28.11.2005

FUNDSTÜCKE

Onkel Thomas zaubert

Lange galt es als verschollen, doch nun sind zwei Exemplare vom einzigen Kindertheaterstück der Publizistin Erika Mann bei einem Berliner Antiquar aufgetaucht, und ein kleiner Münchner Verlag (Peniope) bringt das Werk jetzt neu heraus: "Jan's Wunderhündchen", ein turbulentes Weihnachtsmärchen, das Erika Mann 1931 mit Tempo und Humor geschrieben hat. Das Stück wird die Exegeten der Familie Mann auf lange Sicht beschäftigen. Es steckt voller Anspielungen auf die Mitglieder des berühmten Clans. So taucht Erika Manns Schriftstellervater Thomas Mann als ironisch gestimmter und vertrottelter "Onkel Thomas" auf (Regieanweisung: "Er trägt einen langen grauen Mantel, über den er gelegentlich stolpert"). Dieser Onkel Thomas kann zaubern, genauso wie die Hexe "Offi", die wiederum Erika Manns bekannter Großmutter Hedwig Pringsheim nachgebildet ist. Hauptfigur Jan - die sich auf eine Reise begibt, um einen Zauberhund zu ergattern - trägt Züge von Erika Manns Freund Richard Hallgarten, der ebenfalls am "Wunderhündchen" mitgearbeitet hat. Der depressive Hallgarten sollte durch die Arbeit am Stück aufgemuntert werden - es half nichts: Der 25-Jährige brachte sich im Mai 1932 um, sieben Monate vor der Uraufführung.


DER SPIEGEL 48/2005
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