14.06.1961

RINGBERG-KLINIKKrebs-Krimi

Besorgt um das Wohlwollen speziell der wohlhabenden Patienten, überhäufte Chefarzt Dr. Josef ("Jupp") Issels, der am Fuße des Schlosses Ringberg in Rottach-Egern am Tegernsee eine private Krebsklinik unterhielt, Anfang letzten Jahres den Zahnarzt seiner Klinik, Dr. Rudolf Gläser, mit massiven Vorwürfen.
Dem gestrengen Klinik-Chef war nämlich nicht entgangen, daß sich Gläser keineswegs nur um die Sanierung der Krankengebisse - die Entfernung sogenannter toter Zähne gehörte zur Anstalts-Therapie -, sondern bisweilen auch um die Sanierung der eigenen, notorisch labilen Finanzlage bemühte, indem er begüterte Patienten anzupumpen versuchte.
Die beiden Heilkundigen schieden voneinander im Zorn: Chefarzt Issels sah sich nach einem neuen Zahn-Zieher um, Dr. Gläser marschierte zur "Tegernseer Zeitung", um dort einen kritischen Leserbrief gegen Issels zu lancieren.
Dieses Eingesandt nahm den Kern jener Vorwürfe vorweg, die ab Mittwoch dieser Woche mit Hilfe von 77 Zeugen und zehn Sachverständigen in einem der größten deutschen Ärzteprozesse geklärt werden sollen: in dem Hauptverfahren gegen den Krebsklinik -Chef Issels vor dem Landgericht München II.
Der entlassene Gläser hatte seinen Arbeitgeber Issels bezichtigt, betrügerische "Geschäfte mit der Todesangst" zu betreiben. Die bayrische Strafverfolgungsbehörde erhob den gleichen Vorwurf und bereicherte die Anklage um einen weiteren Punkt: Der Chefarzt habe fahrlässig Patienten getötet.
Der Prozeß gegen den Ringberg-Chef verspricht um so sensationeller zu werden, als Issels jahrelang nicht nur als gut verdienender, sondern auch als verdienstvoller Mann galt: Er wurde in der bundesdeutschen Presse sowie von holländischen und sowjetzonalen medizinischen Experten als Pionier auf dem Gebiet der Krebsbekämpfung gerühmt.
Issels hatte seine mondäne Klinik am Tegernsee 1951 mit Hilfe holländischer Gelder eröffnet. Die niederländische Schiffahrtsgesellschaft van Ommeren, deren krebskranker Generaldirektor sich als früherer Patient dem Dr. Issels verbunden fühlte, stiftete 100 000 Mark, der Rotterdamer Reeder Boele, dessen Sohn bei Issels starb, 50 000 Mark.
Bald nach der Eröffnung der Krebsklinik jubelte der "Münchner Merkur": "Es gelingt heute in der Ringberg -Klinik, Patienten zu bessern, die noch vor einem Jahr keine Chance gehabt hatten." Die "Süddeutsche Zeitung" stand der Konkurrenz nicht nach und testierte dem Dr. Issels "unbestreitbare Erfolge".
Auch die illustrierten Wochenblätter geizten nicht mit Schlagzeilen für den Menschenfreund Issels. In Millionen -Auflagen verbreiteten sie Ringberg -Reportagen mit triumphalen Überschriften wie: "Dem Leben wiedergeschenkt" ("Revue"), "Dem sicheren Tod entrissen" ("Neue Illustrierte") und "Sieg über den unheilbaren Krebs" ("Die neue Post").
Issels begnügte sich freilich nicht mit den Lobsprüchen der journalistischen Nichtmediziner, sondern verfaßte selbst Prospekte - "Nachweisbar erfolgreiche Behandlung selbst bei bisher Unheilbaren" - und Inserate für Tageszeitungen - "Einzig mögliche Behandlung von Inkurablen (Unheilbaren)".
Dank solcher Eigenwerbung, die mit dem ärztlichen Berufsethos unvereinbar ist, hatte der Klinik-Chef keinen Mangel an Patienten. Krebskranke aus dem In- und Ausland pilgerten nach Rottach -Egern, um sich von dem aus Mönchengladbach nach Bayern zugewanderten praktischen Arzt behandeln zu lassen.
In seinem, dem illustren Patientenkreis entsprechend repräsentativen, idyllisch zwischen Voralpen und Tegernsee gelegenen Haus wandte Issels die von ihm so genannte "interne Tumortherapie" an und ergänzte damit die herkömmlichen Methoden der Krebsbekämpfung, Operation und Bestrahlung.
Issels vertritt nämlich die Ansicht, daß der Krebs keine lokale, sondern eine "allgemeine Erkrankung des Gesamtorganismus (ist), die den Tumor erst entstehen läßt und die wir nach biologischen Gesichtspunkten behandeln müssen".
Wesentlicher Bestandteil der biologischen Issels-Therapie ist eine Diätkost, die überwiegend aus Gemüse, Obst, Kartoffeln, Müsli, Quark, Käse, Säften und Kräutertees besteht.
Die naturverhaftete Heilpraktik des Außenseiters Issels weicht zwar von den Dogmen der Schulmedizin ab, die mit ihren klassischen Methoden nur knapp ein Fünftel der Krebskranken zu retten vermag, wurde aber von namhaften Chirurgen und Radiologen stillschweigend akzeptiert. Sogar Kapazitäten wie der Münchner Professor Georg Maurer und der Düsseldorfer Heinz Vieten überwiesen Patienten nach Rottach-Egern.
Zahlreichen Ärzten kam gelegen, daß sich der Mönchengladbacher am Tegernsee, wie ihm die "Süddeutsche Zeitung" bescheinigte, fast ausschließlich um "Todgeweihte aus aller Herren Ländern" bemühte: Da es sich bei den Ringberg-Patienten zu 94 Prozent um Fälle handelte, die andere Ärzte bereits aufgegeben hatten, war die Issels-Klinik keine Konkurrenz, sondern von Fall zu Fall ein willkommenes Abstellgleis für andere Krankenanstalten, die ihre eigene Exitus-Bilanz verschönern wollten.
In 146 Fällen entschieden sogar bundesdeutsche Krankenkassen, daß die private Krebsklinik in Rottach-Egern eine segensreiche Einrichtung sei: Sie erklärten sich bereit, die Kosten für die stationäre Behandlung von zahlungsschwachen Krebskranken mitzutragen.
Auch das für die Kriegsopferversorgung zuständige Bonner Arbeitsministerium, das im Jahre 1952 das Ringberg-Sanatorium von drei Medizin-Professoren überprüfen ließ, erkannte die Klinik als "förderungswürdig" an und bewilligte einen Zuschuß von 10 000 Mark für den Ausbau klinischer Einrichtungen.
Schließlich räumte das für Rottach -Egern zuständige Finanzamt Miesbach einer, "Gesellschaft der Freunde und Förderer der Ringberg-Klinik" (Gründer: Fürst Guido Otto von Donnersmarck und Professor August Lindemann) den Status der Gemeinnützigkeit ein und leitete dadurch einen Strom steuerbegünstigter Spenden in die Issels -Anstalt.
Ende 1959 genoß Issels auch einen wissenschaftlichen Triumph: Der Leiter der Abteilung für experimentelle Pathologie und Bakteriologie am Tropeninstitut der holländischen Universität Leiden, Dr. Audier, überraschte die Fachwelt in der renommierten Zeitschrift "Die Medizinische" mit der Mitteilung, daß Issels auf internem Wege die Rückbildung von Krebs-Tumoren erreicht habe.
Audier, den die van-Ommeren-Stiftung mit der wissenschaftlichen Kontrolle der in der Ringberg-Klinik angewandten Heilmethoden beauftragt hatte, wartete mit exakten Angaben über 42 von Ärzten aufgegebene, weder operations noch bestrahlungsfähige Krebskranke auf, die nach Behandlung in der Ringberg-Klinik die sogenannte Fünfjahresgrenze erreicht hatten. Von den medizinischen Wissenschaftlern wird eine Krebsheilung nämlich nur dann anerkannt, wenn es gelingt, den Tumor zu entfernen oder zurückzubilden, und wenn der Patient fünf Jahre frei von den Anzeichen einer neuen Krebserkrankung bleibt.
Bald darauf erhielt Issels eine weitere
gewichtige fachliche Anerkennung. In der "Medizinischen Praxis", einer in der DDR erscheinenden wissenschaftlichen Schriftenreihe, wurde eine 300 Seiten umfassende Arbeit des Chefarztes Dr. Winfried Herberger über die Behandlung von inoperablen Krebskranken veröffentlicht.
Herberger, der die Issels-Klinik als "die erste Einrichtung für inkurable Krebskranke in Europa" rühmt, zählt in seiner Untersuchung, die von dem angesehenen Dresdner Professor Albert Fromme angeregt wurde, zwanzig "gegenwärtige Krebsbehandlungsmethoden" auf (Herberger: "Behandlungsmethoden, die mir gefährlich und nicht vertretbar erscheinen, habe ich nicht erwähnt"). An dritter Stelle führt Herberger die "Kombinationstherapie nach J. Issels" an.
Während der holländische Gelehrte Audier und der DDR-Mediziner Herberger der Issels-Methode Lob zollten, hüllten sich die bundesdeutschen Krebs-Spezialisten, die heute Issels verdammen, jahrelang in Schweigen. Mehr noch: Sie torpedierten die Versuche das Rottacher Außenseiters, über seine der Schulmedizin zwar widersprechende, angeblich jedoch erfolgreiche Behandlung von Krebskranken eine wissenschaftliche Diskussion herbeizuführen.
Issels bemühte sich vergebens,
- anläßlich der "Deutschen Therapiewoche" 1960 in Karlsruhe über seine "interne Krebstherapie bei Unheilbaren" vor Experten zu referieren,
- den Zentralausschuß für Krebsforschung
und -bekämpfung zur Entsendung einer Ärztekommission in seine Klinik zu bewegen und
- Artikel in den führenden Fachblättern zu publizieren.
Der erste, der sich aufschwang, ein negatives Urteil über die Heilkünste des Krebs-Mediziners Issels zu fällen, war denn auch kein Arzt, sondern ein junger Jurist: der heute 34jährige Münchner Staatsanwalt Dr. Leo Parsch.
Staatsanwalt Parsch wurde nicht etwa tätig, weil Krebs-Spezialisten ihn auf möglicherweise unwissenschaftliche oder gar betrügerische Praktiken ihres Kollegen Issels aufmerksam gemacht hätten, sondern lediglich aufgrund der Anzeige, die ein Münchner Patient im März 1960 kurz vor seinem Tode erstattet hatte, weil er "entgegen gemachten Aussichten nicht geheilt wurde".
Indes: Konturen gewannen die Vorwürfe erst, als der von Issels gefeuerte, stellungslose Zahnarzt Dr. Gläser mit seiner Öffentlichkeitsarbeit begann.
Der Besuch des mißvergnügten Gläser bei der "Tegernseer Zeitung" war nämlich, obwohl Gläser seinen Leserbrief in dem friedlichen Blatt nicht hatte unterbringen können, dennoch von Erfolg gewesen: Gläser hatte den heute 24jährigen Nachwuchsjournalisten Michel Heim für seine Aktion interessiert.
Dieser Michel, der einen publizistisch verwertbaren Skandal witterte, bohrte fortan gemeinsam mit dem entlassenen Zahnbehandler, um dem Dr. Issels auf den Nerv zu kommen.
Dabei traf es sich für den recherchierenden Journalisten Heim günstig, daß eben zu jener Zeit noch ein zweiter, früher in der Ringberg-Klinik tätiger Mediziner, der Oberarzt Dr. Helgo Teicher, Kontakt zu Zeitungsleuten suchte: Teicher war von Issels entlassen worden, weil er gegenüber Patienten geäußert hatte; sie brauchten die vom Chefarzt verordneten, völlig wertlosen Pillen gar nicht erst zu schlucken.
Die Existenz zweier gegen die Ringberg-Methoden opponierender und wegen ihrer Entlassung mißvergnügter Ärzte spornte den medizinischen Laien Michel Heim an, sich schriftlich an ehemalige Ringberg-Patienten zu wenden, um kritische Stimmen zu sammeln.
Antwortete ein Schweizer Professor, dessen Sohn in Rottach-Egern verstorben war: "Grundsätzlich begrüße ich jede Aktion, die geeignet ist, dem Herrn Issels das Handwerk zu legen."
Die Spontaneität des Eidgenossen war verständlich: Er hatte der Ringberg-Klinik neben einer 10 000 -Mark-Spende aus Freude über eine positive Phase im Befinden seines Sohnes eine Finanzhilfe in Höhe von 100 000 Mark vermittelt. Nach dem Tode des
noch jungen Patienten kam es zum Streit darüber, ob der Betrag als Darlehen anzusehen und demgemäß zurückzuzahlen sei.
Issels, mittlerweile an respektable Spenden gewöhnt, hatte sich dafür entschieden, den Betrag - wie die van -Ommeren-Gabe - als Stiftung zu betrachten; erst im Prozeß war der einnahmefreudige Klinik-Chef dem streitbaren Schweizer unterlegen.
Ähnlich angriffsbereit wie der Professor erwiesen sich andere Angehörige, die jeweils durch doppeltes Leid - sie beklagten den Verlust eines Familienmitgliedes und mußten Rechnungen bezahlen - zu der Auffassung gelangt waren, in der Ringberg-Klinik könne es nicht mit rechten Dingen zugehen.
So kam es, daß der vom guten Zweck seiner Schreibaktion überzeugte Michel Heim schon nach wenigen Monaten zwölf pralle Leitz-Ordner mit Material über die Vorgänge in der Ringberg -Klinik füllen konnte.
Freilich, der fleißige Journalist wurde von der Stelle, für die er zunächst gearbeitet hatte, nicht belohnt: Die Chefredaktion des "Münchner Merkur" - die "Tegernseer Zeitung" ist eine Lokalausgabe dieses Blattes - konnte sich für Heims Krebs-Krimi nicht erwärmen, denn der medizinische Experte des "Münchner Merkur" hatte jahrelang die Arbeit des Krebs-Arztes Issels durch Publikationen unterstützt.
Amateur-Detektiv Heim trug deshalb seine Ermittlungsakten zu dem für ländliche Verfehlungen vor den Toren Münchens zuständigen Staatsanwalt Parsch, dem die Fleißarbeit gerade zupaß kam.
Dem staatlichen Ankläger war es nämlich trotz redlichen Bemühens bis dahin nicht gelungen, die bei ihm seit März vorliegende Betrugs-Anzeige des mittlerweile verstorbenen Münchner Issels-Patienten anklagereif zu runden.
Den Staatsanwalt Parsch bedrückte freilich der Gedanke, daß der ehrgeizige Journalist Heim ihm möglicherweise die Schau stehlen könnte. Parsch kam dem zuvor: Als der Reporter die Akte mit dem Bemerken zurückerbat, er wolle sie dem SPIEGEL zur Auswertung überlassen, passierte das, was die Frankfurter "Abendpost" mit der Überschrift ausdrückte: "Der Staatsanwalt schlug zu."
In der Tat: Der Chefarzt war gerade bei der vormittäglichen Krankenvisite, als ihm die Ankunft zweier Polizisten in Zivil gemeldet wurde. Die konventionsbewußten Kriminalbeamten forderten Dr. Issels zunächst auf, den weißen Kittel auszuziehen - dann erklärten sie ihn für verhaftet.
Noch am selben Tage formulierten 45 abrupt ihres Medizinmannes beraubte Ringberg-Patienten eine Protest-Entschließung an die Staatsanwaltschaft; sie wollten weiter der biologischen Therapie teilhaftig werden.
Der Resolution der Patienten blieb jedoch der Erfolg versagt. Noch ehe das Gericht zum erstenmal zusammentrat, war Issels, der drei Monate in Untersuchungshaft blieb, bereits gerichtet: Seine Klinik mußte schließen, weil sich die Patienten verliefen und die Gläubiger des inhaftierten Chefarztes (der vor allem durch Erweiterungsbauten mit 1,2 Millionen Mark verschuldet war) ihre Forderungen präsentierten.
Unterdes verfaßte Staatsanwalt Parsch die Anklageschrift gegen Issels. Ohne sich mit der - für den Rottacher Klinik -Chef positiven - Statistik des holländischen Mediziners Audier auseinanderzusetzen, verdammt der Jurist Parsch die nach seiner Ansicht todbringenden Praktiken des Ringberg-Chefs, in dessen "Klinik der Unheilbaren" freilich die Sterblichkeitsquote naturgemäß außergewöhnlich hoch war.
Schrieb Parsch: " (Issels) behauptet, mit der sogenannten Tumor-Therapie die Krebskrankheit bekämpfen und sogar unheilbare Krebskranke heilen zu können. Tatsächlich verfügt (Issels) weder über ein zuverlässiges Krebs -Diagnoseverfahren noch über eine erfolgversprechende Methode. Aus dem Verhalten des Beschuldigten ist der Schluß zu ziehen, daß er sich der völligen Unwirksamkeit der sogenannten internen Tumor-Therapie bewußt ist."
Dieses Pauschalurteil widerspricht zwar der Meinung des früheren Präsidenten der Bayrischen Landesärztekammer Dr. Weiler: "Die (von Issels) angewandten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden können keineswegs als Ausdruck einer Scharlatanerie gedeutet werden"; dennoch vertritt Ankläger Parsch sogar die Ansicht, Issels habe, um "sein Einkommen und die Klinikeinnahmen zu erhalten und zu erhöhen, mindestens in drei Fällen Patienten, die nach gewissenhaftem ärztlichem Urteil hoffnungslos krebskrank waren, und vor allem deren Angehörige, durch unrichtige Versprechungen in den Glauben versetzt, daß die Krebskrankheit... von ihm geheilt oder jedenfalls auf lange Sicht ganz entscheidend gebessert werden könne".
Der Staatsanwalt wirft dem Angeklagten beispielsweise vor, einem todkranken Patienten erste Erfolge einer Therapie durch ein Röntgenbild demonstriert zu haben, das von einem anderen Patienten stammte. Tatsächlich waren die Aufnahmen vertauscht worden - aber nicht aufgrund betrügerischer Manipulationen, sondern erwiesenermaßen durch einen Irrtum des Röntgeninstituts.
Abgesehen von diesem Fall erscheint es aber überhaupt fraglich, ob der Staatsanwalt durchsetzen kann, daß Issels wegen Betruges verurteilt wird. Es ist nämlich in der Regel fast aussichtslos, einem approbierten Arzt die gemäß Paragraph 263 des Strafgesetzbuches für eine Bestrafung notwendige Absicht nachzuweisen, sich - durch die Behandlung aussichtsloser Fälle -"einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen".
Schwerwiegender und auch juristisch gravierender ist der Vorwurf des Anklägers, Issels habe in vier Fällen "grob pflichtwidrig unterlassen, operable Krebskranke der von den vorbehandelnden Ärzten empfohlenen Operation zuzuführen und damit zu einer erheblichen Verlängerung ihres Lebens beizutragen".
Der vierfachen fahrlässigen Tötung wird Issels beschuldigt, weil er sogenannte Operationsverweigerer in seiner Klinik behandelte - Krebskranke, die statt einer Operation lieber ein hohes Risiko in Kauf nehmen.
Charakteristisch für fast alle Punkte der Anklage ist die Tatsache, daß sie sich nur aufgrund medizinischer Gutachten beurteilen lassen.
Die Chancen des Angeklagten, daß die Expertisen zu seinen Gunsten ausfallen, sind jedoch gering: Das Münchner Landgericht will nur die zehn Sachverständigen anhören, die von der Staatsanwaltschaft benannt wurden, nicht aber die medizinischen Experten, deren Vorladung die Verteidigung beantragte.
Das Gericht lehnte es überdies ab, auch nur einen Bruchteil der von Issels aufgebotenen Zeugen zu hören, darunter
- zehn Professoren und Doktoren, die
die Issels-Klinik besichtigten,
- elf Ärzte, die als Patienten in der Klinik lagen,
- elf Ärzte, die enge Familienangehörige
in der Klinik hatten,
- dreizehn Ärzte, die selbst in der
Klinik tätig waren, und
- neun Patienten als lebendige Beweise dafür, daß Isseis mehrfach Rückbildungen inoperabler, bösartiger Geschwülste erreichen konnte.
Von 77 Zeugen des Monster-Prozesses wurden 68 auf Antrag des Staatsanwalts und nur neun auf Antrag des Verteidigers geladen.
Krebs-Doktor Issels
Geschäfte mit der Todesangst?
Heim
Issels-Klinik am Tegernseez Krebsbekämpfung mit Quark und Müsli

DER SPIEGEL 25/1961
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.


DER SPIEGEL 25/1961
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

RINGBERG-KLINIK:
Krebs-Krimi

Video 02:58

Theresa Mays erbitterter Gegner Charmant, höflich, ganz schön rechts

  • Video "Schiffskollision vor Borkum: Frachter verkeilen sich - und werden getrennt" Video 01:04
    Schiffskollision vor Borkum: Frachter verkeilen sich - und werden getrennt
  • Video "Kommunikation zwischen Koalas: So laut wie ein Elefant (Bitte Ton anschalten!)" Video 00:42
    Kommunikation zwischen Koalas: So laut wie ein Elefant (Bitte Ton anschalten!)
  • Video "Flucht durch Amerika: Volles Risiko mit La Bestia" Video 12:04
    Flucht durch Amerika: Volles Risiko mit "La Bestia"
  • Video "Chaos in Sri Lankas Parlament: Sie warfen mit Stühlen und Chilipaste" Video 00:45
    Chaos in Sri Lankas Parlament: Sie warfen mit Stühlen und Chilipaste
  • Video "Rätselhaftes Unterwasser-Wesen: Feuerwalze vor Neuseeland gefilmt" Video 01:33
    Rätselhaftes Unterwasser-Wesen: "Feuerwalze" vor Neuseeland gefilmt
  • Video "Lindnern, Lauch, Verbuggt: Sprechen Sie Jugend?" Video 01:29
    "Lindnern", "Lauch", "Verbuggt": Sprechen Sie Jugend?
  • Video "Amateurvideos aus New York: Verkehrschaos durch Schneesturm" Video 01:29
    Amateurvideos aus New York: Verkehrschaos durch Schneesturm
  • Video "Überwachungsvideo: Zug kreuzt Straße" Video 00:38
    Überwachungsvideo: Zug kreuzt Straße
  • Video "Kampf um CDU-Vorsitz: Mir hat Herr Spahn gefallen - erstaunlicherweise" Video 04:57
    Kampf um CDU-Vorsitz: "Mir hat Herr Spahn gefallen - erstaunlicherweise"
  • Video "Panoramavideo aus Kalifornien: Was vom Feuer übrig blieb" Video 01:02
    Panoramavideo aus Kalifornien: Was vom Feuer übrig blieb
  • Video "Kontrollierte Detonationen: Südkorea sprengt Grenzposten" Video 01:13
    Kontrollierte Detonationen: Südkorea sprengt Grenzposten
  • Video "Revolution in der Medizin: Die Mensch-Maschinen" Video 12:36
    Revolution in der Medizin: Die Mensch-Maschinen
  • Video "Phantasy-Epos Phantastische Tierwesen 2: Wer stoppt Grindelwald?" Video 01:47
    Phantasy-Epos "Phantastische Tierwesen 2": Wer stoppt Grindelwald?
  • Video "Seltenes Lichtphänomen: Amateurfilmerin sichtet mehrere Halos" Video 00:43
    Seltenes Lichtphänomen: Amateurfilmerin sichtet mehrere "Halos"
  • Video "Nach Kritik der First Lady: Trumps Vize-Sicherheitsberaterin abgesetzt" Video 00:54
    Nach Kritik der First Lady: Trumps Vize-Sicherheitsberaterin abgesetzt
  • Video "Theresa Mays erbitterter Gegner: Charmant, höflich, ganz schön rechts" Video 02:58
    Theresa Mays erbitterter Gegner: Charmant, höflich, ganz schön rechts