarische Flüchtlinge kontaktierte und für Agenteneinsätze in Ungarn ausbildete.
Je mehr Ungarn in die Dienste Gehlens traten, desto stärker verlagerten die den Ungarn-Einsatz steuernden Org-Organe ihre Tätigkeit nach Österreich. Obwohl das Land damals noch von den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges besetzt war, bot es ideale Ansatzpunkte für Gehlens Ostspionage: In Österreich konnte man nicht nur Agenten in die CSR und nach Ungarn unauffälliger einschleusen, sondern auch Soldaten und Dienststellen der Sowjetarmee leichter kontaktieren.
Schon 1948 hatte ein Spähtrupp Gehlens die Vier-Sektoren-Stadt Wien als künftige Operationsbasis in Augenschein genommen. Der Trupp berichtete nach Pullach: "Ein unbefangener Besucher hat gar nicht das Empfinden, daß er sich in einer von verschiedenen Siegerstaaten besetzten Stadt aufhält. Es sind ihm in gleicher Weise alle Sektoren zugänglich, und es werden grundsätzlich keine Kontrollen durchgeführt; er kann sich daher vollkommen frei bewegen, sofern sich in seinem Besitz vollwertige Ausweispapiere befinden."
Gleichwohl mußte auch Wien nachrichtendienstlich als gegnerisches Aufklärungsgebiet gelten, zumal in der österreichischen Polizei auch Kommunisten Fuß gefaßt hatten. So warnte denn die Organisation Gehlen in einer "Instruktion" ihre Führungsmitarbeiter in Wien: "Ihnen droht Gefahr nicht nur von seiten der Sowjets, sondern ebenso seitens der österreichischen Gendarmerie. Darum seien Sie auch hier vorsichtig!"
Über "Sicherheitsmaßnahmen seitens der sowjetischen Besatzungsmacht" notierte Gehlens Vorauskommando:
In Lokalen, die von Sowjetbürgern in ihren Bezirken besucht werden, sind stets einige Zivilisten anzutreffen, die ihrem Äußeren nach unverkennbar als Russen zu bezeichnen sind. Diese sitzen stundenlang bei einem Glase Bier oder Wein, sprechen fast gar nicht miteinander und beobachten hauptsächlich die dort sich aufhaltenden Sowjets in Uniform. Sobald sich diesen ein Zivilist nähert und ein Gespräch beginnt, erhebt sich einer der Spitzel und geht an den Uniformierten vorbei, um festzustellen, worüber gesprochen wird.
Auch im Prater sichteten Gehlens Kundschafter "sowjetische Spitzel in Zivil und Uniform". Aber nach 22 Uhr lasse die Aufsicht nach, "da die unteren Dienstgrade zu diesem Zeitpunkt schon in ihren Unterkünften sein müssen". Danach seien nur noch "Offiziere vom Leutnant aufwärts dort anzutreffen, die sich ungeniert mit österreichischen Mädchen ergehen und auch sich dem Genuß alkoholischer Getränke ergeben".
Zunächst mußte die Org Österreicher anwerben, die in der Lage waren, sowjetische Soldaten zu kontaktieren, In einer geheimen Denkschrift "Der Österreicher als V-Mann" ermahnte die Pullacher Zentrale die nach Wien entsandten deutschen Werber zu psychologischem Feingefühl:
"Der Österreicher, insbesondere der Wiener, ist ein sehr problematischer Helfer für unsere Zwecke. Der Wiener in verantwortlicher Stellung will, schließlich nicht zu Unrecht, allen Schwierigkeiten mit der sowjetischen Besatzungsmacht aus dem Wege gehen. Mitarbeiter wird man daher im allgemeinen nur in den Kreisen der "Entrechteten', der Arbeitslosen und der Gescheiterten finden. Es sind daher die volksdeutschen Flüchtlinge und die ehemaligen Angehörigen der NS-Organisation, die im allgemeinen das Mitarbeiter-Reservoir bilden."
In der Tat fanden die Reichsdeutschen der Org vor allem Mitarbeiter unter den "Entrechteten", die wegen Amt und Tätigkeit in der NSDAP nach dem Kriege verurteilt und enteignet worden waren. Die Kumpanei zwischen ihnen und Org-Beauftragten gedieh besonders schnell, wenn sich der Gehlen-Mann als alter Kamerad von der Waffen-SS vorstellen konnte,
So berichtete ein V-Mann über einen Treff mit einem Kandidaten namens Joseph Schürmer: "Als ich ihm eröffnete, ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS zu sein, wurde er sehr offen und erbot sich, hier in Wien mit Rat und Tat zur Seite zu stehen." Schürmer wurde Agent der Organisation Gehlen.
Es waren zum Teil dubiose Figuren, die sich der Org andienten. Ein V-Mann-Führer empfahl VM "Hermine": "Eine Sudetendeutsche, die schwer unter den Roten gelitten hat. Vom Leben will sie nichts anderes, als die Bolschewisten aus Europa hinaustreiben.
Besondere Qualifikation attestierte ein Führungsmitarbeiter dem desertierten Sowjet-Offizier "Dmitrij": "Die Hauptsache ist die, daß er in jeder größeren Stadt Österreichs zwei bis drei Geliebte, richtiger: in ihn Verschossene, sitzen hat, dabei liebt er nur eine. Er selbst machte mir den Vorschlag, einige dieser Frauen für unsere Zwecke zu benützen, damit sie ihn nicht so oft besuchen können. Ich habe einige Frauen gesehen und glaube, daß es sich machen ließe."
Auch in Wien fanden sich Damen, die für die Org als "Forscher" oder "Anbahner" arbeiteten. Auf Frauen legte die Org besonderen Wert, denn in einer hausinternen Anweisung ("Defections-Arbeit in Wien") hieß es: "Ein weiterer Weg läßt sich über leichte Mädchen begehen, die von der Org angeworben sind und bestimmte Lokale besuchen, die auch von den Sowjet-Bürgern besucht werden."
Sie suchten Kontakt zu sowjetischen Soldaten und Offizieren, nahmen die Russen mit in ihre Wohnungen und brachten sie dort mit Werbern der Org zusammen. Eine der aktivsten Schlepperinnen wurde "Anna", Jahrgang 1928, 1,68 Meter groß, mit ovalem Gesicht, braunen Augen und blondem Haar. "Besondere Kennzeichen: Narbe unterm Kinn" -- so der Vermerk auf ihrer Personalkarte.
Entdeckt hatte sie ein V-Mann der Org, der im Report 60 berichtete: "In der "Dobnerbar' lernte Anna Im März! April d. J. einen sowjetischen Oberstleutnant der Luftwaffe kennen und zugleich verstehen, daß es unter den Sowjets nicht nur Barbaren gibt, sondern auch Menschen, die uns gleichen, wie sie sich ausdrückte. In der Folge kam es zwischen beiden zu einem Verhältnis, das noch heute besteht. Seinen Namen konnte sie nicht aussprechen, wegen der Zischlaute, die ihr nicht liegen. Der Vorname ist Peter."
Noch mehr aber interessierte den Gehlen-Mann dies: "Peter soll gern trinken, verträgt dabei aber nicht viel, besonders keinen Wein, muß sich dann sehr zusammenreißen, um nicht in Gegenwart von anderen Russen dummes Zeug zu reden. Hat der Anna schon mehrfach angedeutet, daß er gar nicht nach der SU zurückkehren will."
Anna erklärte sich bereit, den V-Mann mit Peter in einem der westlichen Bezirke Wiens zusammenzubringen, unter einer Bedingung: "Wenn öfters Informationen benötigt werden sollten, so wäre es zweckmäßig, ihr behilflich zu sein, wieder als Tänzerin oder Bardame in einer Bar eingestellt zu werden. Genügen würde auch schon, wenn sie mit zwei durchschnittlichen Abendkleidern ausgestattet werden könnte, da sie dann selbst ihre Einstellung bewerkstelligen könnte."
Bei einem weiteren Treff erzählte Anna, sie könne eine Anstellung im "Maulin Rouge" erhalten, wo Sowjets in Zivil verkehrten. Dafür benötige sie aber nicht nur ein Abendkleid, sondern auch ein Paar Schuhe.
Prompt formulierte der V-Mann an die Org-Außenstelle Salzburg einen "Vorschlag: Für die Beschaffung der o. g. Gegenstände wird ein Betrag von ÖS. 700,- benötigt. Weiter erscheint angebracht, ihr für den ersten Monat einen Betrag von OS. 1000 auszuhändigen, damit sie interessiert wird, nicht nur Peter, sondern auch andere sowjetische Besatzungsangehörige uns zuzuspielen."
Die Rechnung ging auf. Anna stellte die Verbindung zu dem kooperationswilligen Sowjet-Oberstleutnant her, sie führte aber auch andere russische Offiziere den V-Männern der Organisation Gehlen zu. Die Tänzerin erhielt allerdings bald Konkurrenz durch andere Org-Amazonen.
"Tamara" lockte Fliegeroffiziere und Marinesoldaten mit dem Versprechen, ihnen in ihrer Wohnung Armbanduhren verkaufen zu können. "Helene" köderte den Sergeanten Iwan in Traiskirchen. "Tosca" und "Alfa" schleppten die Offiziere Sergej und Michail ab.
Uhren bot auch "Anita" dem Artillerie-Leutnant Alex an. "Maria" köderte Russen in einem Lokal, "Rosemarie" schloß Freundschaft mit einer sowjetischen Offiziersfamilie, die Deutsch lernen wollte. (Den Lehrer stellte die Organisation Gehlen.) "Margot" schlug Verbindung zu den Ingenieuren Wiktor und Alexander.
Hatten die weiblichen Gehilfen ihren Hausrussen in die Wohnung gelotst, so wurde der Gast unter Alkohol gesetzt. Später kam der Schwarzhändler mit den Uhren -- in Wahrheit ein V-Mann Gehlens. Ihm oblag es, den Sowjet-Bürger auf seine Bereitschaft zu testen, entweder in den Westen zu desertieren oder in den Dienst der Org zu treten. Als "Forscher" hatte die Gehlen-Organisation in München ausgebildete Russen und Ukrainer nach Wien geschickt.
Um "mit dem sowjetischen Element in Kontakt zu kommen", reichten die V-Leute "an ihre Filialleiter ganze Warenbestellungen ein. So bat ein Ukrainer, V-Mann der Org, am 20. Oktober 1953 um "zwei Schweizer Armbanduhren Marke Doxa, zwei weniger kostbare Uhren (Armbanduhren), drei Paar Nylon-Damenstrümpfe, dunkle Tönung, Größe 9-10, Musterproben von Seiden- und leichten Wollstoffen für Frauen (nur solche, die auch geliefert werden können!), einige Kollektionen von Füllern, Kugelschreibern und Drehbleistiften".
Mancher sowjetische Offizier ging auf die Offerten der Org-Werber ein und begann zu liefern, woran Gehlen interessiert war: Berichte über die Stimmung in der Truppe, Informationen über Waffen und Ausrüstung, Interna aus der sowjetischen Besatzungsadministration.
Mit der Zeit entwickelten die Sowjet-Offiziere Sinn für die geheime Nachrichtenbörse in Wien. Ein ukrainischer V-Mann Gehlens suchte Verbindung zu einem sowjetischen Verwaltungsoffizier, der alle zwei Wochen von Budapest nach Wien kam. Der Ukrainer bat den Russen, ob er ihm nicht einen Photoapparat vom Typ "Zorkij" besorgen könne. Darauf der Russe: "Sie sind wohl mehr an einer Gasmaske oder an einem Stahlheim interessiert?" Er könne auch Dienstvorschriften, Dienstbucher, Ausweise, dienstlichen Schriftwechsel und sowjetische Provinzzeitungen mitbringen.
"Er ist sehr aufs Verdienen aus und will gut leben", urteilte der V-Mann über seinen Kontaktmann, "er will die angeführten Sachen gegen gutes Geld verkaufen." Die Organisation Gehlen kaufte für 6000 Schilling.
Die Zentrale Pullach betrieb aber auch auf eigene Faust Aufklärung: Ihre Agenten durchsuchten Müllplätze in der Nachbarschaft sowjetischer Truppenunterkünfte nach Dienstvorschriften, Heimatpost und Telephonbüchern. Filialleiter "Erich" mahnte: "Seien Sie bestrebt, neue Sammelplätze ausfindig zu machen und Ihr Tätigkeitsfeld zu erweitern. Immer müssen der Fundort und das Datum angegeben werden."
Zimmermädchen, für einige Schilling von V-Leuten angeheuert, fahndeten in den von Russen bewohnten Zimmern der Hotels "Imperial", "Grandhotel" und "Esplanade" nach Brieffetzen und Notizen. Gehlen-Agenten registrierten vor Rote-Armee-Unterkünften die Kennzeichen sowjetischer Kraftfahrzeuge -- Hinweise zur Dislozierung von Sowjet-Truppen.
Der Ring von Spähern und Horchern um die Sowjet-Union wurde immer dichter. Fast überall hatte die Organisation Gehlen Agenten und V-Leute stationiert. Jetzt drang Gehlen darauf, die konspirative Großoffensive in das eigentliche Machtzentrum voranzutreiben: in die Sowjet-Union.
Dort entstand eine gigantische Kriegsmaschine, die den Westen in Atem hielt. Gehlens amerikanische Auftraggeber forderten immer mehr aktuelle Nachrichten aus der Sowjet-Union.
Gehlens Führungsmitarbeiter ersannen Erkundungswege nach Rußland. Im Rahmen der "Aktion Pfiffikus" bemühten sich V-Männer in der DDR um jeden Deutschen, der in die UdSSR reiste: Studenten und Professoren, Ingenieure und Wissenschaftler.
Ein Gehlen-Agent versuchte, einem Ost-Berliner Schauspieler, der mit seinem Ensemble nach Leningrad fuhr, eine Kamera mitzugeben -- "für einige Aufnahmen hei einer Hafenrundfahrt". Wer gar der Org einen Sowjet-Soldaten zuführen konnte, dem versprach eine Gehlen-Direktive hohe, "nach der Wichtigkeit der gefundenen Quellen gestufte Prämien".
Was Gehlen aber wirklich brauchte, waren nachrichtendienstliche Profis für den Einsatz in der Sowjet-Union: Agenten, Funker, Kuriere. Das konnten nur Männer -- oder Frauen -- sein, die in der Sowjet-Union geboren und aufgewachsen waren, vertraut mit den Sitten und Bräuchen des Landes, erfüllt vom Haß gegen das Sowjet-Regime, mutig und gleichwohl besonnen, um geheimdienstliche Aufträge ausführen zu können.
Diese Leute schien es zu geben: Geflohene Russen, Ukrainer, Georgier, Armenier und Balten saßen vor Gehlens Haustür in München, seit die bayrische Hauptstadt zum Zentrum der russischen Emigration geworden war.
Da gab es die "Alte Emigration" aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg mit den gealterten Offizieren der Weißen Armee, da versteckten sich Kollaborateure der Deutschen, einst von den Nazis verschleppte Personen und überlebende Soldaten der Wlassow-Armee als "Neue Emigration" vor den sowjetischen Repatriierungsoffizieren, und da formierte sich die "Dritte Emigration" der seit Kriegsende desertierten Militärs und Beamten.
Sie lebten in IRO-Lagern und organisierten sich in Verbänden, Vereinen und Bünden -- 44 an der Zahl. Jeder von ihnen träumte auf seine Art von der Heimkehr nach Rußland -- einem von den Bolschewiken befreiten Rußland.
Diese russische Kolonie bot sich den in Westdeutschland operierenden Geheimdiensten als eine schier unversiegbare Informationsquelle dar. Mochte der Eiserne Vorhang noch so dicht schließen -- in den Wohnungen, Lagerbaracken und Vereinsbüros der Emigranten liefen nachrichtendienstliche Fäden zusammen: Deserteure der Roten Armee fanden Unterkunft bei Freunden; Russen erhielten Post von Verwandten aus der Sowjet-Union; Exilpolitiker standen im Funkverkehr mit Partisanen in der Ukraine. Ein solches Sammelbecken mochten auch Gehlens Nachrichtenjäger nicht ungenutzt lassen.
Freilich: Die Exilrussen machten aus der Neugier der Geheimdienste ein einträgliches Geschäft.
Ein V-Mann der Org schrieb stundenlang mit, was der Deserteur "Anatol" acht Wochen zuvor im Kaukasus beobachtet haben wollte: die Formierung einer sowjetischen Panzer-Division. Er beschrieb die Bestückung der Panzer nicht minder sorgfältig wie die Charaktere der Offiziere. Als ein Mitarbeiter in der Auswertungs-Abteilung den V-Mann-Bericht las, entdeckte er in "Anatol" einen alten Bekannten, der schon 1942 der "Fremde Heere Ost" dieselbe Geschichte erzählt hatte.
Matrose "Wladimir", angeblich 1949 von der Roten Flotte desertiert, offerierte der Organisation Gehlen einen "Mobilisationsplan der Luftabwehr in der Sowjet-Union, der bis 1951 durchgeführt" werden solle. Tausend Dollar begehrte er für den Mob-Plan. Als dem zuständigen V-Mann der Preis zu hoch war, wurde Wladimir bescheidener: "Ich habe dafür selbst 300 Mark bezahlt: wenn Sie den Plan haben wollen, gebe ich ihn billiger ab. Ich brauche dringend Geld." Die Pullacher Zentrale klassifizierte den Plan als Fälschung, "Wladimir" als Kriegsgefangenen, der schon 1943 seine Einheit verlassen hatte.
Hinter solchen Fälschungen stand nicht selten der sowjetische Geheimdienst, der schnell erkannt hatte, wie sich die Markttage nutzen ließ: Er streute zur Irreführung der Organisation Gehlen Falschmeldungen aus.
Bereits 1949 erhielt Gehlen von einem V-Mann in einer Emigranten-Organisation die Warnung: "Die Sowjets arbeiten enorm an der Verbreitung falscher Informationen militärischen Charakters. Sie verlangen von ihren Agenten, daß sie sich diese Falschmeldungen von den Empfängern auch noch bezahlen lassen. Quelle K. meint, daß 90 Prozent aller Nachrichten, die an die Amerikaner gelangen, falsch sind."
Rechercheure der Org entdeckten denn auch bald, daß eine Gruppe ehemaliger russischer Offiziere unter Führung des Zarengenerals und einstigen (deutschen) Abwehragenten Peter von Glasenapp, die dessen Schwiegersohn ein früherer SS-Obersturmführer namens Maeker -- dem Gehlen-Apparat zugeführt hatte, unrichtige Informationen lieferte und sich zudem "der unkorrekten Handhabung der ihm zugewiesenen Mittel" schuldig gemacht hatte.
Gehlens Führungsmitarbeiter ermittelten auch, daß die Emigranten-Organisationen in Westdeutschland keineswegs nur von strammen Antibolschewisten angeführt wurden. Mancherorts saßen Spitzel des sowjetischen Geheimdienstes, die in die Gehlen-Organisation einzudringen suchten und russische V-Leute der Org dem Hauptquartier in Berlin-Karlshorst signalisierten.
An der Exilorganisation NTS fiel einem Fahnder der Zentrale Pullach auf, daß "Elemente Unterschlupf und leichtfertige Unterstützung fanden, die direkt für die Sowjets" arbeiteten. Im "Bund der Andreas-Flagge", einem anderen Emigranten-Verband, entdeckte ein V-Mann einen ehemaligen Oberstleutnant Solomin von der sowjetischen Geheimpolizei, "der im Rausch von seinen eigenhändigen Erschießungen erzählt, die er bei den Sowjets an Oberste und Generale wegen versuchten Überlaufens zu den Deutschen durchführen ließ".
Trotz ihrer Wachsamkeit wußten die Pullacher nie so recht, ob sie Phantasieprodukten wilder Händler oder gar lancierten Meldungen des sowjetischen Geheimdienstes aufsaßen. Und selbst die Informationen mit hohem Wahrheitsgehalt hatten immer den Nachteil, aus zweiter Hand zu stammen und veraltet zu sein.
Hier konnte es nur eine Abhilfe geben: Die Organisation Gehlen mußte Männer finden, die als Agenten mit gezielten Aufträgen in die Sowjet-Union vorstießen. Baltendeutsche, die in Gehlens Diensten standen, machten den Geheimdienstchef auf eine Gruppe von Emigranten aufmerksam, die zum Einsatz in der Sowjet-Union bereit waren.
Sie gehörten zu den 11 000 Letten, 4000 Esten und 5000 Litauern, die sich nach der Annexion ihrer Heimatländer durch Stalin in Westdeutschland niedergelassen hatten. Mehr als jede andere Emigrantengruppe hofften sie, eines Tages in ihre befreiten Staaten zurückzukehren. Die Westmächte bestärkten sie noch in solchen Träumen. Washington, London und Paris weigerten sich, die sowjetische Besetzung des Baltikums völkerrechtlich anzuerkennen.
Auf die Letten, Esten und Litauer in den Ausländerlagern setzte Gehlen seine Werber an. Vor allem Baltendeutsche aus Riga, die sich als Sprecher des amerikanischen Geheimdienstes ausgaben, verbreiteten die Version, Amerika werde die Länder an der Ostsee befreien. Dieser Kreuzzug müsse schon frühzeitig geplant werden; die USA hätten eine Organisation ins Leben gerufen, die diesen Befreiungskampf vorbereiten solle -- durch Feindaufklärung.
Zu diesem Zweck, so argumentierten die Werber weiter, müßten sich ortskundige Letten, Esten und Litauer als Späher zur Verfügung stellen. Sie sollten an der sowjetischen Ostseeküste militärische Feindaufklärung betreiben und sich mit antisowjetischen Partisanengruppen vereinigen.
Der Appell an die patriotischen Gefühle blieb nicht ohne Echo, es meldeten sich Freiwillige für das Todeskommando. Sie wurden zunächst von Offizieren des US-Geheimdienstes In Obhut genommen. Die Letten, Esten und Litauer erhielten einen Arbeitsvertrag, in dem ihnen für jeden Einsatztag im sowjetischen Aufklärungsgebiet 100 Dollar versprochen wurden. Nach Beendigung ihres Auftrages stand ihnen noch eine Sonderprämie von tausend Dollar zu.
Die Amerikaner versprachen auch Hilfe für den geheimdienstlichen Schadensfall: Bei Verwundung oder Invalidität eines Agenten im Einsatz wollten sie laut Vertrag "nach bezahlter Wiederherstellung bis zu 5000 Dollar je nach Arbeitsfähigkeit" entrichten. Sollte der Spion ums Leben kommen, standen den Hinterbliebenen ebenfalls 5000 Dollar zu.
In einem amerikanischen Camp in Bayern wurden die Agenten, die perfekt Russisch sprechen mußten, einem Test unterzogen; sie erhielten dabei einen Wochenlohn von 100 Mark, freie Kost und amerikanische Zigaretten.
Das Programm der Eignungsprüfung sah vor: "Erkundung eines Bergwerks bei Tag und Nacht mit Skizzenzeichnung unter der Kontrolle eines Offiziers, wobei die Sicherungsposten zu umgehen sind. Später wird der Prüfling von einer Streife gefaßt und muß Rede und Antwort stehen, die stich- und hiebfest sein müssen. Die unter Kontrolle gezeichneten Skizzen und andere belastende Gegenstände müssen so versteckt sein, daß sie von der Streife nicht entdeckt werden können."
Nach bestandener Prüfung wurde der Spionage-Eleve nach Fort Bragg im US-Staat North Carolina geflogen und erhielt eine Grundausbildung. Er lernte, im Gummianzug schwimmend nachts einen See zu überqueren, bei Tageslicht einen Flugplatz unentdeckt zu betreten und sich drei Tage im Walde ohne Lebensmittel aufzuhalten.
Der Späher mußte fünf Tage In den Wäldern ein festes Ziel anlaufen, ein Objekt in weiteren fünf Tagen auskundschaften und schließlich binnen fünf Tagen an seinen Ausgangspunkt zurückkehren. Marscherleichterung wurde nicht gewährt.
Das Amerika-Programm für die Baltikum-Spione dauerte drei Monate, bei einem Wochenlohn von 125 Dollar. Es endete mit einem Training für eine damals gängige Beförderungsart in der Feindaufklärung: das Fallschirmspringen.
Die zumeist jungen Volontäre im konspirativen Gewerbe übten auf dem Flugplatz von Fort Bragg die Rolle vorwärts und rückwärts, sprangen von einem 20 Meter hohen Turm und dreimal aus einem Flugzeug in 700 Meter Höhe. Sie lernten, nach der Landung den Fallschirm zu vergraben und den Landeplatz unkenntlich zu machen.
Schließlich wurden die Letten, Esten und Litauer der Organisation Gehlen in Deutschland übersteht, die nun den Einsatz im sowjetischen Gebiet vorbereitete. In einem bayrischen Schloß machten Rußland-Experten der Org die Agenten im Einzelunterricht mit ihren Zielobjekten vertraut.
Ein Agent erhielt den Auftrag, sich als Schlosser in die Marinewerft von Leningrad einzuschleichen. Schon in Bayern erfuhr der Späher den Namen des Personalchefs, der ihn einstellen werde; er studierte den Lageplan der Werft und wußte bald alles über ihre Produktion und Kapazität.
Ein anderer Agent wurde auf eine Fabrik angesetzt, die in der Nähe von Riga Flugzeugteile anfertigte. Ein dritter sollte sich nach Königsberg durchschlagen und dort das Ausmaß der Küstenbefestigung ausforschen. Ein vierter Kundschafter unterrichtete sich über Organisation und Führung von Partisanengruppen, die in litauischen Wäldern kampierten und gegen die Sowjets operierten.
Inzwischen sorgte die Org dafür, daß die Agenten im gegnerischen Aufklärungsgebiet unauffällig untertauchen und mit Aussicht auf Erfolg operieren konnten. Den Spionen wurden russische Kleidungsstücke angepaßt, ihre "Legende" (Lebensgeschichte) auf sowjetischen Ausweisen, Arbeitspapieren, Gewerkschaftsdokumenten und Lebensmittelmarken verbrieft.
Org-Schneider nähten jedem Kundschafter 30 Schweizer Uhren in die Steppjacke Zahlungsmittel für Bestechung oder Belohnung. Erhebliche Rubelbeträge wurden im Anzugstoff deponiert. Bei der Beschaffung der Rubel assistierte ein westlicher Geheimdienst. Da Russen großen Geldscheinen gegenüber mißtrauisch sind, bekamen die Agenten grundsätzlich nur Fünf- oder Zehn-Rubel-Scheine,
Eines Tages war es soweit: Geheimdienstchef Gehlen gab das Startsignal für die wohl abenteuerlichste Seepassage, die nach dem Zweiten Weltkrieg gefahren wurde.
Die Passage konnte Gehlens Organisation freilich nicht ohne Hilfe des britischen Geheimdienstes benutzen. 1949 hatte Englands Admiralität einen Schutzdienst für westdeutsche Fischlogger in der Ostsee errichtet. Zu diesem Zweck waren ein paar Schnellboote der alten deutschen Kriegsmarine reaktiviert worden; sie fuhren ohne Waffen, hatten deutsche Besatzungen, führten jedoch die britische Flagge.
Diese Boote befehligte ein Mann, der heute zu den großen Schreckensfiguren der DDR-Propaganda zählt: Der damalige Kapitänleutnant a. D. Hans-Helmut Klose, Jahrgang 1916, in Rostock geboren, bei Kriegsende Chef der 2. Schnellboots-Schulflottille, hatte Erfahrungen im Kampf gegen die Rote Flotte gesammelt. Ihm schrieb die Legende die Fähigkeit zu, er brauche bei Nacht nur den Daumen in die "überschwemmte Wiese, (Marinejargon für die Ostsee) zu stecken, um zu wissen, wo sich sein S-Boot befinde.
An den Kapitänleutnant Klose und seine 5-Boote erinnerten sich Gehlen-Mitarbeiter, als sie die Frage klären mußten, wie die für den Rußland-Einsatz ausgebildeten Letten, Esten und Litauer in ihr Operationsgebiet befördert werden sollten. Mit Kloses Booten ließen sich auch Agenten an Land absetzen und nach erfülltem Auftrag wieder zurückholen.
Amerikanische Geheimdienst-Offiziere kontaktierten ihre Kollegen vom britischen Marine-Nachrichtendienst. Die Briten stimmten zu unter der Bedingung, daß de deutschen Seeleute gelegentlich auch Agenten Großbritanniens zur baltischen Küste mitnähmen.
Während in Portsmouth und Vegesack die Schnellboote für die Geheimmission umgerüstet wurden -- sie erhielten Zusatztanks, Radar- und Blindlandegeräte -, bereiste Klose Westdeutschland und suchte alte Kameraden auf, die an Land seßhaft geworden waren. Einige der alten Fahrenleute kündigten n eh längerem Gepräch mit ihrem früheren Chef ihre Stellungen und packten die Koffer.
Dann stiegen in der Abenddämmerung zwei bis drei Männer an Bord eines der drei S-Boote: Es waren Agenten Gehlens, für die Aufklärung in der Sowjet-Union bestimmt. Sie verschwanden sofort unter Deck. Unmittelbar darauf legten die drei Schiffe von ihren Liegeplätzen ab und nahmen verschiedene Kurse auf die offene See.
im Morgengrauen standen sie im Seegebiet Bornholm und steuerten einzeln die Schwärme westdeutscher Fischerboote an, die insbesondere vor der baltischen Küste der Lachsfischerei nachgingen. Der Funkverkehr der S-Boote bestand immer nur aus zwei Buchstaben, die eine besondere Kode-Bedeutung hatten. Er wurde blind über mehrere Abbörstationen abgewickelt -- ohne Anruf, Antwort und Bestätigung.
Bei den am weitesten im Osten stehenden deutschen Fischereifahrzeugen stoppten dann jeweils zwei der S-Boote. Das dritte Boot mit den Agenten nahm allein Kurs auf die baltische Küste. Am Abend, nach Einbruch der Dunkelheit, stand es im Seegebiet eines vorher durch elektronische Spezialgeräte aufgeklärten Landeplatzes, der ermöglichte, die gegnerische Abwehr zu unterlaufen und die Agenten mit Hilfe eines bereits an Land wartenden Empfangskomitees sicher auszubooten.
Das Boot trieb mit abgestellten Motoren etwa drei Meilen vor der Küste und setzte ein Schlauchboot mit Außenbordmotor und Funkpeilgerät aus. Von der Küste kamen verabredete Peilzeichen, die das Landemanöver erleichterten. Die Agenten fuhren an Land und übergaben das Schlauchboot an bereits wartende Kundschafter. die nach Deutschland zurückkehren sollten.
Die Aktion war erfolgreich angelaufen. Ein Spähtrupp nach dem anderen infiltrierte das sowjetische Baltikum. Am 30. September 1951: V-Mann Boleslaw Antonowitsch Petansk (später zu den Sowjets übergelaufen) geht mit einer Agentengruppe, zwei Funkgeräten, Waffen und 80 000 Rubel im Raum Uzava an Land. 20. Oktober 1952: V-Mann Sigurd Kumitsch, ebenfalls mit Funkgeräten ausgerüstet, kontaktiert an der Spitze einer neuen Agentengruppe im westlichen Kurland einen Partisanentrupp, er soll sich nach Riga durchschlagen und dort eine Außenstelle der Org errichten.
Gehlens Agenten und die antikommunistischen Partisanen arbeiteten so produktiv zusammen, daß Sowjet-Lettlands Staatssicherheitsdienst nervös reagierte. Da es der Sowjet-Marine nicht gelang, die Schnellboote Kloses zu stellen, wollte die lettische Abwehr die Agentengruppen Geblens unterlaufen.
Abwehr-Oberst Balodis vom lettischen Staatssicherheitsdienst griff zu einer Kriegslist. Er ließ den Geheimpolizei-Offizier Budris mit seinen Leuten eine Gruppe bilden, die sich als antikommunistische Partisanenbande tarnte und Verbindung zu den echten Partisanen suchte. In den Wäldern Kurlands begann ein tödliches Katz- und-Maus-Spiel zwischen Agenten und Verfolgern.
Doch die Zentrale Pullach konnte ihre V-Männer weiterhin in die Baltenstaaten einschleusen. Später verlegten die Schnellboote ihre Landeräume nach Süden, wo man vor der Budris-Gruppe sicher war. Im südlichen Kurland und in Polen gingen neue Org.-Agenten an die Arbeit.
Die Informationen aus dem Baltikum flossen so zahlreich, daß es Geh-
* Aus dem DDR-Fernsehfilm "Rottenknechte", der den westdeutschen Agenten-Einsatz in der Ostsee 1952 bis 1955 darstellt; rechts: Dietmar Richter-Reinick als Kapitänleutnant Klose.
len reizte, eine zweite geheimdienstiliche Schiffspassage zu eröffnen. 1953 vereinbarte der westdeutsche Geheimdienst mit den Amerikanern, Agenten auf der Krim abzusetzen.
Aus Westdeutschland wurden zwei Schnellboote amerikanischer Bauart zur türkischen Schwarzmeerküste verschifft, die deutschen Besatzungsmitglieder in einem Areal am Meer untergebracht. Wieder gingen die S-Boote auf Agentenfahrt, wieder sickerten Gehlens V-Männer in sowjetisches Territorium ein.
Ein Vierteljahr schon fuhren die Geheimen auf dem Schwarzen Meer, als über Gehlens Agenten in der Ostsee plötzlich die Falle zuklappte. Eines der Schnellboote hatte an der polnischen Küste Spione abgesetzt; die polnische Abwehr fing sämtliche Angehörigen des nachrichtendienstlichen Kommandounternehmens ab -- vermutlich war Verrat im Spiel.
Inzwischen war es auch dem Geheimpolizisten Budris gelungen, die lettischen Partisanengruppen zu infiltrieren. Ein Teil der Widerstandsorganisation hing bereits an den Fäden des sowjetischen Geheimdienstes. 1954 versuchte Budris sogar, Funkkontakt zu den westlichen Auftraggebern der antikommunistischen Agenten zu bekommen.
1955 brach die Org das Unternehmen ab. Hans-Helmut Klose verließ das Geheimdienst-Metier und ging zurück, woher er gekommen war: zur Marine; er ist heute Flottillenadmiral der Marine und Befehlshaber der Seestreitkräfte der Nordsee. Reinhard Gehlen aber mußte neue Infiltrationsrouten für die Feindaufklärung in der Sowjet-Union suchen.
IM NÄCHSTEN HEFT
Ehemalige SS-Führer und Gestapo-Funktionäre besetzen wichtige Posten der Organisation Gehlen -- Die Org zerschlägt einen tschechischen Spionagering-Gehlen-Agenten bespitzeln Gustav Heinemann
Von Hermann Zolling und Heinz Höhne

DER SPIEGEL 19/1971
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