23.08.1961

BÜCHERErich Kästner: „Notabene 45“.

Als Mittel gegen die Vergeßlichkeit seiner Landsleute hat der Lyriker, Romanschriftsteller und heutige Präsident des Deutschen PEN-Zentrums der Bundesrepublik, der während des Dritten Reiches nicht unter seinem Namen schreiben durfte, ein Tagebuch aus der ersten Hälfte des Jahres 1945 veröffentlicht. Die ursprünglich "nur fürs eigene Gedächtnis bestimmten" Notizen "aus der Perspektive einer denkenden Ameise" (Kästner) enthalten gelegentliche Anmerkungen zum Kriegsgeschehen, vor allem aber die persönlichen Meditationen und Erinnerungen Kästners, der sich, mit einigen Kilo Schwarzmarkt-Speck im Rucksack, als vorgebliches Mitglied einer Filmtruppe ins idyllische Tiroler Dorf Mayrhofen zurückzog, wo er die hereinbrechende Katastrophe aus der Ferne verfolgen durfte. Der Versuch, Zeitdokumentation zu betreiben, ist Kästner weniger durch eigene Schreibarbeit als mit einigen Zitaten aus der NS-Propaganda und den Reden nationalsozialistischer Größen gelungen. Er schließt sein Tagebuch bereits am 2. August 1945, weil der darin beschriebene Alltag "eine langweilige Affäre ist". (Cecilie Dressler Verlag, Berlin; 248 Seiten, 16,80 Mark.)

DER SPIEGEL 35/1961
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