18.01.1971

VERSPIELTE BISMARCK DAS REICH?

Am Januar 1871, morgens um zehn Uhr, wurde dem Kunstmaler Anton von Werner auf der Karlsruher "Schießwiese", wo er gerade "fleißig Schlittschuh" lief, eine Depesche ausgehändigt. Sie erreichte ihn aus Versailles, unweit der belagerten französischen Hauptstadt, und lautete: "Seine Königliche Hoheit der Kronprinz läßt Ihnen sagen, daß Sie hier etwas Ihres Pinsels Würdiges erleben würden, wenn Sie vor dem 18. Januar hier eintreffen können."
Der Maler wußte den Depeschentext nicht recht zu deuten, kaufte sich aber sofort einen Pelzmantel und trat noch am selben Tag die Reise an. Als er am 18. Januar, morgens um vier Uhr, in einem von bayrischen Soldaten gegen französische Franktireurs geschützten Paketwagen Versailles ohne Unfall erreichte, schlief er noch ein paar Stunden, ehe er sich, "gestiefelt und gespornt", zum preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm begab. Werner hatte vermutet, "daß ein Sturm auf Paris oder etwas Derartiges beabsichtigt sei".
Statt zur erwarteten Frontvisite wurde er zu einer "Festlichkeit im Schloß" eingeladen, von der ihm vage auch schon der "marchand-tailleur" berichtet hatte, bei dem er sich "einen Frackanzug besorgte".
Die Festlichkeit begann am 18. Januar 1871, pünktlich um 12 Uhr, im Spiegelsaal von Versailles, einst Prunkresidenz des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV., der 1681 den Deutschen Straßburg weggenommen hatte.
Anwesend waren 1399 meist uniformierte Personen, unter ihnen 32 deutsche Fürsten, 45 Generale, acht Militärpfarrer und 495 Mannschaften. Der Soldaten-Sängerchor stimmte den 66. Psalm an: "Dank gegen Gott für die wunderbare Führung seines Volkes."
Preußen-König Wilhelm I., "nach einer schlaflos verbrachten Nacht zum Umfallen müde" und "kreidig weiß" (wie aus Chroniken hervorgeht), vernahm den Gesang stehend -- in seinem Gefolge Preußens Kronprinz Friedrich Wilhelm, Badens Großherzog Friedrich und der ostelbische Junker Otto von Bismarck, bleich wie sein König, aber "fest auf den starken Beinen" (wie "Times"-Korrespondent William Russel berichtete). Sie waren gekommen, um das neue Reich zu
* Holzschnitt nach einer Skizze von Anton von Werner.
gründen und dem Reich wieder einen Kaiser zu geben.
Hofprediger Bernhard Rogge, ein Schwager des preußischen Kriegsministers Albrecht Graf von Roon, hielt die Weiherede: "Wir ... sehen das Deutsche Reich wiederauferstanden in alter Herrlichkeit, ja, in einer Macht und Größe, die es vielleicht nie zuvor besessen hat, sehen dem Deutschen Reiche seinen Kaiser wieder gegeben." Und, während aus Paris Kanonendonner zu vernehmen war: "Ziehe ferner in Gnaden aus mit den deutschen Heeren und segne ihre Waffen." Als "Nun danket alle Gott" erklang, bemerkte ein bayrischer Jäger: "Schau mal, wie der Bismarck singt."
Anton von Werner, mit dem Zeichenblock in der Hand, skizzierte "in aller Eile das Nötigste". Er beobachtete, daß Wilhelm "etwas sprach" -- seine Adresse an die "durchlauchtigsten Fürsten und Bundesgenossen" -- und Bismarck "mit hölzerner Stimme etwas Längeres vorlas" -- die Kaiserproklamation "An das Deutsche Volk".
Aus seiner "Vertiefung" erwachte der Maler aber erst, als Großherzog Friedrich von Baden, Wilhelms Schwiegersohn, das dreifache Hoch auf "Seine Majestät Kaiser Wilhelm der Siegreiche" ausbrachte: "Ich schrie mit und konnte natürlich dabei nicht zeichnen."
Nach der Festlichkeit schrieb der neue Kaiser Wilhelm an die neue Kaiserin Augusta: "Ich kann Dir nicht sagen, in welcher morosen Emotion ich in diesen letzten Tagen war, teils wegen der hohen Verantwortung, die ich nun zu übernehmen habe, teils und vor allem über den Schmerz, den preußischen Titel verdrängt zu sehen."
Der neue Reichskanzler Otto von Bismarck, nun auch Generalleutnant, schrieb an seine Johanna: "Diese Kaisergeburt war eine schwere, und Könige haben in solchen Zeiten ihre wunderlichen Gelüste wie Frauen, bevor sie der Welt hergeben, was sie doch nicht behalten können."
Nun hatte der König es hergegeben, und die meisten Deutschen von Aachen (unweit der Maas) bis Nimmersatt (unweit der Memel), von Einödsbach (unweit der Etsch) bis Schottburg (unweit des Belts) empfingen es in "totalem Festrausch" (so die "Gartenlaube").
Es beflügelte den Reichstagsabgeordneten Franz Ziegler: "Der Fink hat wieder Samen. Wir sind nun obenauf." Dem Historiker Heinrich von Sybel ("Tränen fließen mir über die Backen") nahm es den Atem: "Wodurch hat man die Gnade Gottes verdient, so große und so mächtige Dinge erleben zu dürfen? Und wie wird man nachher leben? Was zwanzig Jahre der Inhalt allen Wünschens und Strebens gewesen, das ist nun in so unendlich herrlicher Weise erfüllt."
"Das ist die größte Geschichte, die je zur Welt geschah", empfand die Augsburger "Allgemeine Zeitung", daß "wir eine halbe Welt in Trümmer brechen, eine Nation in die Erde stampfen mußten, um unsere Welt zu retten, um unsere Nation zu gestalten."
Das Reich war erstanden -- 65 Jahre nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das 1806 im Krieg gegen den Franzosen Napoleon I. verlorengegangen war. Aus 25 Einzelstaaten -- vier Königreichen, sechs Großherzogtümern, vier Herzogtümern, acht Fürstentümern, drei Freien Städten -- erwuchs der Nationalstaat, einer der letzten in Europa.
Der neue Staat hatte nichts gemein mit dem alten Reich -- jenem Bund von 314 souveränen reichsständischen Territorien und 1475 Reichsritterschaften, der tausend Jahre den Rahmen deutscher Staatlichkeit abgegeben hatte. Er war nicht wiedererstanden und sollte es nach dem Willen der meisten Deutschen auch nicht -- obgleich Kronprinz Friedrich Wilhelm in Wien wegen der Herausgabe der Reichskleinodien sondieren und Vater Wilhelm aus Goslar einen steinernen Thron herbeischaffen ließ, auf dem alte Sachsenkaiser gesessen haben sollen.
"Das alte Reich und der alte Kaiser sind tot", urteilte Strafrechtler Karl Binding 1871: "Gott gebe ihnen keine gnädige Auferstehung, denn sie verdienen sie nicht." Der nationalliberale Politiker (und spätere preußische Finanzminister) Johannes von Miguel konstatierte: "Kaisertum von heute ist das Hohenzollerntum, ist Preußen."
Es war das "Heilige Preußische Reich Deutscher Nation" (Preußen-Historiker Heinrich von Treitschke), das an die Stelle des "gotischen Ungeheuers ohne Eigenleben" trat (so noch 1954 der Münchner Historiker Ludwig Reiners). Preußen verfügte über zwei Drittel des Reichsgebietes, es gebot über zwei Drittel der Reichsbevölkerung.
Preußentum war künftig, so sprach Historiker Wilhelm Mommsen, "recht eigentlich deutsches Wesen staatlich verkörpert", und wie er ließen viele deutsche Historiker, vom Tag der Reichsgründung an, "die deutsche Nation an eben diesem Wesen genesen. Von Heinrich von Treitschke (1834 bis 1896) und Heinrich von Sybel (1817 bis 1895), Max Lenz (1850 bis 1932) und Erich Marcks (1861 bis 1938) stellte sich die Reichsgründung vielfach dar als "glänzende Erfüllung" (Hans Delbrück, 1871), "stählernes Glied in der Kette unserer Geschichte" und "stolze Sonnenhöhe" der nationalen Entwicklung (Marcks, 1936).
Der Reichsgründer erschien als "Prophet des neuen Reichs" (Treitschke, 1871), als "dämonische Genialität, als "preußischer Edelmann mit Titanenkraft" (Johannes Ziekursch, 1925), als "guter Europäer von universalem Weitblick, (Hermann Oncken, 1926), als Inkarnation des deutschen Volkes schlechthin, das Bismarck "bis in die Tiefen hinein mit seinem Wesen durchtränkte" (Marcks, 1911). "Es ist recht charakteristisch für die guten, warmherzigen Deutschen", schrieb der Dichter Gustav Freytag ("Die Ahnen"), "daß die Popularität Bismarcks eine Höhe erreicht hat wie wohl nie die eines deutschen Mannes."
Wie Treitschke war eine Reihe deutscher Historiker beseelt von dem "Gefühl froher Dankbarkeit, das ältere Nationen ihren politischen Helden entgegenbringen", und viele verhielten sich so, wie Bismarck-Sohn Herbert es ihnen aufgetragen hatte: Alles sei "auf Papa auszurichten".
Sybel ließ sein siebenbändiges Werk über die Reichsgründung vom Reichsgründer korrigieren. Marcks frühstückte mit dem Fürsten in Friedrichsruh. "Mehrere kalte Fleischsorten wurden der Reihe nach von zwei Dienern aufgetragen", memorierte der Historiker über einen Besuch im Jahre 1893, "es folgte gebratener Bückling mit Spiegeleiern ... zuletzt Koteletten, dann Käse."
"Die Darstellung des 19. Jahrhunderts ist in einer großen allgemeinen Mauserung begriffen", spottete fernab der Schweizer Historiker Jacob Burckhardt Silvester 1872. Er empfahl, mit der Anschaffung neuer Bücher für das Historische Seminar "einige Jahre zu warten ... bis die ganze Weltgeschichte von Adam an siegesdeutsch angestrichen und auf 1870/71 orientiert sein wird".
Lange brauchte der Gelehrte nicht zu warten. Die meisten der über 6000
* Mitte: 1938 am Sarkophag Bismarcks in Friedrichsruh; unten: am 28. Oktober 1969 bei der Regierungserklärung.
Bücher zum Thema Reichsgründung, Reich und Reichsgründer, die damals und seitdem erschienen, waren siegesdeutsch angestrichen. Und noch 1970 zitierte Historiker Hans Rothfels verständnisvoll und in "nüchterner Begegnung mit unserer eigenen Wirklichkeit" einen Bismarck-Zeitgenossen, der "ein Rauschen überm Haupt und ein Wehen an der Wange hin" gespürt hatte, sooft Bismarcks "Gestalt in Gedanken vorübergeht".
Wenn hundert Jahre danach wieder ein Hauch zu verspüren sein wird -- vor Bismarck-Denkmälern und unter Bismarck-Eichen, vor Bildschirmen ("Journal 1870/71" im ersten, "Preußen über alles" im zweiten Programm) und bei der Lektüre von Jubiläumsartikeln und Erinnerungsbüchern dann gibt es die Endstation dieser Sehnsucht. das Reich nicht mehr.
98 Jahre, neun Monate und zehn Tage hat dieses Reich bestanden -- das erste halbe Jahrhundert feste Burg, das zweite halbe Jahrhundert nur noch Ruine und schließlich bloß Chimäre seiner selbst. Seine längst brüchigen Konturen verschwanden am 26. Oktober 1969, als Willy Brandt in seiner Regierungserklärung von den zwei Staaten in Deutschland sprach, und so wie beim sozialdemokratischen Bundeskanzler kehrt Realitätssinn auch bei bundesdeutschen Historikern ein.
Ein neues Bild vom Reich und seinem Gründer ist im Entstehen, seit, rechtzeitig zum 100. Geburtstag, Historiker der jungen Generation, wie die Darmstädter Wissenschaftler Helmut Böhme, 34, und Michael Stürmer, 32, und
der West-Berliner Hans-Ulrich Wehler, 39, die Ergebnisse ihrer Studien veröffentlichten. Stürmer beispielsweise resümiert: "Je größer der zeitliche Abstand und mit ihm auch die innere Distanz von der ... Zäsur des Jahres 1945 geworden ist, desto deutlicher tritt auch die Epoche des deutschen Nationalstaats, die mit Bismarck begann und mit Hitler endete, bei aller ihr innewohnenden Vielfalt als eine Einheit hervor." **
Was zahlreiche Historiker unfähigen Bismarck-Nachfolgern anlasteten, hatte in Wirklichkeit Bismarck selber vertan. Er stellte, so Historiker Wehler, "fatale Weichen ... für die Zukunft". ***
* Oben: Auf den Düppeler Schanzen; bei Langensalza. Unten: Vor dem belagerten Straßburg.
** Michael Stürmer (Herausgeber): "Das kaiserliche Deutschland". Droste Verlag, Düsseldorf; 448 Seiten, 42 Mark.
*** Hans Ulrich Wehler: "Bismarck und der Imperialismus". Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln; 580 Seiten, 47 Mark. Und: "Krisenherde des Kaiserreichs". Vandenhoeck und Rupprecht Verlag, Göttingen; 436 Seiten. 34 Mark.
Bismarck selbst ruinierte das Bündnissystem, das ein Jahrhundert allenthalben als Bismarcks größte Tat gepriesen worden war. Wie 1912 der Neffe (und 1940/41 Hitler) plante 1887 schon der Onkel -- Preußens Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke -- einen Präventivkrieg gegen Rußland, und auch die "Jetzt-oder-nie"-Parole, mit der 1914 das Losschlagen begründet wurde, war ihm schon damals geläufig -- den Beleg dafür fand Professor Böhme unlängst im Bonner Auswärtigen Amt.
Der Realpolitiker Bismarck scheiterte an dem Junker von Bismarck. Sein unablässiges Bemühen, den hochindustrialisierten Massenstaat so zu kommandieren wie früher das agrarische Preußen -- "eine Sozialordnung unter Quarantäne zu stellen, die vom Bazillus industriewirtschaftlicher Veränderung ergriffen war" (so später Admiral Alfred Tirpitz) --, führte im Reich zu permanenten Spannungen, die er nicht durch Reformen im Innern zu überwinden, sondern nach außen abzuleiten suchte.
Bismarcks keineswegs begründete panische Angst vor einer Revolution ("Die Hungrigen werden uns fressen, ich sehe sehr schwarz für Deutschlands Zukunft") -- die "cauchemar de révolution" -- verursachte die durchaus begründete "cauchemar des coalitions" -- den "Alptraum" eines gegen das Reich gerichteten feindlichen Bundnisses.
"Mein Schlaf ist keine Erholung mehr, ich träume weiter, was ich wachend denke, wenn ich überhaupt einschlafe", klagte er 1872: "Neulich sah ich die Karte von Deutschland vor mir, darin tauchte ein fauler Fleck nach dem anderen auf und blätterte sich ab."
Das neue Reich, das war -- wie der Sozialdemokrat Wilhelm Liebknecht gleich nach der Gründung erkannt hatte "eine fürstliche Versicherungsanstalt gegen die Demokratie". Sein Ursprung war, so Historiker Golo Mann, "gewalttätig, die Verfassung rudimentär schief" es war "ein stark verkrüppelter Nationalstaat" mit "ungeheuerlichen Expansionstendenzen".
Auf dem Thron saß der einstige "Kartätschen-Prinz", der 1849 die Demokraten in der Pfalz und in Baden hatte auseinander schießen lassen -- Bruder des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV., der damals die vom Volk angetragene Kaiserwürde zurückgewiesen hatte: "Jeder deutsche Edelmann, der ein Kreuz oder einen Strich im Wappen führt, ist 100mal zu gut dazu, um solch Diadem, aus Dreck und Letten (süddeutsch: Lehm) der Revolution, des Treubruchs und des Hochverrats geknetet, anzunehmen."
Als 1870 Abgeordnete des Norddeutschen Bundes unter Führung des Reichstagspräsidenten und 48er-Demokraten Eduard Simson in Versailles erschienen waren, monierte Preußens Kronprinz: "Die Herren des Hofes äußern sich laut, was diese Kerls eigentlich hier zu suchen hätten."
Das war mehr als eine Entgleisung. Die Verachtung der Demokraten und der Demokratie war konstituierendes Element dieses Reiches, das 1871 sogleich den ersten Platz in Mitteleuropa einnahm und bald schon nach einem "Platz an der Sonne" trachtete (Reichskanzler Bernhard von Bülow).
Die -- 41 Millionen -- Deutschen waren wieder wer. "Obenauf" waren, so schrieb der Schriftsteller Theodor Fontane, "dieser beschränkte, selbstsüchtige, rappschige Adel ..., dieser ewige Reserveoffizier, dieser greuliche Byzantinismus". Von den 382 Abgeordneten im neuen Reichstag waren 158 Adlige, 170 Beamte, 107 Gutsbesitzer und ein Handwerker: Sozialdemokrat August Bebel (Drechsler).
Das Reich entwickelte sich, so urteilten später die beiden damals führenden deutschen Bankiers, Carl Fürstenberg und Walter Rathenau, zum "gebärfreudigsten", "volkreichsten" und "reichsten" Land in Europa und zu dessen "führendem Industriestaat".
Es waren vor allem die 4,2 Milliarden Goldmark Kriegskontributionen des geschlagenen Frankreich, die im Reich zu einem beispiellosen Aufschwung -- dem Boom in den Gründerjahren -- führten. Hinzu kamen die lang anhaltende allgemeine Hochkonjunktur, die um 1850 mit der industriellen Revolution eingesetzt hatte, und Bismarcks liberale Freihandelspolitik.
Als dann, 1873, die Hochkonjunktur in ebenso anhaltende Depressionen umschlug, straffte Bismarck das Regiment. Er schaltete 1879 von Freihandel auf rigorose Schutzzollpolitik und begünstigte einseitig die staatstragende, die besitzende Klasse. Die Gewinne aus dem Boom waren privatisiert, die Verluste aus der Depression wurden sozialisiert.
Zwischen 1871 und 1873 wurden im neuen Deutschland dreizehn neue Unternehmungen im Steinkohlebergbau, 174 Firmen der Montanindustrie und 928 Aktiengesellschaften gegründet. Der rheinische Wirtschaftsmagnat Gustav Mevissen gewann den Eindruck: "Das Erwerbsleben des ganzen großen Deutschen Reichs" scheine sich "in eine riesenhafte AG verwandeln zu wollen".
Allein im Jahre 1873 entstanden im Reich 63 neue Bergwerks- und Maschinenfabriken, und allein in der Reichshauptstadt wurden in der gleichen Zeitspanne 196 Fabrikgebäude gerichtet.
Die "Disconto-Gesellschaft", damals die größte in Deutschland, erhöhte ihre Bilanzsumme von rund 93 Millionen Goldmark (1871) auf rund 255 Millionen Goldmark (1873). Die Berliner Maklerbank zahlte jährlich 25,2 Prozent Dividende, die Harpener AG gar 40 Prozent.
Die Deutschen produzierten 1870 rund vier Millionen Tonnen Eisen und förderten 27 Millionen Tonnen Kohlen. 1873 waren es über sechs Millionen beziehungsweise 36 Millionen Tonnen. Das Reich erlebte 1873 einen Bauboom wie die Bundesrepublik nach 1949.
Die Deutschen spekulierten an den Börsen Europas und Amerikas und entdeckten das Kalbfleisch. Sie tranken mehr Bohnenkaffee als je zuvor, und auch Arbeiter konnten sich ab und an ein Weißbrot leisten.
Die Löhne stiegen, zwischen 30 und 60 Prozent, aber auch die Preise kletterten. Getreide wurde bis zu 15 Prozent teurer, Kaffee um 65, Steinkohlen um 78,2 Prozent. Inflationäre Tendenzen zeigten sich vor allem bei Baustoffen wie Zement, Kalk und Steinen (+ 200 Prozent) und Rohstoffen für die Schwerindustrie (+ 600 Prozent).
Der Schwerindustrielle Alfred Krupp, der 1870 rund 7000 Arbeiter, 1874 aber schon 12 000 beschäftigte, wurde von seinem Schwager gewarnt, "daß der enorme Gründungsschwindel
... uns einer großartigen allgemeinen Geschäftskrise entgegenführen muß". Das Fachblatt "Aktionär" konstatierte: "Alles drängt zum Niedergang gewaltsam hin."
Im Spätherbst des Jahres 1873 war der Niedergang perfekt. Am 15. September herrschte an der Börse "bodenlose Flauheit".
Die "Tarantella, durch welche selbst die Besonnenen mitzurasen gezwungen wurden, bis endlich alle Welt ohnmächtig und ermattet zusammenbrach" (so das Fachblatt "Aktionär"), führte zu einer Serie schwerer Depressionen. Sie begann mit einem Bankenkrach in Wien und dauerte bis 1896.
Von 139 deutschen Kreditbanken schlossen 73 ihre Schalter. Die Disconto-Gesellschaft, die bislang 27 Prozent Dividende gezahlt hatte, schüttete 1876 nur noch vier Prozent aus, die Harpener AG (früher 40 Prozent) gar nichts mehr.
177 der 475 Hochöfen in Oberschlesien und an der Ruhr wurden ausgeblasen. 116 Industriegesellschaften, vier Eisenbahngesellschaften, zahllose Kleinbetriebe und Handwerksklitschen des neudeutschen Mittelstandes machten Konkurs.
Die Gesamt-Lohnsumme wurde halbiert. Phoenix-Duisburg zahlte statt 3,30 Mark Tageslohn nur noch 2,10 Mark. Generaldirektor Louis Baare vom "Bochumer Verein" erkannte, die Arbeiter könnten mit den Löhnen, die sein Betrieb zahlte (1,50 pro Tag) "nicht bestehen"; sie blieben nur, "um die Stelle zu behalten". Die Arbeiter kuschten: Die Zahl der jährlichen Streiks ging von 252 (1873) auf drei (1879) zurück.
Essens Krupp warnte seine Arbeiter: "Jeder Ausdruck von Unzufriedenheit ist als Kündigung anzusehen", und überall wurde zwischen 1873 und 1879 viel gekündigt -- auf den 110 Zechen des "Vereins für die Bergbaulichen Interessen" rund ein Fünftel, in der "Dortmunder Union" fast die Hälfte der Belegschaft. Von den 30 000 registrierten Metallarbeitern in der Reichshauptstadt verloren 12 000 ihren Arbeitsplatz.
1876 begann es auch in der Landwirtschaft -- ein den Staat "vorzugsweise zu tragen berufenes Gesellschaftselement" (Bismarck) -- zu kriseln. Steigende Produktionskosten und wachsende Konkurrenz auf dem Weltmarkt, vor allem Unmengen billigen Weizens aus den Vereinigten Staaten führten zu permanenter Absatzkrise und zunehmender Verschuldung.
"Wenn der Scheffel so wenig gilt", klagte Großgrundbesitzer von Bismarck, dessen Erträge aus dem Sachsenwald-Gut Friedrichsruh bis zu 60 Prozent zurückgegangen waren, "dann geht unsere ganze Landwirtschaft ... dabei zugrunde." Der Kanzler wies den preußischen Landwirtschaftsminister Robert Lucius von Ballhausen an, "für
* Helmut Böhme: "Deutschlands Weg zur Großmacht". Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln: 723 Seiten; 44 Mark. Und (als Herausgeber): "Probleme der Rechtsgründerzeit", Kiepenheuer und Witsch Verlag. Köln; 505 Seiten; 26 Mark.
die Produzenten und nicht für die Konsumenten zu sorgen".
In einem Bericht vom Dezember 1879 warnte Berlins Polizeipräsident, "die Unzufriedenheit mit dem Bestehenden" erfasse "immer weitere sonst sehr ruhige und gemäßigte Kreise der Bevölkerung". Und Karl Marx hatte früher schon gehofft, daß eine Krise durch "die Intensität ihrer Wirkung selbst den Glückspilzen des neuen heiligen preußisch-deutschen Reichs Dialektik einpauken" werde.
Bismarck reagierte dialektisch: mit der Expropriation der schon immer Expropriierten. "In den besitzenden Klassen ist eine Gesinnung entstanden", so urteilte der liberale Reichstagsabgeordnete Rudolf von Gneist, "welche die Erhöhung des eigenen Einkommens auf Kosten des Gesamtwohls als patriotische Realpolitik proklamiert."
Für den Realpolitiker von Bismarck war es das auch. Er machte die Sozialdemokraten, die zwar einen anderen Staat und eine andere Wirtschaft forderten, aber bis dahin nichts getan hatten, um das Bestehende umzustürzen, für die Tarantella verantwortlich: "Wie soll denn die Unternehmungslust erwachen", klagte er, "wenn der Kommunismus ameisenartig um sich greift, wenn man ... die Aussicht hat, dafür, daß man etwas hat, massakriert zu werden."
Bismarck beendete die liberale Wirtschaftspolitik, und seine parlamentarische Hilfstruppe, die Nationalliberalen, wollte er nun "an die Wand drücken, bis sie quietschen". Fortan regierte er mit den Schwerindustriellen und Großagrariern -- dem Bündnis zwischen "Hochofen und Rittergut" -- gegen den Vierten Stand, "um das monarchische Prinzip" zu behaupten-, und im Reichstag half ihm das katholische Zentrum dabei, gegen das er bis 1878 seinen Kulturkampf geführt hatte.
Das Reich, das 1871 durch "Eisen und Blut" (so Bismarck) -- die drei Einigungskriege gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) -- erstanden war, wurde im Grunde genommen 1879 erst gegründet -- durch "Eisen und Roggen" (so Historiker Böhme)*, und es wirkte fort, als Bismarck und die Monarchie längst gegangen waren.
Im Mai 1879 setzte Bismarck die ersten Zölle zum Schutze von Industrie und Landwirtschaft (die beiden "tragenden Säulen des Reiches", so Bismarck) durch, die der Gründer des Norddeutschen Lloyd, Heinrich H. Meier, "reinen Schacher", der Historiker Theodor Mommsen "gemeinste Interessenpolitik" nannte, die "um so nichtswürdiger ist, weil die Interessenten miteinander eine Koalition schließen, um diejenigen auszubeuten, die sich ihr nicht anschließen".
Bismarck befahl, daß "alle Geheimen Räte, die sich in Reichskanzleramt und Handelsministerium nicht öffentlich und rückhaltlos mit der Zollpolitik der Regierung identifizierten, entweder ersetzt oder bewogen werden, den Abschied zu nehmen".
Robert Lucius, Anhänger einer "notwendig auf Autarkie und Stützung zielenden Agrarpolitik", wurde neuer preußischer Landwirtschaftsminister, Robert von Puttkamer, dem Ablehnung der Zollreform durch den Reichstag gleichbedeutend gewesen wäre mit einem "Stoß ins Herz des monarchischen Prinzips", neuer Kultusminister. Der ultrakonservative Unterstaatssekretär im Innenministerium, Karl Bitter, erhielt das Finanzministerium. Sein Auftrag lautete, diese Behörde im "monarchischen Stile" zu säubern.
Nun erst hatte Bismarck, wie er selber bekundete, ein Preußen-Kabinett, "dessen Mitglieder sich gegenseitig trauen". Und auch in der Preußen-Provinz konnte man sich trauen: 60 Prozent der Oberpräsidenten, 70 Prozent der Regierungspräsidenten, 83 Prozent der Polizeipräsidenten waren adlig.
Aber auch im Reich dominierten die Konservativen: Von 23 Staatssekretären waren nur zwei nicht adlig, bei den Vortragenden Räten nur jeder fünfte. "Es war symptomatisch für die Struktur Preußen-Deutschland", so Historiker Böhme, "daß der brandenburgische Galarock zum Vorbild der Galabekleidung der Reichsbeamten wurde."
"Die wirtschaftlichen und praktischen Reformen" seien, wie Bismarck gestand, "notwendige Ergänzungen der Depressivmaßnahmen zur Abwehr der socialistischen Gefahr".
Die Depressivmaßnahmen -- gegen die Sozialdemokraten -- waren seit 1878 Reichsgesetz. Am 2. Juni, einem Sonntag, wurde Kaiser Wilhelm I. auf einer Spazierfahrt Unter den Linden -- so der Bericht des Historikers Wilhelm Müller -- "durch mehrere Schrotkörner und Rehposten im Gesicht, in den Armen und anderen Körperteilen verwundet". Der Monarch, dem drei Wochen zuvor schon einmal ein Attentat gegolten hatte, sprach: "Ich begreife nicht, warum immer auf mich geschossen wird."
Karl Nobiling, Landwirt aus Kolno (Posen), war der Attentäter, laut Müller ein "vom Größenwahn ergriffener Mensch", der "socialdemokratische Schriften studierte".
SPD-Mitglied war Nobiling nicht. Aber seine Tat schuf die Pogromstimmung im Land, die Bismarck brauchte, um das Sozialistengesetz doch noch durchzubringen, das der Reichstag gerade verworfen hatte.
Christoph von Tiedemann, Chef der Reichskanzlei, überbrachte dem Kanzler die Nachricht, der gerade im Sachsenwald spazierenging. Als der Kanzlei-Chef kundtat: "Es ist wieder auf den Kaiser geschossen worden", stieß der Fürst "in heftiger Bewegung seinen Eichenstock in die Erde und sagte tiefaufatmend ... 'Dann lösen wir den Reichstag auf.'"
Im Kriegsministerium ließ er sogleich sondieren, ob militärische Vorsorge für den Fall "eines ausbrechenden Straßenkampfes" getroffen worden sei, für den es keinerlei Anhaltspunkte gab. Die Auskunft des Kriegsministers, General Georg von Kameke, stellte ihn zufrieden: "So leicht lassen wir uns nicht in die Luft sprengen. Die Kanaille mag nur kommen."
Neun Tage nach dem Kaiser-Attentat löste Bismarck den Reichstag auf. Er verkündete, "es sei gegen die Socialdemokraten ein Vernichtungskrieg zu führen". Die Polizei wurde verstärkt, ein militärischer Streifendienst organisiert.
Am 19. Oktober 1878 verabschiedete der neue Reichstag mit 221 zu 149 Stimmen das "Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie". "Wir, Wilhelm von Gottes Gnaden", verordneten:
* Gußstahlfabrik des Bochumer Vereins. Streikgemälde von Robert Köhler.
* "Vereine, welche durch socialdemokratische, socialistische oder kommunistische ... Bestrebungen den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung bezwecken, sind zu verbieten";
* "die Vereinskasse (ist) durch die Behörde in Beschlag zu nehmen";
* "Versammlungen sind zu verbieten";
* "Druckschriften ... sind zu verbieten";
* Socialdemokraten, Socialisten, Kommunisten und deren Anhängern "kann der Aufenthalt in bestimmten Bezirken oder Orten untersagt werden";
* "Buchdruckern, Buchhändlern, Leihbibliothekaren, Inhabern von Lesekabinen sowie Gastwirthen, Schankwirthen und Personen, welche Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus treiben", kann "der Betrieb ihres Gewerbes untersagt werden".
Bismarck beschwor die Abgeordneten: "Wenn wir in einer solchen Weise unter der Tyrannei einer Gesellschaft von Banditen existieren sollen, dann verliert jede Existenz ihren Wert." SPD-Chef August Bebel entgegnete: "Die Regierungen mögen machen, was sie wollen, sie können uns doch nicht ernsthaft an den Kragen."
Auch Bismarcks Sozialpolitik (Krankenversicherung, 1883, Unfallversicherung, 1884, Alters- und Invalidenversicherung, 1889) -- damals die fortschrittlichste in der Welt und noch heute als innenpolitische Großtat des Kanzlers gewürdigt -- war als Depressivmaßnahme konzipiert: Sie sollte die Arbeiter von der SPD fernhalten, für die bei den Reichstagswahlen 1881 rund 300 000 gestimmt hatten. Soziale Reformen, um den sozialen Status der Arbeiter aufzubessern, leiteten ihn dabei nicht. Solange er regierte, lehnte er ein gesetzliches Verbot der Sonntagsarbeit, kürzere Arbeitszeiten, Mindestlöhne, Einschränkungen der Frauen- und Kinderarbeit ab, und erst nach seiner Entlassung wurde ein Arbeiterschutzgesetz verabschiedet.
Sein Ziel war es, wie er selber kundtat, "in der großen Masse der Besitzlosen die konservative Gesinnung" zu erzeugen, die der Besitzende schon hatte: "Sehen Sie den Unterschied zwischen einem Privatdiener und einem Kanzleidiener", kalkulierte er: "Der letztere wird sich weit mehr bieten lassen ... als jener, denn er hat Pension zu erwarten."
Ausgaben für eine so verstandene Sozialpolitik bezeichnete er als gute Kapitalanlage: "Wir beugen damit einer Revolution vor, die in 50 Jahren ausbrechen kann, aber auch schon in zehn Jahren." Und die Ausgaben hielten sich in Grenzen: Nach dem Krankenversicherungsgesetz beispielsweise mußten 1885 die 4,7 Millionen versicherten gewerblichen Arbeitnehmer (zehn Prozent der Bevölkerung) zwei Drittel der Beiträge selber zahlen.
Das Reich hatte wieder einen "Reichsfeind" -- offiziell bis zu Bismarcks Entlassung 1890, faktisch noch lange danach --, und es hatte bald einen weiteren: die Juden.
Während der großen Depression von 1873 bis 1879 wurde der latente Antisemitismus in Deutschland zu einer politischen Bewegung. "Was sich in diesen Jahren ereignete", urteilte Historiker Paul W. Massing, "wirkt wie ein Vorspiel zu dem, was fünfzig Jahre später geschehen sollte."
In den sechs Hungerjahren erschienen im Reich Hunderte von Broschüren und Tausende von Artikeln zur "Judenfrage". Die "Kreuzzeitung", das Sprachrohr der preußischen Konservativen, polemisierte gegen eine vermeintliche "von und für Juden betriebene Politik". Das Zentralorgan des katholischen Zentrums, "Germania", forderte seine Leser auf: "Kauft nicht von Juden."
Hofprediger Adolf Stoecker ("Ein freudiges Agitieren hat begonnen") wandte sich gegen das "frivole, gottlose, wucherische, betrügerische Judentum, das in der Tat das Unglück unseres Volkes ist" (NS-Parole: "Die Juden sind unser Unglück"). Zu Silvester 1880/81 zogen Antisemiten durch die Reichshauptstadt und riefen: "Juden raus."
Der Chef der Fortschrittspartei, Eugen Richter, erklärte Anfang 1881 im Reichstag: "Die Bewegung fängt an, sich an die Rockschöße des Fürsten Bismarck zu hängen ... wie lärmende Kinder ihre Väter umdrängen." Bismarck, selber kein Antisemit, ließ die Antisemiten gewähren wegen der bevorstehenden Reichstagswahlen: "Man stößt ... die großen Volksmassen vor den Kopf", wenn die Regierung sich jetzt offen gegen den Antisemitismus stellen würde.
Sozialisten-Verfolgung, Sozialpolitik und permanente Staatsstreichdrohung (Bismarck: "Wenn ich nicht staatsstreichle, setze ich nichts durch") charakterisierten Bismarcks staatserhaltende Herrschaftstechnik. Außenpolitisch entsprachen ihr Schutzzölle und koloniale Expansion.
Den Druck im preußisch-deutschen Klassenstaat suchte der Kanzler auf die "Reichsfeinde" und über die Kolonialpolitik -- den "Sozialimperialismus" (Wehler) -- abzuleiten, zu der er sich -- wie englische, französische und amerikanische Staatsmänner auch -- wegen anhaltender Depression, vor allem aber "um der Bewahrung des sozialen und politischen Status quo willen" entschloß (Wehler).
"Hätten wir eine Kolonie, so würden wir niemals den Sozialismus gehabt haben", hieß es in der "Kölnischen Zeitung", "und bekommen wir keine Kolonie, so wird uns der Sozialismus bald als der milde Anfang der noch bevorstehenden Revolutionsgefahr erscheinen."
Weil Deutschland Sozialdemokraten hatte, wollte Bismarck nun auch eine Kolonie haben; bis dahin hatte er sie aus außenpolitischen Gründen abgelehnt. Für "uns in Deutschland", äußerte er 1871, wären Kolonien "genauso wie der seidene Zobelpelz in polnischen Adelsfamilien, die keine Hemden haben".
1879 -- die Depression hielt an ebenso wie die Angst vor dem Umsturz -- schrieb er seinem Kaiser, außenpolitische Erfolge könnten den Deutschen "leicht dasjenige, was ihn an den inneren Zuständen verdrießt", vergessen lassen.
Als 1881 zum ersten Mal in der Bismarck-Ära die Bismarck-Gegner im Reichstag -- Zentrum, Linksliberale, Sozialdemokraten, Polen -- die Mehrheit erhielten und der Verdruß offenbar wurde, beschloß Bismarck, "den Deutschen ein neues Ziel zu setzen, für das sie sich begeistern könnten".
Nun wurde "Kolonisation", so formulierte Historiker von Treitschke und so empfanden Industrielle und Kaufleute, Bürger und Abgeordnete (darunter viele Sozialdemokraten), "zur Daseinsfrage", zum "heiligen Gebot" (so Handelskammersekretär Thimotheus Fabri).
Der konservative Reichstagsabgeordnete Graf Conrad von Holstein warnte Im Hinblick auf die aktive Kolonialpolitik der Engländer und Franzosen: "Es ist der Moment, wo eine zweite Teilung der Welt erfolgt ... Lassen Sie uns nicht zu spät kommen." Der sächsische Rittergutsbesitzer Ernst von Weber forderte ein "Zukunftsgermanien" in Südafrika und ein "deutsches Südamerika", sonst trete "ein sozialer Zustand im Vaterland" ein, der "den Krieg nötig macht".
Wenngleich es den Kolonial-Propagandisten auch -- den Industriellen und Kaufleuten unter ihnen in erster Linie -- darum ging, Ventile für die wirtschaftliche Überproduktion und neue Absatzgebiete zu schaffen, so ging es besonders Bismarck vorrangig darum, die "soziale Frage nach Afrika zu exportieren und deportieren", so der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Wilhelm Liebknecht.
Genau das wollte Bismarck. "Die ganze Kolonialgeschichte ist ja Schwindel", gestand er noch 1884 -- als die Deutschen ihre Kolonien gründeten -, "aber wir brauchen sie für die Wahlen." Bismarcks Sohn Wilhelm ergänzte: "Zur Hebung der Schützenfeststimmung", und Bismarck-Sohn Herbert stellte fest: "Jetzt moussiert alles wegen Kolonialpolitik."
Heute werde schon "Reichsfeind" genannt, beschwerte sich Preußens Kronprinz, "wenn man nicht begeistert für jede Sandscholle schwärmt, auf welcher unsere Flagge gehißt ward". Die Flagge ward gehißt in Deutsch-Südwest und Deutsch-Ostafrika, in Togo und Kamerun, Neuguinea, auf dem Bismarck-Archipel und den Marshallinseln.
Der Schwindel mit der Kolonialgeschichte, den Bismarck nutzte, um inneren Druck nach außen abzuleiten, führte außen freilich zu neuem Druck -- vor allem mit der kolonialen Großmacht England --, den wiederum Bismarck bewußt in Kauf nahm. "Immer die Faust machen", interpretierte Sohn Wilhelm die Taktik des Vaters, aber "eine offene Brouille mit England vermeiden".
Der Kanzler empfahl: "Vorhaltungen der englischen Schweinereien", und die regierungsfreundliche Presse hielt sich daran und empfand: "Weitgetriebene Verachtung deutschen Wesens und deutscher Kraft", so lautete der Tenor, habe "den deutschen Michel gründlich in Harnisch gebracht".
Nun wurden, wie später im wilhelminischen Reich, über Englands "hinterhältige Scheelsucht" und die angeblichen "Auswüchse englischen Übermuts" Leitartikel geschrieben und gefordert, die "englische Alleinherrschaft zu brechen". Der deutsche Botschafter in London, Georg Herbert Münster von Derneburg, kabelte an das Auswärtige Amt: "Chauvinismus und solche Wut gegen England künstlich anzufachen, halte ich für unvernünftig und schädlich für Gegenwart und Zukunft."
Besonders schädlich wurde diese Spielart Bismarckscher Ablenkungsstrategie erst in der Zukunft, bei Wilhelm II. Als schädlich für die Gegenwart erwies sich indessen eine andere Variante Bismarckscher Herrschaftstechnik: Das innenpolitische, zur Niederhaltung der Arbeiterklasse geschlossene Bündnis zwischen "Hochofen und Rittergut" führte letztlich zum Zusammenbruch des Bündnisses zwischen Deutschen und Russen.
Seit dem Berliner Kongreß*, auf dem Bismarck ("Der ehrliche Makler") 1878 seine internationale Reputation aufbesserte, zugleich aber die Russen verärgerte, gingen, so Historiker Heinrich O. Meisner, "die Schicksalslinien der beiden Länder wie von höherer Gewalt gezeichnet unabänderlich auseinander". Tatsächlich jedoch war es nicht höhere Gewalt, sondern, so Historiker Böhme 1970, "die einander ausschließenden Interessen der russischen und deutschen Agrarier und Industriellen".
Zum Schutze der jeweils staatstragenden Säulen erhöhten beide Länder die Industriezölle, Rußland um rund 50 Prozent, Deutschland zusätzlich auch die Agrarzölle. Als dadurch der deutsche Export ins Zarenreich zwischen 1880 und 1884 rapide zurückging -- bei Eisenbahnschienen beispielsweise von 2,7 Millionen Mark auf 61 000 Mark, bei Lokomotiven von vier Millionen auf 700 000 Mark, bei Maschinen von 13 Millionen auf sieben Millionen Mark --, ging das Reich auf Kollisionskurs.
Herbert von Bismarck, nun Staatssekretär im Auswärtigen Amt, entschied: "Die bisherige russische Zollpolitik hat entmuthigend auf unsere wirtschaftlichen Kreise gewirkt. Diese Empfindung, von dem uns politisch eng befreundeten Nachbarn wirtschaftlich ausgebeutet und geschädigt zu sein ... muß Folgen haben."
* Nach diplomatischen Interventionen von England und Österreich-Ungarn mußte Rußland auf einige der nach dem russisch-türkischen Krieg beanspruchten Balkangebiete verzichten. Bismarck unterstützte zwar die russischen Forderungen, nahm aber zugleich Rücksicht auf Österreich-Ungarn.
** Geheimes, auf drei Jahre befristetes Neutralitätsabkommen, in dem das Reich Rußlands Interessen auf dem Balkan, insbesondere in Bulgarien, akzeptierte.
Die Folgen: Während deutsche und russische Diplomaten über den Abschluß eines neuen Bündnisses verhandelten (des sogenannten Rückversicherungsvertrages), befahl der deutsche Kanzler -- nach Rücksprache mit führenden Industriellen und Bankiers: "In der Sache muß entschlossen vorgegangen werden."
Die Sache selber lancierte er erst einmal in die Presse. "In vielen, vielen Blättern, auch in Form von klagenden Local-Correspondenzen aus Schlesien", sollte die russische Zollpolitik angeprangert werden, was dann auch vielfältig geschah. Die "Kölnische Zeitung" geißelte "die asiatische Rücksichtslosigkeit, welche Rußlands auswärtige Politik kennzeichnet".
Sodann instruierte AA-Unterstaatssekretär Maximilian von Berchem den deutschen Botschafter in Rußland, Lothar von Schweinitz, er solle "nicht kriechend, sondern im Holzhackerton" verhandeln und beachten, daß "unsere Rücksichtnahme auf Landwirtschaft und Industrie uns in jeder Annäherung an Rußland äußerst enge Grenzen zieht". Der AA-Staatssekretär selber schrieb -- fünf Tage vor Abschluß des Rückversicherungsvertrages vom 18. Juni 1887** -- in einem Brief an seinen Bruder Wilhelm: "Die Hinterhältigkeit, Feigheit, Verlogenheit und Betrügereien unserer östlichen Nachbarn sind selten so an den Tag gekommen wie in den vergangenen Monaten." Und er kündigte an: "Morgen mache ich Papa scharf."
Papa war schon scharf. Dem Botschafter von Schweinitz teilte er mit: "Alle diese Vorgänge müssen uns zu dem Glauben bringen, daß die russischen Rüstungen vollendet sein werden, um den Haß gegen Deutschland zu utilisieren." Daraus folgerte der Kanzler, das Reich müsse neue Verbündete gewinnen und gegen das Zarenreich aufbringen -- was nicht gelang.
Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke drängte schon darauf, Rußland anzugreifen. "Nur wenn wir frühzeitig losgehen", schrieb er, "werden uns ... günstige Chancen begleiten. Der Winter steht einem Angriffskrieg gegen Rußland ... nicht im Wege, im Gegenteil wird der Frost die Wegbarkeit des Kriegsschauplatzes erhöhen und die Möglichkeit bieten, die Stellungen der Russen zu überrunden."
So weit wollte der Kanzler allerdings nicht gehen. Eine "allgemeine Schlächterei" lehnte er ab. Aber wie Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg 1914 fügte er hinzu: Wenn sie komme, komme sie, und für diesen Fall sorgte er vor: Er verstärkte das Heer.
Die Politik der Stärke, die davon ausging, daß "Rußland vom deutschen Markt ungleich mehr abhängig ist als wir vom russischen" (so Berchem), und darauf zielte, "mittels Retorsionszöllen" Rußland zum Einlenken zu zwingen, führte vollends zum Bruch mit dem Zarenreich. Nach dem Abschluß des Rückversicherungsvertrages urteilte Herbert von Bismarck: "Der geheime Vertrag nützt wenig, weil ... trotz seines Bestehens die Feindschaft Rußlands gegen uns täglich wächst." Er hoffte nun nur noch, daß dieser Vertrag "uns die Russen bei einem Krieg mit Frankreich sechs bis acht Wochen länger vom Halse hält".
Die Feindschaft wuchs, die Hoffnung schwand -- insbesondere seit das Reich (im Frühsommer 1887) die Banken angewiesen hatte, russische Käufe in Deutschland nicht mehr zu finanzieren und russische Wertpapiere nicht mehr zu beleihen ("Lombardverbot"), wodurch die Russen sofort in Zahlungsschwierigkeiten gerieten.
Diese Maßnahme, die der russische Botschafter in Wien, Fürst Alexei Lobanow-Rostowski mit "einem Loch" verglich, "welches man ins Wasser stoße", beschleunigte die Annäherung Rußlands an
Frankreich, das sich prompt als Finanzier des Zaren erbot. "Der Fürst hat uns in die Arme Frankreichs getrieben", erklärte der russische Außenminister, Nikolaus von Giers, "besonders durch seine Finanzmaßnahmen."
"Die Zeit ist höllisch ernst geworden", notierte Unterstaatssekretär von Berchem in sein Tagebuch: "1887 geht für uns Auguren der europäischen Politik ziemlich düster unter." Und der Kanzler urteilte genauso.
Schon 27 Monate vor seiner Entlassung rechnete er mit dem "Ausbruch des Existenzkrieges". Dem preußischen Kriegsminister Paul Bronsart von Schellendorf erklärte er im Dezember 1887, "daß wir in nicht zu ferner Zeit den Krieg gegen Frankreich und Rußland gleichzeitig zu bestehen haben werden". Acht Monate vor seiner Entlassung gab Bismarck, am 26. Juni 1889, die Anweisung: "Die Vorbereitungen in Gewehr und Munition zum Abschluß bringen."
Nach Bismarcks Entlassung durch Wilhelm II. begann die "fatale Steigerung bis zum Gipfel" (Rothfels) -- von der Ebene aus, die Bismarck bereitet hatte. Sein "Sozialimperialismus" (Wehler), der das halbabsolutistische Regime im Innern konservieren sollte, wurde (aus gleichen Gründen) beibehalten, eskalierte jedoch zum National-Imperialismus -- zum "Griff nach der Weltmacht" (Historiker Fritz Fischer).
"Wir müssen begreifen", so der Soziologe Max Weber 1895, "daß die Einigung Deutschlands ein Jugendstreich war ... wenn sie der Abschluß und nicht der Ausgangspunkt einer deutschen Weltmachtspolitik sein sollte."
Die Deutschen begriffen:
1887 schrieb der deutsche Botschaftssekretär in St. Petersburg, Bernhard von Bülow: "Wir müssen evtl. dem Russen so viel Blut abzapfen, daß derselbe ... 25 Jahre außerstand ist, auf den Beinen zu stehen." AA-Staatssekretär Herbert von Bismarck kommentierte: "Das heißt ja nur Eulen nach Athen tragen."
1896 schrieb Historiker Theodor Schiemann -- vom Kaiser "andauernd in rebus politicis ... zu Rate gezogen" -: "Unfertig sind wir und hungrig, gezwungen ... uns auszubreiten und Raum zu gewinnen für uns und unsere Söhne."
1905 schrieb Wilhelm II. -- "unter dem wieder angezündeten Tannenbaum" -- an Bülow, der nun Reichskanzler geworden war: "Erst die Sozialisten abschießen, köpfen und unschädlich machen, wenn nötig per Blutbad, und dann Krieg nach außen."
Fortan wurden die Krisen numeriert: Erste Marokkokrise (1905/06), zweite Marokkokrise (1911), erste Balkankrise (1912), zweite Balkankrise (1913).
1912 erklärte Deutschlands Kanzler von Bethmann-Hollweg im Deutschen Reichstag: "In allen Schichten unseres Volkes ... steckt die Sehnsucht danach, unser Staatsleben mit großen Aufgaben zu erfüllen ... Diese Aufgaben liegen aber nicht in der Richtung einer weiteren Demokratisierung unserer Verfassung ('Oho! links -- Sehr richtig! rechts'), sie liegen in der Macht."
Die "Deutsche Arbeitgeber-Zeitung" definierte: "Nicht Klassenkämpfe, die Marx und seine Anhänger wollen, sondern Rassenkämpfe machen den wichtigen Inhalt der Geschichte aus." Und der Karlsruher Landtagsabgeordnete Edmund Rebmann freute sich schon aufs Kämpfen: "Der Teufel soll uns holen, wenn wir nicht wieder die Sprache erhalten wie 1870."
Die Deutschen fanden die Sprache wieder -- am 1. August 1914, als Neffe Moltke zugleich gegen Frankreich und Rußland marschieren ließ (wie Bismarck prophezeit hatte). Nun sollten sie erobern, was Politiker, Professoren und Publizisten, Alldeutscher Verband (35 000 Mitglieder und ungezählte Mitläufer), Flottenverein und Wehrverein propagiert hatten: ein Mitteleuropa unter deutscher Hegemonie und ein koloniales Großreich in Afrika.
Der Kaiser proklamierte jetzt zum ersten Mal: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche", und die vaterlandslosen Gesellen, die noch ein paar Jahre zuvor "geköpft" werden sollten, entdeckten jetzt das Vaterland.
Soziologe Max Weber fand: "Wollten wir diesen Krieg nicht riskieren ... dann hätten wir die Reichsgründung unterlassen können." Historiker Max Lenz dichtete 1914: "Bismarcks gewaltiger Schatten zieht mit unseren Heeren. Sein Schwert ist es, dessen Schläge draußen so furchtbar widerhallen ... als kämpfe St. Michael selbst in unseren Reihen."
Als es dann nichts mehr zu kämpfen gab, von oben ein bißchen demokratisiert, von unten ein bißchen revoltiert, von außen diktiert wurde, war "der Traum ausgeträumt", so Historiker Max Lenz, 1919: "Von der Höhe, auf der wir schon sicher zu wandeln wähnten, sind wir in die Tiefe des Abgrundes hinabgerissen worden."
Dreißig Jahre später -- die Deutschen waren wieder einmal unten -- kam Hans Rothfels die Ahnung: "Wie lange und verschlungen auch der Weg von Bismarck zu Hitler gewesen ist -- der Reichsgründer erscheint als der Verantwortliche für eine Wendung, mindestens aber für die Legitimierung einer Wendung, deren fatale Steigerung bis zum Gipfel in unseren Tagen nur allzu augenscheinlich geworden ist."

DER SPIEGEL 4/1971
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