22.03.1971

Pullach intern

Die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes

Von Zolling, Hermann und Höhne, Heinz

2. Fortsetzung

In der Zentrale des SS-Imperiums, dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA), bereiteten Geheimdienstler einen Schlag gegen den sowjetischen Gegner vor. Eine Gruppe umgedrehter Sowjetgefangener sollte in Uniformen der Roten Armee hinter der russischen Front abspringen, Verwirrung stiften und den Feind ausspähen. Die Aktion lief unter dem Decknamen "Unternehmen Zeppelin".

Monatelang hatte SS-Sturmbannführer Dr. Hengelhaupt, Leiter der Ostgruppe im Amt VI des RSHA, seine Agenten für den Geheimauftrag geschult. Die Sowjet-Uniformen lagen bereit, die Waffen waren geladen, der Auftrag stand fest -- nur die Militärpapiere fehlten, die Hengelhaupts V-Männer als sowjetische Offiziere legitimieren sollten.

Die Fälscherwerkstatt des Amts VI konnte sie nur drucken, wenn Hengelhaupts Stab wußte, welche Verbände der Roten Armee in dem Operationsraum der Agentengruppe standen. Diese Fragen konnte jedoch keine Stelle im RSHA beantworten; nicht einmal die Zentralkartei des Sicherheitsdienstes (SD) offenbarte, wo welche Truppenteile der sowjetischen Armee eingesetzt waren.

Hengelhaupt wandte sich nun an die Aufklärungs-Abteilung "Fremde Heere Ost" (FHO) des Obersten Reinhard Gehlen. Am 7. Juli 1943 ließ er an die FHO kabeln:

Für äußerst dringliche Einsatzvorbereitungen im Rahmen des Unternehmens "Zeppelin" wird um derzeitigen Standort der 11. Armee gebeten, und zwar nach Möglichkeit des Nachrichtenregiments, des schweren Artillerie-Regimerits sowie zweier beliebiger Infanterie-Regimenter.

Drei Tage später lief im RSHA die Antwort der Gehlen-Abteilung ein: Die 11. sowjetische Armee Ist zur Zeit nicht in Front eingesetzt. Sie wurde letztmalig am 7. 4. 1943 südostwärts Staraja Russo mit Stab in Welikoje Sselo festgestellt. Beim letzten Einsatz unterstanden der Armee folgende Verbände: 55. Schützendivision, 12. Garde-Panzer-Regiment ... Diese Verbände werden zur Zelt noch in frontnaher Reserve bzw. in der Tiefe vor Heeresgruppe Nord angenommen.

Die Anfrage Hengelhaupts und die Antwort der Feindaufklärer des Heeres spiegelten eine Zusammenarbeit zwischen SD und FHO wider, die im Laufe der Monate immer enger wurde. Die Geheimdienstier der SS kamen im Osten bald nicht mehr ohne das Material Gehlens aus.

Wann immer der SD eine Geheimaktion in Rußland plante, baten Hengelhaupts Mitarbeiter die Fremde Heere Ost um Amtshilfe und Auskunft. Nichts schien dem SD des SS-Brigadeführers Walter Schellenberg natürlicher, als die FHO in die Vorbereitungen seiner subversiven Aktivitäten einzuschalten.

Ob es um Nachrichten über sowjetische Partisanen ging, um Fahndungen nach Parteigängern des in der Sowjet-Union gebildeten Kriegsgefangenen-Komitees "Freies Deutschland", um die Bewertung beim SD eingegangener Meldungen fremder Geheimdienste -- stets war die FHO zur Stelle und klärte die SS-Kameraden auf.

Ihre Informationen waren so nützlich, daß die RSHA-Männer die Arbeit der Gehlen-Abteilung fast rückhaltlos anerkannten. Bei einem Besuch der FHO-Zentrale schmeichelte Schellenberg seinem Gastgeber Gehlen, der SD würde niemals in der Lage sein, mit so wissenschaftlicher Exaktheit zu arbeiten wie die Fremde Heere Ost.

Der SD war denn auch eifrig um die Mitarbeit der FHO bemüht. Er verlangte den Übertritt von 100 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften, die durch Ic-Schulung gegangen waren, in die Dienste des RSHA, er stimmte seine Funkspiele mit der FHO ab, er ließ durch die SS-Jagdverbände Aufträge und Anregungen der FHO ausführen.

Die Männer des SD beeilten sich, zu verwirklichen, was FHO-Chef Gehlen etwa in einem Schreiben an den SS-Jagdverband Ost am 27. März 1945 vorschlug:

Betr.: Zerstörung von Weichsel-Eisenbahnbrücken.

Auswertung neuester Luftaufklärung ergibt einzige intakte Eisenbahnbrücken über die Weichsel bei Krakau. Deblin, Warschau und Thorn. Über diese Brücken geht Masse des Nachschubs für sowjetische Front. Ihre Beschädigung oder Zerstörung bedeutet Marke Entlostung der eigenen Truppe

Das RSHA wiederum revanchierte sich für derart nützliche Anregungen durch die Auslieferung geheimnisträchtiger Gestapo-Häftlinge an die FHO, mit denen Funkgegenspiele betrieben wurden.

In die Gewalt der FHO geriet zum Beispiel im Februar 1945 der Oberst Hoyer, ein ehemaliger Regimentskommandeur, der sich in sowjetischer Kriegsgefangenschaft für das Nationalkomitee "Freies Deutschland" engagiert hatte; er war als Agent ins Reich zurückgeschickt worden und in die Hände der Gestapo gelangt. Die FHO erhielt, wie Gehlen in einer Aktennotiz feststellte, "freies Verfügungsrecht über Oberst Hoyer" und konnte "ihn nach eigenem Ermessen einsetzen.

Gehlen war schließlich so nahe an das RSHA herangerückt, daß Adolf Hitlers Regime in seiner Todesstunde den FHO-Chef neben den SS-Führern Skorzeny und Prützmann an der militärischen Leitung jener makabren Partisanen- und Durchhalteorganisation beteiligte, die unter dem Namen "Werwolf" (W) den Feind in Panik versetzen sollte.

"Zusammenarbeit mit dem Reichssicherheitshauptamt", so regelte die Operationsabteilung des Heeres-Generalstabs am 12. November 1944 den "Kampf im Rücken des Feindes" in einer Order, "erfolgt durch Fremde Heere Ost in allen die Frontaufklärungsverbände betreffenden Fragen." Und am 6. Februar 1945 hielt die Führungsgruppe des Generalstabs (stellvertretender Chef: Gehlen) die Heeresgruppen an, den Werwolf tatkräftig zu unterstützen: "Alle Truppenteile, in deren Nähe "W"-Gruppen sind, haben für Versorgung und Betreuung der betreffenden "W"-Gruppen zu sorgen:

Gehlen machte sich eigene Gedanken über den Kampf im Rücken der Sowjets auf deutschem Boden. Dem SD-Chef Schellenberg schlug er am 25. Februar 1945 "ein deutsches V-Mann-Netz für Aufgaben der Frontaufklärung K" vor. Gehlen: "Hierzu ist notwendig, aus der Truppe 1000 Freiwillige zu erfassen, die sich zum Einsatz hinter der sowjet russischen Front melden.

Die enge Zusammenarbeit zwischen FHO und RSHA steht freilich in einem argen Gegensatz zu dem Bild, das die Bewunderer Gehlens von seiner Rolle in der Spätphase des Dritten Reiches zeichnen. Der erste Präsident des Bundesnachrichtendienstes will sich heute als Widerstandskämpfer, zumindest als Gegner des NS-Staates verstanden wissen.

"Ich war sehr früh", so Gehlen in einer Aussage vor dem Landgericht Karlsruhe am 1. Februar 1951, "zu der Überzeugung gekommen, daß nicht einzelne Persönlichkeiten aus der Umgebung von Hitler, sondern er selbst verhängnisvoll sei, weil er keine moralischen Bindungen anerkannte.

Aus Gegnerschaft zum NS-Regime habe er sich mit "politisch zuverlässigen" Männern umgeben. Gehlen: "Unter politisch zuverlässig in diesem Sinne verstand ich Leute, mit denen ich offen über die nationalsozialistische Führung und die Kriegslage sprechen konnte. Zu ihnen zählte er seinen Stellvertreter Gerhard Wessel und den Gruppenleiter I Graf von Rittberg. Auch beriet er sich darauf, daß er "mit mehreren Opfern des 20. Juli (1944). wie z. B. Roenne, Stieff, Freytag-Loringhoven u. a. eng befreundet war.

Mit dem Hinweis auf solche Bekanntschaften erschöpfte sieb die öffentliche Selbstdarstellung des Widerständlers Gehlen. Was er offen ließ, malten seine literarischen V-Männer aus.

Der Journalist Wolfgang Wehner wußte zu berichten, Gehlen habe in seiner Abteilung den Hitler-Gruß unterbunden und sich dem "zügellosen Fanatismus" Hitlers in offener Konfrontation entgegengestellt. Autor Jürgen Thorwald halte "Grund anzunehmen", daß Gehlen "die radikale Wandlung der (deutschen) Politik im Osten nach einer gewaltsamen Beseitigung Hitlers, Himmlers und Rosenbergs" angestrebt habe.

Thorwald erzählte eine aufregende Geschichte: Die SS habe durchschaut" daß von Gehlen die gleichen Ziele verfolgt worden seien wie von den Männern des 20. Juli 1044. Deshalb habe die SS Gehlen beseitigen wollen; es sei zum erbitterten Kampf zwischen ihm und der SS gekommen -- ein Grund mehr für den späteren BND-Chef, "bei der Auswahl seiner Mitarbeiter auf Kräfte aus dem ehemaligen Bereich der SS zu verzichten.

Diese Konstruktion paßt nicht zu der Gelassenheit, mit der sich Gehlen nach 1945 manche fragwürdige Figur aus dem Schattenreich der SS zum Mitarbeiter auswählte. Wer ehemalige Gestapo-Funktionäre und SD-Männer anheuerte, konnte schwerlich der kompromißlose SS-Gegner sein, als den ihn seine Freunde deuteten.

Unzufriedene Alt-Nazis in der Gehlen-Organisation drohten denn auch gerne "Enthüllungen" über Gehlens Kriegstätigkeit an. Der ehemalige SS-Standartenführer Friedrich Panzinger, Amtschef im Reichssicherheitshauptamt, unkte 1059: "Ich weiß von Reinhards "schönen Taten während des Krieges vielleicht sogar besser als er selber. Sollte mal die Sache vor Gericht kommen, werde ich nicht schweigen.

Solcher Schnickschnack wird freilich der wirklichen Rolle Gehlens ebensowenig gerecht wie das Loblied der Bewunderer. Das Klischee vorn Nazi oder Antinazi vermag nicht einen Mann zu erklären, der zwischen den Fronten innerdeutscher Auseinander-

* 3. v. r. Reinhard Heydrich, Leiter des Reichssicherheitshauptamtes

setzung stand und noch in den letzten Stunden des Dritten Reiches blieb, was er von Anfang an gewesen war: der Techniker, der unpolitische Spezialist.

Seit er in den Generalstab des Heeres eingetreten war, hatte sich der Soldat Gehlen von allem politischen Engagement ferngehalten. Wie fast jeder deutsche Offizier hatte allerdings auch Gehlen 1933 die NS-Machtübernahme begrüßt. Im nationalkonservativen Denken mit seiner Vorliebe für den autoritären Staat und die Herrschaft starker Männer erzogen, mußte dem jungen Reichswehroffizier ein Regime willkommen sein, das sich betont national und wehrfreudig gab.

Gehlen erlag jedoch nicht lange der Faszination des "nationalen Aufbruchs". Der Gleichschaltungsterror des Regimes und die Cliquenwirtschaft der NS-Partei widerten ihn an. Bald nahm der Monarchist Gehlen Abschied von der Illusion, das Dritte Reich sei eine Art Ersatz-Kaisertum.

Schon für das Jahr 1938 ist bezeugt, daß Gehlen über das nationalsozialistische System äußerst kritisch dachte. Die Jahreszahl 1938 bezeichnete für manchen Offizier das allmähliche Abrücken vom NS-Staat: Im Februar 1938 waren die Führer von Wehrmacht und Heer durch eine Intrige der Gestapo gestürzt worden (Affären Blomberg-Fritsch), Hitler selber hatte das Kommando über die Wehrmacht übernommen.

Gehlen sah freilich darin weniger ein Manöver Hitlers als einen Schurkenstreich der Partei. Auch mit dieser Auffassung stand er nicht allein; viele Militärs glaubten, man müsse zwischen Hitler und der Partei unterscheiden. Der Feldmarschall von Manstein berichtet in seinen Memoiren, es sei damals im Heer "weilverbreitete Anschauung" gewesen, "daß Hitler von den Missetaten seiner Leute nichts wisse und sie sicher nicht billigen würde, falls er sie erführe". Der Volksmund brachte solche Wunschvorstellungen auf die unsterblich-ironische Formel: "Wenn das der Führer wüßte!"

Kaum einer huldigte diesem Glauben eifriger als der Oberst Gehlen. Der FHO-Chef meinte noch 1942, man könne Hitler mit geheimdienstlichen Expertisen und korrekten Feindlage-Analysen in vernünftigere Bahnen lenken.

Er stand noch so sehr im Banne der Hitler-Gläubigkeit, daß ihm Bekenntnisse zum Nationalsozialismus fast selbstverständlich waren. Er sah es auch nicht ungern, daß die Mitarbeit bewährter Nationalsozialisten wie des SA-Obersturmführers Viktor von der Marwitz oder des SS-Reiters Alexander von Mielecki der FHO den Anstrich ideologischer Linientreue gab.

Die NS-Gegner in seiner Abteilung wiederum beschwor Gehlen, bei ihren oppositionellen Gesprächen äußerst vorsichtig zu sein. Den Gruppenleiter Graf von Rittberg habe er "mindestens einmal entschieden gewarnt", berichtet Gehlen, und der Erste Generalstabsoffizier (Ia) der FHO, Major Heinz Herre, mußte sich wiederholt seine Denkschriften gegen die deutsche Besatzungspolitik in Rußland von Gehlen entschärfen lassen.

Eben diese Ostpolitik aber zwang Gehlen dann doch, gegen die Staatsführung Stellung zu beziehen. Allzu offenkundig war, was die Volkstumsfanatiker der Partei und die Einsatzgruppen der SS im deutschbesetzten Rußland anrichteten -- ihrem Wüten fiel auch der letzte Rest guten Willens zum Opfer, mit dem die Russen die Armeen Hitlers als Befreier von der Stalin-Herrschaft empfangen hatten.

Gehlen entschloß sich, die militärische Führung zu alarmieren. Er ließ Berichte über die Stimmung der russischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten und in der Roten Armee anfertigen, aus denen hervorging, wie katastrophal sich die "Untermenschen"-Politik der deutschen Kolonialherren auswirkte.

Mit Denkschriften, Analysen und Einzelinformationen wurde die Abteilung Fremde Heere Ost beim Chef des Heeres-Generalstabes und im Oberkommando der Wehrmacht (OKW) vorstellig. "Wir alle beschließen", notierte sich Ia Herre im Oktober 1942, "nicht locker zu lassen, Material zu sammeln und dieses irgendwie auf dem geeignetsten Weg nach oben zu setzen.

In seiner Kampagne wurde Gehien vor allem von dem Referatsleiter II Z, Oberstleutnant Alexis Freiherr von Roenne, bestärkt. Er war ein entschiedener Regime-Feind, besaß das Vertrauen prominenter Mitglieder der militärischen Anti-Hitler-Fronde und wirkte so überzeugend, daß sich ihm selbst der mißtrauisch-vorsichtige Gehlen rückhaltlos erschloß.

Roenne kannte die Stimmung in den besetzten Gebieten Rußlands besonders gut: Sein Referat (die spätere Gruppe III) betreute die Vernehmungslager für sowjetische Kriegsgefangene, täglich protokollierte es den Deutschenhaß, den das nationalsozialistische Ausbeutungssystem unter den Russen hervorgerufen hatte.

Um den Balten-Baron Roenne bildete sich ein Kreis von FHO-Offizieren, die, wie der Hauptmann Wilfried Strik-Strikfeldt, Vernehmungsspezialist der Abteilung, für ihren Kampf gegen die NS-Ausbeuter Verbündete sammelten, wo immer sie sich anboten. Roenne hielt engen Kontakt zu dem Oberstleutnant Graf von Stauffenberg in der Organisations-Abteilung des Heeres-Generalstabes, andere arbeiteten mit einer Balten-Gruppe in der Propaganda-Abteilung des OKW zusammen. Gehlen kooperierte mit dem Generalstab der Heeresgruppe Mitte, in dem die härtesten Gegner der Nazimethoden im Osten saßen.

Selbst in den Reihen prominenter Nationalsozialisten entdeckte die FHO Gleichgesinnte. "Lerne einen sehr ordentlichen Brief von (Propagandaminister) Goebbels an die Gaupropagandaleiter kennen, der ganz in unserem Sinne ist", registrierte Herre, und auch im Ostministerium des NS-Reichsleiters Alfred Rosenberg gaben sich Gegner des Herrenmenschen-Programms zu erkennen.

Die Mitwirkung hoher Parteigenossen erlaubte Gehlen, noch immer an die Wandlungsfähigkeit Hitlers zu glauben. Gehlen-Apologet Thorwald attestiert ihm zwar, schon 1942 in Hitler den eigentlichen Verantwortlichen der Kolonialpolitik im Osten erkannt zu haben, doch die Gehlen zugeschriebenen Äußerungen ("Die vom Führer vertretene Methode der gewaltsamen Eroberung) sind unhistorisch -- die Eintragungen im Tagebuch des Gehlen-Intimus Herre widerlegen sie.

"Immer wieder treten die Mängel klar zu Tage", schrieb sich Herre am ii. Oktober 1942 auf, "aber die Kernfrage bleibt: Wie können die Mängel an den Führer herangetragen werden, damit sie von ihm selbst abgestellt werden?" Noch schien es Gehlen und Herre, als trügen allein Rosenberg, der Reichsführer-SS Himmler und der Ukraine-Reichskommissar Koch die Hauptschuld an den Zuständen im Osten.

Herre ahnte Böses: "Das kann doch nicht gutgehen. Da muß doch das viele gute deutsche Blut umsonst geflossen sein." Hitler aber blieb für ihn die einzige Hoffnung. Am 18. November: "Ob unser Elaborat (gegen die Ostpolitik) wohl etwas Erfolg hat? Mir scheint es so. Wer wird es aber und wie dem Führer vortragen?

Erst allmählich schlich sich hei Gehlen und seinen engsten Mitarbeitern der Verdacht ein, hinter allem Übel stecke womöglich Hitler selber. Herre schrieb sich ins Tagebuch: "Ich werde mir mit dem Chef zusammen darüber klar, daß wir uns führungsmäßig in einer ausgesprochenen Vertrauenskrise befinden." Die Erkenntnis schockierte Gehlen derartig, daß er sich einem Freund, dem Widerständler Henning von Treschkow, Oberstleutnant und Ia der Heeresgruppe Mitte, anvertraute.

"Wir waren uns einig, erinnert sich Gehlen, "daß der Rußlandfeldzug gewonnen werden könne, wenn er militärisch und politisch richtig geführt würde, daß es aber unter den obwaltenden Umständen schiefgehen werde. Auf die Frage, was also soll man tun, war uns ganz klar: Es geht nur ohne die Spitze. Über diese Erkenntnis aber waren wir beide so erschrocken, daß wir die Unterhaltung abbrachen, denn schließlich waren wir beide Offiziere, die unter Eid standen."

Doch die katastrophale Entwicklung der Kriegslage ließ Gehlen keine andere Wahl, als Hitler zu einer Revision der Ostpolitik zu drängen. Das NS-Eroberungsprogramm bedrohte nicht zuletzt die Existenz der Fremde Heere Ost: Bald konnte man den Tag berechnen, an dem kein Russe mehr bereit sein würde, sein Leben für den Spionageapparat der FHO aufs Spiel zu setzen.

Am 25. November 1942 geißelte Gehlen in einem 17seitigen Memorandum an die Adresse des Führerhauptquartiers das Versagen der deutschen Besatzungspolitik, ja er stellte Nazis und Kommunisten auf eine Ebene: Weder die Sowjets noch die Deutschen hätten dem Russen gegeben, wonach er sich sehne -- "Gerechtigkeit, Organisationskraft, Verständnis. Fürsorge".

Die Bekämpfung der immer gefährlicheren Partisanen, so argumentierte Gehlen, komme ohne die Unterstützung der russischen Bevölkerung nicht mehr aus; da werde auch die "umstrittene Auffassung" von der Minderwertigkeit des slawischen Menschen "unbestreitbar zu einem Fehler schwerster Art".

Es sei dringend notwendig, forderte Gehlen, die Besatzungspolitik radikal zu ändern. Das Reich müsse der Bevölkerung im Osten Selbstverwaltung zugestehen, mehr kulturelle Freiheit einräumen und den Einsatz eigener Truppen zubilligen. Gehlen postulierte: "Rücksichtslose Ausmerzung diffamierender Behandlungsmethoden!

Mit einem Schlag halte sich Gehlen an die Spitze jener Kräfte im Heer gestellt, die vorwiegend aus Zweckmäßigkeitsgründen die Besatzungspolitik Hitlers bekämpften. Ohne die Antwort des Führerhauptquartiers abzuwarten, trieb Gehlen sein eigenes Ostprogramm voran. Programmpunkt eins: Aufstellung einer Armee russischer Antikommunisten.

Schon im Oktober 1941 hatte Strik-Strikfeldt im Auftrage des Gehlen-Freundes Tresckow einen phantastischen Zukunftsplan entworfen: Eine russische Befreiungsarmee in Stärke von 200 000 Mann solle an der Seite der Wehrmacht gegen die Sowjets marschieren und sich damit ein freies, allen Zwängen lediges Rußland erkämpfen

Der Plan war sofort von dem OKW-Chef Keitel abgelehnt worden, doch Strik-Strikfeldt und seine Auftraggeber hatten sich nicht entmutigen lassen: Überall an der Ostfront gingen deutsche Verbände dazu über, russische "Hilfswillige" (Hiwis) -- meist Kriegsgefangene -- anzuwerben, sie zu bewaffnen und zu kleineren Einsätzen heranzuziehen.

Hitler verbot wiederholt die Aufstellung weiterer Hiwi-Formationen, doch das Heer fand immer wieder Ausflüchte, um die Anwerbung neuer Helfer zu rechtfertigen. Sie waren Ende 1942 bereits so stark angewachsen, daß Stauffenberg die Aufstellung eines eigenen Stabes ("General der Osttruppen") durchsetzen konnte.

Vernehmer Strik-Strikfeldt stöberte schließlich auch den Mann auf, von dessen charismatischen Fähigkeiten er sich eine ungeheure Wirkung auf die russische Bevölkerung versprach, In dem Generalleutnant Andrei Andrejewitsch Wlassow, einem der fähigsten Heerführer Stalins, im Sommer 1942 in deutsche Gefangenschaft geraten, sah Strik-Strikfeldt den "russischen de Gaulle", den Führer der projektierten Befreiungsarmee.

Gehlen verband sich mit Wlassow, der bereit war, auf die Karte der Deutschen zu setzen. Der FHO-Chef erlaubte dem Russen, eine politische Organisation zu bilden, in den Gefangenenlagern Anhänger zu werben und die Aufstellung einer Antikommunisten-Armee vorzubereiten.

Umsichtig tarnte Gehlen die Wlassow-Aktion gegenüber den radikalen "Untermenschen'-Aposteln von der Art Himmlers und Kochs, aber auch gegenüber den mailvolleren Nationalsozialisten in Rosenbergs Ostministerium, die Wlassow nicht mochten. Wlassow war Großrusse, Anhänger eines zentralistischen Einheitsstaates, die Rosenberg-Gehilfen aber propagierten die Aufspaltung Rußlands in zahlreiche Kleinstaaten und Völkerschaften.

Dennoch gelang es Gehlens diplomatischer Geschicklichkeit, den schwachen Rosenberg auf seine Seite zu ziehen. Im Dezember 1942 versprach ihm der Osiminister, die Wlassow-Aktion zu unterstützen.

Kaum aber hatte Wlassow ein politisches Komitee gegründet, da schlug Himmler im Führerhauptquartier Alarm. Die Tätigkeit Wlassows, schrieb er am 4. März 1943 an die Parteikanzlei, stehe in klarem Widerspruch zu den Befehlen des Führers, der jedes Paktieren mit dem russischen Nationalismus verboten habe.

Bevor jedoch Hitler aufmerksam wurde, wiegelte Gehlen ab: Er ließ verlauten, die Werbekampagne Wlassows sei im Interesse der Feindaufklärung notwendig. Hinter solchem Rauchschleier gab er das Startzeichen zu einem Propagandaschlag der Wlassow-Bewegung.

Am 20. April 1943 lief am Mittelabschnitt der Ostfront das " Unternehmen Silberstreif" an: Agitprop-Kommandos des Generals Wlassow berieselten die Stellungen der Sowjetarmee mit Aufrufen, die zur Desertion anspornten und jedem Überläufer gute Behandlung, ausreichende Verpflegung und Beschäftigung in der Wlassow-Bewegung versprachen.

Die Aktion hatte Erfolg. im Mai liefen 2500 Rotarmisten über, einige Wochen später war die Zahl der Deserteure auf 6500 angewachsen. Gehlen befahl, die Anstrengungen zu verdoppeln. Er ernannte Strik-Strikfeldt zum ständigen Begleiter Wlassows, er stellte Herre dem General der Osttruppen als Generalstabschef an die Seite, er stützte Rosenberg in dem Versuch, die fanatischen Russenfeinde in Hitlers engster Umgebung abzuwehren,

Und er schrieb wieder eine Denkschrift, erneut an das Führerhauptquartier gerichtet. Am 1. Juni 1943 erklärte er, die Wirkung des Wlassow-Einsatzes sei so positiv, daß der Führer nun den nächsten Schritt unternehmen könne -- die Proklamierung einer russischen Selbstregierung unter der Führung Andrej Wlassows.

Da aber verbat sich der Diktator solchen "einzigen Wahnsinn". Hitler polterte: "Ich baue nie eine russische Armee auf. Das ist ein Phantom ersten Ranges." Am 8. Juni entschied er, es dürfe keine Wlassow-Armee geben; der russische General könne an der Front Propaganda treiben, mehr aber erlaube er ihm nicht.

Zwei Monate später wollte Hitler sogar alle Hiwi-Formationen auflösen, weil er gehört hatte, einige von ihnen seien zu den Partisanen übergelaufen. Wieder setzte Gehlen zu einer Gegenaktion an. Er bewog das Führerhauptquartier, die Auflösung zu verschieben, und erreichte dann wenigstens, daß die Masse der Osttruppen erhalten blieb.

Gehlen war verzweifelt. Schon am 16. März hatte er Roenne, der inzwischen zum Chef der Abteilung "Fremde Heere West" ernannt worden war, in der ihm eigenen verschleiernden Sprache geschrieben: Lieber Roenne!

Der Kompaniechef (= Generalstabschef) hat den Kampf für diese Dinge völlig aufgegeben, wenigstens zur Zeit, und die Sache ist festgefahren. Es ist infolgedessen erforderlich, in der Propaganda in dieser Richtung vorübergehend etwas leise zu treten, da sonst die Gefahr besteht, daß, wenn K (= Koch) ins Spiel kommt, die ganze Sache torpediert wird ... Haben Sie nicht einmal Zeit, hier vorbei zu

kommen, damit ich mich mit jemandem

aussprechen kann, was ja telefonisch nicht möglich ist?

Mit sehr herzlichen Grüßen stets Ihr Gehlen

Der FHO-Chef wußte: Das Experiment Wlassow hatte einen tödlichen Stoß erhalten. Zum erstenmal war ihm aufgegangen, daß Deutschland von einem Besessenen beherrscht wurde, der keinem rationalen Argument mehr zugänglich war und stur seinem einmal eingeschlagenen Kurs folgte -- bis zum bitteren Ende.

Das Zusammenspiel mit Wlassow hinterließ in Gehlens politischem Rußland-Bild Spuren, denen er auch noch nach dem Krieg folgte. Nie konnte er die Hunderttausende antikommunistischer Russen vergessen, die 1943 bereit gewesen waren, gemeinsam mit den Deutschen die Stalin-Herrschaft zu zerbrechen; die Nähe zu den Wlassow-Freunden bestärkte ihn in dem Glauben, in Rußland sei noch ein anderes, freieres System als das sowjetische möglich.

Nur mit Mühe begriff Gehlen später, daß die Wlassow-Bewegung eine flüchtige, angesichts der totalitär-kotonialistischen Natur des Hitler-Regimes höchst unsichere und nie wiederkehrende Chance darstellte, Rußlands rotes Regime aus den Angeln zu heben. Noch Ende der vierziger Jahre sollte der BND-Gründer Gehlen das sowjetische Regierungs- und Gesellschaftssystem für so ungefestigt halten, daß ihm ein Sturz des roten Regimes denkbar schien. Das Beispiel der Wlassow-Bewegung verführte ihn noch manches Mal, die reale Lage in der Sowjet-Union zu verkennen.

1943 freilich wußte er schon, daß unter Hitler ein freies Rußland keine Chance mehr hatte. Auch dem FHO-Chef war nun klar, daß Hitlers Weg in den Untergang führte. Doch er zögerte, sich Freunden wie Stauffenberg, Roenne und Tresckow anzuschließen, die den Wahnsinnigen im Führerhauptquartier beseitigen wollten.

Noch heute behält er für sich, was ihn daran gehindert hat, den militärischen Widerstand gegen Hitler zu unterstützen. Die starren Eidvorstellungen des preußisch-deutschen Traditionalismus versagten ihm offenbar, an den Putschvorbereitungen teilzunehmen, zugleich aber mag der Geheimdienst-Techniker Gehlen über den Dilettantismus erschrocken gewesen sein, mit dem die Verschwörer an ihr Werk gingen.

Zudem war Gehlen in die verzweifelten Abwehrkämpfe der unter den sowjetischen Schlägen taumelnden deutschen Ostfront so sehr verstrickt, daß er von einem mißglückten Staatsstreich mit folgendem Bürgerkrieg den völligen Zusammenbruch des Ostheeres und die Überflutung Deutschlands durch die Rote Armee befürchten mochte.

Später wurden allerdings auch Aussprüche Gehlens bekannt, die eine grunösätzlichere Position erkennen ließen. Den Kampf des Kreises um den Abwehr-Generalmajor Hans Oster, der westliche Kriegsgegner über Hitler-Pläne informierte, wertete er als Landesverrat, und seine Abneigung gegen Anti-Hitler-Emigranten ist zumindest im Falle Otto Johns belegt. Als der damalige Verfassungsschutz-Präsident John 1954 in Ost-Berlin untertauchte, kommentierte Gehlen: "Einmal Verräter, immer Verräter!"

Gleichwohl duldete Gehlen, daß entschlossene NS-Gegner in seiner Abteilung an Komplottgesprächen teilnahmen und das geheime FHO-Material für ihre Sache benutzten. Er ließ auch den Major Karl-Heinrich Graf von Rittberg gewähren, der nach Roennes Weggang an die Spitze der Regime-Feinde in der FHO getreten war.

Der Graf leitete die Gruppe I (Tägliche Feindlage-Bearbeitung) und genoß das Vertrauen vieler Stauffenberg-Anhänger im Oberkommando des Heeres. Bewußter Christ wie Roenne, hatte er Kontakt zu dem Kreisauer Widerstandskreis seines Vetters Helmuth James Graf von Moltke und hielt die Ermordung Hitlers für das einzige Mittel, das Deutschland noch retten könne,

Er saß auch mit im Hotel "Berchtesgadener Hof" in Berchtesgaden, wo in den letzten Tagen vor dem 20. Juli zwischen den Generalen Wagner, Stieff und Fellgiebel ("Der Führer muß weg") Details des Anschlags auf Hitler besprochen wurden. Der Name Rittberg stand längst auf den Schwarzen Listen der Gestapo.

Die Verschwörer in der FHO waren sich freilich nie sicher, wieweit Gehlen ihre Arbeit billigte. Der Chef lud nicht dazu ein, ihm Geheimnisse anzuvertrauen. Gehlen sieht es heute so: "In die näheren Hintergründe der Vorbereitungen für den 20. 7. ist Graf Rittberg von mir selbst nicht eingewiesen worden. Mein Verhältnis zu ihm war so, daß er auch das verstand, was man nicht sagte."

Gehlen will damit andeuten, er habe von dem bevorstehenden Putsch gewußt. Zweifellos war er über die Vorbereitungen allgemein informiert, Daten und Details aber hat er sicher nicht gekannt. Als die Verschwörer losschlugen, weilte Gehlen zur Kur in Bad Elster; er hatte sich Anfang Juli eine schwere Sepsis zugezogen und war in ein Lazarett eingeliefert worden. Ihm wird es nicht viel anders ergangen sein als seinem Gruppenleiter II: "Vom 20. Juli wurden wir alle völlig überrascht."

Der Chef raffte sich auf, die Abteilung vor der mit Sicherheit zu erwartenden Racheaktion der Gestapo zu schützen: Schon war Gehlen-Freund Roenne verhaftet und hingerichtet, schon hatte die Gestapo Rittberg abgeführt, den Hauptmann Lindeiner und den Rittberg-Konfidenten Smend verhört.

Gehlen konnte Rittberg und Lindeiner wieder freipauken, doch das blutige Wüten der Gestapo lehrte ihn, daß es in Zukunft zu riskant war. Anti-Hitler-Putschisten in der FHO zu halten. Einige Widerständler sahen sich von Gehlen zur Truppe versetzt -- auch Rittberg, der noch 1945 wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung von einem Fliegenden Standgericht erschossen wurde.

Gehlens Reaktion erinnerte an die

Haltung Wlassows nach dem 20. Juli. Als der Russe von Strik-Strikfeldt erfuhr, Stauffenberg und andere Freunde seien erschossen worden, gab er vor, sie nicht zu kennen. Wlassow: "Von solchen Toten spricht man nicht

als von Freunden. Man kennt sie nicht. Vergessen Sie das nie, Wilfried Karlowitsch. Ich bin durch die Schule Stalins gegangen. Das ist erst der Anrang!"

Je mehr engagierte Anti-Nationalsozialisten die Fremde Heere Ost verließen, desto näher führte Gehlen seine Abteilung an die Macht heran, der er wie jeder konservative Heeresoffizier mißtraute: an die SS Heinrich Himmlers.

Gehlen hatte an vielen Bemühungen mitgewirkt, die 55 an einer Infiltration der Wehrmacht zu hindern. Er bestärkte immer wieder den Generalstabschef des Heeres, der SS keine militärischen Rechte einzuräumen. Bis zum Kriegsende sollte er nicht aufhören, in der SS eine fremde Macht zu sehen, die man wohl benutzen könne, aber stets auf Distanz halten müsse.

Gehlens Partnerschaft mit der SS war (leon auch kein Akt der Freiwilligkeit. Wer im Deutschland des Jahres 1944 Feindaufklärung betrieb und sich dabei nachrichtendienstlicher Instrumente bediente, mußte mit der SS paktieren. Denn: Im Februar 1944 war der Geheimdienst-Chef Wilhelm Canaris gestürzt, seine Abwehr zerschlagen worden. Die SS hatte sich auf Befehl Hitlers des Kernstücks der Abwehr, des Geheimen Meldedienstes, bemächtigt.

Gehlen und andere Offiziere konnten noch eben verhindern, daß die SS-Führer den Abwehr-Apparat auf alle Gruppen des Reichssicherheitshauptamtes verteilten; die ehemaligen Canaris-Leute wurden im RSHA in einer eigenen Dienststelle, dem Amt "Mil", zusammengefaßt. Dennoch garantierte sein Chef, der SS-Brigadeführer Schellenberg, Leiter des Ausland-SD (Amt VI), daß die SS-Kontrolle gewahrt blieb.

Mit Schellenberg mußte Gehlen zusammenarbeiten, weil auch die Späher der FHO, die Frontaufklärungsorgane, fachlich dem RSHA unterstellt waren. Außerdem gehörten die Funkspiele, eines der wichtigsten Kampfmittel der FHO, in den Kompetenzbereich des RSHA. Gehlen hatte also allen Grund, mit dem ehrgeizigen SS-Brigadeführer gut auszukommen.

Den "Benjamin Himmlers", wie sich Schellenberg gerne nennen hörte, kannte Gehlen, seit das RSHA-eigene Unternehmen "Zeppelin" (UZ) die beiden Mächte SD und FHO zusammengeführt hatte. Das UZ war eine Erfindung der Ostgruppe des Ausland-SD; sie hatte im März 1942 begonnen, sowjetische Kriegsgefangene für Sabotageaufgaben auszubilden und sie hinter der sowjetischen Front einzusetzen.

Die UZ-Zentrale (Chef ab 1943: SS-Sturmbannführer Dr. Hengelhaupt) unterhielt im Osten drei Hauptkommandos, die wiederum im unmittelbaren Frontgebiet Außenkommandos besaßen, deren Auftrag lautete, gefangengenommene Sowjetsoldaten sofort auf eine mögliche Verwendung für das UZ zu prüfen. Diese Außenkommandos waren auf den guten Willen der Frontaufklärungsstellen angewiesen, die jeden Sowjetgefangenen verhören durften, ehe er in ein Lager weitergeleitet wurde.

Wollten die UZ-Kommandos besonders wichtige Gefangene in ihre Dienste nehmen, dann mußten sie sich mit den Frontaufklärungsstellen und deren Auftraggeber einigen -- das aber war Gehlens Abteilung. Praktisch entschied die FHO darüber, ob ein Kriegsgefangener im Gewahrsam des Heeres blieb oder an den ED abgegeben wurde.

Später beteiligte sich die FHO auch mit Informationen an den Einsätzen des Unternehmens Zeppelin. Genaue Kenntnisse über die Zustände im sowjetischen Hinterland besaß meist nur die FHO -- der ED konsultierte deshalb die FHO fast vor jeder UZ-Aktion.

Ab Ende 1943 profitierte freilich auch die FHO von den Rußland-Einsätzen des UZ. Inzwischen hatte sich das Unternehmen so eingespielt, daß die von den UZ-Gruppen gelieferten Informationen für die FHO wichtig wurden. An zahlreichen Stellen weit hinter der sowjetischen Front agierten die sogenannten Aktivisten des Unternehmens Zeppelin, unter ihnen

* ein Drei-Mann-Trupp in Moskau, der das sowjetische Verkehrsministerium infiltrierte und Berichte über Militärtransporte der Roten Armee photographierte ("Einsatz Josef"),

* eine Gruppe in den Schiguli-Bergen, die den Raum um den Eisenbahnknotenpunkt Kuibyschew erkundete und weitere Aktivistengruppen nach sich ziehen sollte ("Einsatz Max"),

* mehrere Gruppen längs der Eisenbahnlinie Moskau-Wologda-Archangelsk, die gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung in entlegenen Waldgebieten Widerstandsgruppen bildeten ("Einsatz Nordbahn).

Die meisten dieser Aktionen wurden dilettantisch betrieben und endeten vor den Maschinenpistolen der sowjetischen Geheimpolizei, dennoch brachten sie genügend Erkenntnisse über die Zustände auf der sowjetischen Seite, um Gehlens Feindlage-Bearbeiter neugierig zu machen. FHO und SD rückten enger zusammen.

Die nähere Tuchfühlung mit Schellenbergs Organisation lehrte Gehlen, daß viele SD-Führer längst aufgehört hatten, den antislawischen Dogmen Hitlers blindlings zu folgen. Die kaltblütigen Rationalisten des SD propagierten seit Anfang 1944 einen Kurs, der dem alten Wlassow-Programm Gehlens überraschend glich.

Sie konnten sogar ihren Reichsführer im Sommer 1944 zu einer wunderlichen Kehrtwendung in der Ostpolitik bewegen: Der SS-Chef, dem der "Metzgergeselle" Wlassow bis dahin als "ein gefährlicher Bolschewist" gegolten hatte, erlaubte ihm jetzt, mit Mitteln der SS zwei russische Divisionen aufzustellen.

Die unerwartete Hilfestellung Himmlers beeindruckte Gehlen, bereitwillig half er manchen SD-Führern. Er bestärkte seinen Freund Herre, sich auch einem SS-gelenkten Wlassow als Stabschef zur Verfügung zu steilen, im Januar 1945 kommandierte er sogar zeitweilig seinen Stellvertreter Wessel als Ic zu Himmlers Heeresgruppe Weichsel ab. Und an der Seite Gehlens tauchten immer häufiger zwei 55-Männer auf: der UZ-Chef Hengelhaupt und Sturmbannführer Otto Skorzeny, Kommandeur der SS-Jagdkommandos~

Der gemeinsame Antibolschewismus war stark genug, die ungleichartigen Partner zueinander zu führen. Er allein erklärt (neben der fachlichen Qualität mancher SD-Männer), warum Gehlen nach dem Krieg zahlreiche Schellenberg-Leute in seine Nachrichtenorganisation einreihte -- Skorzeny zum Beispiel erschloß Gehlen später Geheimdienstquellen im Nahen Osten.

Im November 1944 erhielt Skorzeny den Auftrag, im sowjetischen Hinterland eine Widerstandsorganisation aufzubauen und mit antikommunistischen Partisanen Kontakt aufzunehmen. Zu ihnen zählten, wie die Operations-Abteilung des Heeres-Generalstabes am 12. November registrierte:

* "die Widerstandsgruppen der ukrainischen Nationalisten,

* "die nach Überrollen durch das sowjetische Vorrücken nicht ganz aufgelösten Gruppen der nationalpolnischen Widerstandsbewegung,

* "antisowjetischrussische Widerstandsgruppen im sowjetischen Hinterland bis zum Kaukasus, die sich aus Systemgegnern, Flüchtlingen usw. bilden,

* "sonstige antisowjetische Widerstandsgruppen aus nicht-russischen Elementen (Kriegsgefangenen, Deportierten, Strafgefangenen)".

Mit diesen Gruppen standen, sofern sk nicht zum Unternehmen Zeppelin gehörten, die Frontaufklärungsstellen und damit die FHO in Verbindung; Skorzeny mußte also Gehlen konsultieren, wollte er Kontakt zu den Partisanen bekommen. Gehlen aber nutzte die Chance, über Skorzenys SS-Jagdkommandos und Hengelhaupts UZ-Gruppen die Basis seiner Feindaufklärung zu verbreitern.

Gehlen arbeitete einen Plan aus, mit dem er nichts Geringeres bezweckte, als Widerständler und Frontaufklärer zu einem geschlossenen Agentenapparat hinter der sowjetischen Front zusammenzufassen. Gehlen: "Um die Agenten-Aufklärung kampfkräftig zu gestalten, ist es notwendig, ihr das Gesicht einer Partisanenbewegung zu geben.

Gehlen war längst von dem romantischen Rußland-Bild seiner baltendeutschen Freunde abgerückt und wollte die Wlassow-Russen nur noch als Werkzeuge der Feindaufklärung einplanen. Thorwald allerdings unterstellt seinem Helden, er habe es damals "für ein Verbrechen" gehalten, die Russen weiterhin für deutsche Interessen auszunutzen. Die Wirklichkeit sieht anders aus:

"Es ist notwendig", schrieb Gehlen am 25. Februar 1945 an Schellenberg, "daß die den Agentendienst gegen die sowjetrussische Wehrmacht tragende Idee von der rein national-russischen, der Wlassow-Bewegung, abweicht, um einerseits zu verhindern, daß der Wlassow-Kreis ideell zu weitgehend in dem Agentenkreis Fuß faßt, andererseits um die Möglichkeit zum weitgehenden Einsatz auch nichtrussischer Agenten zu schaffen."

Ihm schwebte eine von FHO und RSHA geführte Nachrichtenorganisation vor, die sich über ganz Osteuropa bis tief in die Sowjet-Union erstreckte und sich auf alle Völkerschaften im Osten stützte. Gehlen dekretierte: Es wird zum Zwecke der Nachrichtenbeschaffung durch entsprechend eingesetzte kampfkräftige Agentengruppen im rückwärtigen Feindgebiet ein neues, nichtdeutsches Nachrichtennetz als "Geheimbund der grünen Partisanen" geschaffen, der formell unter russischer Leitung steht. Gesichtspunkt: Autbau dieser Organisation lediglich jenseits der Front, diesseits nur Nachrichtenwege. Keine Beziehung zu Wlassow.

Ohne es zu wissen, hatte Reinhard Gehlen damit bereits das Grundmuster der späteren, nach ihm genannten Nachkriegsorganisation entworfen. Gemeinsam sammelten Gehlen, Skorzeny und Hengelhaupt alle Nachrichten, die auf die Existenz osteuropäischer Widerstandsgruppen hinwiesen. Der "Forschungsdienst Ost", eine Dependence des RSHA, faßte die Nachrichten zusammen und führte Listen über jede Gruppe.

So registrierte der Forschungsdienst Ost in seinen "Politischen Informationen" (Nr. 114) zum Beispiel:

* im Gebiet Mogilew "ehemalige Hiwi mit einigen Deutschen in kleineren Wlassowbanden",

* im Rayon Brjansk "räuberische Partisanen und Deserteurbanden",

* im Gebiet Orel "einige 1000 Mann mittlere und stärkere Wlassowbanden, ehemalige Hiwi mit ausreichender Bewaffnung".

In die Rubrik "Tätigkeit und politisches Programm" wurde eingetragen: "Sabotage gegen Verkehrsobjekte ... Flugblattpropaganda, Sprengungen von Brücken, Bahnanlagen, Überfälle auf kleinere Rote-Armee-Gruppen Plünderungen, Zugentgleisungen."

Gehlen beobachtete jedes Anwachsen der antikommunistischen Partisanenbewegung. Er notierte: "In der Westukraine ist die nationale Bandenbewegung immer stärker im Wachsen begriffen und als ernsthafte Belastung für die SU anzusehen. Oder: "In Ungarn erhielten die antisowjetischen Banden infolge zahlloser Greueltaten durch die sowjetischen Besatzungstruppen gegen Ende des Monats starken Zuzug."

Derartig mit Nachrichtenquellen im sowjetischen Herrschaftsgebiet verbunden, konnte die FHO noch in den letzten Wochen des Krieges Qualität und Radius ihrer Aufklärungsarbeit erhöhen. Gehlen fühlte sich jetzt auch stark genug, seine SS-Partner wieder zurückzudrängen. Er verlangte, die Kontrolle der Funkspiele dem SD zu entziehen und der FHO zu übertragen, er machte Skorzeny die nachrichtendienstliche Leitung deutscher Kampfgruppen im sowjetischen Hinterland streitig.

In den Wäldern nahe Minsk hatten sich im Sommer 1944 unter dem Oberstleutnant Scherhorn 2500 versprengte deutsche Soldaten gesammelt und die Heeresgruppe Mitte gebeten, sie zu der deutschen Hauptkampflinie (HKL) zurückzuführen. Der IC der Heeresgruppe, Oberst Worgitzky, später Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes, schaltete die SS-Jagdkommandos ein, weil er befürchtete, die Kampfgruppe Scherhorn sei ein Phantom der sowjetischen Gegenspionage.

Gehlen aber intervenierte, zumal er Skorzeny im Verdacht hatte, die Scherhorn-Gruppe für den Partisanenkrieg gegen die Rote Armee einsetzen zu wollen. "Dadurch würde das dem Oberstleutnant Scherhorn im Sommer 1944 gegebene Versprechen, für die Rückführung seiner Gruppe zu sorgen, nicht eingelöst werden" " hieß es in einem FHO-Papier. Am 20. Februar 1945 wurde Gehlen mit der Führung des "Unternehmens Scherhorn" beauftragt.

Er ließ am 25. Februar die Parole ausgeben: "Mit Übernahme der Verantwortung durch Generalstab des Heeres ist es erforderlich, die Aktion auch als Prestigefrage zu betrachten und sie mit allen Mitteln zu beenden." Doch Gehlen konnte sich seines Triumphes nicht lange erfreuen. Anfang März rief Skorzeny seinen Führer als Schiedsrichter an, der bestimmte, dem FHO-Chef sei die Leitung des Scherhorn-Unternehmens zu entziehen. (Die Kampfgruppe erreichte die HKL nicht.)

Dabei war Gehlen in Deutschlands militärischer Hierarchie von Stufe zu Stufe gestiegen: Er wurde am 1. Dezember 1944 zum Generalmajor befördert, er avancierte zum stellvertretenden Chef der Führungsgruppe des Heeres-Generalstabs. Ihm wurde sogar die Sicherheit des Generalstabs anvertraut; im Fall einer Katastrophe sollte er die sofortige Evakuierung des Generalstabs veranlassen.

Mehr noch: In dem neuen Generalstabschef Heinz Guderian hatte Gehlen einen Vorgesetzten gefunden, der sich nahezu blindlings auf die Feindlage-Beurteilungen der Fremde Heere Ost verließ. Guderian stellte seine Operationspläne ganz auf Gehlens Feindnachrichten ab -- mochten sie noch so entmutigend klingen. Das aber erregte die Wut Hitlers.

Es kam zu jenen Auseinandersetzungen, die von Gehlens Legendenschreibern liebevoll ausgeschmückt werden. Nach Thorwald und Wehner soll der FHO-Chef seinem Führer bei einem Lagevortrag hart begegnet sein und ihm die aussichtslose Lage "mit glasklaren, völlig leidenschaftslosen Augen" (Wehner) geschildert haben. Tatsächlich hat diese Begegnung nie stattgefunden. Dies sind die Fakten:

Den Diktator irritierten schon seit langem die nüchternen Feindlage-Berichte der FHO. Ihr prosaischer, angeblich defätistischer Stil empörte Hitler, so etwa diese "Beurteilung der Feindlage":

Die Lage der Heeresgruppe Mitte ist im Hinblick auf den Vorstoß starker sowjetischer Kräfte in der alten Front zur Zeit nicht wieder herzustellen. Es muß entschieden werden, ob die Heeresgruppe Mitte unter Aufgabe der Jetzigen Front das Kernland von Ostpreußen behaupten soll, oder ob Ostpreußen zur Gewinnung der entsprechenden Kräfte aufgegeben werden muß. Da die russische Offensive, wenn sie erfolgreich weiterläuft, eine kriegsentscheidende Auswirkung haben kann, wiegt der Verlust Ostpreußens geringer als der Verlust des Krieges.

Auf diese Gehlen-Beurteilungen berief sich Guderian, als er Hitler bewegen wollte, angesichts der sowjetischen Offensivkraft die Masse der deutschen Verbände im Osten zu konzentrieren. Hitler hingegen glaubte, die Russen seien kaum noch zu einer großen Offensive fähig. Als Guderian am 24. Dezember 1944 auf Gehlens anderslautende Berichte hinwies, grollte Hitler: "Das ist der größte Bluff seit Dschingis Khan. Wer hat diesen Blödsinn ausgegraben?"

Gehlen versuchte daraufhin, Hitlers engste Berater für seine Argumente zu gewinnen. Er schlug konspirative Wege ein, um den Wehrmachtführungsstab über die wahre Kriegslage zu informieren. An dessen stellvertretenden Chef, Generalleutnant Winter, schrieb er am 4. Januar 1945: Sehr verehrter Herr General.

In der Anlage übersende Ich zur Orientierung eine Vortragsnotiz, weiche ich dem Herrn Chef des Generalstabes des Heeres vorgelegt habe. Da ich zu einer Weitergabe nicht autorisiert bin, bitte ich sie als solche nicht zu verwerten. Ich wäre dankbar, wenn der Kurier die Notiz noch Kenntnisnahme mir wieder zurückbringen könnte.

Mit ergebensten Grüßen bin ich Herrn Generals gehorsamer Gehien

Der Geheimkurier erhielt einen Brief mit: "Oberleutnant Athenstaedt hat den Auftrag, besondere Kurierpost an den stellvertr. Chef Wehrmachtsführungsstab, Generalleutnant Winter, zu überbringen." Prompt kam Winters Antwort;

Lieber Gehlen!

In der Anlage sende ich Ihnen die Beurteilung der Feindlage mit Dank zurück. Dem Herrn Chef des Wehrmachtführungsstabes habe ich Kenntnis gegeben. Mit kameradschaftlichen Grüßen und Heil Hitler! Ihr Winter

Derartig ermutigt, meldete Gehien am 5. Januar, es müsse "erwartet werden, daß die sowjetische Führung mit der kommenden Offensive den kriegsentscheidenden Schlag zur Vernichtung des deutschen Ostheeres zu führen beabsichtigt". Gehlen ließ Guderian mit neuem Zahlenmaterial über die Stärke des sowjetischen Gegners ins Führerhauptquartier ziehen.

Am 9. Januar legte Guderian seinem Führer das neue Gehlen-Material vor. "Völlig idiotisch", rief Hitler und verlangte, den Bearbeiter des Materials in ein Irrenhaus zu sperren. Da wurde der Generalstabschef ärgerlich: "Die Ausarbeitungen stammen von dem General Gehlen, einem meiner tüchtigsten Generalstabsoffiziere. Ich hätte sie Ihnen nicht vorgetragen, wenn ich sie mir nicht zueigen gemacht hätte. Wenn Sie verlangen, daß der General Gehlen in ein Irrenhaus kommt, dann sperren Sie auch mich gleich dazu!"

Hitler gab nach, aber von Stund an standen die Namen Guderian und Gehlen auf der Schwarzen Liste des Diktators. Als Guderian am Nachmittag des 28. März mit Hitler erneut zusammenstieß, ging es wieder um die Feindlage-Berichte Gehlens.

Guderian und sein "irrsinniger General Gehlen", so wütete der Diktator, hätten ihn immer und immer wieder falsch beraten. Guderian brauste auf: "Hat Sie der General Gehlen mit seinen Feindlage-Berichten über die Stärke der Sowjets falsch beraten? Nein!" Hitler brüllte zurück: "Gehlen ist ein Narr!" Die beiden Männer schrien sich so laut an, daß Hitler die anwesenden Militärs aus dem Lageraum hinausschickte. Dann sprach er leise: "Herr Generaloberst Guderian, Ihr Gesundheitszustand macht es erforderlich, daß Sie sofort einen sechswöchigen Erholungsurlaub antreten."

Den Sturz Guderians überlebte Gehlen nur um einige Tage. Am 10. April 1945 erreichte auch ihn der Zorn Hitlers: Er wurde als Leiter der Abteilung Fremde Heere Ost abgesetzt. Oberstleutnant Wessel übernahm die FHO.

IM NÄCHSTEN HEFT

Gehlen bereitet die Zusammenarbeit zwischen seinem Stab und dem US-Geheimdienst vor -- Die FHO-Experten verstecken sich in den bayrischen Bergen -- Die alliierten Sieger auf der Jagd nach Gehlens Material -- Erste Funkspiele im Auftrage Washingtons


DER SPIEGEL 13/1971
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