01.11.1961

DRPHilfe aus Afrika

Mit 20 gegen 17 Stimmen nahm der Vorstand der Deutschen Reichs-Partei auf einer Tagung in Frankfurt am vorletzten Sonnabend die Suspendierung des niedersächsischen DRP -Landesvorsitzenden Adolf ("Bubi") von Thadden zurück, die der DRP-Bundesvorsitzende Professor Dr. med. Heinrich Kunstmann vierzehn. Tage zuvor auf einer Geheimsitzung der Parteileitung in Hannover durchgesetzt hatte (SPIEGEL 43/1961).
Anlaß zu dem schwarzweißroten Bruderzwist war die Weigerung von Thaddens gewesen, Rechenschaft über die Herkunft von 45 000 Mark zu geben, die Niedersachsens DRP als Spende für die Bundestagswahl erhalten hatte.
Kunstmann beschwor damals den Thadden unter vier Augen: "Ich bin ... des Empfanges von russischem Geld bezichtigt worden. Auch sonst wird der DRP immer wieder dieser Vorwurf gemacht." Doch Adolf von Thadden blieb stumm.
Im Gegensatz zum Bundesvorsitzenden Kunstmann stießen sich die alten Kämpfer der niedersächsischen DRP nicht an dem Verdacht und gaben dem schweigsamen Parteigenossen Thadden Schützenhilfe. Schrieb Georg Joel, unter Hitler Ministerpräsident des Landes Oldenburg, an Kunstmann: Wenn außer der Wahlspende nicht "schwerstens belastende Tatbestände" gegen Thadden vorlägen, "dann wäre Ihr Vorgehen ... in höchstem Grade so parteischädigend, daß Ihr sofortiger Ausschluß aus der DRP dringend erforderlich wäre."
Der ehemalige SS-Gruppenführer Wilhelm Meinberg, Kunstmanns Vorgänger im Parteivorsitz, assistierte: "Entweder ... kommt (Kunstmann) aus seiner Panikstimmung heraus, oder er wird sich von der Partei trennen."
Zu Frankfurt am Main gelang es dann der Thadden-Fronde, Kunstmann und seine Gefolgsleute niederzustimmen und den niedersächsischen Parteiboß zu rehabilitieren, ohne daß Thadden gezwungen wurde, den Namen des Geldgebers preiszugeben.
Gleich darauf mußte Thaddens Gefolgschaft freilich zurückstecken: Ihr Versuch, Kunstmann durch einen Mißtrauensantrag abzuschießen, scheiterte an dem Machtwort des Polit-Professors: "Wenn Sie einen Mißtrauensantrag gegen mich einbringen, trete ich dennoch nicht zurück."
Allein, nach dem Frankfurter Thadden-Thing, der die Partei-Einheit noch einmal notdürftig kittete, hat Thadden -Freund und Ex-Parteichef Meinberg nun etwas erfahren, das seinen Groll gegen den Bundesvorsitzenden Kunstmann weiter verstärkte: Kunstmann, der noch in der Frankfurter Sitzung den Verdacht gegen Bubi von Thadden aufrechterhielt, Wahlgelder aus rötlichen Quellen angenommen zu haben, wußte zu dieser Zeit bereits den Namen des wahren Geldgebers.
Die Spende stammte keineswegs aus dem Osten, sondern von einem so honorigen Mann wie dem ehemaligen SA -Standartenführer Dr. Erich Lübbert, Mitinhaber der Baufirma Dyckerhoff & Widmann, der seinen Hauptwohnsitz in Südwestafrika hat.
Lübbert: "Der DRP habe ich das Geld gegeben, weil sie auf ihre Fahnen als oberstes Ziel die Wiedervereinigung Deutschlands geschrieben hat. Sonst beschäftige ich mich nicht mit der deutschen Politik."
Anonyme Informanten aus der Bauwirtschaft, die sich aus Lübberts privatem Geniestreich unangenehme Folgen für die Firma Dyckerhoff & Widmann erhofften, hatten den rechtsradikalen Professor Kunstmann zwei Tage vor dem Frankfurter DRP-Palaver aufgeklärt.
Meinberg zürnt heute: "Ich halte das Ganze für eine von Kunstmann entrierte üble Intrige."
DRP-Vorsitzer Kunstmann
Den Parteifreund verdächtigt
DRP-Funktionär von Thadden
Den Spender verschwiegen

DER SPIEGEL 45/1961
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