12.12.2005

KRIMIS„Schöner Ausflug“

Darstellerin Maria Furtwängler, 39, über die Liebe im „Tatort“, die Leidenschaft für den Schauspielerberuf und neue Rollen
SPIEGEL: Frau Furtwängler, 9,3 Millionen Zuschauer im letzten "Tatort" mit einer tragisch endenden Liebesbeziehung. Brauchen Kommissarinnen Affären für den Publikumserfolg?
Furtwängler: Die Funktion einer Kommissarin ist ja eigentlich das genaue Gegenteil von dem, was in der Erotik geschieht. Bei der Ermittlung geht es um den kühlen Kopf, um genaues Analysieren. Aber Kommissarin Lindholm ist zugleich eine Frau, die Wunden hat und unsicher ist. Nach den "Tatort"-Episoden, in denen es fast nur um Ermittlungsarbeit gegangen war, hatte ich den Wunsch, der Kommissarin einen privaten Touch zu geben, mit dem sie sich weiblicher, weicher, verletzlicher zeigen kann. Für mich war das ein schöner Ausflug.
SPIEGEL: Der ist nun vorbei.
Furtwängler: Ja. Man darf das nicht überstrapazieren. Wir hatten drei Folgen mit dem Thema der Affäre verabredet. Aber Charlotte Lindholm kann sich nicht in eine Mutti verwandeln, die einfach nur knuschel-puschel ist.
SPIEGEL: Sie gelten eben bis in alle Ewigkeit als kühle Blonde.
Furtwängler: Ja, ich könnte mich auf den Kopf stellen, das Image würde ich nicht los. Aber ich glaube, dass die Wirkung des Kühlen oft etwas verbirgt, das eher warm und verletzbar ist. Genau die Spannung zwischen Kälte und Reserviertheit hat etwas Reizvolles.
SPIEGEL: Sie finden immer mehr Lust am Schauspielerberuf?
Furtwängler: Das ist ein herrliches Terrain, wo man sich ausprobieren darf, wo man mit jeder Rolle Neues dazulernt. Ich bin ja studierte Ärztin und habe diesen Beruf auch sehr gern ausgeübt. Aber beim dauernden Hin- und Herpendeln zwischen Medizin und Schauspielerei wurde mir klar, dass ich zur Multidilettantin mutieren könnte.
SPIEGEL: Was spielen Sie demnächst?
Furtwängler: Einen Zweiteiler unter dem Arbeitstitel "Die Flucht". Die Rolle der vor den Russen aus Ostpreußen fliehenden Adligen ist von der historischen Figur der Gräfin Dönhoff inspiriert.

DER SPIEGEL 50/2005
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