18.01.1971

Großes Gefecht

Der Feuerbogen. Der Durchbruch (Sowjet-Union, Farbe). "Mir nach, Jungens", brüllt ein Sowjetoffizier: "Schluß mit dem Geflenne, mir nach" -- und aus den Erdlöchern und Schützengräben sprinten die Rotarmisten zum großen Gefecht. Stalinorgeln schleudern Geschoßgarben auf den Feind; Hunderte von T-34-Tanks rollen in die Schlacht bei Kursk.

Mit diesem Kriegs-Tableau beginnt der russische Regisseur Jurij Oserow das bisher längste und aufwendigste Leinwandepos über den Zweiten Weltkrieg. In der "Befreiung" rekonstruiert er in fünf abendfüllenden Historienfilmen die Sowjetoffensive vom "Feuerbogen" Kursk, wo der deutsche Vormarsch endgültig gestoppt wurde, bis zur Niederlage Nazi-Deutschlands. Zwei dieser durchaus nicht einseitig agitatorischen Kriegs-Spiele sind bereits fertig und werden nun auch, jeweils um ein gutes Drittel gekürzt, in der Bundesrepublik gezeigt.

Oserow hat seine Schlachtenszenen von Panzerattacken und Luftkämpfen zwischen Kursk und Kiew, seine Sequenzen in Kommandozentralen, Partisanenschlupfwinkeln sowie die obligatorische Liebesromanze zwischen Krankenschwester und Offizier an den Originalschauplätzen in Rußland, Jugoslawien, Italien und Polen gedreht. Historiker, Generale der Roten Armee berieten ihn dabei.

In Oserows Schlachtbeschreibung stimmt alles: die Schulterstücke und Orden, der barbarische Nahkampf, in dem mancher Soldat wahnsinnig wurde, die deftigen Bunker-Dialoge am Samowar, und selbst die rührende Anekdote vom Heerführer, den man von der Forellen-Angel weg zur Waffe ruft, wird nicht verschwiegen. Auch die deutschen Landser und Offiziere hat Oserow -- Respekt, Respekt! -- mit gebührender Hochachtung porträtiert.

Die alten Kämpfer werden es ihm danken. In diesem Film darf sich selbst der Schütze Arsch als Kriegsheld fühlen -- "Weißt du noch, Kamerad ..."


DER SPIEGEL 4/1971
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